Folgen Sie uns

Allgemein

Warum die Coronakrise die Inflation anheizen wird!

Avatar

Veröffentlicht

am

Inflation in Folge der Coronakrise

In den vergangenen 20 Jahren profitierte die Welt von einer Periode ungewöhnlich niedriger Inflation. Obwohl auch zur Krisenbewältigung nach 2008 Geld gedruckt wurde, als gäbe es kein morgen mehr, blieb die Inflation sogar hinter den niedrigen Inflationszielen der Zentralbanken von 2% pro Jahr zurück. „Schuld“ daran hatte vor allem auch der globale Handel. Doch die Coronakrise könnte genau den nicht nur kurz-, sondern auch langfristig massiv schwächen und so eine neue Phase von Preissteigerungen auslösen.

Handel reduzierte die Inflation nachhaltig – bis jetzt!

Bislang half der Welthandel dabei die Inflation im Zaum zu halten. Unternehmen, Verbraucher und ganze Staaten zogen einen Nutzen daraus, die benötigten Rohstoffe, Produkte und Dienstleistungen dort einkaufen zu können, wo sie am günstigsten angeboten werden. Im Vertrauen darauf, dass von diesem internationalen Austausch alle Beteiligten profitieren und daher ein Interesse an der Fortführung dieser Art der weltweiten Arbeitsteilung besteht, wurden nationale Produktionskapazitäten abgebaut, wenn sie international nicht mehr wettbewerbsfähig waren. Die Coronakrise ist eine Zäsur, die diesen Trend vermutlich stoppen wird. Und dabei sind es nicht einmal die nationalen „Lockdowns“, die die Lieferantennetzwerke temporär zerstören, die zu einem Umdenken führen werden. Es sind vor allem auch die nationalen Alleingänge in Sachen Exportverboten, die zu Verhaltensänderungen führen werden. Dass ein Unternehmen nicht mehr produzieren kann, weil die Arbeiter zuhause sitzen wollen oder müssen, können Handelspartner noch nachvollziehen.

Zumal dann, wenn sie selbst die eigenen Mitarbeiter nach Hause schickten, wie es derzeit weltweit geschieht. Was jedoch einen massiven Vertrauensbruch darstellt, ist das Verbot von Exporten bestimmter Produkte. Solche Verbote führten zum Beispiel China, Italien, Frankreich, die USA und Deutschland für medizinische Schutzkleidung ein. Italien fing auch Lieferungen von Beatmungsgeräten ab und setzte die Geräte im eigenen Land ein. Rumänien erließ nun auch ein Exportverbot für Getreide, das nur noch innerhalb, aber nicht mehr außerhalb der EU verkauft werden darf. Die Lieferanten, auf die sich die Kunden jahre- oder gar jahrzehntelang verließen, könnten also liefern, dürfen es aber aus politischen Gründen nicht. Mag ein Exportverbot für Beatmungsgeräte und Schutzkleidung auf den ersten Blick noch sinnvoll erscheinen, erzeugt es doch mittel- und langfristig mehr Schaden als Nutzen. Getreideexporte zu verbieten, obwohl die Nahrungsmittelversorgung weder aktuell noch langfristig in Gefahr sein wird, erzeugt nicht einmal kurzfristigen Nutzen, aber langfristigen Schaden. Die Inflation lässt grüßen.

Rumänien verbietet Getreide-Exporte, obwohl kein Mangel besteht

Der mittel- und langfristige Schaden von Exportverboten besteht darin, dass die Waren ineffizient verteilt werden. Es ist praktisch sicher, dass die Politik die Exportverbote nicht zum richtigen Zeitpunkt aufheben wird, sondern dann, wenn die Länder auf einem großen Vorrat an den exportbeschränkten Produkten sitzen. Im Falle Rumäniens wurde das Getreide-Ausfuhrverbot sogar erlassen, als gar keine Knappheit bestand. Das United States Department of Agriculture veröffentlicht monatlich einen Marktbericht zu Getreide. Im aktuelle April-Bericht geht die Behörde von Rekordernten bei Weizen und Reis aus, trotz Coronakrise. Rumänien exportierte 2019 fast als 13 Millionen Tonnen Getreide und es gibt wenig Grund anzunehmen, dass es in diesem Jahr ein Defizit geben könnte.

