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Warum die Inflation derzeit steigen muss – Folgen für die Wirtschaft

Warum die Inflation steigen muß

Derzeit gibt es an der Börse ein zentrales Thema: Wie hoch steigt die Inflation in allen Bereichen – und wie wird dies die Volkswirtschaften auf längere Zeit belasten? Die Raten sind in allen Regionen gestiegen, die Erwartungen ebben nicht ab, ab es gibt auch zentrale Gründe, warum es so kommen musste.

Inflation: Der Inflation Surprise Index der Citigroup

Der Inflation Suprise Index

Dieser Index zeigt einmal mehr, wie stark die Börsianer geschockt sind von der starken Inflation, die es praktisch noch nie so konzentriert und so global verteilt gegeben hat.

2020, das Jahr der globalen Rezession

Rezessionen in 2020

Was sagt uns diese Grafik, die eine ungewöhnliche Situation – eine Pandemie, mit einem globalen Lockdown beschreibt -, und die so viele Länder in eine Rezession gezwungen hat? Auch weitaus mehr, als bei der großen Finanzkrise 2009.

Dies hat zu einem Nachfrageschock ungeahnten Ausmaßes geführt. Um das Überleben und die finanzielle Stabilität zu gewährleisten, wurden 2020 weltweit Kapazitäten (Minen, Bohrlöcher) stillgelegt, die Mobilitätsraten durch die vielen Verbote staatlich verordnet in Freizeit, Reise, aber auch im Berufsleben (Homeoffice) drastisch heruntergefahren. Natürlich ist es, dass diese Länder mit zunehmenden Impfungen zu ihren alten Gewohnheiten in der Wirtschaft, in Tourismus und Freizeit, zurückkehren wollen. Und wiederum geschieht dies in viel zu großer zeitlicher Konzentration. Für eine Bestellung bei Amazon brauche ich nur wenige Sekunden, für die Lieferung von China in die USA braucht das Containerschiff aber Wochen.

Lieferkettenprobleme, „Shortages“ bei Rohstoffen, bei Chips, wohin man blickt, eine logische Konsequenz. Und das zieht eben auch Inflation nach sich.

Wachstumserwartungen überzogen?

Jetzt kommt natürlich Vieles zusammen, was die Analysten zu nahezu exzessiven Wachstumsprognosen, speziell in der US-Wirtschaft führt. Eine Sparquote der US-Konsumenten mit einem Volumen von zwei Billionen Dollar, die Konjunkturprogramme in den USA und in Europa und Windfall Profits bei Aktien und Immobilien. Aber ich denke, so wie man den Abschwung 2020 in den ersten Prognosen übertrieben hat (die Rezession erreichte „nur 3,5 Prozent in den USA), so übertreibt man im Aufschwungsjahr 2021. Das zeigt sich in einem Chart, der auch die Wachstumseuphorie vor dem Jahr 2000 aufzeigt, sehr anschaulich:

Zu viel Optimismus?

Fazit

Bereits mehrfach habe ich darauf hingewiesen, dass die durch Covid-19 ausgelöste Rezession, wie auch die darauffolgende Erholung ohne historisches Beispiel, ohne ökonomische Blaupause sind. Eine Phase, in der im ersten Halbjahr 2020 vier Milliarden Menschen auf dieser Welt in die häusliche Quarantäne gezwungen waren.

Das muss zu abnormen Kennziffern in dem Jahr danach führen. Im Flugverkehr, bei den Mobilitätsdaten, bei der allgemeinen Nachfrage. Selbst die Lufthansa meldet derzeit hunderte Prozent an Steigerungen bei den Fluggästen gegenüber dem Tief, selbst der Betrieb mit Geschäftsreisen springt wieder an, in den USA ist man bereits wieder bei 90 Prozent zu Vor-Corona angelangt. Und wie hieß es noch vor einem guten halben Jahr? Es wird Jahre dauern bis sich der Flugverkehr wieder normalisiert hat – Derartiges habe ich auch nach dem 11. September 2001 vernommen.

Ergo: Dass es zu Lieferengpässen und zu Inflation führen muss, ergibt sich bereits aus einem Argument: 165 Länder gingen fast zeitgleich in eine Rezession und jetzt gibt es ein ebenso fast synchrones Reopening, das muss zu Preisdruck aufgrund der überbordenden Nachfrage führen.

Auf Peak Recession folgt eine gewisse Zeit später fast logischerweise Peak Growth, anders geht es bei einem so gigantischen Basiseffekt auch nicht. Ausgehend von China, welches als erstes Land die Wirtschaft wegen Covid-19 herunterfahren musste, sieht man die ersten Anzeichen, dass das große Wachstum nachlässt, andere Länder werden folgen.

Was aber noch keine Antwort darauf gibt, ob sich die Inflation anschließend wieder auf ein verträgliches Niveau absenken läßt. Fallen wird sie sicher, denn wir erleben derzeit wahrscheinlich einen gewaltigen konjunkturellen (schuldenfinanzierten) Sugar Rush. Also auch hier gilt das Schlagwort „transitory“ – Boom and Bust, nicht nur bei dem Aufregerthema Inflation.



