Europa

Warum die Inflation in Deutschland erst einmal chancenlos ist

Inflation und viele Geldscheine

Die Inflation in Deutschland hängt aktuell exakt an der Null-Linie. Die vorläufigen Daten wurden heute früh endgültig bestätigt. Die Verbraucherpreise im August stiegen in Deutschland im Jahresvergleich exakt um 0,0 Prozent. In vielen europäischen Ländern ist man bereits in der Deflation angekommen, und auch in Deutschland sind die Verbraucherpreise zumindest im Monatsvergleich von Juli auf August rückläufig um 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt heute früh gemeldet hat.

Aber zurück zu Daten im Jahresvergleich von August 2019 auf August 2020. Die Inflation hat in Deutschland vor allem „erst einmal“ keine Chance, weil die Bundesregierung seit Anfang Juli bis Ende Dezember die Mehrwertsteuer reduzierte. Viele, aber sicher nicht alle Einzelhändler geben diese Senkung an die Kunden weiter – vor allem in der Hoffnung auf steigende Umsätze. Dank des Ölpreis-Crash aus dem Frühjahr drücken die Verbraucherpreise für Energie immer noch den Schnitt in den Keller. Bislang waren aber die Preise für Nahrungsmittel sozusagen der Gegenpart zu den Energiepreisen. Aber nun schwächeln auch die Nahrungsmittelpreise.

Warum die Inflation ab Januar womöglich wieder eine Chance hat

Wir schrieben im Titel dieses Artikels, dass die Inflation „erst einmal“ keine Chance in Deutschland hat. Denn ab Januar könnte das wieder anders aussehen, wenn die Mehrwertsteuersenkung aufgehoben wird. Nutzen dann womöglich einige Einzelhändler diese „Chance“ um ihre Preise auf ein höheres Niveau anzuheben als vor der Senkung, nach dem Motto „die Kunden merken das vielleicht gar nicht“? Und dazu kommt noch, dass die „Geldumlaufgeschwindigkeit“ (mehr zu dem Fachbegriff hier) irgendwann anspringen könnte, wenn viele Menschen, die in der Krise weniger ausgegeben haben und nun auf viel Geld sitzen, wieder vermehrt Lust haben zu konsumieren. Beide Faktoren zusammen könnten für einen spürbaren Anstieg der Inflation sorgen. Vielleicht ab Frühjahr 2021?

Hier einige Detailaussagen zu den aktuellen Verbraucherpreisen auszugsweise im Wortlaut von den Statistikern:

Ein Grund für die niedrige Inflationsrate ist weiterhin die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer, die als eine Maßnahme des Konjunkturpakets der Bundesregierung zum 1. Juli 2020 umgesetzt wurde und sich seitdem im Vorjahresvergleich dämpfend auf die Verbraucherpreise auswirkt. Es ist allerdings nur schwer messbar in welchem Umfang die niedrigeren Steuersätze an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurden, da auch viele andere Faktoren die Preisentwicklung beeinflussen.

Preisrückgang bei Energieprodukten binnen Jahresfrist leicht abgeschwächt, aber Nahrungsmittel weiterhin moderat teurer mit +0,7 %

Die Preise für Waren insgesamt verbilligten sich von August 2019 bis August 2020 um 1,3 %. Ursächlich hierfür sind vor allem die Preisrückgänge bei Energieprodukten (-6,3 %). Der Preisrückgang hat sich jedoch leicht abgeschwächt (Juli 2020: -6,7 %). Im August 2020 verringerten sich insbesondere die Preise für Heizöl (-32,7 %) und Kraftstoffe (-11,3 %) gegenüber dem Vorjahresmonat, hingegen verteuerte sich Strom um 2,1 %. Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich nur noch um 0,7 %. Im Juli 2020 hatte die Teuerung für Nahrungsmittel noch bei 1,2 % gelegen. Billiger wurde insbesondere Gemüse (-6,8 %), teurer hingegen vor allem Obst (+5,8 %) sowie Fleisch und Fleischwaren (+4,8 %). Merklich teurer wurden auch Tabakwaren (+6,5 %), günstiger zum Beispiel Geräte der Unterhaltungselektronik (-4,3 %).

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt erhöhten sich im August 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,0 %. Bedeutsam für diese Preisentwicklung war die Erhöhung bei den Nettokaltmieten (+1,4 %), da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Auch für Leistungen beim Friseur und für die Körperpflege (+4,8 %) und beim Besuch in Restaurants, Cafés und im Straßenverkauf (+1,9 %) mussten trotz Mehrwertsteuersenkung höhere Preise bezahlt werden. Ursächlich hierfür dürften unter anderem die fortbestehenden Hygieneauflagen nach der Wiedereröffnung in Zeiten der Corona-Pandemie sein. Noch deutlicher erhöhten sich die Preise für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+5,6 %), insbesondere Dienstleistungen der häuslichen Pflege mit +7,4 %. Hingegen wurden Fahrkarten im Fernverkehr deutlich günstiger (-16,0 %). Dies ist vor allem auf die bereits seit Jahresbeginn gesunkene Mehrwertsteuer für Bahnfernfahrten von 19 % auf 7 % zurückzuführen und nur teilweise auf die aktuelle Senkung des ermäßigten Steuersatzes von 7 % auf 5 %.

Grafik zeigt aktuelle Daten zur Inflation in Deutschland im August



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