Der US-Leitindex S&P 500 zeigt im Kontext des Nahostkriegs ein auffälliges Wochenmuster, bei dem Gewinne zu Wochenbeginn regelmäßig in deutliche Verluste zum Wochenende übergehen. Seit fünf Wochen belastet der Iran-Konflikt den Aktienmarkt und sorgt für wiederkehrende Unsicherheit. Besonders im Fokus stehen Aussagen und Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump, die die Marktstimmung kurzfristig stark beeinflussen. Die Folge: Anleger bleiben nervös, was den Druck auf die Kurse zum Ende der Woche verstärkt.
S&P 500: Kursverluste zum Wochenende
Fünf Wochen nach Beginn des Kriegs im Nahen Osten, der Schockwellen durch die Weltwirtschaft sendet, hat sich am US-Aktienmarkt ein klar erkennbares Muster etabliert. Die Woche beginnt meist mit einer starken Entwicklung, geht zur Wochenmitte in eine Seitwärtsbewegung über und endet dann – nahezu regelhaft an Donnerstag und Freitag – mit deutlichen Kursverlusten.
Eine ähnliche Dynamik zeigt sich, in unterschiedlicher Ausprägung, auch bei europäischen und Schwellenländer-Aktien sowie teilweise bei US-Staatsanleihen. Besonders ausgeprägt ist dieses Muster jedoch im S&P 500 Index. Seit Beginn des Iran-Kriegs verzeichnete der Index in den ersten drei Handelstagen der Woche kumulierte Gewinne, verlor jedoch insgesamt rund 9 % an den darauffolgenden Donnerstagen und Freitagen.

Wochenenden als Risikofaktor
Die Erklärung dafür ist laut Experten vergleichsweise einfach. Das Wochenende stellt eine Phase von zwei Tagen dar – beziehungsweise drei Tage an verlängerten Feiertagswochenenden –, in der kein Handel möglich ist. Gleichzeitig kann sich in einem geopolitischen Konflikt innerhalb kurzer Zeit viel verändern, was zusätzliche Belastungen für die Weltwirtschaft bedeuten kann. Besonders vor dem Hintergrund, dass Präsident Donald Trump dazu neigt, wichtige Entscheidungen außerhalb der Handelszeiten zu treffen, reduzieren viele Investoren ihre Positionen gezielt zum Ende der Woche.
„In eine Handelsunterbrechung mit unkalkulierbaren Risiken zu gehen, ist ein unangenehmes Szenario“, erklärt Joe Gilbert, Portfoliomanager bei Integrity Asset Management. „Es ist inzwischen einfacher geworden, Risiken vor dem Wochenende zu reduzieren, als Positionen zu halten.“
Die optimistische Stimmung zu Beginn dieser Woche war besonders ausgeprägt. Der S&P 500 stieg um mehr als 3 %, getragen von der Hoffnung, dass Trump bestrebt sei, die USA aus dem von ihm ausgelösten Konflikt herauszuführen. Ein starker Treiber der Erholungsrally war jedoch ein massiver Short Squeeze, da Anleger ihre bärischen Positionen aufgaben.
Doch bereits am Mittwochabend kippte diese Stimmung abrupt. In einer Fernsehansprache kündigte Trump an, die Angriffe auf den Iran in den kommenden Wochen fortzusetzen und das Land „in die Steinzeit zurückzubomben, wo es hingehört“. Daraufhin gaben die S&P 500 Futures um mehr als 1 % nach, während die Ölpreise deutlich anzogen – ein klares Signal dafür, dass auch diesmal zum Ende der Woche wieder fallende Kurse am Aktienmarkt drohen.
Stimmung kippt im Wochenverlauf
Laut Steve Sosnick, Chefstratege bei Interactive Brokers, weicht der Optimismus zu Wochenbeginn im Verlauf der Tage zunehmend einer risikoscheuen Haltung „je weiter die Woche voranschreitet“.
Trumps Ansprache folgt dabei einem wiederkehrenden Muster seit Beginn der gemeinsamen Bombardierungen durch die USA und Israel. Seine Rhetorik schwankt zwischen der Aussicht auf einen baldigen Sieg und Drohungen einer massiven Eskalation gegenüber dem Iran.
Bereits zuvor hatte er ähnliche Formulierungen verwendet und erklärt, er werde den Iran „vollständig vernichten“, solange die Straße von Hormus – eine zentrale Transportroute für Ölexporte aus dem Nahen Osten – nicht wieder geöffnet werde. Vertreter des Iran wiesen diese Drohungen zurück und bezeichneten sie als „absurde Inszenierungen“, von denen sie sich nicht einschüchtern lassen würden.
Angesichts weiterhin hoher Ölpreise und fehlender Anzeichen für eine baldige Waffenruhe zeigt sich Sosnick skeptisch, ob die Kursgewinne beim S&P 500 dieser Woche nachhaltiger sind als in den Vorwochen. „Ich denke, der Abwärtstrend setzt sich fort“, so seine Einschätzung, „bis eine überprüfbare Rückkehr zu einer Art Normalität erkennbar ist.“
FMW/Bloomberg
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