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Europa

Warum die Inflation in Deutschland erst einmal chancenlos ist

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Inflation und viele Geldscheine

Die Inflation in Deutschland hängt aktuell exakt an der Null-Linie. Die vorläufigen Daten wurden heute früh endgültig bestätigt. Die Verbraucherpreise im August stiegen in Deutschland im Jahresvergleich exakt um 0,0 Prozent. In vielen europäischen Ländern ist man bereits in der Deflation angekommen, und auch in Deutschland sind die Verbraucherpreise zumindest im Monatsvergleich von Juli auf August rückläufig um 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt heute früh gemeldet hat.

Aber zurück zu Daten im Jahresvergleich von August 2019 auf August 2020. Die Inflation hat in Deutschland vor allem „erst einmal“ keine Chance, weil die Bundesregierung seit Anfang Juli bis Ende Dezember die Mehrwertsteuer reduzierte. Viele, aber sicher nicht alle Einzelhändler geben diese Senkung an die Kunden weiter – vor allem in der Hoffnung auf steigende Umsätze. Dank des Ölpreis-Crash aus dem Frühjahr drücken die Verbraucherpreise für Energie immer noch den Schnitt in den Keller. Bislang waren aber die Preise für Nahrungsmittel sozusagen der Gegenpart zu den Energiepreisen. Aber nun schwächeln auch die Nahrungsmittelpreise.

Warum die Inflation ab Januar womöglich wieder eine Chance hat

Wir schrieben im Titel dieses Artikels, dass die Inflation „erst einmal“ keine Chance in Deutschland hat. Denn ab Januar könnte das wieder anders aussehen, wenn die Mehrwertsteuersenkung aufgehoben wird. Nutzen dann womöglich einige Einzelhändler diese „Chance“ um ihre Preise auf ein höheres Niveau anzuheben als vor der Senkung, nach dem Motto „die Kunden merken das vielleicht gar nicht“? Und dazu kommt noch, dass die „Geldumlaufgeschwindigkeit“ (mehr zu dem Fachbegriff hier) irgendwann anspringen könnte, wenn viele Menschen, die in der Krise weniger ausgegeben haben und nun auf viel Geld sitzen, wieder vermehrt Lust haben zu konsumieren. Beide Faktoren zusammen könnten für einen spürbaren Anstieg der Inflation sorgen. Vielleicht ab Frühjahr 2021?

Hier einige Detailaussagen zu den aktuellen Verbraucherpreisen auszugsweise im Wortlaut von den Statistikern:

Ein Grund für die niedrige Inflationsrate ist weiterhin die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer, die als eine Maßnahme des Konjunkturpakets der Bundesregierung zum 1. Juli 2020 umgesetzt wurde und sich seitdem im Vorjahresvergleich dämpfend auf die Verbraucherpreise auswirkt. Es ist allerdings nur schwer messbar in welchem Umfang die niedrigeren Steuersätze an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurden, da auch viele andere Faktoren die Preisentwicklung beeinflussen.

Preisrückgang bei Energieprodukten binnen Jahresfrist leicht abgeschwächt, aber Nahrungsmittel weiterhin moderat teurer mit +0,7 %

Die Preise für Waren insgesamt verbilligten sich von August 2019 bis August 2020 um 1,3 %. Ursächlich hierfür sind vor allem die Preisrückgänge bei Energieprodukten (-6,3 %). Der Preisrückgang hat sich jedoch leicht abgeschwächt (Juli 2020: -6,7 %). Im August 2020 verringerten sich insbesondere die Preise für Heizöl (-32,7 %) und Kraftstoffe (-11,3 %) gegenüber dem Vorjahresmonat, hingegen verteuerte sich Strom um 2,1 %. Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich nur noch um 0,7 %. Im Juli 2020 hatte die Teuerung für Nahrungsmittel noch bei 1,2 % gelegen. Billiger wurde insbesondere Gemüse (-6,8 %), teurer hingegen vor allem Obst (+5,8 %) sowie Fleisch und Fleischwaren (+4,8 %). Merklich teurer wurden auch Tabakwaren (+6,5 %), günstiger zum Beispiel Geräte der Unterhaltungselektronik (-4,3 %).

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt erhöhten sich im August 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,0 %. Bedeutsam für diese Preisentwicklung war die Erhöhung bei den Nettokaltmieten (+1,4 %), da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Auch für Leistungen beim Friseur und für die Körperpflege (+4,8 %) und beim Besuch in Restaurants, Cafés und im Straßenverkauf (+1,9 %) mussten trotz Mehrwertsteuersenkung höhere Preise bezahlt werden. Ursächlich hierfür dürften unter anderem die fortbestehenden Hygieneauflagen nach der Wiedereröffnung in Zeiten der Corona-Pandemie sein. Noch deutlicher erhöhten sich die Preise für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+5,6 %), insbesondere Dienstleistungen der häuslichen Pflege mit +7,4 %. Hingegen wurden Fahrkarten im Fernverkehr deutlich günstiger (-16,0 %). Dies ist vor allem auf die bereits seit Jahresbeginn gesunkene Mehrwertsteuer für Bahnfernfahrten von 19 % auf 7 % zurückzuführen und nur teilweise auf die aktuelle Senkung des ermäßigten Steuersatzes von 7 % auf 5 %.

Grafik zeigt aktuelle Daten zur Inflation in Deutschland im August

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Allgemein

Arbeitsmarkt im September: Leichte Erholung – aber zwei Probleme gibt es!

Claudio Kummerfeld

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am

Bundesagentur für Arbeit ist zuständig für Integration am Arbeitsmarkt

Am deutschen Arbeitsmarkt zeichnet sich eine kleine Erholung ab, aber die Lage bleibt instabil. Erst einmal zu den aktuellsten Daten, welche die Bundesagentur für Arbeit vor wenigen Minuten veröffentlicht hat. Im September sinkt die offizielle (!) Arbeitslosigkeit um 108.000 gegenüber August auf 2,847 Millionen Personen. Im  Vorjahresvergleich sind es immer noch +613.000. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 6,2 Prozent nach 6,4 Prozent im August. Die tatsächliche Arbeitslosenquote (offiziell als „Unterbeschäftigung“ bezeichnet) liegt bei 7,7 Prozent nach 7,9 Prozent im August. Die Zahl der „Unterbeschäftigten“ sinkt von 3,69 auf 3,61 Millionen Personen. Die Bundesagentur für Arbeit sagt aktuell, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt nach wie vor deutlich sichtbar seien. Es würden sich aber leichte Zeichen der Besserung zeigen.

Kurzarbeit

Bevor wir zu zwei anstehenden Problemen am deutschen Arbeitsmarkt kommen, besprechen wir hier noch kurz das Thema Kurzarbeit. Die Bundesagentur für Arbeit sagt dazu aktuell folgendes, Zitat:

Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurde vom 1. bis einschließlich 24. September für 85.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Damit geht die Zahl der Personen, für die Kurzarbeit angezeigt wird, weiter zurück. Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis Juli zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im Juli für 4,24 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Damit hat die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds nach dem bisherigen Höchststand im April mit 5,95 Millionen sukzessive weiter abgenommen. Das ifo-Institut sprach gestern in seiner aktuellsten September-Umfrage (die Daten sind ziemlich zuverlässig) von einem Monatsrückgang um 1 Million auf 3,7 Millionen Kurzarbeiter in Deutschland (hier die Details).

Kurzarbeit als Form der Arbeitslosigkeit

Gut, man könnte jetzt sagen, dass die Kurzarbeit eigentlich nur eine andere Art von Arbeitslosigkeit ist, und dass man die 3,7 Millionen Kurzarbeiter zu den 2,8 Millionen offiziell Arbeitslosen statistisch hinzu addieren sollte. Das würde die Statistik am deutschen Arbeitsmarkt ehrlicher machen. Aber die Kurzarbeit hält die Belegschaft nun mal offiziell im Betrieb, als Angestellte. Auch wenn man nichts zu tun hat und das Geld vom Amt kommt, zählt man weiterhin als im Betrieb beschäftigt.

Konzerne mit Massenentlassungen

Wo die Kurzarbeit rückläufig ist und auch die offizielle Arbeitslosigkeit auch, da verbleiben zwei Probleme, welche diese vordergründige Erholung am Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten in einen Albtraum verwandeln könnten (dies kann so kommen, muss es aber nicht). Zahlreiche Konzerne, vor allem Autohersteller und Zulieferer, haben die letzten Tage und Wochen Massenentlassungen angekündigt, oder zumindest einen Stellenabbau, der wie üblich über sozialverträgliche Maßnahmen stattfindet wie Vorruhestand etc. Continental baut massiv Stellen ab, so auch MAN, Daimler uvm. Hier eine kleine Übersicht, wie viel die großen Zulieferer in Deutschland derzeit planen abzubauen. Diese Lawine an Entlassungen ist ja jetzt noch nicht umgesetzt, sondern es folgen nach der Verkündung Verhandlungen mit Gewerkschaften, Sozialpläne etc. Anders als in den USA, wo so ein Stellenabbau sehr schnell vonstatten geht, dürften diese Entlassungen erst nach und nach in den nächsten Quartalen umgesetzt und am Arbeitsmarkt sichtbar werden.

Insolvenzwelle ab 1. Oktober

Das zweite Problem besteht in der monatelang aufgestauten Insolvenzwelle, die nun ab 1. Oktober losgetreten werden könnte. Dies haben wir jüngst thematisiert (siehe hier im Detail). Monatelang wurde die Pflicht Insolvenz anmelden zu müssen ausgesetzt. Für zahlungsunfähige Unternehmen besteht diese Pflicht ab morgen den 1. Oktober wieder – von daher könnte ab morgen eine große Masse von kleinen und mittelgroßen Unternehmen zum Amtsgericht laufen und Insolvenz beantragen. Denn tun sie dies nicht, wären die Geschäftsführer dieser Unternehmen ab morgen auch wieder strafrechtlich wegen dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung haftbar zu machen.

Ab Januar droht dann die nächste Pleitewelle in der Wirtschaft, weil dann auch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht ausläuft für die Unternehmen, die zwar noch nicht zahlungsunfähig sind, dafür aber bereits überschuldet. Auch sie müssen dann ab 1. Januar Insolvenz anmelden. Wie groß der seit März aufgestaute Berg an Pleitefirmen ist, der sich erst ab morgen offenbaren wird – das weiß niemand. Aber schon bald dürfte man es wissen. Denn ist der Laden wirklich platt, darf der Geschäftsführer nicht einen Tag warten, sondern müsste eigentlich gleich morgen am 1. Oktober die Insolvenz anmelden! Für den Arbeitsmarkt könnte dies schon für den Monat Oktober einen spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit bedeuten – abwarten wie die Oktober-Statistiken ausfallen werden!

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Europa

Verbraucherpreise Deutschland im September: Deflation!

Claudio Kummerfeld

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Verbraucherpreise schwanken

Soeben hat das Statistische Bundesamt als Vorabschätzung die Verbraucherpreise für den Monat September veröffentlicht. Im Jahresvergleich zu September 2019 ist es ein Minus von 0,2 Prozent , nach 0,0 Prozent im August und -0,1 Prozent im Juli. Die Erwartung lag für heute bei -0,1 Prozent. Es ist offensichtlich, dass die seit 1. Juli geltende Mehrwertsteuersenkung die Verbraucherpreise insgesamt in den Negativbereich drückt – was die Statistiker auch so erwähnen. Auch die kurzfristige Veränderung von August zu September liegt bei -0,2 Prozent.

Die Grafik zeigt die Details der aktuellen Vorabschätzung (endgültige Zahlen gibt es am 13. Oktober). Die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel liegen im September nur noch mit 0,6 Prozent im Plus (im Juni noch +4,4 Prozent). Der Schnitt wird aber in den Keller gezogen durch die Energiepreise, die dank Ölpreis-Crash aus dem Frühjahr immer noch 7,1 Prozent niedriger sind als im Vorjahr.

Aktuelle Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise

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Europa

Kurzarbeit: ifo-Institut präsentiert aktuellste Zahlen – deutlicher Rückgang

Claudio Kummerfeld

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Die Gastronomie ist auch stark von Kurzarbeit betroffen

Die Kurzarbeit geht in Deutschland deutlich zurück, auch wenn sie nach diesem Rückgang immer noch auf einem dramatisch hohen Niveau liegt. Laut ganz frischer Veröffentlichung des ifo-Instituts waren im September 3,7 Millionen Menschen in Deutschland von Kurzarbeit betroffen, nach 4,7 Millionen im August. Dies hat ifo exklusiv berechnet. Der Anteil der Kurzarbeiter an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf 11 Prozent geschrumpft, von 14 Prozent im August. Der Rückgang schreite stetig voran. Besonders hoch bleibe aber der Anteil an den Beschäftigten in der Industrie, so die aktuelle Aussage von ifo. Hier Details im Wortlaut:

Im Verarbeitenden Gewerbe waren im September schätzungsweise noch 1,47 Millionen Menschen in Kurzarbeit, das sind 21 Prozent der Beschäftigten. Bei den Dienstleistern waren es 1,23 Millionen oder 12 Prozent, im Handel 406.000 Menschen oder 9 Prozent. Im Bauhauptgewerbe waren es nur 5000 Menschen oder 1 Prozent. In den übrigen Sektoren schätzt das ifo Institut die Zahl der Kurzarbeiter auf 622.000 oder 5 Prozent der Beschäftigten.

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