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Die überraschenden Gründe Warum der Iran-Krieg die Ölpreise nicht mehr antreibt

Ölpreise fallen trotz Iran-Krieg
Grafik: ChatGPT

An den Märkten sorgt derzeit ein ungewöhnlicher Widerspruch für Aufmerksamkeit. Die Ölpreise fallen, obwohl die geopolitische Lage eigentlich für steigende Notierungen sprechen müsste. Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran dauert an, die Waffenruhe gilt als fragil und die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus bleibt eingeschränkt. Dennoch hat Brent-Rohöl seit seinem Zwischenhoch Mitte Mai bereits rund 17 Prozent an Wert verloren. Warum reagieren die Märkte so gelassen auf einen Konflikt, der eigentlich eine neue Versorgungskrise am Ölmarkt auslösen könnte?

Warum fallen Ölpreise trotz Iran-Krieg

Auf den ersten Blick wirkt die jüngste Entwicklung paradox. Schließlich sorgen eine fragile Waffenruhe und neue Angriffe zwischen den USA, Israel und dem Iran weiterhin für Schlagzeilen. Laut einem Bloomberg-Bericht interessieren sich die Märkte jedoch zunehmend weniger für die aktuelle Nachrichtenlage als für die Frage, ob sich die Versorgungslage künftig weiter verschlechtert. Zudem bleibt die Hoffnung auf eine Entspannung im Iran-Krieg.

Ein großer Teil des geopolitischen Risikos wurde bereits eingepreist, als die Straße von Hormus teilweise blockiert wurde und die Ölpreise zeitweise auf Niveaus stiegen, die zuletzt während der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zu sehen waren. Inzwischen scheint sich der Markt darauf einzustellen, dass die Lage zwar angespannt bleibt, aber nicht zwangsläufig weiter eskaliert.

„Wenn die Ströme durch die Meerenge wieder zunehmen, werden alle ihre Aktivitäten hochfahren. Im Moment herrscht jedoch zu viel Unsicherheit“, erklärte Kit Haines von Energy Aspects. „Niemand möchte höheren Ölpreisen hinterherlaufen und am Ende mit einer teuren August-Ladung dastehen“, erklärte Kit Haines von Energy Aspects. Gemeint sind Rohöllieferungen für die kommenden Monate, die bei einer Entspannung der Lage schnell an Wert verlieren könnten.

Vorsorgungslücke wird gefüllt

Noch wichtiger ist jedoch, dass die befürchtete Versorgungslücke bislang überraschend gut kompensiert wird. Rekordexporte aus den USA, zusätzliche Verkäufe aus Abu Dhabi und die Freigabe strategischer Ölreserven verhindern derzeit eine stärkere Verknappung am Weltmarkt.

Die Folgen zeigen sich besonders deutlich im physischen Handel. Kasachisches Rohöl wurde zuletzt mit den höchsten Abschlägen seit vier Jahren angeboten und fand dennoch keine Käufer. Auch Angolas wichtige Sorte Dalia verlor deutlich an Wert. Gleichzeitig sind die Aufschläge für mehrere wichtige Rohölsorten gegenüber ihren Referenzpreisen spürbar zurückgegangen.

Auch die Struktur am Terminmarkt deutet auf eine Entspannung hin. Die Spreads zwischen den monatlichen Brent-Kontrakten, die als wichtiger Gradmesser für Knappheit gelten, sind deutlich zurückgegangen. So notiert der zweite Brent-Monatskontrakt nur noch rund 1,60 Dollar über dem dritten, nachdem der Aufschlag Ende April noch mehr als 7 Dollar betragen hatte. Das spricht dafür, dass die Sorge vor einer akuten Versorgungsknappheit zuletzt nachgelassen hat.

Ölmarkt und Straße von Hormus: Ölpreise fallen, obwohl der Iran-Krieg anhält
Schwächere Spreads | Das Gap der Brent-Kontrakte hat sich verkleinern

China nimmt Druck vom Markt

Zusätzlichen Druck von den Ölpreisen nimmt die schwächere Nachfrage aus China. Der weltweit größte Rohölimporteur reduzierte seine Einfuhren zuletzt deutlich. Nach Daten von Kpler lagen die Importe im vergangenen Monat bei lediglich 6,7 Millionen Barrel pro Tag und damit auf dem niedrigsten Niveau seit rund zehn Jahren.

