Folgen Sie uns

Allgemein

Warum die EZB jetzt zwei gute Gründe für Action am Donnerstag hat

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

In drei Tagen um 13:45 Uhr wird die EZB ihre nächste Zinsentscheidung verkünden. Vergleicht man so einige Schätzungen, dann glaubt der eine an unveränderte Zinssätze, und der andere sieht eine leichte Zinssenkung oder die sonstige Ausweitung von Maßnahmen. Dazu könnten zusätzliche Liquidität für Banken gehören, aber auch mehr Anleihekäufe als ohnehin schon! Letzte Woche schon haben bereits die Notenbanken in den USA, in Australien und Kanada ihre Zinsen deutlich gesenkt.

Das Coronavirus als erste wunderbare Argumentation!

Daher könnte man annehmen, dass die Bank of England und die EZB nun auch mal langsam an der Reihe sind, ihren Teil zum globalen Notenbank-Stimulus beizutragen, zum Kampf gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus? Man wird sehen wie die EZB sich in drei Tagen entscheiden wird. Aber der Coronavirus und die dramatischen wirtschaftlichen Einbrüche, die man jetzt schon deutlich in Asien sieht (Autoabsatz in China -80 Prozent), dürften unweigerlich auch in Europa einschlagen. Und man denke bitte auch an das quasi Aussetzen des öffentlichen Lebens in Italien, was der Wirtschaft südlich der Alpen auch massiv schaden wird. Aktuell kann man sogar davon sprechen, dass Italien zum Stillstand kommt. Deutschland und der Rest der Eurozone dürften die Auswirkungen des Coronavirus jedenfalls deutlich zu spüren bekommen. Dieses Szenario gibt der Europäischen Zentralbank einen verdammt guten Grund, um nach außen kommunizieren zu können: Liebe Kritiker unserer Politik, leider, leider, leider müssen wir noch weiter lockern, denn wir müssen ja die Preise stabil halten usw. Ob Zinssenkungen etc überhaupt etwas bewirken gegen dieses Coronavirus-Debakel, daran darf man mehr als zweifeln – aber es geht ja darum, was die EZB womöglich tun wird. Degussa-Experte Thorsten Polleit sagt in einem aktuellen Kommentar, dass die EZB wahrscheinlich versuchen werde, den Erschütterungen in der Konjunktur und an den Finanzmärkten zu begegnen. Dies könne durch eine Verbilligung der Refinanzierungskonditionen erfolgen, die den Euro-Banken angeboten werden. Zudem könne die EZB auch ihre Anleihekäufe wieder ausweiten – und dabei nicht nur noch mehr Staatsanleihen kaufen, sondern vor allem auch Unternehmens- und auch Bankanleihen, so Polleit.

Der ganz neue zweite Grund für die EZB um lockern zu können

Tja, und falls es innerhalb der EZB jemanden geben sollte, der für die Führungsriege in der Chefetage Argumente für noch stärkere Negativzinsen und noch mehr Gelddrucken zusammentragen soll, dann ist der heutige Montag ein Glücksgriff. Denn der Ölpreis ist heute im Vergleich zum Montag brutal um 30 Prozent kollabiert. Und das noch zusätzlich zum fallenden Ölpreis in den letzten Wochen! Grund ist der neue Öl-Krieg der Saudis (mehr Details dazu hier). Seit Jahren predigen wir Kleingeistigen bei FMW es immer wieder. Nicht die „grandiose“ Geldpolitik der EZB beeinflusst die Verbraucherpreise, sondern der Ölpreis. Und die Verbraucherpreise Richtung 2 Prozent zu bekommen von aktuell 1,2 Prozent, das ist nun mal das offizielle Ziel der EZB. Und was wird passieren, wo der Ölpreis jetzt 30 Prozent gefallen ist? Schaut man auf das Bild der letzten Tage, dann ist der Absturz insgesamt gesehen noch viel größer! Richtig, ein kollabierender Ölreis am Terminmarkt wird die Spritpreise an den Tankstellen deutlich fallen lassen. Daher dürften die Verbraucherpreise insgesamt demnächst deutlich schwächeln in ihrem Wachstum. Dann könnte die EZB sagen: Nicht nur das Coronavirus – nun kommt auch noch der dramatisch fallende Ölpreis dazu, und sorgt dafür, dass unser Inflationsziel extremst gefährdet ist. Das können wir nicht zulassen, und sehen uns daher gezwungen die Zinsen noch weiter zu senken, noch mehr Geld zu drucken etc. Wird es so kommen? Zumindest hat die EZB jetzt eine doppelte Argumentationsgrundlage, wenn sie sich dafür entscheiden sollte.

Idee für Devisenhändler?

Glaubt man daran, dass die EZB am Donnerstag ihre Geldpolitik lockert, wäre es dann folgerichtig bei Euro vs US-Dollar auf einen fallenden Euro zu spekulieren? Schließlich war der US-Dollar zuletzt deutlich gefallen, weil die Fed für den Dollar-Raum die Zinsen um 50 Basispunkte gesenkt hat, und weil für die Fed-Sitzung am 18. März weitere Senkungen erwartet werden. Zieht die EZB nun endlich nach auf dem Weg nach unten, sollte das den Euro als Gegenbewegung zum fallenden Dollar endlich auch mal schwächen? Also, Euro short? Finden Sie hier eine aktuelle Analyse des Euro aus charttechnischer Sicht.

Die EZB ist am Donnerstag im Fokus der Betrachter
Bild: DonkeyHotey – Planet of the Euros – Cartoon CC BY 2.0

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

Avatar

Veröffentlicht

am

Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

weiterlesen

Allgemein

Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

weiterlesen

Allgemein

Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen