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Warum die EZB jetzt zwei gute Gründe für Action am Donnerstag hat

In drei Tagen um 13:45 Uhr wird die EZB ihre nächste Zinsentscheidung verkünden. Vergleicht man so einige Schätzungen, dann glaubt der eine an unveränderte Zinssätze, und der andere sieht eine leichte Zinssenkung oder die sonstige Ausweitung von Maßnahmen. Dazu könnten zusätzliche Liquidität für Banken gehören, aber auch mehr Anleihekäufe als ohnehin schon! Letzte Woche schon haben bereits die Notenbanken in den USA, in Australien und Kanada ihre Zinsen deutlich gesenkt.

Das Coronavirus als erste wunderbare Argumentation!

Daher könnte man annehmen, dass die Bank of England und die EZB nun auch mal langsam an der Reihe sind, ihren Teil zum globalen Notenbank-Stimulus beizutragen, zum Kampf gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus? Man wird sehen wie die EZB sich in drei Tagen entscheiden wird. Aber der Coronavirus und die dramatischen wirtschaftlichen Einbrüche, die man jetzt schon deutlich in Asien sieht (Autoabsatz in China -80 Prozent), dürften unweigerlich auch in Europa einschlagen. Und man denke bitte auch an das quasi Aussetzen des öffentlichen Lebens in Italien, was der Wirtschaft südlich der Alpen auch massiv schaden wird. Aktuell kann man sogar davon sprechen, dass Italien zum Stillstand kommt. Deutschland und der Rest der Eurozone dürften die Auswirkungen des Coronavirus jedenfalls deutlich zu spüren bekommen. Dieses Szenario gibt der Europäischen Zentralbank einen verdammt guten Grund, um nach außen kommunizieren zu können: Liebe Kritiker unserer Politik, leider, leider, leider müssen wir noch weiter lockern, denn wir müssen ja die Preise stabil halten usw. Ob Zinssenkungen etc überhaupt etwas bewirken gegen dieses Coronavirus-Debakel, daran darf man mehr als zweifeln – aber es geht ja darum, was die EZB womöglich tun wird. Degussa-Experte Thorsten Polleit sagt in einem aktuellen Kommentar, dass die EZB wahrscheinlich versuchen werde, den Erschütterungen in der Konjunktur und an den Finanzmärkten zu begegnen. Dies könne durch eine Verbilligung der Refinanzierungskonditionen erfolgen, die den Euro-Banken angeboten werden. Zudem könne die EZB auch ihre Anleihekäufe wieder ausweiten – und dabei nicht nur noch mehr Staatsanleihen kaufen, sondern vor allem auch Unternehmens- und auch Bankanleihen, so Polleit.

Der ganz neue zweite Grund für die EZB um lockern zu können

Tja, und falls es innerhalb der EZB jemanden geben sollte, der für die Führungsriege in der Chefetage Argumente für noch stärkere Negativzinsen und noch mehr Gelddrucken zusammentragen soll, dann ist der heutige Montag ein Glücksgriff. Denn der Ölpreis ist heute im Vergleich zum Montag brutal um 30 Prozent kollabiert. Und das noch zusätzlich zum fallenden Ölpreis in den letzten Wochen! Grund ist der neue Öl-Krieg der Saudis (mehr Details dazu hier). Seit Jahren predigen wir Kleingeistigen bei FMW es immer wieder. Nicht die „grandiose“ Geldpolitik der EZB beeinflusst die Verbraucherpreise, sondern der Ölpreis. Und die Verbraucherpreise Richtung 2 Prozent zu bekommen von aktuell 1,2 Prozent, das ist nun mal das offizielle Ziel der EZB. Und was wird passieren, wo der Ölpreis jetzt 30 Prozent gefallen ist? Schaut man auf das Bild der letzten Tage, dann ist der Absturz insgesamt gesehen noch viel größer! Richtig, ein kollabierender Ölreis am Terminmarkt wird die Spritpreise an den Tankstellen deutlich fallen lassen. Daher dürften die Verbraucherpreise insgesamt demnächst deutlich schwächeln in ihrem Wachstum. Dann könnte die EZB sagen: Nicht nur das Coronavirus – nun kommt auch noch der dramatisch fallende Ölpreis dazu, und sorgt dafür, dass unser Inflationsziel extremst gefährdet ist. Das können wir nicht zulassen, und sehen uns daher gezwungen die Zinsen noch weiter zu senken, noch mehr Geld zu drucken etc. Wird es so kommen? Zumindest hat die EZB jetzt eine doppelte Argumentationsgrundlage, wenn sie sich dafür entscheiden sollte.

Idee für Devisenhändler?

Glaubt man daran, dass die EZB am Donnerstag ihre Geldpolitik lockert, wäre es dann folgerichtig bei Euro vs US-Dollar auf einen fallenden Euro zu spekulieren? Schließlich war der US-Dollar zuletzt deutlich gefallen, weil die Fed für den Dollar-Raum die Zinsen um 50 Basispunkte gesenkt hat, und weil für die Fed-Sitzung am 18. März weitere Senkungen erwartet werden. Zieht die EZB nun endlich nach auf dem Weg nach unten, sollte das den Euro als Gegenbewegung zum fallenden Dollar endlich auch mal schwächen? Also, Euro short? Finden Sie hier eine aktuelle Analyse des Euro aus charttechnischer Sicht.

Die EZB ist am Donnerstag im Fokus der Betrachter
Bild: DonkeyHotey – Planet of the Euros – Cartoon CC BY 2.0



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