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Warum die Notenbanken keine Rezession mehr zulassen wollen

Warum lässt man nicht einfach eine Rezession zu, nach diesem Zyklus zu einer normalen Bereinigung und der kreativen „Schumpeterschen Zerstörung“?

Die Antwort ist relativ brutal und simpel zugleich, vor allem, wenn man sich die Folgen ins Bewusstsein führt:
Weil man die Schuldenorgie zu weit getrieben hat. Was passiert denn bei einer Rezession oder Depression?
Hier nur ein paar Folgen, man könnte Seiten darüber schreiben.

 

Ein Kollaps der Aktienmärkte

Der Wert der weltweiten Aktienmärkte beläuft sich ca. auf 80 Bio.$ und würde sich bei einer ausgeprägten Rezession bestimmt auf 40 Bio. halbieren. Nicht schlimm, da es die Vermögenden trifft? Zunächst ja, aber es hängt auch oft die Altersvorsorge des kleinen Mannes daran, z.B. in den USA zu einem großen Teil, mit politisch nicht absehbaren Auswirkungen.

 

Der Arbeitsmarkt

Durch den Einbruch im gesamten Handel wird es tausende von Firmen in die Insolvenz treiben, kleine und auch viele Zombiefirmen, die Arbeitslosenzahlen verdoppeln sich mal leicht in solchen Phasen. Das ist in Deutschland verkraftbar durch unseren Sozialstaat, aber auch mit wahrscheinlich unerwarteten Folgen für die politische Landschaft (Stärkung der extremen Ränder). Die Zahl der Hartz 4-Empfänger wird explodieren, bei gleichzeitig stark sinkenden Steuereinnnahmen. Das führt zu Steueranhebungen und Leistungskürzungen. Für Deutschland aktuell besonders sensibel, denn es konkurrieren dann Hunderttausende von Zuwanderern mit Arbeitnehmern, die teilweise schon Jahrzehnte gearbeitet haben (man entlässt auch gerne zuerst die Älteren), um die Unterstützung durch den Staat. Zweifelsohne eine explosive Gemengelage.

Aber viel extremer ist die Lage in anderen Ländern mit keinem so ausgeprägten Sozialsystem. Der Verlust von Leistungen (insbesondere der Krankenversicherungen) hat existenziellere Probleme, was schlussendlich vielerorten zur Obdachlosigkeit führen wird.. Haben wir nicht noch die Verhältnisse in Griechenland im Kopf, nach dem Einbruch der Steuereinnahmen.

Sie sehen aus den ersten Argumenten: Es wird vorrangig der kleine Mann bei einer Rezession leiden.

 

Der Immobilienmarkt

Dort wird es auch eine Bereinigung geben (à la 2008), weil ein Verlust des Arbeitsplatzes zu Abertausenden Zwangsversteigerungen führt, wegen nicht mehr zu leistender Tilgungsraten bei vorher sehr teuer erworbenen Wohnungen und Häusern. Die Folge sind stark fallende Preise, was dem Reichen wiederum zumeist nicht so sehr belastet, wenn seine Villa im Wert von 20 Mio. auf 10 Mio. fällt.

 

Der große Schuldenberg

Ja, die weltweite Verschuldung von 250% zum BIP kann jetzt endlich zurückgehen, mit einer Insolvenz der Schuldner. Aber was ist dann mit den Banken, die bekanntermaßen nur höchstens 10% an Sicherheiten haben, die restlichen 90% sind Kredite? Ein Bankenkollaps? Und da zeigt sich die große Achillesverse des kapitalistischen Geldsystems (FIAT).

Ein Bankrun, also das Abheben von Bankguthaben zur Sicherung vor Verlusten durch die Insolvenz eines Instituts (trotz Garantie durch Merkel und Co) ist das schlimmstmögliche Szenario bei einem Wirtschaftseinbruch. Weil es bei einem größeren Auftreten unser Geldsystems und die Wirtschaft schlagartig in extreme Schwierigkeiten bringt. Deshalb auch die Rettungsmaßnahmen von Mario Draghi bezüglich Italien, wo dieses Szenario schon keine abstrakte Gefahr mehr darstellt, sondern eine konkrete, wie es der Jurist auszudrücken pflegt. Im Falle einer Rezession ist es also immer die Notenbank, die durch Geldmaßnahmen verhindern muss, das der Geld-Badewanne der Stöpsel gezogen wird.

Dies ist nur ein winziger Teil der Folgen von Rezessionen und Depressionen. Ich bin jetzt nicht auf mögliche positive Auswirkungen eingegangen mit der Möglichkeit des Entstehens neuer Investitionsideen und Geschäftsfelder. Aber man sieht deutlich, warum eine Rezession von Politikern und Notenbankern gemieden wird (wie der Teufel das Weihwasser), weil sie die Masse am meisten trifft mit sehr unangenehmen Folgen in vielen Ländern – und auch für die Politiker selbst.

Meine Schlussfolgerung: Es wird zu einer Rezession kommen, auch wenn die Notenbanken mit aller Kraft deren Eintreten in die Zukunft zu verschieben versuchen und schlussendlich auch zu einem Kollaps des Geldsystems, was historisch in der Phase eines Menschenlebens regelmäßig passiert ist (Ausnahme USA und Großbritannien, aber die arbeiten bereits fleißig daran).

 

Der EZB Tower
Foto: Epizentrum – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38317255



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12 Kommentare

  1. Sehr guter Artikel.
    – Dies Szenario droht seit Draghi, konnte aber immer wieder auf die Zukunft verschoben werden. Jedoch: irgendwann ist Ende der Badewanne.
    – Jemand hat gefragt, warum ich nie etwas zu Aktien, Eliotwellen … schreibe, weil ich obiges schon länger erwarte. Aber es kommt wohl erst dieses Jahr. Egal.

