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Warum die SAP-Aktie so dramatisch abschmiert

Die SAP-Aktie hat sich vom Allzeithoch exakt halbiert. Der CEO löste jüngst erneute KI-Ängste aus. Die Bewertung der Aktie ist günstig.

SAP Logo. Foto: Alex Kraus/Bloomberg

SAP wurde jüngst von Siemens als größtes Schwergewicht im Dax abgelöst. Dennoch hat der Software-Konzern weiterhin ein sehr großes Gewicht, womit man den Index stark beeinflussen kann. Und alleine gestern zeigte der stärkere Kursverlust der SAP-Aktie, dass man damit den Dax vom besseren Verlauf ausländischer Indizes abkoppeln konnte. Überhaupt ist der Verlauf der Aktie in den letzten Monaten regelrecht katastrophal. Die KI-Angst geht um und zieht die Aktie immer weiter runter. Die KGV-Aussichten sind inzwischen ziemlich günstig – wenn man an das Geschäftsmodell glaubt, dass auch im „KI-Orkan“ überleben kann.


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Verlauf der SAP-Aktie mit anderen Software-Aktien

SAP in der KI-Falle?

Viele Software-Aktien sind seit Monaten im Absturz. Seit Herbst 2025 fiel SAP um 38 %, Salesforce um 34 %, Servicenow um 50 % und Snowflake um 51 %. Es ist also kein Problem einer einzelnen Firma, sondern die ganze Branche leidet. Vor allem neue KI-Modelle des Anbieters Anthropic sorgen seit einiger Zeit für große Ängste. Wird es eine massive Disruption geben, die Software-Anbieter quasi aus dem Markt fegt? Unter dieser Angst leidet auch die SAP-Aktie. Am 4. Februar schrieb ich: SAP-Aktie kräftig gefallen – Einstiegschance? Damals notierte die Aktie noch bei 160 Euro. Das Rekordhoch lag bei 283,95 Euro. Bis heute mit aktuell 140 Euro ist es ein Kursrückgang vom Hoch um satte 50,7 %.

Für das Geschäftsjahr 2027 lag die KGV-Erwartung bei SAP (Kurs-Gewinn-Verhältnis) im Februar bei einem Wert von 19, für 2028 sogar bei 16. Jetzt liegen diese Werte bei 16,6 und 14,35. Der fallende Aktienkurs verbessert die Bewertung – Werte unter 20 gelten als normal. Die durchschnittlichen Analystenerwartungen sehen beim Gewinn pro Aktie von 7,19 Euro in 2026 einen Anstieg auf 8,41 Euro in 2027, und auf 9,75 Euro für das Jahr 2028. Steigende Gewinne, fallender Aktienkurs. Besser geht es eigentlich nicht für Neueinsteiger in so eine Aktie.

Glaube an das Geschäftsmodell?


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Aber das KGV ist eben nicht alles. So schrieb ich schon im Februar, es sei wichtig, dass die Anleger an das Geschäftsmodell von SAP glauben. Das gilt heute immer noch. Wer glaubt, dass SAP die mögliche KI-Disruption überleben und weiter gutes Geschäft machen kann, kauft derzeit relativ günstig ein. Am 4. Februar schrieb ich: „Aber wer an die Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit von SAP glaubt, findet jetzt deutlich günstigere Einstiege und eine für Techaktien relativ moderatere KGV-Bewertung.“ Zu der Aussage stehe ich heute auch noch. Als potenzieller Aktienkäufer muss man an die Story, an das Geschäftsmodell von SAP glauben. Ob die Firma auch wirklich in ein paar Jahren im „großen KI-Orkan“ überleben und weiter glänzen kann, ist unmöglich vorhersehbar. Hier ist der einzelne Anleger gefragt: Chance sehen und ein Risiko eingehen, oder eher an die totale KI-Disruption glauben und entsprechend lieber auf andere Aktien setzen?

CEO schockierte jüngst die Börsianer

SAP-Chef Christian Klein hat davor gewarnt, dass der Übergang zur künstlichen Intelligenz ähnlich schmerzhaft verlaufen könnte wie der frühere Wechsel in die Cloud. Dazu berichtet Bloomberg: Europas wertvollster Softwarekonzern stellt derzeit sein Geschäftsmodell grundlegend um. Kunden benötigten Zeit, um sich an KI zu gewöhnen — ähnlich wie bei der Einführung von Cloud-Lösungen, schrieb Klein in einem Gastbeitrag in der Financial Times. Der technologische Wandel erfordere “die Bereitschaft, kurzfristige Schmerzen für strukturelle Gewinne in Kauf zu nehmen”. Die Aktie fiel am Donnerstag daraufhin um 6,8 %.

