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Europa

Warum Deutschland trotz Industrie-Rezession weltweit größten Leistungsbilanzüberschuss schafft

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Deutschland hat auch 2019 mit Abstand den weltweit größten Leistungsbilanzüberschuss produziert. Und das, obwohl hierzulande die Industrie deftig in der Rezession steckt? Wie soll das nur funktionieren? Erst mal zu den Zahlen. Das ifo-Institut hat heute veröffentlicht (hier auf sechs Seiten die Details), dass Deutschland im letzten Jahr einen Leistungsbilanzüberschuss (Exportüberschüsse, Gewinne aus Kapitalanlagen im Ausland etc) von 262 Milliarden Euro erwirtschaftet hat, was 7,6 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung entspricht. 2018 waren es noch 7,3 Prozent. Damit sei man mit Abstand die Nummer 1 vor Japan mit 194 Milliarden Dollar (China Nr 3 mit +183). Aber wie kann das sein? Autos und Maschinenbau stehen wirklich schlecht da, und das schon seit einigen Monaten. Wie kann das sein? Dazu liefert ifo aufschlussreiche Erläuterungen. Zitat:

Die Rezession in der deutschen Industrie dürfte ein wichtiger Faktor sein, denn dadurch sind die Importe von Waren langsamer gestiegen. Aber auch die Primäreinkommen, hinter denen vor allem die Erträge aus im Ausland angelegtem Vermögen stehen, legten im Jahr 2019 weiter zu. Die durch Primäreinkommen erzielten Überschüsse machen inzwischen 37 Prozent des Leistungsbilanzüberschusses aus. So werden hohe Netto-Einnahmen aus ausländischen Direktinvestitionen und Wertpapieranlagen erzielt. Dabei ist sich die Wissenschaft noch uneinig, wie rentabel die deutschen Investitionen im Ausland angelegt sind.

Da die üblichen Verdächtigen wie Deutschland und Japan fette Überschüsse anhäufen, muss irgendwer im Umkehrschluss auch fette Defizite produzieren. Logisch, irgendwoher muss es ja kommen. Dazu ifo im Wortlaut:

Dagegen dürften die USA weltweit wieder das größte Leistungsbilanz-Defizit verzeichnen mit etwa 490 Milliarden US-Dollar, was aber nur 2,3 Prozent seiner Jahreswirtschaftsleistung entspricht. Dahinter folgen das Vereinigte Königreich mit einem Defizit von 117 Milliarden US-Dollar (4,2 Prozent) und Brasilien mit 51 Milliarden US-Dollar (2,9 Prozent).

Hier weitere Detailaussagen vom ifo-Institut zum deutschen Überschuss-Wunder:

Kräftigere Exporte in die USA aufgrund der vorangeschrittenen Euro-Abwertung gegenüber dem US-Dollar sowie ausgeweitete Ausfuhren in das Vereinigte Königreich, wo sich die Nachfrage wieder etwas erholte, ließen die deutschen Gesamtausfuhren
in der zweiten Jahreshälfte wieder kräftig steigen. Dagegen expandierten die Einfuhren im Sommerhalbjahr 2019 sehr schwach, die an­haltende Industrierezession in Deutschland hat die Einfuhren von Vorleistungsgütern stark gebremst. Erst im Schlussquartal dürften sich die Importe – gestützt durch die Ausweitung der Einfuhren von deutschen Pkw, die inzwischen verstärkt in anderen EU-Staaten produziert werden – wieder etwas dynamischer entwickelt haben.

Aber auch die Primäreinkommen, hinter denen vor allem die Erträge aus im Ausland angelegten Vermögen stehen, legten im Jahr 2019 weiter zu. Die durch Primäreinkommen erzielten Überschüsse machen inzwischen 37% des Leistungsbilanzüberschusses aus. Deutschland hat inzwischen ein sehr hohes Nettoauslandsvermögen, das sich durch die Leistungsbilanzüberschüsse der vergangenen Jahre erklärt. So werden hohe Nettoeinnahmen aus ausländischen Direktinvestitionen und Wertpapieranlagen erzielt.

Leistungsbilanzüberschuss laut ifo

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone: Deflation im Westen – Inflation nur in Osteuropa

Redaktion

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am

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Soeben wurden für die Eurozone für den Monat September die Verbraucherpreise veröffentlicht (2.Veröffentlichung). Sie gehen im Jahresvergleich um -0,3 Prozent zurück, nach -0,2 Prozent im August und +0,4 Prozent im Juli. Auffallend: Inflation gibt es nur im Osten, während der Westen eher unter Deflation leidet.
Zum Vormonat steigen die Verbraucherpeise um +0,2%, ebenso in der Kernrate (ohme Nahrung und Energie) um +0,2%.

