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Warum die BioNTech-Aktie so kräftig abstürzt – Erfolg schadet

Corona-Impfstoff Comirnaty von BioNTech und Pfizer

Die BioNTech-Aktie ist in den letzten Wochen massiv eingebrochen. An dem großen Abwärtsmove gibt es nichts mehr zu beschönigen. Im Chart, der genau ein Jahr zurückreicht, sehen wir die Hochs im August und November 2021 bei 370 und 325 Euro. Seit dem letzten November-Hoch ist die Aktie um 59 Prozent gefallen auf heute 131 Euro. Dass die BioNTech-Aktie seit November fast pausenlos verliert, ist gut zu erklären mit den großen Impf-Fortschritten, und vor allem der dominierenden Omikron-Variante, die sich als relativ harmlos erwiesen hat im Vergleich zur Delta-Variante. Wer geimpft ist, hat gegen Omikron eine ziemlich gute Abwehr, um es vereinfacht auszudrücken.

Die Performance der BioNTech-Aktie wird vom Erfolg der Impfstoffe aufgefressen

Wenn ein normaler Industriekonzern erfolgreich ist, werden seine Produkte immer wieder gekauft, und langfristig kann man gute Umsätze erwarten. Ist aber ein Impfstoffhersteller wie BioNTech, der bisher nur dieses EINE Produkt als Umsatzbringer hat, mit seinem Corona-Impfstoff so erfolgreich, dass die Corona-Pandemie (auch dank der Konkurrenz-Impfstoffe) bald (relativ!) gut unter Kontrolle ist, wird man Erfolg darin gehabt haben seine eigenen Umsatzaussichten zu schmälern.

Je besser der Impfstoff von BioNTech wirkt, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass noch weitere große Corona-Wellen folgen, bei denen modifizierte Impfstoffe entwickelt und dann in Massen verkauft werden können. Das ist nun mal das Schicksal so eines Unternehmenserfolgs in diesem speziellen Segment. Und dieses möglicherweise anstehende Pandemie-Ende und damit ein mögliches Ende der Milliarden-Umsätze preist die Börse im Aktienkurs ein. Vor genau vier Wochen berichteten wir bereits von den massiven Kursverlusten mehrerer Impfstoffhersteller, die alle unter dem möglichen Ende der Pandemie leiden. Da notierte die Aktie noch bei 139 Euro. Der Chart zeigt es: Obwohl die Aktie am 24. Januar bereits mit 122 Euro tiefer notierte, zeigt der Trend doch gen Süden. Was für die Menschen gut ist, ist schlecht für die BioNTech-Aktie. Überall (nur nicht in Deutschland?) sieht man deutliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen, oft sogar das komplette Aufheben jeglicher Restriktionen.

Was spricht für BioNTech?

Gibt es auch aufmunternde Faktoren für die BioNTech-Aktie? Ende März wird das Unternehmen seine Jahres- und Quartalszahlen veröffentlichen. Dann gibt es womöglich auch Aussagen über die Umsatzerwartungen für die nächsten Monate. Aber natürlich hat auch BioNTech keine Glaskugel, wie sich die Pandemie entwickeln wird, und ob es zum Beispiel im nächsten Herbst eine neue Corona-Welle oder auch Variante geben wird. Erst letzte Woche Mittwoch meldete BioNTech die Vorstellung von mobilen Impfstoffproduktionsanlagen in Modularbauweise für Afrika. Dabei ging es nicht nur um Produktionskapazitäten für den Kampf gegen Corona, sondern um schlüsselfertige „mRNA-Produktionsanlagen“. Denn das Unternehmen investiert derzeit massiv in die Diversifizierung – in dem Wissen, dass man nicht noch jahrelang wird Milliardengewinne erzielen können mit dem Corona-Impfstoff?

BioNTech forscht auch massiv in den Bereichen Krebs, Malaria und Tuberkulose. Erzielt man in den nächsten Jahren hier Erfolge, und hat dann auch Produktionskapazitäten vor Ort (zum Beispiel in Afrika),  könnte die BioNTech-Aktie auf lange Sicht womöglich der Knaller werden. Aber kurzfristig scheint die Luft aus der Wachstumsstory einfach raus zu sein, wegen der sich abflauenden Corona-Pandemie. Deutschland ist da ein gutes Beispiel für den wohl schrumpfenden Produktabsatz. Laut Daten des Robert Koch-Instituts gab es letzten Freitag in Deutschland insgesamt (Erst, Zweit und Dritt-Impfung) 163.513 Corona-Impfungen. Vor genau vier Wochen gab es (ebenfalls ein Freitag) 676.240 Impfungen. Man kann sich die Zahlen per Excel-Tabelle Tag für Tag anschauen. Vor allem im Februar sind die Zahlen deutlich rückläufig. Wo soll da auf kurze Sicht die große Euphorie für die Aktie herkommen? Eine plötzlich neu auftauchende Corona-Variante? Oder ein sensationeller Forschungserfolg des Unternehmens in einem anderen Segment als Corona? Möglich ist alles.

Impfpflicht als Umsatzretter?

Kann eine Impfpflicht in Deutschland zum kurzfristigen Umsatzretter für BioNTech werden? Theoretisch wäre das denkbar. Aber in der Realität ist das derzeit wenig wahrscheinlich. Denn heute ließ Bundesjustizminister Marco Buschmann von der FDP im Spiegel klar durchblicken, dass er nichts davon hält. Er zweifele daran, dass derzeit eine Überlastung des Gesundheitssystems in Deutschland droht. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (ebenfalls FDP) sagte dem ARD-Hauptstadtstudio, dass er überzeugt sei, dass es im April im Bundestag für keine Form der Impfpflicht eine Mehrheit geben wird.

Chart zeigt den Kursverlauf der BioNTech-Aktie in den letzten 12 Monaten TradingView Chart zeigt den Kursverlauf der BioNTech-Aktie in den letzten 12 Monaten.



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1 Kommentar

  1. Ich denke mal eher, dass die Menschen merken, wie sie verarscht worden sind. Die Länder mit der höchten Durchimpfung haben die höchsten Todeszahlen, und die Politiker versuchen noch in der Art Argumentation zum erreichen des Endsieges, nachdem alle Versprechungen falsch waren, verzweifelt daran zu glauben, dass ja der Krankheitsverlauf als Geimpfter milder ist, was bei Omikron eben so ist.
    Da ich in Spanien wohne, und als Ungeimpfter nicht verfolgt und angepöbelt werde, kann ich das schreiben.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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