Das Exportverbot ist nichts weiter als eine politische Maßnahme, um dem Volk Handlungsfähigkeit zu beweisen. Indirekt gibt das Rumäniens Premierminister sogar zu. Denn Begründung für den Exportstop war die Tatsache, dass Rumänien im März 700.000 Tonnen Getreide exportierte. Keine Besonderheit in einem Land, das im Vorjahr monatlich 1.075.000 Tonnen Getreide ausführte. Doch nun hielt ein sogar geringeres Exportvolumen als Begründung für ein Exportverbot her. Eine sinnlose Maßnahme, die grundlos Lieferketten und Vertrauen zerstört. Werden die Ausfuhrbeschränkungen erst aufgehoben, wenn ein großer nicht benötigter Vorrat an den Produkten besteht, herrscht dadurch andernorts unnötige Knappheit, was Inflation erzeugen kann. Zudem kann der Markt keine eindeutigen Signale mehr über den Preis aussenden, wenn das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage politisch unterbunden wird. Schon im Falle der Maskenproduktion plädierte ich dafür, den Markt selbst für schnellst- und bestmöglichen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage bei Masken sorgen zu lassen. Das gilt für alle anderen Produkte natürlich genauso.

Das Exportverbot beim Getreide führt nun wahrscheinlich zu einem Überangebot in der EU mit fallenden Preisen, die Bauern in die Insolvenz treiben könnten. International hingegen sinkt durch das Exportverbot das Angebot, was zu steigenden Preisen führt und Produzenten animieren könnte, die Produktion zu steigern. In der EU könnte es also künftig weniger und global mehr Angebot geben. Im Falle von Getreide würde das kurzfristig die Inflation senken, langfristig jedoch erhöhen.

Absicherung gegen Lieferkettenunterbrechungen machen Produkte teurer

Viel schlimmer wäre jedoch eine Kettenreaktion, würden nun andere Länder Rumäniens Beispiel folgen und ihrerseits Exportverbote erlassen. Je mehr Länder das tun, umso mehr verlagert sich die Nachfrage auf die weniger werdenden Staaten, die noch Nahrungsmittelexporte zulassen. Bei denen könnte diese steigende Nachfrage dann tatsächlich dazu führen, dass der eigene Bedarf nicht mehr gedeckt werden kann. Am Ende würden wir in einer Welt leben, in der jedes Land nur noch für sich selbst sorgt.

Echte Lieferengpässe und steigende Preise sind die Folge. Um sich künftig gegen die Möglichkeit von Exportbeschränkungen oder zerstörten Lieferketten zu wappnen, werden nach der Krise ohnehin diverse Unternehmen und auch Staaten dazu übergehen, nicht mehr dort produzieren zu lassen, wo es am günstigsten ist. Unternehmen wie Apple werden aller Voraussicht nach auch unter Inkaufnahme höherer Preise Produkte in diversen Ländern fertigen lassen und sich nicht mehr wie bisher zum Beispiel auf China verlassen. Und Staaten werden zumindest bei manchen Produkten wie Schutzkleidung die inländische Nachfrage entweder erzwingen oder subventionieren. Diese Diversifizierung der Lieferketten und die erzwungene inländische Produkten werden teurer werden – und bezahlen tun das am Ende wir Kunden – die Verbraucherpreise (Inflation) werden steigen.

Wahrscheinlich wird es auch zu einer partiellen Abkehr vom Just-in-time Prinzip kommen, bei dem Waren in dem Moment an die Montagelinie oder das Ladenregal geliefert werden, wenn man sie benötigt. Lagerhaltung wird wieder stärker betrieben, was die Preise ebenfalls erhöhen wird. Schließlich muss jemand für die Lagerhaltung bezahlen – und das sind in letzter Konsequenz auch wieder wir Kunden. Zu all diesen preissteigernden Effekten kommt noch die jetzt massiv vergrößerte Geldmenge als weiteres Element hinzu. Die Folgen werden stärkere Inflation sein, als wir sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten kannten.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Brötchen

    12. April 2020 13:24 at 13:24

    „blieb die Inflation sogar hinter den niedrigen Inflationszielen der Zentralbanken von 2% pro Jahr zurück. „Schuld“ daran hatte vor allem auch der globale Handel.“

    … und natürlich die Tatsache, dass Inflation nicht bei Vermögenspreisen wie z. B. Aktien und Immobilien gemessen wird. Bei Immobilien sind ja nicht nur die Haus/Wohnungspreise ansich gestiegen sondern auch Material und Handwerkerkosten.
    Aber richtig, die von der EZB gemessene Inflation für Brot, Milch und Butter hat sich in der Tat nicht stark entwickelt. Man nimmt in Frankfurt eben nur die Statistik die man gerade braucht.

