Devisen

Warum die Yuan-Abwertung Chinas hoch verschuldete Unternehmen Milliarden kostet

Von Markus Fugmann

Wir haben bereits ausführlich thematisiert, welche Auswirkungen die Yuan-Abwertung für Deutschland und seine Exporte nach China haben wird. Was aber wird das für chinesische Unternehmen bedeuten? Kurz gesagt: nichts Gutes!

Der Grund liegt auf der Hand: Chinas Unternehmen haben sich offshore, also im Ausland stark verschuldet. Dazu haben sie in Dollar oder Euro notierte Anleihen begeben (da die Kreditaufnahme in diesen Währungen deutlich günstiger ist als im höher verzinsten Yuan). Insgesamt beläuft sich das Volumen dieser Kredite wohl auf ca. drei Billionen Dollar (genau Zahlen sind nicht bekannt). Wertet der Yuan nun wie heute Nacht um 1,9% ab, bedeutet das: die Verschuldung der chinesichen Unternehmen ist heute Nacht um viele Milliarden Dollar gestiegen! Und wahrscheinlich hat die Abwertung gerade erst angefangen, das Schlimmste liegt also noch vor den ohnehin extrem verschuldeten Unternehmen (Chinas Firmen haben mit Unternehmen aus Singapur die höchste Verschuldungsquote weltweit!).

Da der Yuan bislang von der chinesischen Notenbank ziemlich konstant gehalten worden war, haben Chinas Unternehmen ihre Fremdwährungs-Verschuldung nicht gehedged, haben also keine Absicherungen gekauft für den Fall einer Abwertung des Yuan. Damit dürfte ihre Verschuldung immer teurer werden – Ratingabstufungen werden dann die logische Folge sein. Besonders betroffen sind Immobilienentwickler im Reich der Mitte: sie haben durchschnittlich 20% ihrer Verschuldung in Fremdwährungen, haben dabei noch eine „high leverage“ und einen schwachen Cash flow. Pleiten dürften in diesem Sekor die logische Folge sein.

Betroffen sind jedoch auch die Lokalverwaltungen in China. Für das nächste Jahr waren sechs neue Anlagevehikel geplant, die es den hoch verschuldeten Lokalverwaltungen erlaubt hätten, neue Schulden in Dollar aufzunehmen. Daraus wird nun wohl erst einmal nichts werden!

Die Abwertung dürfte zunächst weiter gehen. Die japanische Großbank Nomura schätzt, dass China seine Währung auch nach dem heutigen Schritt um mindestens drei Prozent weiter abwerten muss, um seine Exportchancen nachhaltig zu verbessern. Zwar jubelt derzeit die chinesische Exportindustrie über den Schritt der Notenbank – aber das eigentliche Problem Chinas bei den Exporten ist die fehlende Nachfrage aus dem Ausland einerseits, sowie die zu hohen Arbeitskosen im Reich der Mitte andererseits. Viele Firmen in China sind daher dabei, ihre Produktion zu automatisieren – keine gute Nachricht für Chinas Arbeitnehmer!

Und noch zwei weitere Folgen: die ohnehin schon starken Kapitalabflüsse aus China werden sich weiter intensivieren (im ersten Halbjahr nach offiziellen Zahlen 165 Milliarden Dollar, faktisch jedoch wohl viel mehr). Und: die Kreditaufnahme für chinesische Unternehmen in Fremdwährungen wird kaum mehr möglich sein. Die beginnende Yuan-Abwertung ist also ein Schritt mit gigantischen Folgewirkungen – deren Auswirkungen wir erst in einigen Jahren wohl ermessen können..



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