Normalerweise würden Lieferausfälle im Nahen Osten die Ölpreise deutlich stärker antreiben. Wenn gleichzeitig aber die chinesische Nachfrage nachlässt, wird ein erheblicher Teil dieses Effekts ausgeglichen. Da China der weltweit größte Rohölimporteur ist, haben Veränderungen der chinesischen Nachfrage oft unmittelbare Auswirkungen auf die Preisentwicklung am globalen Ölmarkt.

Die Ruhe könnte trügerisch sein

Trotz des jüngsten Preisrückgangs bleibt die Lage am Ölmarkt jedoch angespannt. Die weltweiten Ölbestände sinken weiterhin in hohem Tempo. Gleichzeitig tragen die hohen US-Exporte derzeit maßgeblich zur Stabilisierung des Weltmarktes bei. Die US-Rohöllager sind jedoch bereits die sechste Woche in Folge gesunken, was den Spielraum für eine dauerhafte Kompensation von Lieferausfällen verringern könnte.

Auch der Spielraum für weitere Marktinterventionen wird zunehmend kleiner. Die Strategische Ölreserve der USA (SPR) ist inzwischen auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2023 gefallen. Zudem handelt es sich bei der Freigabe von Reserven nur um einen temporären Puffer. Die abgebauten Bestände müssen früher oder später wieder aufgefüllt werden, was künftig zusätzliche Nachfrage schaffen und die Ölpreise stützen könnte.

Sollten die US-Exporte nachlassen, China wieder stärker kaufen oder die Störungen rund um Hormus zunehmen, könnte sich das Bild rasch drehen. Die Straße von Hormus bleibt dabei ein erheblicher Unsicherheitsfaktor für die globale Energieversorgung.

Der aktuelle Rückgang der Ölpreise bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass die Risiken verschwunden sind. Vielmehr könnte der Markt derzeit von einer Kombination aus hohen Exporten, schwacher chinesischer Nachfrage und dem Abbau von Lagerbeständen profitieren. Hält dieser Ausgleich nicht dauerhaft an, dürfte die Frage nach einer erneuten Aufwärtsbewegung bei den Ölpreisen schnell wieder auf die Agenda der Anleger zurückkehren.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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3 Kommentare

  1. Könnte es nicht einfach sein, dass, wenn in nächster Zeit Öl knapp werden wird, und die Preise steigen, Trump einfach seine Blockade der Straße von Hormus beenden wird und er den Iran seinen Anteil an der Schifffahrt verdienen lässt. Wir wissen alle, wie Trump an niedrigen Ölpreisen hängt.

    Am Anfang des Krieges dürfte der Iran ja auch verkaufen, obwohl die Straße von Hormus für andere Schiffe gesperrt war.

  2. Das ist jetzt aber ganz schön schöngeredet. Früher reagierte das Öl schon bei angedeuteten Förderkürzungen,die sowieso nie eingehalten wurden, jetzt gibt es einen echten Förder- und Lieferengpass der mit Verzögerung wirken sollte. Ich denke, eine gute Gelegenheit um relativ günstige Calls auf 2- 3 Monate zu kaufen.

  3. Ich denke da missverstehen Sie die Tragweite des Konfliktes. Hier geht es nicht um die Straße von Hormuz oder Israel oder die Mullahs. Hier geht es um die grundsätzliche Frage wer auf der Welt die nächsten 100 Jahre das Sagen hat der sogenannte Westen oder die sogenannten BRICS. Wenn Sie sich in Ruhe einmal alle Konflikte ansehen die es auf der Welt gibt, werden Sie feststellen, dass die allermeisten davon genau zwischen diesen beiden Kriegsgegner ausgetragen wird. Gleich ob es sich um den Iran, Afghanistan, Pakistan, Thailand und Kambodscha, Taiwan, das Südchinesische Meer, Georgien, Armenien und Berg-Karabach, die Wahlmanipulationen in Rumänien, Syrien, Gaza, Libanon, Ägypten, Äthiopien, Mali, Burkina Faso, Kuba, Venezuela und, und, und …
    Der III. Weltkrieg kommt nicht, der ist schon da! Und so wie es das letzte Mal den Kriegsparteien sch…egal war wie viele Menschen sterben, ist es auch diesmal. Ich werde nie die Worte meines Ausbilders beim Bundesheer vergessen als wir einmal auf das Thema Kriegsverbrechen und illegale Waffen kamen: „Wenn du den Krieg gewonnen hast klagt dich keiner an (Netanjahu), wenn du verloren hast, hast du ganz andere Probleme (Gaddafi).“

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