CEO Klein zog Parallelen zur Cloud-Transformation des Unternehmens, die zunächst ebenfalls schwierig verlief. Im Oktober 2020 hatte SAP entschieden, Kunden verstärkt auf abonnementbasierte Cloud-Angebote umzustellen und sich von einmaligen Lizenzverkäufen zu lösen. Diese Ankündigung ließ die Aktie damals um mehr als 20% einbrechen. “Was den Wandel schwierig machte, war nicht die Technologie selbst, sondern Tausende großer Unternehmen — deren Systeme Gehaltsabrechnungen, Buchhaltung und Produktionsprozesse steuern — davon zu überzeugen, ihre geschäftskritischen Prozesse in ein neues Modell zu überführen”, schrieb Klein.

Mit der Zeit honorierten Anleger das Wachstum im Cloudgeschäft, wodurch SAP zeitweise zum wertvollsten Unternehmen Europas wurde. In den vergangenen Monaten geriet die Aktie jedoch erneut unter Druck. Anleger fürchten, dass KI traditionelle Softwarelösungen verdrängen könnte — ein Szenario, das von Analysten als “SaaSpocalypse” bezeichnet wird. Zudem äußerten Kunden und Vertriebspartner Zweifel an den ersten KI-Produkten von SAP.

Klein plant nun eine erneute grundlegende Neuausrichtung. Künftig sollen Kunden für KI-Dienste nutzungsabhängig zahlen. Diese Neuausrichtung wird die Art und Weise verändern, wie SAP Mitarbeiter einsetzt und vergütet, mit Kunden interagiert und Umsätze generiert. Zudem baut Klein sogenannte “Forward Deployed Engineering”-Teams auf, die Kunden bei der Einführung von KI unterstützen sollen. Parallel wurde der Vorstand umstrukturiert, damit er sich verstärkt der Technologie widmen kann. “Wir müssen SAP erneut von Grund auf transformieren und voll auf KI setzen”, schrieb Klein in einer E-Mail an die Mitarbeiter.

Analysten von JPMorgan um Toby Ogg betonten in einer Reaktion auf Kleins Gastbeitrag, dass der Übergang in die Cloud ein vergleichsweise bekannter Prozess gewesen sei, an dem sich Investoren orientieren konnten. “Heute bewegen wir uns weitgehend in unbekanntem Terrain”, schrieben sie.

FMW/Bloomberg

Risikohinweis: Der Handel mit Wertpapieren und Finanzinstrumenten kann Ihr Kapital erheblichen Risiken aussetzen, unter Umständen auch über das eingesetzte Kapital hinaus. Trading ist nicht für jeden geeignet. Vergangene Performance ist keine Garantie für zukünftige Performance. Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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8 Kommentare

  1. Die KI gefährdet nicht nur Software, sondern auch das Prinzip, seine Daten nicht mehr zentral vor Ort zu verwalten. Die davon angetriebenen Fortschritte der Hardware ermöglichen derzeit theoretisch schon den Schritt zurück aus dem Netz zu machen, was die Sicherheit extrem erhöhen würde!

    Zur Frage des KGV: ein KGV von 15 ist heute normal, weil wir uns an hohe KGVs gewöhnt haben. Das ist aber genau so zu bewerten, wie wir uns an schlechtere Blutwerte gewöhnen, wenn eine Bevölkerung insgesamt krank ist.

    KGVs die höher als 10 sind, sind für eine etablierte Aktie ohne besondere Wachstumsaussichten hoch. Alle Konzerne, für die eine Software wie SAP sinnvoll und interessant ist, haben sie schon – und einige mehr, die eigentlich zu klein dafür sind und für die es wirtschaftlichere Möglichkeiten gibt.

    Nur Unternehmen, die dynamisch wachsen und zumindest theoretisch ein entsprechendes Potential für dieses Wachstum haben, rechtfertigen solche KGVs.

    1. @Felix: „Die KI gefährdet nicht nur Software, sondern auch das Prinzip, seine Daten nicht mehr zentral vor Ort zu verwalten.“ Falsch! Sie können ein KI-Model Ihres Bedarfs auch lokal oder an einem Server hausintern hosten und spezialisieren. Es gibt keinen externen Cloudzwang.