  2. Avatar

    Eric

    12. April 2020 15:46 at 15:46

    Es gibt keine Angebotskrise sondern eine Nachfragekrise. Arbeitslosigkeit steigt gerade global, Einkommen sinken und wer seine Arbeit behält wird vor mageren Jahren bezüglich Lohnentwicklung stehen.
    Auch die aufgeblasenen Sachwerte sind betroffen. Menschen können sich weniger leisten, viele werden ihr mit zuviel Kredit gekauftes Haus verlieren, wenn die Banken nicht massiv gestützt werden führen Kreditausfälle bei denen dazu, dass nötige Kredite für an sich solvente Unternehmen und Haushalten teurer werden oder ganz austrocknen.
    Durch das ganze System wurden bereits Unsummen Kapital vernichtet und wir blicken in den Abgrund aus Deflation und stagnierender Konjunktiv wenn die deutsche Eigenheit der ständigen Angst vor Inflation in der EZB die Oberhand gewinnt.
    Und nichts und niemand kann die Globalisierung zurückdrehen, daran ändert auch Getreide aus Rumänien nichts.
    Die alternde Gesellschaft Europas ist außerdem der anhaltende Hintergrund der extrem deflationär wirkt.
    Wer ernsthaft auf Inflation setzt wird sich extrem verzocken.

    • Avatar

      thinkSelf

      13. April 2020 11:13 at 11:13

      Ich sehe das auch so. Da die globalen Produktionsanlagen und die Leute die sie betreiben, nicht verschwinden gibt es keinen Produktionsengpass. Und so lange die Massenkaufkraft schneller fällt, als die Produktionskapazitäten gibt es kein inflationäres Szenario.
      Spannender ist eher die Frage, ob das Vertrauen in bestimmte Währungen bestehen bleibt. Und das hängt vor allem davon ab, dass dem Währungemittenten zugetraut wird, das Eintreiben von Forderungen im Notfall durchsetzen zu können. Weshalb immer die wirtschaftlich und militärisch stärkste Nation die Leitwährung stellt.

  3. Pingback: Meldungen und Nachrichten vom 12. April 2020 | das-bewegt-die-welt.de

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

Avatar

Veröffentlicht

am

Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

weiterlesen

Allgemein

Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

Dann beginnt die Arbeit des Analysten erst richtig. Aktienanalyse ist People´s Business. Zu Deutsch: Wir müssen mit den handelnden und verantwortlichen Personen des Unternehmens in Kontakt kommen. Als Vermögensverwalter lässt man durchblicken, dass man umfassende Investitionen im Unternehmen beabsichtigt. Damit haben Sie schon einmal das Ohr Ihres Gesprächspartners.

Zunächst werden Sie abgespeist mit professionellem Werbeversprechen. Etwa so: Wir setzen voll auf die Elektro-Mobilität und expandieren derzeit proaktiv im chinesischen Wachstumsmarkt.

Das ist eine absolute Null-Information. Als Analyst haken Sie jetzt konkret nach. Zum Beispiel: Mit welchen Produkten geht das Unternehmen nach China? Wer sind die Konkurrenten? Was ist der Wettbewerbsvorteil des Unternehmens? Warum soll der Kunde ausgerechnet ihre Zylinderdichtung (beispielhaft) kaufen? Wie funktioniert der Vertrieb?

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Ihr Gesprächspartner bleibt hartnäckig im Ungefähren. Dann sind die Expansionspläne wohl noch nicht weit gediehen. Die Aktie ist also eher kein Kauf. Oder aber: Ihr Gegenüber packt…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Allgemein

US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen