Devisen

Warum die türkische Lira dank Joe Biden aktuell unter Druck gerät

Eine womöglich kurz bevorstehende Einstufung von US-Präsident Joe Biden bringt die türkische Lira unter Druck. Hier die aktuelle Lage.

US-Präsident Joe Biden

Wie kann ein Vorgang, der zurückreicht ins Osmanische Reich, jetzt ganz aktuell die türkische Lira unter Druck bringen? Das geht, und zwar folgendermaßen. CNN titelt heute, dass US-Präsident Joe Biden sich darauf vorbereite, das Massaker an den Armeniern zum „Völkermord“ zu erklären. Eventuell könnte es am Samstag soweit sein. Damit riskiere er den Bruch mit der Türkei. Warum dieses Thema so brisant ist? Die Türkei leugnet strikt, dass es sich dabei um einen Völkermord handelte. Der deutsche Bundestag (nicht die Bundesregierung) definierte diesen Vorgang im Jahr 2016 als Völkermord, worüber die Türkei alles andere als begeistert war.

Türkische Lira unter Druck

Wenn aber die US-Regierung die damaligen Tötungen ganz klar als Völkermord klassifiziert, könnte dies Gegenreaktionen auf türkischer Seite auslösen. In welcher Art und Weise? Wer kann das schon vorher sagen. Aber genau diese Ungewissheit bring aktuell sofort Unsicherheit in die türkische Lira. US-Dollar vs Lira steigt heute von 8,19 auf bis zu 8,36 (aktuell 8,29). Man muss also mehr Lira aufbringen um 1 US-Dollar erwarben zu können.

Unruhe wegen Devisenreserven

Gestern erst nannte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die „politische Kampagne“ der Opposition als „offenen Verrat“ am türkischen Volk. Denn die Opposition wollte wissen, was mit türkischen Devisenreserven im Umfang von 128 Milliarden Dollar passiert sei, die 2019 und 2020 verkauft worden seien. Man könnte meinen, dass die Antwort einfach ist? Man versuchte mit dem Verkauf von Devisen und der Umwandlung in türkische Lira, ihren Kurs zu stützen oder am besten zum Ansteigen zu bekommen. Aber so ein Zank mit solch einer Wortwahl trägt nicht gerade zur Beruhigung der Lage bei.

Zinsentscheidung beruhigte die Lage nur kurzfristig

Vor genau einer Woche brachte die Zinsentscheidung der türkischen Zentralbank kurzzeitig Ruhe in den Handel für die türkische Lira. Die Zentralbanker beließen den Leitzins auf dem hohen Niveau von 19 Prozent. Dies war keinesfalls sicher, denn Präsident Erdogan hatte den Chef und Vize-Chef der Zentralbank erst wenige Tage vorher entlassen. Erdogan will deutlich sinkende Zinsen unter das Niveau von 10 Prozent, wie er jüngst sagte. Aber die Zentralbanker hatten den Leitzins in den letzten Monaten von 10,25 Prozent auf 19 Prozent angehoben, um die türkische Lira zu stärken und die Inflation zu bekämpfen. Und nun weigern sich auch die Nachfolger den Zins zu senken – vorerst jedenfalls. Jetzt aber rückt die mögliche Armenien-Einstufung von Joe Biden in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Es könnte turbulent werden für die Lira.

Chart zeigt Kursverlauf von US-Dollar gegen türkische Lira seit Mai 2020
Im Chart sehen wir US-Dollar vs Lira im Verlauf seit zwölf Monaten.



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1 Kommentar

  1. wenn Biden schon das Massaker an den Armeniern zum Völkermord erklärt, sollte er auch mal das Massaker der USA an den Indianern zum Völkermord erklären ! Immer dieses mit “ Zweierlei Maß messen “ kann ich nicht leiden

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