Gold/Silber

Warum der Goldpreis von der nächsten US-Zinssenkung massiv profitiert

Wie in der folgenden Grafik zu sehen ist, spricht gemäß einer Langfriststudie der Deutschen Bank ein Umfeld mit negativen Realzinsen für signifikant steigende Goldspreise. So ist es kein Wunder, dass der Goldpreis in den letzten 12 Monaten in Euro um 25 Prozent und in US-Dollar immerhin um 19,75 Prozent angestiegen ist.

Realzinsen vs Goldpreis in Prozent

Die Fed wird unfreiwillig zum Impulsgeber für einen weiter steigenden Goldpreis

Die Aussage des ehemaligen Chairman des US Federal Reserve Systems, Paul Volcker, nach dem Zusammenbruch des Bretton Woods Währungssystems war eindeutig: „Unser größter Fehler war es, den Goldpreis nicht manipuliert zu haben“. Später hat sein Nachfolger an der Spitze der US-Notenbank, Alan Greenspan, vor dem Committee on Banking and Financial Services im Jahr 1998 die Manipulationen der Fed am Goldmarkt im Grundsatz bestätigt: „Die Zentralbanken sind bereit, Gold in größeren Mengen zu verleihen, wenn der Preis steigen sollte.“

Spätestens seit diesen Statements ist vielen Marktteilnehmer klar, dass die US-Notenbank Gold als Währungsalternative zu ihrem Fiat-Money-Dollar sowie als Krisenbarometer für das Finanzsystem nicht sonderlich wertschätzt. Dennoch lagert die Fed mit offiziell 8.133,5 Tonnen Gold mehr als alle anderen Zentralbanken der Welt in ihren Tresoren 24 Meter unter den Straßen von Manhattan. Sie wird ihre Gründe dafür haben.

Und obwohl bekannt ist, dass die Fed of New Yor Teile ihres offiziellen Goldschatzes im Zuge der Goldleihe an die Primary Dealer (Banken, die direkt mit der Fed Geschäfte machen) und ihre Stakeholder (private Anteilseigner der Fed of New York) verliehen und diese das Gold dann zur Preisdrückung am Markt weiterverkauft haben, resümiert Alan Greenspan später: „Selbst mit einer zentralen Abwicklung oder einem zentralen Clearing würden diese (Gold)-Märkte in ihren wichtigsten Eigenschaften nicht den Terminmärkten für Agrarrohstoffe ähneln und wären daher auch nicht anfällig für Manipulationen.“

Spätestens seit dem Jahr 2010 gehören die Notenbanken weltweit zu den eifrigsten Goldkäufern und akkumulieren in Rekordhöhe die alternative Reservewährung. Zwar ist es möglich, den Goldpreis kurzfristig über den Terminmarkt zu beeinflussen, aber am Ende zählt in Zeiten „unkonventioneller“ geldpolitischer Experimente nur das physische Geldmetall und kein ungedecktes digitales Gold-Bezugsrecht für die Zukunft (Future-Kontrakt). Die Tatsache, dass ausgerechnet die Fed mit ihrer Geldpolitik in den letzten Monaten für den Anstieg beim Goldpreis mit verantwortlich ist, zeigt, dass Alan Greenspan zum einen Recht hatte und zum anderen, in welcher Zwickmühle die Hüter der offiziellen Weltleitwährung in den USA mittlerweile stecken.

Fazit und Ausblick

Die aktuelle Gemengelage spricht auf allen Ebenen für einen weiter steigenden Goldpreis in den kommenden Monaten. Einer der wichtigsten Impulse wird dabei die US-Zinspolitik sein. Noch glaubt die Mehrheit der US-Marktteilnehmer nicht an eine Fortsetzung der Ende Juli letzten Jahres begonnenen Zinssenkungsserie der US-Notenbank. Doch die Wahrscheinlichkeiten dafür haben sich zuletzt drastisch erhöht, auch wegen der sich wieder invertierenden Zinsstrukturkurve.

Da im Zuge der 2019-nCoV-Epidemie mit einer erheblichen Belastung des Wirtschaftswachstums im ersten Quartal 2020 zu rechnen ist, wird eine Zinssenkung bis spätestens Ende April wohl unvermeidbar sein. Der Goldpreis dürfte diese Entwicklung im Zuge der sich nun zu erwartenden Verschlechterung der ökonomischen Frühindikatoren im Kurs antizipieren und auf neue Allzeithöchststände in Euro und auf neue zyklische Höchststände in US-Dollar ansteigen.



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