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9 Kommentare

  1. …daher verstehe ich auch gar nicht warum es überhaupt Vorjahresvergleiche gibt und warum sich medial darum gekümmert wird…wenn man alles mit den Monaten von 2019 vergleichen würde, dass würde mich inhaltlich mehr überzeugen…Vergleiche zwischen 2020/2021 sind nur mediales Tam Tam und haben gar keinen Mehrwert bzw. nur sehr geringen…

  2. Robert Halver:“Der große Crash fällt leider aus“.

    https://m.youtube.com/watch?v=kA2CJL94GfA

    1. @Columbo, der große Crash wird kommen. Bald, und dann Hand in Hand mit dem Untergang Europas, ja der ganzen Welt. Am besten geeignet ist der Herbst, wie jedes Jahr für Jahr für Jahr… Wenn die Menschen emotional offen sind für mehr Abkühlung, mehr mieses Wetter, mehr Dunkelheit.

      Die Atlas-Quanten-Untergangscomputer wurden seit dem letzten Versagen vor 12 Monaten gefüttert mit neuesten Maja-Kalendern und aktuellsten Interpretationen von Nostradamus und Mühlhiasl. Und zusätzlich muss ein Schelm aktuelle Klimadaten eingespeist haben

      Dieses Mal wirklich im 3. Quartal, fast (nicht fest) versprochen. Fast hätte ich mich wirklich versprochen, könnte auch im 4. Quartal sein. Oder eben nächstes Jahr. Doch eines steht in Stein gemeißelt: Der Untergang wird kommen, oder auch nicht.

      1. @leftutti – als Klimawissenschaftler müssten Sie doch eigentlich wissen, dass der Untergang (oder von mir aus die Katastrophe) so sicher kommen wird wie das Amen in der Kirche! Und beim Finanzsystem sehe ich durchaus viele Parallelen zu den Umweltproblemen – inklusive dem Umgang mit diesen Problemen. Na mal sehen wann das Fallbeil runter rauschen wird…

        1. @Lausi

          Der Untergang kommt ganz sicher und ich sage Ihnen auch wann.
          In ungefähr 4,5 Milliarden Jahren, wenn die Sonne erlischt.
          (Bezüglich des Timings lasse ich mich gerne von @Leftutti korrigieren).

        2. @Lausi, also erst einmal waren wir doch schon längst beim Du…

          Beim Klima bin ich noch immer leicht (zweck)optimistisch, obwohl es bereits mindestens 20 nach 12 ist. Besser wird es natürlich nimmer, eine Normalisierung in Richtung des gewohnten Klimas der letzten Jahrhunderte ist unmöglich. Dazu befindet sich einfach bereits zu viel zusätzliches menschgemachtes CO2 aus fossilen Lagerstätten in der Atmosphäre, sind die jährlichen Waldbrände und Abholzungen zu extrem, werden zu viel treibhauswirksame Gase aus den auftauenden Permafrostböden emittiert.

          Mit Hitzewellen, Starkregen, Überschwemmungen, Schlammlawinen, ansteigenden Meerespegeln, Stürmen, Dürren werden wir wohl lernen müssen zu existieren. Da haben Politik und Wirtschaft im Öl- und Gas- und Kohlewahn einfach viel zu lange zu viel vergurkt, statt ihre viel beschworenen Selbstheilungskräfte und Innovationen wenigstens ein einziges Mal in die Tat umzusetzen. Den Untergang oder die finale Katastrophe könnte man hoffentlich so eben noch verhindern, wenn jetzt und gleich und ohne Wenn und Aber ein Umdenken und Umbau erfolgt. Es ist ja nicht so, dass man davor nicht seit mindestens 35 Jahren gewarnt worden wäre…

          Bei den Finanzmärkten und -systemen bin ich wesentlich entspannter. Das sind rein virtuelle Gespinste, aufgeblasen um ein Vielfaches der real existierenden Welt. Das gab es vor 10 Jahren, vor 20 Jahren, vor 30 Jahren… Hier ist ein korrigierender und reinigender Crash sogar längst überfällig und notwendig. Der hat nichts mit Untergang zu tun, nur mit Normalisierung, Erdung und Einnorden. Wer lieber mit Nullen und Einsen am Display spielt, statt die physische Realität zu akzeptieren, soll ruhig seine regelmäßige Kopfwäsche erhalten.