    1. Denkst du, dass es noch dieses Jahr zum sogenannten Finanzcrash kommen wird??

      Und wird der zu verhindern bzw. zu verzögern sein durch eine industrielle Zusammenarbeit zwischen den Staaten bzw. durch eine Schaffung europäischer Firmen??

  2. Wie immer ein super Beitrag von Wolfgang Müller. Danke hierzu!
    Wenn alles so kommt, wovon auch ich ausgehe, darf es erst kommen, wenn das Bargeld abgeschafft wurde. Dann kann man zumindest den Bank Run verhindern.

  3. Weil man die Schuldenorgie zu weit getrieben hat, dümmer noch, sie wird noch weiter getrieben.

  4. Die Chinesen sind schlauer, ein Minister hat eben geschrieben, dass QE u.das Fluten der Märkte keine Lösung sei, da dies später Probleme gebe.Sie pumpen zwar auch Geld ins System, aber eher punktuell in Firmen mit Poblemen, während die Amis bewusst Immobilien u.Aktien in die Höhe trieben . Jetzt haben sie gemerkt, dass die grösste Zeitbombe, die ramschigen Unternehmensanleihen das Kartenhaus bedroht haben. Darum die Kehrtwende im Dezember. Die Chinesen konnten immerhin in ihren Aktienmärkten eine grössere Korrektur zulassen, was anscheinend in den USA nicht mehr möglich ist.

    1. Das setzt voraus, daß die US-Amis (die dortigen Geldratten, um nicht das langweilige Wort „Geldadel“ zu verwenden!) nicht wissen, was sie tun. Glaub ich nie. Die sind mit allen Wassern gewaschen, blasen Blasen auf und lassen sie platzen. Und wenn du den Zeitpunkt weißt, hast du gewonnen. Das ist doch viel ergiebiger, als normal täglich sein Geld zu verdienen.
      – Wann macht man das wirklich große Geld? In geplatzten Blasen. Wann ist man wirklich in einem Moment ohne Geld, nach geplatzten Blasen.
      – Die reichen US-Amis haben damals Weihnachten (23.12.1913!) die FED gegründet, als die meisten Politiker zuhause waren. Sie ist ein Zusammenschluß von privaten Banken, die dem Staat Geld leihen. Er selbst darf kein Geld drucken. Das gabs in der Geschichte noch nie!
      – Der Traum Amschel Meyer Rothschilds ging in Erfüllung: „Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht!“
      https://www.aphorismen.de/zitat/83524
      „Eigentlich ist es gut, daß die Menschen unser Banken- und Wirtschaftssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“Henry Ford (1863-1947)
      Und diese Geldmenschen sollen zu blöd sein, um … Nie im Leben.

      1. “ Die reichen US-Amis haben damals Weihnachten (23.12.1913!) die FED gegründet, als die meisten Politiker zuhause waren. Sie ist ein Zusammenschluß von privaten Banken, die dem Staat Geld leihen“

        Das stimmt alles hinten und vorne nicht:
        – Bei der Abstimmung am 23. Dezember im Senat wurde das Gesetz mit 43 zu 25 Stimmen bei 27 Enthaltungen angenommen – Es waren also alle 100 Senatoren anwesend und nicht wie Sie hier behaupten im Weihnachtsurlaub.

        – Die Fed ist öffentlich-rechtlich: alle relevanten Posten werden von der Politik besetzt und die Gewinne fliessen ans Finanzministerium. Die privaten Banken sind gezwungen für eine sehr geringe, fixe Verzinsung (also gerade kein Gewinnantiel wie bei Eigentümern üblich) Antieole halten – anders dürften sie keine Geschäfte mit der Fed machen.

        Die Zitate sind Fake-Zitate, das haben weder Ford noch Rothschild gesagt. Das könnte man auch leicht überprüfen, wenn man denn nur wollte.

  5. sorry, 2008 lag die einwohnerzahl bei 6,7 milliardsen.

    wie gesagt, die 4 punkte im vergleich 1929, 2008 und aktuell. würde das keine realistische einschätzung zulassen.

    und ausserdem, 2001 war der dow bei 11000 punkten, der dax bei 8.300 punkten.
    seither hat der dow 130 % zugelegt und der dax gerade mal 40%

    wie ist das zu beurteilen.

  6. und wenn ich schon mal dabei bin nerve ich dich noch weiter wolfgang.
    unzwar ist, ob von der fmw oder kommentatoren paar mal gesagt worden das der euro schlicht und einfach zu günstig ist für die wirtschaftliche stärke deutschlands. gründe waren die südlichen euroländer. wenn dem so ist müsste doch bei einem günstigen euro die deutschen aktien dementsprechend teurer sein oder.
    ansonsten könnten andere länderinvestoren doch auf einkaufstour querbeet durch den dax.
    von daher finde ich es gut das die deutsche und die commerzbank fusionieren, somit hat der staat über die commerzbank auch den fuß drinnen bei der db.

  7. Hallo Wolfgang,

    die Antwort ist :

    „Weil man die Schuldenorgie zu weit getrieben hat.“

    Aber genau deswegen, müssen die beiden größten Notenbanken der Welt „rauss“ aus diesem „Null-Zins-Mist“.

    Ist eigentlich ganz einfach, nur :… die EZB macht nix… :D

    Und dies unter anderem wegen diesem „GB-Hühnerhaufen“ … ;)

  8. Sehr gut beschrieben!!!

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