      KI generierter Code bietet eine solide Unterstützung je nach Ziel. Sobald Sie versuchen im hardwarenahen Bereich zu entwickeln stehen der Masse keine soliden Modelle zur Verfügung die den Code ohne Probleme und fachlich kompetentes Fixing ermöglichen. Da ist tiefgreifendes Wissen gefragt wo die gewichtete Wahrscheinlichkeit weiterhin zu viele Fehler machen. Kaufen Sie sich einfach mal ein FPGA mit einem 32Bit Mikrokontroller und entwickeln damit etwas nach Ihrer Idee. Dann werden Sie nachvollziehen können das die offiziellen KI Technologien weiterhin Grenzen haben. Zumindest für die Masse. Für Webseiten Klickibunti Apps Backend Gedöns reicht es zumindest in weiten Teilen.

      Die heute „offiziellen“ KI Technologien sind ohnehin schon alt und was wirklich möglich ist nutzt als erstes das Militär und nicht die Masse. Wir sehen nur „altes Zeug“ aber nicht was mittlerweile Vorteile für Wenige erschafft. Das sehen wir erst wenn es keine Vorteile mehr haben wird. Irgendwann…

      Soviel zu dem Hype der medial verbreitet wird. Da ist kein Hype, sondern ein solider Bedarf der für die Masse nicht veröffentlicht wird. Niemand steckt soviel Geld in eine technologische Infrastruktur ohne bereits deterministischen Nutzen davon zu haben. Gut, SAP sehe ich da eher als Trendreiter aber nicht als Enabler neuer Trends. Diese Aktie kaufe ich mir nicht weil es von Trendreitern genug Auswahl gibt die meines Erachtens nach lukrativer sind in den Projekten die sie forcieren.

      1. Grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht, aber ich sehe, was ein Laptop heute schon lokal verarbeiten kann.
        Haben sie sich letzte Woche mit „Mythos“ befaßt? Das spricht sehr dafür, dass Ihre Ausführungen sehr realistisch sind.

  2. Ich verstehe das Negativnarrativ nit.

    Man meint KI ersetzt SAP?

    Das ist eine Software mit Bestandsdaten. Will man der KI die Datenbak geben und los gehts, Software überflüssig?

    Und wenn SAP die KI dann selbst parallel mitliefert?

    1. Hallo Großer Bär

      Die Kosten für die großen ERP-Systeme von SAP sind gigantisch. Buchhaltung ist einfach, nur für den Menschen mehrheitlich unangenehm wie eine Zahnwurzelbehandlung. Der einzige Grund, der SAP noch länger am Leben halten wird, ist die Unfähigkeit und Ängstlichkeit der Verantwortlichen. SAP ist eben „anerkannt“, passiert ein Fehler (und es passieren jede Menge durch die Anwender), ist das eben so, aber niemand kommt zu Schaden.
      Aber es ist eben auch den erheblicher Kostenfaktor. Wer den ausschaltet, wird konkurrenzfähiger und setzt Personal frei, dass sehr gut wichtigere Aufgaben in den Finanzabteilungen wahrnehmen kann.

  3. Ich halte es für ziemlichen Quatsch, dass KI Software ersetzt, vor allem so komplexe Architekturen wie SAP.

    Warum sollten die nicht in der Lage sein eine eigene KI mit auszurollen.

    Ich finde die Aktie als Turnaroundkandidat interessant, beobachte sie. Ist mir persönlich noch zu hoch.

  4. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Hinter uns liegt ein fast 17,5 jähriger Aufwärtstrend an der Börse….keine Aktie ist jetzt günstig…

    Im Crash werden alle Aktien mit nach unten gerissen…egal ob günstig oder teuer..

    SAP kommt von 16,67 zur Finanzkrise…da ist noch Platz nach unten…

  5. Na ja, ich als Einzelunternehmer und AI Anfänger, hab meine Unternehmensprozesse weg von herkömmlicher Software (zb Buchhaltung) auf AI umgestellt. Nur soviel dazu, meine Aufwand für die Bedienung der Prozesse dafür hat sich um ca. 80%! reduziert. Und das war erst die erste Iteration, nächster Schritt ist dann AI Agenten für die Vollautomatisierung, die mich nur noch bei wichtigen Entscheidungen fragen und weg von alten Schubladendenken (Sofware für X, Software für Y), hin zu Übergreifenden AI Agenten die alles in Bezug nehmen und die Standardprozesse weg automatisieren, dann braucht man sicherlich kein SAP mehr, endlich!

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