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Energiekrise Warum der Ölpreis derzeit ansteigt – mehrere Gründe

Warum der Ölpreis ansteigt? Dafür gibt es mehrere Gründe. Wichtig sind Gazproms Gas-Verknappung und eine mögliche Preisgrenze für Öl.

Öl-Pumpe

Der Ölpreis ist „mal wieder“ dabei spürbar anzusteigen. Das amerikanische WTI-Öl steigt seit gestern früh von 93,20 Dollar auf aktuell 98,43 Dollar. Das europäische Brent-Öl steigt im selben Zeitraum um gut 5 Dollar. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Ölpreis steigt – Öl als Ersatzbrennstoff rückt wieder in den Fokus

Gazprom hat gestern verkündet statt bisher 40 ab morgen nur noch 20 Prozent der möglichen Kapazität an Gas durch die Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland zu transportieren. Dies schürt die Ängste vor einer Versorgungsknappheit mit Brennstoffen in Europa. Öl kann Gas teilweise als Brennstoff ersetzen. Von daher kann die Nachfrage nach Öl weiter ansteigen als Ersatz zu Gas. Dementsprechend ist der derzeitiger Auftrieb im Ölpreis nachvollziehbar.

Angst vor Verknappung wegen Preisobergrenze?

Ein weiterer Grund für den steigenden Ölpreis ist zu finden in dem fast schon satirisch anmutenden Versuch eine Preisobergrenze für russisches Öl einführen zu wollen. Wenn der Westen Russland für sein Öl nur noch eine maximale Summe X zahlen will, wird Russland sein Öl an asiatische Abnehmer verkaufen. Diese drohende Verknappung bei Öl in Europa und Nordamerika dürfte mit dazu beitragen, dass der Ölpreis aktuell steigt. Denn der Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank verweist heute darauf, dass die Chefin der russischen Zentralbank Nabiullina angedeutet hat, dass Russland kein Öl an Länder liefern wird, die eine Obergrenze im Preis für russisches Öl einführen. Das Öl solle dann stattdessen an Länder umgeleitet werden, die mit Russland kooperieren würden. In dieser Woche ist der stellvertretende US-Finanzminister zu Gesprächen bei der EU-Kommission in Brüssel, in denen es auch um die Ausgestaltung und die Umsetzung eines möglichen Preisdeckels für russisches Öl gehen soll.

US-Dollar schwächer

Der US-Dollar ist seit Tagen dabei zu fallen. Der US-Dollar-Index (Währungskorb) notierte noch am 14. Juli bei über 108,50 Indexpunkten, heute bei 106,42. Je schwächer Dollar, desto besser für alle Rohstoffpreise, die in US-Dollar notieren, so auch für den Ölpreis.

Vorsicht vor der Rezessionsangst und der Fed-Entscheidung

So oft wie der Ölpreis in den letzten Tagen deutlich gefallen, gestiegen, gefallen und gestiegen ist, sollte dieser aktuelle Anstieg auch mit Vorsicht genossen werden. Aktuell sind die Verknappungsängste im Markt, und der Ölpreis kann steigen. Schon in Kürze kann dann wieder die Rezessionsangst dominieren, und die Preise fallen. Vor allem sollte man im Blick behalten, dass die Federal Reserve morgen Abend ihre Zinsentscheidung verkündet. Dieses Ereignis kann so ziemlich alle Assetklassen durchwirbeln, auch Öl.

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Expertenkommentar

Naeem Aslam, Chief Market Analyst beim Broker Avatrade, hat sich aktuell zum Ölmarkt geäußert. Es gebe echte Bedenken wegen der Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit in der größten Volkswirtschaft der Welt. Der Grund für den Anstieg im Ölpreis sei ein doppelter. Erstens der Rückgang des Dollar-Index und zweitens die Anzeichen eines knappen Angebots an physischem Rohöl. Auch die Erdgaspreise würden höchstwahrscheinlich volatil bleiben, und zweifellos sei der Weg des geringsten Widerstands nach oben geneigt, da Russland bereit sei das Angebot zu erhöhen.

Gestern drosselte das Land die Lieferungen über die Nord Stream 1-Pipeline nach Deutschland. Mit Beginn des Winters wird die Gasversorgung Europas das Hauptthema sein, da der Kreml laut Naeem Aslam entschlossen ist, das Spiel „Wie du mir, so ich dir“ zu spielen, d.h. da die EU Sanktionen gegen Russland verhängt hat, werde Putin die Gas-Karte nutzen, um die EU zu bestrafen. Länder wie Griechenland hätten bereits ihren Unmut über die Aufforderung der EU, ihren Gasverbrauch zu drosseln, kundgetan.

Kursverlauf im WTI-Ölpreis in den letzten 30 Tagen
Kursverlauf im WTI-Ölpreis in den letzten 30 Tagen.



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1 Kommentar

  1. Warum sollte Rosneft auch eine Preisobèrgrenze für Öl akzeptieren?

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