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Warum der Ölpreis trotz mehr OPEC-Fördermenge sogar ansteigt

Öl-Bohranlage

Der Ölpreis ist im Aufwind. Vergleicht man den WTI-Ölpreis von gestern Mittag 13 Uhr mit dem aktuellen Kursniveau, dann sehen wir einen Anstieg von 66 Dollar auf 68,47 Dollar. Dabei hätte es eigentlich ganz anders laufen sollen? Hier ein Rückblick auf die gestrige OPEC-Entscheidung und der Grund, warum der Ölpreis aktuell dennoch steigt.

OPEC-Entscheidung ließ Ölpreis zunächst fallen – dann der Dreh ins Plus

Die OPEC und ihre Partner (Gesamtgruppe OPEC+) entschieden zur Verwunderung aller Beobachter, dass man im Januar die Öl-Fördermenge wie in den Vormonaten um 400.000 Barrels pro Tag anheben wird. Und das, obwohl die OPEC schon vorher einen Angebotsüberhang für Anfang 2022 erwartete. Hinzu kommt die Unsicherheit über eine möglicherweise einbrechende Nachfrage nach Öl wegen der aufkommenden Omikron-Variante des Coronavirus. Der Ölpreis sackte zunächst verständlicherweise ab bei der Nachricht von noch mehr OPEC-Öl.

Aber dann folgte die Erholung im Ölpreis, als das offizielle Statement der OPEC veröffentlicht wurde. Man musste schon genau lesen, was da abgedruckt wurde. Das OPEC-Meeting werde fortgesetzt – also quasi ein tage- oder wochenlanges Dauer-Meeting – natürlich sitzen die Teilnehmer jetzt nicht wochenlang im Konferenzraum. Aber man schreibt, dass man sofort reagieren könne, wenn sich die Lage ändert. Damit macht die OPEC klar: Stellt sich Omikron in den nächsten Tagen doch als ernsthafte Beeinträchtigung für die weltweite Öl-Nachfrage heraus, könnte man sofort außerplanmäßig die Öl-Fördermenge senken.

Dieser klare Hinweis der Förderländer gibt den Bullen Hoffnung, und der WTI-Ölpreis steigt seit gestern Nachmittag vom Tiefpunkt sogar satte 6 Dollar an. Mit dieser Aussicht auf eine jederzeit mögliche Anpassung der OPEC können die Öl-Bullen sich erst einmal beruhigt zurücklehnen. Einen zu großen Angebotsüberhang wird die OPEC wohl nicht zulassen. Denn einen zu weit fallenden Ölpreis möchten die Förderländer verständlicherweise nicht sehen.

Analystenmeinungen

Jeffrey Halley, leitender Marktanalyst Asien-Pazifik beim Broker OANDA, sagt in seinem heutigen Marktkommentar, dass er es wage zu behaupten, dass die Tiefststände dieser Woche im Ölpreis (Brent und WTI) wahrscheinlich auch die mittelfristigen Tiefststände darstellen – sofern es nicht zu einer größeren Eskalation kommt. Er verweist auch auf die Aussage der OPEC, dass sie sich das Recht vorbehalte eine sofortige Sitzung einzuberufen und ihre Meinung zu ändern, falls Omikron die Ölpreise weiter nach unten treibt. Das habe es gefährlich gemacht, bei diesen Niveaus Leerverkäufe zu tätigen.

Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst beim Broker Swissquote, geht heute ebenfalls auf die Fördermengenausweitung der OPEC ein. Die OPEC könne diese Entscheidung jedoch jederzeit revidieren, wenn sich Omikron zu einer ernsthaften Bedrohung für die weltweite Ölnachfrage entwickelt. Der Ölpreis erholte sich. Der nächste wichtige Test für die kurzfristige Richtung werde die 70-71 Dollar-Marke sein, wo sich der 200-DMA und das wichtige 38,2%-Fibonacci-Retracement befinden, die zwischen dem aktuellen Negativtrend und einer kurzfristigen zinsbullischen Umkehr unterscheiden sollten.

Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit Anfang der Woche Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit Anfang der Woche.



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