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Warum die US-Notenbank so widersprüchlich agiert – oder warum es eine Rezession unbedingt zu verhindern gilt!

Der Traum des ewigen (schuldenfinanzierten) Wachstums wird platzen. Man spielt bei der Federal Reserve aber auf Zeitgewinn..

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Am gestrigen Abend gab es nach der Fed-Entscheidung, 2019 die Zinsen nicht mehr zu erhöhen, reflexartig die Reaktion, die die These untermauert, was für die Börsen mehr zählt als Wirtschaftszahlen – der monetäre Faktor oder das billige Geld. Auch wenn die Kurse bis zum Börsenschluss wieder stark nachgaben, als der US-Präsident urplötzlich über den Fortbestand der Zölle gegenüber China schwadronierte und damit das Gegenteil von dem in den Raum stellte, was in den vergangenen Wochen als Kurstreiber fungierte.

 

Warum die US Notenbank unbedingt „patient“ sein will!

Trotz einer doch so starken US Konjunktur, die für 2019/2020 und darüber hinaus mit einer guten Wachstumsrate von ca. 2 % aufwarten soll, will man vorsichtig sein und stoppt den Zinszyklus auf dem niedrigsten Niveau seit Jahrzehnten.

Begründung: Die Inflation liege unter dem Zielbereich von 2 Prozent. Man sehe zwar die Risiken einer Rezession in Europa, glaube aber dennoch nicht an ein solches Szenario in einer großen Wirtschaftsregion.

 

Welche Besorgnis könnte hinter dem dovishen Verhalten stehen?

Aus meiner Sicht sieht Jerome Powell durchaus die Gefahr einer Rezession, auch in den USA, selbst, wenn er das R-Wort nicht offen kommunizieren will. Der Grund ist banal und einfach nachzuvollziehen, stellt aber im Endeeffekt einen frommen Wunschtraum dar. Die USA kann sich aufgrund der Verschuldung der Unternehmen und der Bedeutung des Aktienmarktes für jeden Amerikaner, keine Rezession ohne heftigste politische und wirtschaftliche Implikationen leisten.

Dazu habe ich zwei Kommentare verfasst: „Das Billionen-Dollar-Risiko“ (14.12.) und „Der monetäre Faktor, oder wie entkommt die Fed der Falle?“ (6.1.2019) Nochmal kurz zum Inhalt:

Der US-Aktienmarkt hat eine Marktkapitalisierung von knapp 40 Billionen Dollar, ca. 45% des Wertes der Weltbörsen. Ein Bärenmarkt, schon ab 20 % Verlust, hätte gewaltige Auswirkungen auf den US-Verbraucher. Denn dies entspräche bereits einem Verlust von 8 Billionen Dollar, was vielen Amerikanern, den Inhabern von Rentendepots (401 k Aktiensparkontos) sowie den Aktiensparern zur Vermögensbildung, gewaltige Einbußen präsentieren würde.

Folge: Die ausgabewütigen Verbraucher müssten umgehend die Ausgaben reduzieren. Kurzum – eine Rezession wäre unausweichlich in einer Volkswirtschaft, die zu 70% von der Konsumfreudigkeit seiner Bürger lebt. Als der S&P 500 kurz vor Weihnachten 19,8% vom Allzeithoch verloren hatte, dauerte es nur wenige Tage bis zur 180-Grad-Wende der Notenbank.

Die zweite Sorge der Fed habe ich hierdurch skizziert:

„Denn, heute existieren viele Firmen in den USA, die sich in den letzten 10 Jahren mit Billigkrediten vollgesogen haben und die bei steigenden Zinsen reihenweise umfallen werden. (BBB-Firmen mit Bonds in Höhe von 3 Bio.$)“.

 

Meine Schlussfolgerung

Die Federal Reserve versucht das zeitnahe Ende des Zyklus mit allen monetären Mitteln hinauszuzögern, aus Angst vor den Folgen einer Rezession. Nochmals zur Erinnerung: Der US Aktienmarkt ist von 2009 im Wert von 10 Billionen Dollar auf fast 40 Billionen Dollar im Oktober 2018 gestiegen, ebenso das Vermögen der Amerikaner (zumindest auf vielen Depotauszügen). Die bisherigen Rezessionsfolgen – Kursverluste zwischen moderaten 21% (1960-er-Jahre) und heftigen 53% (2008) würden damit gewaltige Verlustsummen bedeuten. Der Konjunktureinbruch wird aber kommen, entweder durch einen Wirtschaftseinbruch (egal was diesen auslösen wird) und der die Zombiefirmen rasch in die Knie zwingen wird oder durch einen Anstieg der Inflation, der durch das ewige Gelddrucken kommen muss. Dann müsste die Fed die Zinsen anheben, mit wirkungsgleichen Folgen.

Der Traum des ewigen (schuldenfinanzierten) Wachstums wird platzen. Man spielt bei der Federal Reserve auf Zeitgewinn, dabei könnte auch die Präsidentschaftswahl im November 2020 eine Rolle spielen.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Columbo

    21. März 2019 13:22 at 13:22

    Drei riesige Freihandelszonen USA, China, Europa, alle Zölle abgeschafft und Rezession wäre ein Fremdwort. Einige Optimisten sehen das kommen, ich nicht, ich habe eine riesige Short-Position auf die menschliche Vernunft.

    • Zimmermann

      21. März 2019 14:38 at 14:38

      Das ist schon richtig mit der Short-Position auf die menschliche Vernunft. Aber die menschliche Dummheit könnte größer sein, als das Universum. Ich glaube Einstein hat dahingehend schon was ähnliches geäussert. Wenn das tatsächlich so wäre und ich glaube ganz fest daran, dann sitzt man noch Jahre, wenn nicht Jahrzehne, auf der Short-Position.

      • Engei

        21. März 2019 15:28 at 15:28

        @Zimmermann. Vielleicht haben Sie Recht und es wird die längste Leidenszeit für Bären seit vielen Jahrzehnten.

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