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Warum die US-Schuldenbombe immer gefährlicher wird – auch für Trump!

Alles deutet auf eine weiter rasant steigende Verschuldung der USA - und damit wird es für Donald Trump sehr schwer "Amerika great again" zu machen..

FMW-Redaktion

Unter Präsident Obama hat sich bekanntlich die US-Verschuldung in nur acht Jahren verdoppelt auf nun 20 Billionen Dollar. Diese rasante Neuverschuldung wurde durch die Emission von US-Staatsanleihen finanziert – und genau das könnte in den nächsten Jahren zu einem schweren Problem, gewissermaßen zur offenen Flanke für die USA werden!

Erstens, weil ausländische Notenbanken offenkundig wenig Neigung haben, die absehbare US-Schuldenparty zu finanzieren: China verkauft seit sechs Monaten in Folge US-Staatsanleihen, und wie jüngst veröffentlichte Daten der EZB zeigen, verkaufte auch die Eurozone als insgesamt größter ausländischer Halter von US-Staatsanleihen erstmals seit vier Jahren US-Staatsanleihen. Die Befürchtung ist schlicht, dass die Ausländer das zunehmende Defizit der USA finanzieren sollen, während gleichzeitig absehbar die Inflation in den USA steigt durch die protektionistische Politik der Trump-Regierung (Importe werden teurer etc.).

Derzeit rentiert eine 10-jährige US-Staatsanleihe mit 2,5% – steigt nun die Inflation bzw. die Inflationserwartung, werden die Investoren einen Renditeausgleich dafür verlangen, mithin müssen also die US-Renditen steigen, um überhaupt noch Käufer anzuziehen.

Dazu kommt nun noch eine amerikanische Notenbank, die zurecht fürchtet, dass die Wirtschaft überhitzen könnte, wenn die Trump-Regierung ihr 1-Billionen-Dollar Infrastrukturprogramm umsetzen wird. Während die Notenbank zuvor jahrelang Zinsanhebungen nur ankündigte, dann aber nur letzlich nur zwei mickrige Anhebungen durchführte, sind die Argumente immer gewichtiger dafür, dass die Notenbank in 2017 die Zinsen mindestens zweimal anhebt. Die Fed selbst hat in ihren „dot plots“ (also der von ihr erwarteten Zinsentwicklung) von drei Anhebungen gesprochen, manche erwarten sogar, dass die Fed jedes Quartal die Zinsen anhebt, also insgesamt dann viermal in 2017.

Passiert das, wird die Zins-Last der von den USA aufgenommen Schulden immer größer. Zwar wären die Zinsen bei vier Anhebungen immer noch im historischen Kontext niedrig, aber bezogen auf die gigantische Summe von 20 Billionen Dollar Schulden wäre ein Anstieg der Zinsen um 1% ein massiver Anstieg der Schuldenlast. Schon deshalb ist es also sehr wahrscheinlich, dass die Schulden der USA weiter steigen, und das jenseits der Frage, ob Trump das geplante gigantische Infratsrukturprojekt durch Einsparungen an anderer Stelle finanzieren kann (was sehr unwahrscheinlich ist!). So werden die USA im Jahr 2017 etwa 270 Milliarden Dollar an Zinsen zahlen für ihre aufgenommene Verschuldung, in zehn Jahren düfte es nach einer Schätzung von CBO dann 768 Milliarden Dollar sein“ – also ein Anstieg von einer halben Billionen Dollar (5% der derzeitigen US-Gesamtverschuldung) im Vergleich zu 2017!


US-Präsident Donald Trump und sein Stellvertreter Mike Pence
Foto: Ali Shaker/VOA; Public Domain

Und noch etwas kommt hinzu: die Demografie. Die amerikanische Gesellschaft wird absehbar durchschnittlich älter und damit auch kränker – die Kosten des Systems werden also nach oben gehen, während weniger Arbeitnehmer diese Kosten finanzieren müssen. Dieser ohnehin bestehende Trend dürfte sich unter der Trump-Regierung und ihren Kampf gegen illegale Einwanderung noch verstärken, weil die illegalen Immigranten meist jung (und männlich) sind und daher den Trend zur Vergreisung der US-Gesellschaft verlangsamten. Die absehbar geringere Immigration in die USA wird also die Alterung der US-Gesellschaft beschleunigen, ähnlich wie das in Europa schon der Fall ist!

Und was ist die Konsequenz aus der negativen Perspektive für die US-Verschuldung? Entweder kann Trump Teile seine kostenintensiven Versprechen nicht halten – oder die US-Verschuldung explodiert auch unter Trump weiter, ähnlich wie bei seinem Vorgänger Obama!



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8 Kommentare

  1. Gebe zu bedenken, dass wir gerade hier auf FMW von einem ausgewiesenen Experten
    gelernt haben, dass Staatsschulden in eigener Währung keine wirklichen Schulden sind.

    1. @columbo, oh, ich vergaß :)

    2. Deswegen gibt es für die USA auch nur zwei mögliche Szenarien: Hyperinflation oder Staatsbankrott.

      Jemand ne andere Idee?

  2. Moin, moin,
    alles kein Problem, dann wird sich noch ein Nicht-US-Unternehmen finden, dem man ein paar Milliarden Strafzahlung aufbürden kann. Wofür diese Zahlung? Äh, Em, egal, Strafe für nicht US-Firmen muss sein. Vielleicht muss die BRD auch noch Reparationen zahlen, sicher findet sich in Washington noch eine passende Akte.
    Herr Riße hat hier doch erläutert, dass Staatsschulden in eigener Währung nie ein Problem sind. Klingt plausibel. Man druckt diese großen Scheine und erklärt dann die Währung für ungültig. Will jemand den USA mit der Creditreform oder so kommen? Wohl eher nicht. Also, die (Schulden-) Party geht weiter.

  3. das ist der Grund warum ich USDJPY short bin und bleibe! Wir sehen 100 eher als 125!

  4. Könnte FMW diesen Artikel nicht mal im Wallstreet Journal veröffentlichen?
    Jeder klar denkende Börsianer würde aufgrund der erdrückend schrecklichen Aussichten Hals über Kopf short gehen müssen. Ruck zuck sollte der Dow Jones 5000 Punkte tiefer gehen.

    Dass es aber entgegen der Logik dennoch nicht krachen wird, liegt entweder da dran, dass es keine klar denkenden Börsianer gibt oder der Artikel die Situation übersteigert pessimistisch darstellt.

    1. Oder es liegt daran, dass Placebos auch wirken, selbst wenn der Patient weiß, das es Placebos sind, sagt jedenfalls E.v. Hirschhausen. Ich hab es gegoogled, es scheint zu stimmen.

  5. ein sehr guter Kommentar im Handelsblatt, Auszug daraus:
    Auszug daraus:
    „Das System hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der Mehrwertsteuer in Europa, die ja auch an der Grenze bei Ausfuhren erstattet und bei Einfuhren erhoben wird.“

    Demzufolge hätten wir ja bereits so etwas ähnliches wie eine Importsteuer (immerhin 19%), oder.
    Sollte dann noch eine Aufwertung des Dollars dazukommen, wäre die Situation wahrscheinlich nicht so dramatisch wie befürchtet.

    Quelle für den Auszug:
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/trump-droht-mexiko-strafzoelle-nur-ein-modell-von-vielen/19311998.html

    Wirklich lesenswert!

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