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Warum der Ölpreis steigt – Trump und OPEC eine Bullenfalle?

Beispielbild einer Öl-Pumpe

Als der WTI-Ölpreis gestern noch unter 12 Dollar notierte, kam Donald Trump mit einem Tweet auf die Bühne. Er drohte damit iranische Schiffe zu zerstören, die US-Schiffe belästigen würden. Tja, was für eine geopolitische Sensation, diese Aussage! (Satire). Aber sie reichte aus um den Ölpreis schnell steigen zu lassen auf sage und schreibe 16 Dollar. Vor ein paar Wochen wäre das noch eine Sensation gewesen. Aber nach den gigantischen Kursverlusten der letzten Wochen im Öl sind 4 Dollar ja gar nichts mehr.

Auch die OPEC sorgt für Hoffnung im Ölpreis

Dieser Trump-Push im Ölpreis sorgte wohl dafür, dass viele Shorties ihre Positionen eindecken mussten, was den Ölpreis nur noch weiter nach oben pushte. Wichtig bei sowas ist immer die Bewegung über Nacht. Daran erkennt man oft, ob so ein Move sich auch halten kann. Und in diesem Fall war es so. WTI konnte sich über Nacht auf Niveaus um die 15 Dollar halten, und erreicht aktuell mit 17,43 Dollar höhere Kursniveaus als gestern. Und dann die OPEC. Gestern hatten wir das Thema schon angerissen, heute wird es bedeutender. Die Hoffnung ist da, dass die OPEC demnächst eine weitere Fördermengenkürung durchführen könnte, um den Ölpreis weiter hoch zu pushen. Diese Hoffnung wird aktuell sogar von CNBC thematisiert. Denn die letzte Kürzung von 9,7 Mio Barrels pro Tag (eine echte Leistung für die OPEC) war am Markt verpufft, und der Ölpreis krachte brutal in den Keller. Also, Trumps Iran-Drohung und die OPEC-Hoffnung treiben den Ölpreis derzeit ein wenig nach oben. Sicher wird auch eine technische Erholung der Grund für den steigenden Markt sein. Und die Lagerbestände für Öl? Die waren erst gestern in den USA weiter dramatisch angestiegen mit +15 Millionen Barrels. Sie steigen nun 13 Wochen am Stück. Dies spricht eher für fallende Kurse!

Eine Falle für die Öl-Bullen?

Ist dieser aktuelle Anstieg im Ölpreis basierend auf diesen beiden Gründen eine Falle für die Öl-Bullen? Gut denkbar, denn Geopolitik im Nahen Osten hat die Angewohnheit den Ölpreis nie all zu lange zu beeinflussen. Gerade solche Drohungen, wenn sie nicht zu konkreten kriegerischen Handlungen führen, geraten schnell in Vergessenheit. Und die OPEC-Hoffnung… es ist völlig unklar, ob die OPEC erneut kürzen wird. Auch das Thema könnte wieder einschlafen. Beachtenswert ist auch für die Bullen, dass der nun aktuelle Terminkontrakt mit Laufzeit Juni mit Vorsicht zu genießen ist. Nachdem der ausgelaufene Mai-Kontrakt total kollabierte, scheint derzeit schon eine Flucht der Trader von Juni auf Juli einzusetzen.

Einige Stimmen am Markt sagen (um es mal sinngemäß zusammenzufassen), dass das totale Überangebot an Öl noch wochenlang anhalten werde, und daher auch der Juni-Kontrakt mit Ablaufdatum 19. Mai katastrophal abstürzen könne wie schon der Mai-Kontrakt. Also, ist dieser aktuelle Anstieg im Juni-Ölpreis eine Bullenfalle? Der Analyst John Kemp spricht aktuell (interessante Grafik) davon, dass Trader auch schon auf spätere Laufzeiten wechseln, da sie Bedenken hinsichtlich des Liefer- und Abrechnungsprozesses hätten. Ein Blick auf die aktuellen Daten der Terminbörse CME zeigt, dass die Anzahl der offenen Juni-Kontrakte derzeit bei 382.084 Kontrakten liegt, ein Rückgang von fast 78.000. Im Juli liegt die Zahl mit 377.244 nur etwas darunter, hier mit einem Rückgang von 18.000 Kontrakten.

August hat mit 156.000 schon ein hohes Volumen offener Kontrakte, so auch September mit 180.000. Aber noch ist das Handelsvolumen im Front-Monat Juni mit 362.719 höher als Juli mit 110.976. Der anerkannte Fondsmanager Kyle Bass warnt aktuell übrigens davor (wichtig!), dass viel verschifftes Öl aus dem Nahen Osten (Fahrt dauert ja mehrere Wochen) demnächst erst noch in den USA ankommen werde, und dort die dramatische Lage der vollen Lagertanks für Öl noch verschärfen wird. Kann auch der Juni-Ölpreis wie der Mai-Kontrakt noch weiter zusammenkrachen? Augen auf!

Ölpreis im Verlauf der letzten Tage
WTI-Ölpreis seit Ende letzter Woche. Gut sichtbar ist hier der Absturz im Mai-Kontrakt und der Anstieg wegen dem Wechsel in den Juni-Kontrakt. Hier wurden im Chart die beiden Monate sozusagen zusammengeklebt.



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