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Argumente gegen höhere Zinsen Warum die US-Aktienmärkte trotz miesen ISM-Daten deutlich steigen

Die US-Aktienmärkte steigen seit 16 Uhr, trotz mieser ISM-Daten. Denn die sind ein Argument gegen höhere Zinsen der Fed.

Um 16 Uhr wurden die ISM-Daten für das Verarbeitende Gewerbe in den USA für den Monat September veröffentlicht. Mit 50,9 Punkten fiel der Wert gegenüber August (52,8), und auch gegenüber den Erwartungen (52,2). Dies ist auch der schlechteste Wert des ISM-Index seit mehr als zwei Jahren. Wenn die Industrie in den USA also schlechter läuft, müssten die Aktienmärkte in den USA doch fallen?

Nein, die Logik läuft momentan anders. Alles ist positiv für die US-Aktienmärkte zu werten, was die Fed davon abhält die Zinsen noch weiter kräftig anzuheben. Und wenn die Fed Signale über eine erschlaffende US-Industrie erhält (wie beim ISM-Index), könnte sie vermutlich die nächste Zinsanhebung etwas kleiner ausfallen lassen, um den weiteren Absturz der US-Konjunktur nicht noch zusätzlich zu befeuern? Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed sich wirklich nur an den heutigen ISM-Wert orientiert, ist sehr gering. Aber es ist ein kleiner Baustein, der für die Aktienmärkte zumindest in diesem Augenblick ein klein bißchen Hoffnung auf weniger Zinsauftrieb gibt. Diese gute Laune kann aber schnell wieder verfliegen.

Der S&P 500 Index steigt seit 16 Uhr um 42 Punkte, der Dow Jones um 357 Punkte. Bloomberg berichtet aktuell, dass sogar über 95 % der S&P 500-Unternehmen seit den ISM-Daten von 16 Uhr aktuell zulegen. Abgesehen davon, dass der S&P 500 aus technischer Sicht überverkauft war, sorgten auch extremer Pessimismus und geringe Fondspositionierungen für eine Erholung, die auf die drittschlechteste Performance des Index in den ersten neun Monaten eines Jahres seit 1931 folgte. Die zehnjährigen US-Renditen fielen um 20 Basispunkte und näherten sich 3,6 %.

Bloomberg berichtet aktuell weiter: „Der Markt ist überverkauft, und die Stimmung ist extrem negativ, so dass eine Erholung – selbst eine starke – jederzeit möglich ist“, schrieb Matt Maley, Chefmarktstratege bei Miller Tabak + Co. „Wir sehen jedoch Tiefststände, bevor der endgültige Tiefpunkt dieses Bärenmarktes erreicht ist, da die Aktienmärkte eine Rezession noch nicht vollständig eingepreist haben.“

Trotz der Erholung an den Aktien- und Anleihemärkten sind die Märkte auf weitere Turbulenzen gefasst, da ein wichtiger Wert für den immer noch angespannten US-Arbeitsmarkt den Händlern die Möglichkeit geben wird, das Engagement der Fed für ihren aggressiven Zinserhöhungspfad neu zu bewerten. Die Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktzahlen für September diese Woche Freitag könnte zum Prüfstein für den Plan der Fed werden, die Inflation durch eine weitere Straffung der Geldpolitik und den Abbau ihrer gigantischen Bilanz einzudämmen.

FMW: Der folgende Chart, der bis Januar zurückreicht, beweist den negativen Einfluss der höheren Fed-Zinsen (orange) auf die US-Aktienmärkte. Denn der S&P 500 Index (blau) ist seitdem deutlich am Fallen. Je höher die Zinsen, desto teurer werden Unternehmenskredite, Baukredite und Kreditkartenschulden. Investitionen von Firmen und der Konsum der Verbraucher geht zurück, was sich schlecht auf Umsätze und Gewinne der Konzerne auswirkt.

S&P 500 Index als Benchmark der US-Aktienmärkte im Vergleich zu Fed-Zinsen

FMW/Bloomberg/Chart TradingView



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1 Kommentar

  1. In der Gelddruck Phase war es verständlich, schlechte Zahlen = mehr QE = fallende Zinsen= Stütze der Wirtschaft = steigende Aktien.
    Es gibt jetzt aber einen Unterschied, schlechte Zahlen mit weniger stark steigenden Zinsen, aber immer noch steigenden Zinsen , bedeutet Rezession mit sicherlich fallenden Gewinnen. Somit dürfte die Rally von kurzer Dauer sein,denn die Rezession ist noch nicht eingepreist. Haben die Gurus doch seit Jahren erzählt, dass die Börse einige Monate vorauseilt.Alsso liebe Börse, preise sofort die Rezession ein und drücke den S& P auf mindestens 3200 Punkte.

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