Indizes

Warum die Korrektur noch (lange) nicht überstanden ist!

FMW-Redaktion

Vor allem in den US-Medien herrscht geradezu ein Konsens: eigentlich ist doch alles gut, die Fundamentaldaten stimmen, jetzt sei eine Kaufgelegenheit. Es gibt nur wenige, die das anders sehen, und diese Wenigen hatten die erste Abwärtswelle bereits vorhergesehen und sagen nun: das war es noch lange nicht!

So etwa Craig Johnson, Chefanalyst von Piper Jaffray. Johnson hatte im Jahr 2012 den Bullenmarkt korrekt prognostiziert (damals tobte noch die Eurokrise), aber nun am 11.Januar diesen Jahres in einer Kolumne davor gewarnt, dass der S&P 500 um 20% einbrechen dürfte, wenn die Renditen für Anleihen weitere steigen würden. Die Renditen stiegen weiter, die Aktienmärkte brachen ein, um 8% bei den großen US-Indizes.

Nun stellt sich Johnson erneut gegen die Konsens-Marktmeinung und sagt: die Korrektur ist noch lange nicht vorbei! Der Grund: die Psychologie der Investoren haben sich durch den Abverkauf überhaupt nicht geändert, man glaube, dass das alte Muster einfach wieder aufgenommen werde nach dem kurzen Schock. Denn die Verkäufe hätten vorwiegend Algos, nicht Menschen getätigt, weshalb sich auch die Mentalität nicht verändert habe. Dazu komme, so Johnson, dass bislang vor allem die „low-quality stocks“ nach dem Einbruch gestiegen seien – für ihn kein gutes Zeichen!

Das Problem: es gibt laut Johnson keinerlei Anzeichen für eine Kapitulation, und das sei immer gefährlich! Denn eine Wende nach oben gebe es normalerweise nach Einbrüchen erst, wenn es zu einer Art allgemeiner Kapitulation komme. Da das bislang überhaupt nicht der Fall sei, werde die Korrektur noch zwischen 30 und 90 Tagen weiter gehen. Dafür spreche, dass die Kassa-Märkte in den USA, anders als die Futures (die nachts ja weiter gehandelt werden), ihre zentralen gleitenden Durchschnitte bisher nicht erreicht hätten.

Besonderes Augenmerk liege nun bei den 200-Tages-Durchschnitten bei den US-Indizes, die derzeit im Bereich 2550 Punkte beim S&P 500 und bei 22750 Punkten beim Dow Jones. Erst wenn diese Marken erreicht würden, bestehe die Chance auf eine nachhaltige Erholung, so Johnson. Das wäre dann seit Erreichen der Allzeithochs eine Korrektur von 11% im S&P 500 und von 15% beim Dow Jones – ein geradezu typisches KorrekturMuster innerhalb von Bullenmärkten (der historische Durchschnitt bei Korrekturen innerhalb von Bullenmärkten liegt bei 13%).

Vielleicht auch noch tiefer: Johnson geht von einem weiteren Verlust von 11% oder 12% aus – dann wären die bullischen Erwartungen der Marktteilnehmer beseitigt und eine scharfe Rally könnte beginnen, wenn fast alle kapitauliert haben. Das würde bedeuten, dass der S&P 500 sogar unter die 2400er-Marke fallen würde, der Dow Jones etwa bis 22.000 Punkte. Jeder hoffe und wünsche sich doch derzeit, dass die Tiefs erreicht worden seien – aber Johnson sagt: Tiefs entstehen nicht durch hoffen und wünschen, sondern erst nach totaler Verzweiflung, also muß es zuerst noch einmal Furcht geben:


“Everybody is hoping and wishing that the lows have been made, but lows are not made on hopes and wishes; they’re made in pure despair. I think we need to see more fear.”


Die NYSE von der Wall Street aus betrachtet
Foto: Hundsgemeini
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de



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1 Kommentar

  1. Jo, die 200-Tage-Linien sind die make-or-brake-Marken. Werden sie nachhaltig unterschritten, dürften auch die letzten „Das-sind-Kaufkurse!“-Marktschreier verstummen. Welche leider selbst dann die übergeordneten Trends nicht im Blick haben (sollen, falls ihr jeweiliger Arbeitgeber das nicht wünscht), wenn sie (krisen-) erfahren und routiniert seit vielen Jahren am Markt unterwegs sind. Da geraten schon mal fundamentale basics aus dem Blick, etwa ganz generell die Größe globaler Anleihemärkte betreffend. Diese sind mindestens um den Faktor 50 größer als die Aktienmärkte. Der mit Abstand größte Anleihemarkt ist und bleibt jener der USA. Steigen etwa, wie von Donald Trump billigend in Kauf genommen, die US-Schulden innerhalb kurzer Zeit massiv an (welche ja über Anleihen refinanziert werden müssen), bedeutet das, dass auch besonders große Bondvolumen an den Märkten platziert werden müssen – und zwar zu Renditen, die gerade die großen Jungs locken müssen. Die benötigte Kohle dafür wird natürlich in US-Dollar gefordert. Auch das wirkt kurstreibend für den Dollar. Darüber hinaus zieht, wie schon in freilich weitaus geringerem Umfang zu R. Reagans Zeiten, diese Schuldenorgie große Kapitalsummen aus aller Welt in die USA – der Dollar wird immer fester und fester, mit fatalen Folgen etwa für dollarverschuldete Schwellenländer. Wenn nun auch noch die US-Leitzinsen steigen (oder zumindest die Phantasien in diese Richtung), weil die Wirtschaft ach so toll läuft (nun ja, oberflächlich statistisch gesehen) und die Inflation anzieht, wird den Aktien- und auch den Rohstoffmärkten noch zusätzlich Kapital entzogen. Nicht nur Marc Faber dürfte dann einmal mehr konstatieren: „Das wird nicht gut enden können…“

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