          Lernen kann oft schmerzhaft sein, je ignoranter, technikgläubiger und gottählicher die Leistungsträger unserer Spezies werden. Sie beschäftigen sich lieber mit einer Flucht auf den Mars, statt unseren einzigartigen und wunderbaren Planeten zu bewahren. Ich hoffe, diese Idioten begeben sich bald auf den Weg dorthin, dann sind wir sie los, denn eine Rückkehr ist unmöglich 😅

          @Columbo, ein paar hundert Millionen Jahre hin oder her gebe ich dir recht. Die Vier vor dem Komma steht auf alle Fälle,

          1. Lieber @Leftutti, lieber @Columbo,

            ich gebe ja zu, dass ich gelegentlich ein bisschen sehr auf die Schwarzseher-Tube drücke – vielleicht sogar leidenschaftlich und leicht esoterisch angehaucht, da ich denke, dass eine Katharsis (im Sinne von Reinigung) dieser Welt ganz gut tun würde… Vieles kommt mir so „oberfaul“ und verdorben vor – vom Wurm zerfressen sozusagen. Oder ist es schlicht und einfach nur die Überbevölkerung der Erde? So genau weiß ich das ab und zu auch nicht, muss ich ehrlicherweise sagen…

            Ein Jahrhundert-Crash scheint mir jedenfalls durchaus möglich zu sein – 1929 2.0 – dieses mal aber nicht als Depression sondern als (Hyper-)Inflations-Variante. Auch wenn seit fast 100 Jahren alles wie geschmiert läuft, heißt das ja nicht, dass das auf ewig so weiter laufen muss. Die Gründe für so ein (Hyper-)Infaltions-Szenario „predigt“ Fugi ja schon seit Jahren – und das nicht als einziger. Hinzu kommt noch die Corona-Pandemie als große Unbekannte, wo kein Mensch weiß, wie sich das weiterentwickeln wird. Ich mache jetzt mal einen auf Crash-Propheten und sage, dass es spätestens bis Ende 2022 kräftig in der Kiste rappeln wird – und verwette eine Kiste Wein darauf (aufgrund meines bescheidenen Budgets leider nur von mittlerer Qualität…) ;-)

            Der Klimawandel hat natürlich eine ganz andere Zeitdimension – da dürfte es erst in ein paar Jahrzehnten (Jahrhunderten?) so richtig übel werden – u.a. auch aufgrund von positiven Rückkopplungseffekten (abschmelzende Polkappen, auftauende Permafrostböden, Waldbrände etc.) und die CO2-Pufferkapazität der Weltmeere dürfte auch bald erschöpft sein. Na dann – Gute Nacht mit Rosenwasser… Die Auswirkungen des Klimawandels sind natürlich von einem ganz anderen Kaliber als ein Finanzcrash, der im Vergleich dazu wie ein laues Lüftchen erscheinen dürfte. Aber zum Glück liegen wir dann ja alle schon unter der Erde…

            So, jetzt habe ich mal wieder so richtig im Pessimismus geschwelgt – soll den Deutschen ja in den Genen liegen…(auch wenn ich nur zur Hälfte einer bin)… ;-) Nichts desto trotz wünsche ich euch beiden ein schönes Wochenende – Salute! :-)

        3. Mir fehlt ein wenig mein Holzhacker-Sabinchen, seit Trump mit überwältigender Mehrheit abgewählt wurde und auf den sozialen Medien seine Lügen nicht weiter verbreiten darf. Mir fehlen die netten kleinen Geschichten von Grünland vor 1000 Jahren, die kurzfristigen Wetterphänomene aus dem mittelalterlichen Deutschland. Und mir fehlt ebenfalls die Überzeugung in der Gesellschaft, dass mit einer Abkehr von fossilen Energien ein gigantischer neuer Markt erschlossen werden kann. Lieber verharrt man im Altbewährten und rechnet mit dem Schlimmsten, statt konsequent weiter zu denken und die Zukunft denen zu überlassen, die darin aufwachsen werden.

    2. Columbo, solange die Leute, die an der „Werkbank der Welt“ arbeiten, glücklich darüber sind, Produkte für Fantasiegeld aus dem Westen an diesen für kleines Geld zu verkaufen, ist Halvers Analyse ganz untadelig. Das ist dann noch nicht einmal wirklich „politisch“, sondern eher „Business as usual“ – die Amis machen das seit Jahrzehnten, für die Deutschen ist das eher Neuland, sehen sie sich doch selbst noch als Teil der Werkbank, statt als Kapitalisten, mit Eigentumsrechten, die sie zur Not auch militärisch durchsetzen – für diejenigen, die nicht Teil des Systems sind gibt es dann billige Drogen und ein Zelt. Es gibt diesbezüglich auch wenig Dissenz in der Eurozone. Ich halte es für vorstellbar, dass China versuchen wird, in den nächsten Jahren seine Hegemonialstellung auszubauen, mit dem Versprechen für Kontinuität auf den Weltmärkten zu sorgen. Erst dann, wenn Asien den Westen nur noch für das Abladen von Überschüssen benötigt, den sie nicht selbst verkonsumieren, wird „business as usual“ nicht mehr reichen.

      Die Idee, dass es bei einem potentiellen Finanzcrash zu Volksaufständen kommen würde, so wie vor 100 Jahren, finde ich allerdings possierlich. Da empfindet Halver noch ganz wie ein Mann aus dem vorigen Jahrhundert. Im Falle des Falles werden die Deutschen eine weitere Protestpartei gründen, eine noch weit alternativere Alternative für die Zone D der EU und dann hoffen, dass sie den Mächtigen mal so richtig ihre Meinung sagen dürfen. Sie werden brav, demokratisch und systemkonform leiden, genau so wie es sich gehört.

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