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Warum der Ölpreis so dramatisch fällt: die Gründe

Der Ölpreis notiert nun so tief wie seit dem November nicht mehr – also seit dem Zeitpunkt, als die OPEC die Kürzung der Produktion beschlossen hatte. Für das Öl-Kartell dürfte das eine bittere Erfahrung sein: nach einem impulsiven, aber eben kurzfristigen Anstieg ist der Preis-Effekt der Angebots-Verknappung nun komplett verpufft. Und das hat gute Gründe..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der Ölpreis notiert nun so tief wie seit dem November nicht mehr – also seit dem Zeitpunkt, als die OPEC die Kürzung der Produktion beschlossen hatte. Für das Öl-Kartell dürfte das eine bittere Erfahrung sein: nach einem impulsiven, aber eben kurzfristigen Anstieg ist der Preis-Effekt der Angebots-Verknappung nun komplett verpufft:


(WTI, continous-Future)

Problematisch ist, dass der Abverkauf unter immens großem Volumen stattfand, und dabei die Unterstützung im Bereich der 47-Dollar-Marke (bei WTI) nachhaltig und impulsiv gebrochen wurde. Was sind die Gründe für diesen Abverkauf?

Zunächst einmal die starke Long-Positionierung des Marktes, die jedoch, wie die CFTC-Daten zeigen, zuletzt etwas zurück gefahren wurde. Gleichwohl ist der Abverkauf auch ein sich selbst verstärkender Effekt durch eine Kaskade von Stopp-Losses von Long-Positionen. Das ist die rein technische Seite der Ölpreis-Schwäche.

Mindestens ebenso wichtig ist aber die fundamentale Seite. Und hier besonders die stark steigende US-Öl-Produktion durch die amerikanischen Fracker, die dafür sorgten, dass die USA nun mit 9,3 Millionen Barrel pro Tag so viel Öl produzieren wie seit August 2015 nicht mehr. Seitdem die amerikanische Öl-Produktion im Oktober 2016 (also kurz vor der OPEC und Nicht-OPEC-Produktionskürzung) ein Tief erreicht hatte, ist die US-Produktion um 840.000 Barrel pro Tag gestiegen – und hat damit die Hälfte der Produktionskürzungen (OPEC + Nicht-OPEC, insgesamt 1,8 Millionen Barrel) ersetzt. Mithin ist damit die Kürzung verpufft – und damit hatten vor allem die Saudis nicht gerechnet, die die US-Fracker völlig unterschätzt hatten, wie zahlreiche Äusserungen aus der Vergangenheit zeigen.


Fracking-Anlage in den USA. Foto: Joshua Doubek/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Dazu kommt der Produktionsanstieg Libyens, das in der letzten Woche die Ölproduktion seines größten Öl-Feldes wieder aufgenommen hat: damit gelangen – hier divergieren die Schäzungen beträchtlich – zwischen 200.000 bis 750.000 Barrel pro Tag mehr Öl auf den Markt und mindern damit den Kürzungseffekt weiter.

Dazu kommt darüber hinaus die Entwicklung in China: seit die Fed ernst macht, die US-Zinsen anzuheben, hat die chinesische Notenbank PBOC ebenfalls die Zügel deutlich gestrafft – sie enzieht derzeit den Geldmärkten Liquidität, 2016 war es genau anders herum. Geld und Kredite werden in China teurer, das bringt die Rohstoffpreise, die durch China maßgeblich befeuert worden waren, generell unter Druck. Mithin ist also indirekt, vor allem durch die Reaktion der Chinesen, auch die hawkishere Zinspolitik der Fed ein wichtiger Faktor.

Besonders in den USA sind die Lager zum Bersten voll, gleichzeitig steigt die Produktion rasant und kontinuierlich weiter an – eine ungünstige Mischung. Dazu laviert die OPEC vor dem wichtigen Treffen am 25.Mai ohne konkrete Aussage herum, besonders die Russen: man wisse noch nicht, ob man für die Verlängerung der Kürzungen stimmen werde, mal hü, mal hott. Dazu dann noch die kürzliche Aussage eines saudischen Prinzen, der das obere Preisband für den Ölpreis bei 55 Dollar sieht – die Märkte hatten das so interpretiert, als würden die Saudis nicht mehr alles tun, um den Ölpreis nach oben zu bekommen.

Solange die OPEC nicht klar kommuniziert, dass die Produktionskürzung fortgesetzt wird, dürfte der Ölpreis Schwierigkeiten haben, den zentralen Bereich bei 47 Dollar (bei WTI) wieder zu überschreiten. Gleichwohl ist der Markt überverkauft, eine technische Gegenreaktion daher nicht gerade unwahrscheinlich – die nächste OPEC-Headline, die den Preis kurzfristig wieder nach oben treibt, ist fast so sicher wie das Amen in der Kirche!