Dazu schreibt Eurostat, das die Daten erhebt:

Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im September 2020 bei -0,3%, gegenüber -0,2% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 0,8% betragen. Die jährliche Inflationsrate in der Europäischen Union lag im September 2020 bei 0,3%, gegenüber 0,4% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 1,2% betragen. .
Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Griechenland (-2,3%), Zypern (-1,9%) und Estland (-1,3%) gemessen.
Die höchsten jährlichen Raten wurden in Polen (3,8%), Ungarn (3,4%) und Tschechien (3,3%) gemessen.

Die Verbraucherpreise in den jeweiligen Ländern

 

Gegenüber August ging die jährliche Inflationsrate in dreizehn Mitgliedstaaten zurück, blieb in sieben unverändert und stieg in sieben an.
Im September kam der höchste Beitrag zur jährlichen Inflation im Euroraum von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (+0,34 Prozentpunkte, Pp.), gefolgt von Dienstleistungen (+0,24 Pp.), Industriegütern ohne Energie (-0,08 Pp.) sowie Energie (-0,81 Pp.).

Die Verbraucherpreise in der EU und der Eurozone

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Europa

Aktuell: ZEW-Index schwach – neuer Realismus?

Markus Fugmann

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Jeden Monat wird der ZEW-Index vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhoben. Der Index gilt daher als ein wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die gerade veröffentlichten Daten sind wie folgt ausgefallen:

Der ZEW-Index (Konjunkturerwartungen Oktober) ist mit +56,0 Punkten deutlich schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war +73,0; Vormonat war +71,5).

Die Einschätzung der aktuellen Lage liegt bei -59,5 (Prognose war -60,0; Vormonat war -66,2) – damit sehen wir erneut eine starke Divergenz zwischen Erwartung und der Einschätzung der aktuellen Lage, wobei die aktuelle Lage nun jedoch skeptischer gesehen wird.

Dazu das ZEW: Erwartungen gehen erheblich zurück, große Unsicherheit wegen steigender Corona-Zahlen, dazu Unsicherheit vor US-Wahl..

Der ZEW-Index ist nach dem ifo Index der wichtigste Indikator für die deutsche Wirtschaft

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Devisen

Industrieproduktion in Italien: Ist das die große Wende für Europa? Euro steigt

Claudio Kummerfeld

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Italien-Flagge

Offizielle Daten zur Industrieproduktion in Italien für August wurden heute veröffentlicht. Und siehe da, was für eine Überraschung. Das übelst gebeutelte Italien feiert (zumindest gemäß dieser Daten) ein Comeback. Die Industrieproduktion steigt im Vergleich zu Juli um satte 7,7 Prozent, während ein Plus von lediglich 1 Prozent erwartet wurde. Im Durchschnitt der letzten drei Monate steigt sie im Vergleich zum Durchschnitt der vorigen drei Monate um 34,6 Prozent. Aber noch deutlich wichtiger ist, dass sie im Jahresvergleich zu August 2019 nur noch um 0,3 Prozent gesunken ist. Damit kann man sagen, dass die Industrie in Italien das Corona-Tal verlassen hat.


source: tradingeconomics.com


source: tradingeconomics.com

Gleich nach Veröffentlichung der Zahlen zur Industrieproduktion in Italien machte der Euro gegen den US-Dollar einen Sprung nach oben, von 1,1775 auf 1,1801. Das ist zwar nicht viel, aber bei der minimalen Volatilität der letzten zwei Handelstage war der Ausreißer nach oben direkt ab 10 Uhr heute Vormittag klar erkennbar. Der Devisenmarkt zeigt sich freudig überrascht von den Italien-Daten. Der kleine Euro-Anstieg ist derzeit auch ein Grund dafür, dass der US-Dollar heute insgesamt weiter fällt, was man in Form des US-Dollar-Index gut erkennen kann. Er ist ein Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen, wo der Euro das Hauptgewicht darstellt.

Frage: Wenn schon Italien mit seiner Industrieproduktion glänzen kann, schafft es dann ganz Europa in diesem Herbst wirtschaftlich wieder nach oben? Man weiß es immer erst hinterher.

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