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Warum der Ölpreis lange tief bleibt

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Der Ölpreis ist kollabiert, und dennoch weigert sich der Platzhirsch der OPEC, Saudi-Arabien, die Produktion zu kürzen. Warum? Einerseits weil die Scheichs wissen, dass eine Kürzung wenig Sinn macht, solange sich das Angebot durch Produktionssteigerungen erhöht. Aber es gibt dafür auch historische Gründe, die noch tief im Gedächtnis der Saudis verankert sind.

Blicken wir zurück auf das Jahr 1986. Damals kam der Ölpreis stark unter Druck und fiel zwischen November 1985 und April 1986 von 31 Dollar auf knappp unter 10 Dollar. Die Saudis beschlossen, die Produktion zu kürzen – mit der Folge, dass der Ölpreis, wenngleich langsam, wieder stieg. Lange Zeit aber blieb der Preis für das schwarze Gold auf niedrigem Niveau, erst zur Jahrtausendwende wurde Öl wieder signifikant teurer:

Öl historisch
(Chart von Bloomberg.com)

Was aber wäre passiert, wenn die Saudis schon in den 80er-Jahren den Preis weiter hätten fallen lassen? Zu Beginn der 1970er-Jahre intensivierte sich die Produktion von Nordseeöl, auch als Reaktion auf die Massnahmen der OPEC (Öl-Krise). Bei einem tieferen Preis aber für Öl wären wesentlich weniger Investitionen in neue Nordseeprojekte erfolgt, sodass die Produktionskürzung durch die Saudis den Effekt hatte, die Nordseeöl-Industrie erst gross zu machen.

Ähnliches gilt für die amerikanische Shale-Industrie: zwischen 2011 und 2013, als der Ölpreis durchschnittlich bei 95 Dollar lag, erfolgten massive Investitionen in die amerikanische Shale-Industrie. Das Ergebnis ist bekannt – inzwischen produzieren die USA mehr Öl als Saudi-Arabien. Hohe Preise führen zu Investitionen in neue Projekte, sodass das Angebit erhöht wird.

Die Saudis aber haben ihre Lektion aus den 80er-Jahren gelernt: sie haben verstaanden, dass sie damals ihre Nerven verloren hatten mit dem Versuch, die Preise wieder nach oben zu hieven. Dadurch haben sie sich eine Konkurrenz herangezüchtet, die ihnen jetzt gefährlich wird: zuerst die Nordseeöl-Industrie, dann die Shale-Industrie in den USA. Das ist der Grund, warum Saudi-Arabien und die anderen arabischen OPEC-Mitglieder diesen Fehler nicht noch einmal machen wollen. Und dasbedeutet, dass der Ölpreis vermutlich auf Jahre niedrig bleiben wird.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Tony Katz

    14. Januar 2015 12:46 at 12:46

    Tja, was macht man bloß mit Peak-Oil? Erdöl, gibt es höchst wahrscheinlich SEHR viel. Ich fahre trotzdem viel lieber Elektroauto…
    Was auch für einen lange niedrigen Ölpreis spricht, daß man Russland, Iran und Venezunela damit schaden kann, insbesondere bei Russland (siehe US-Aktivitäten in Polen, Litauen, Ukraine) steckt dort eine gewisse Absicht dahinter, daß das auf Kosten der Fracking-Industrie (und relativ frischen Investoren) geht, ist nicht wirklich wichtig.

  2. Avatar

    Michael

    14. Januar 2015 16:30 at 16:30

    Käme darauf an, was man unter lange tief bleibt versteht. Die Ursache der irrsten Preisbewegungen sind fast immer die Terminmärkte bei Rohstoffen und/oder Devisen.

    Die Nachfragediskussion beim Ölpreis ist völliger Quatsch. 0,5% Überangebot führt niemals zum 60% Ölpreiscrash. Zu heutigen Preisen können ein paar wenige Multis, die Russen und die Saudis/Iran/Irak/Libyen Öl wirtschaftlich gewinnen und verkaufen. Diverse Vorkommen werden zu diesen Preisen nicht neu aufgeschlossen, womit sich bereits in wenigen Monaten das Angebot merklich verringert. Wenn die Saudis zu heutigen und noch tieferen Preisen liefern wollen / müssen ist das prima. Die Fördermengen aus kanadischen Ölsanden, Venezuela, das Nordseeöl und US-Fracking stehen nicht erst langfristig sondern noch in diesem Jahr zur Disposition.

    Die Ölpreise werden mit hoher Wahrscheinlichkeit Ende 2015 deutlich höher stehen, als zum Jahresanfang. Selbst wenn die US-Wirtschaft in eine Rezession fiele. Japan und Deutschland gehen eher in Richtung Depression, die Stärke der USA ist schwer verständlich, wenn man berücksichtigt, dass auch China zur Zeit nicht in Top-Form ist. Die bankrotten Eurostaaten im Südwesten schaden der deutschen Wirtschaft und haben im Weltwirtschaftskonzert keinerlei Bedeutung.

    Der grundsätzliche Fehler sind die zu niedrigen Zinsen. Die Zentralbanken verstehen ihr eigenes Spiel nicht mehr. Natürlich sinkt die „Inflation“ mit langanhaltenden Nullzinsen. Genau das führt auch zur Schrumpfung der Wirtschaft. Das sollte aus Japan bekannt sein. Egal, wie viele Kübel Falschgeld (Bernanke,) Abe, Draghi und andere Falschmünzer verrieseln. Im Prinzip geben sie Pleitebanken für deren Spielgeld „Zentralbankgeld“. Die Sparer werden keine Inflation, sondern Deflation produzieren und den Zentralbanken im Dienste der realistisch bankrotten Zockerbanken eher früher als später die Rote Karte zeigen.

  3. Avatar

    pedrobergerac

    15. Januar 2015 02:40 at 02:40

    Verabschieden Siesich von der Vorstellung, dass die Ölförderung NICHT gekürzt würde. Der Preis ist einfach manipuliert.

  4. Avatar

    T2014

    15. Januar 2015 08:59 at 08:59

    In arabien wird sich das bald von selbst kürzen. Da kracht es bald, sagt mein Magen.

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