Das ändert aber rein gar nichts an der grundsätzlichen Problematik: steigende Öl-Produktion vor allem der USA, und ein immer größeres Fragezeichen, ob die Öl-Nachfrage wirklich steigt..

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    lelemud

    5. Mai 2017 11:14 at 11:14

    Das Problem sind und bleiben die Amerikaner egal was die machen ist sch…e

  2. Avatar

    cyberworky

    5. Mai 2017 12:06 at 12:06

    Wo rüber reden die? Was kann die OPEC tun?

    Jährlich werden ca. 29.000 Mio (80 Mio/ täglich) Barrel gefördert.

    An der Börse werden täglich ca. 1.200.000 Mio Barrel Crude auf Papier gehandelt.
    (1.200.000 Kontrakte a 1.000 Barrel)
    Quelle: http://www.cmegroup.com/trading/energy/crude-oil/light-sweet-crude_quotes_volume_voi.html

  3. Avatar

    Hans Kolpak

    5. Mai 2017 12:56 at 12:56

    Warum vermisse ich das Märchen über die zur Neige gehenden Erdölvorräte?

    Es gibt genug Kohle, Gas und Erdöl – einfach genug. Punkt.
    http://www.dzig.de/Es-gibt-genug-Kohle-Gas-und-Erdoel-einfach-genug-Punkt

    Rund um die Erde gibt es unterschiedlich warme Ausgasungen, Schlammvulkane oder Lavavulkane – auch am Südpol und am Nordpol. Natürlich passt dies vielen Menschen nicht ins Weltbild, weil sie dann erklären müssten, warum dies auf den anderen Planeten und Monden im Sonnensystem völlig normal ist. Also werden alle diese Normalitäten unter den Teppich des „Unerklärbaren“ geschoben und verschwiegen.

    Niemand zieht die Methanleugner wegen Volksverhetzung zur Rechenschaft. Der Holocaust durch zahllose Naturkatastrophen, bei denen Menschen einfach verbrannt sind oder vergast wurden, wird hartnäckig geleugnet.

    Methan und Erdöl gehen Hand in Hand. Sie sind gewissermaßen unzertrennlich.

    Man lese einfach das Buch des Astrophysikers Thomas Gold „Biosphäre der heißen Tiefe“.

  4. Avatar

    Habanero

    5. Mai 2017 20:14 at 20:14

    Na mal sehen was passiert,denn auch die Kreuzfahrtindustrie braucht Öl, viel Öl,

    der Markt wird wachsen – Siehe hier: http://www.kreuzfahrtschnaeppchen.com

    Bin mal gespannt wie es mit den Preisen weiter geht.

  5. Avatar

    Michael

    5. Mai 2017 20:47 at 20:47

    Ich bin mir nicht sicher, aber fahren die nicht mit Schweröl?
    Schweröl, auch Bunkeröl genannt, ist ein Abfallprodukt in der Erdölverarbeitung, ohne Schifffahrt müsste das Zeug teuer entsorgt werden.

    • Avatar

      Marko

      5. Mai 2017 23:50 at 23:50

      Die fahren mit Schweröl (Umweltverpester hoch 10) , aber : nur da , wo sie dürfen.

      Alternativen sind sogenannte Scrubber (Katalysatoren), „Marinediesel“, also sauberers Diesel oder LPG-Schiffe.

    • Avatar

      Ralf

      6. Mai 2017 09:02 at 09:02

      „Schweröl, auch Bunkeröl genannt, ist ein Abfallprodukt in der Erdölverarbeitung, ohne Schifffahrt müsste das Zeug teuer entsorgt werden.“

      Aua ! Woher stammt denn diese Weisheit ? Es mag ja richtig sein , das mit schwarzen Produkten weniger Geld verdient wird , als mit weissen Produkten , aber „teuer entsorgt“ ist leicht daneben . Alle Inhaltsstoffe im Rohöl können heute technisch weiterveredelt werden , aber das kostet eben Geld , UND : das Mehr an hergestellten Produkten muß auch auf dem Markt untergebracht werden können . Da ist dann der Verkauf als Schweröl die bessere Variante .

  6. Avatar

    Marko

    5. Mai 2017 23:46 at 23:46

    Warum der Aktienmarkt so dramitisch steigt : die Gründe

    Die Bären.

  7. Avatar

    fishman

    11. Mai 2017 15:39 at 15:39

    Auch eine Folge der mutwilligen Zerstörung der Ordnung im Nahen Osten und des Russlandbasching. Jeder catcht wieder für sich und common Market Strategien werden schwieriger durchzusetzten, Als nächstes stoppen die Ammis wieder die Produktion wegen nicht mehr kostendeckend. Und so scheint es erst mal weiter zu gehen. Von dem Zeug gibt´s genug, bis zur Selbstvergasung, nur die Kosten der Förderung sind unterschiedlich, Wenn´s keine Regelung des Marktes mit freiwilliger Selbstbeschränkung gibt, werden wir den klassischen Schweinezyklus erleben.

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