Folgen Sie uns

Allgemein

Warum die Zinsen für Staatsanleihen jetzt vollends kollabieren

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Von allen Seiten geraten die Zinsen aktuell unter Druck: durch die einbrechende Konjunktur, den kollabierenden Ölpreis sowie die Turbulenzen am Aktienmarkt. Die starke Verunsicherung der Investoren führt zu einem Run auf Staatsanleihen und drückt die Renditen am Kapitalmarkt auf neue Rekordtiefststände. Wer profitiert von dieser Entwicklung und für wen ist sie gefährlich?

Die Zinsen entwickeln sich mit einer besorgniserregenden Dynamik

Der Kollaps der Zinsen an den Kapitalmärkten vollzieht sich in atemberaubender Geschwindigkeit und ist historisch beispiellos. Gleich mehrere Faktoren treiben die Anleger scharenweise in die vermeintlich sicheren Schuldpapiere der Staaten.

Zum einen bedeutet die Coronavirus-Epidemie einen Konjunkturschock für die ohnehin bis über beide Ohren verschuldete Weltwirtschaft. Die Ratingagentur Standard & Poor´s schätzt, dass die weltweite Verschuldung im Jahr 2020 auf 53 Billionen US-Dollar ansteigt. Das sind nochmals fünf Prozent mehr als noch im Jahr 2019.

Zum anderen kollabiert im Zuge des Ölkriegs zwischen Saudi-Arabien, Russland und den amerikanischen Schieferölproduzenten der Rohölpreis, was nicht nur die auf hohe Preise angewiesenen US-Fracking-Unternehmen unter Druck setzt, sondern auch die im OPEC-Kartell selbst vereinten Produzenten sowie Russland.

Über Nacht fiel der Preis für ein Barrel Rohöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) um ca. 30 Prozent auf aktuell knapp 30 US-Dollar pro Barrel (159 Liter Fass). Die meisten Staaten der OPEC benötigen für ausgeglichene Staatshaushalte Ölpreise in Höhe von ca. 90 US-Dollar. Pleitekandidaten wie Venezuela sogar 150 US-Dollar pro Barrel. Die US-Fracking-Industrie operiert in der Breite erst ab Notierungen von gut 60 US-Dollar profitabel.

Da nun eine sich verstärkende Pleitewelle bei den US-Frackern droht, geraten ohnehin schlecht bewerteten Anleihen dieser Unternehmen aktuell stark unter Druck. Der Risikoaufschlag zu US-Staatsanleihen explodiert förmlich auf knapp 900 Basispunkte (9 Prozent über Benchmarkzins). Die Schuldverschreibungen der US-Schieferölindustrie machen ca. 15 Prozent des US-Risikoanleihemarktes aus und drohen das gesamte Segment im Volumen von 390 Mrd. US-Dollar in Turbulenzen zu stürzen. 65 Prozent aller ausstehenden US-Unternehmensanleihen sind mit dem Rating „BBB“ versehen, also nur noch knapp vom Ramschstatus entfernt (Thema BBB-Schuldenbombe).

Die Schere zwischen den Staatsanleihen und den Unternehmensanleihen weitet sich damit aktuell dramatisch aus. Die Aktienmärkte goutieren diese Gesamtgengelage mit einem neuerlichen weltweiten Kurssturz und treiben weiteres Geld in den vermeintlich sicheren Hafen Staatsanleihen, was die Zinsen noch weiter kollabieren lässt. In keinem einzigen der OECD-Staaten gibt es aktuell noch Staatsanleihen mit positivem Realzins – was für eine verrückte Welt!

Die Zinsen fallen immer weiter

Dabei stehen so viele Länder wie selten zuvor vor dem Bankrott, u. a. Argentinien, Chile, Venezuela, Libanon, Iran, Pakistan sowie das Emirat Dubai. Auch der jüngste, wenn auch moderate Abverkauf langlaufender italienischer Staatsanleihen, sollte den Anlegern eigentlich eine Warnung sein.

Doch noch überwiegt die Überzeugung, dass zur Not alle Staatsschulden von den Notenbanken monetarisiert werden. Was dabei übersehen wird, ist die nur nominal geltende implizite Notenbankgarantie für die Staatsobligationen. Wenn im Ernstfall tatsächlich die Notenbanken weltweit durch das Anschmeißen der digitalen Geldpressen zum Hauptgläubiger de facto bankrotter Staaten werden, dann ist die Kaufkraft der Währungen, in denen die Bonds denominiert sind, in akuter Gefahr. Was nützt eine Staatsanleihe, für die zwar zuverlässig Zinsen ausbezahlt werden (sofern noch vorhanden) und die planmäßig getilgt wird, wenn die Tilgungswährung später gleichwohl wertlos ist?

Doch noch herrscht pure Kaufpanik am Markt für Staatsobligationen, wie exemplarisch die Preisentwicklung der bedeutenden US-Benchmark-Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit zeigt (US T-Bonds):

Die Kurse der Staatsanleihen steigen, die Renditen fallen dementsprechend

Die Zinsstrukturkurve steht auf dem Kopf

Der rasante Zinsverfall führt zu einem Ausnahmephänomen am Kapitalmarkt: der inversen Zinsstrukturkurve. Mit hoher Zuverlässigkeit folgt mit einer Zeitverzögerung von wenigen Monaten auf solch eine Konstellation eine offizielle Rezession. Die Inversion der US-Zinsstrukturkurve hält bereits mehrere Monate an. Der Anleihemarkt preist mit der aktuellen, ungewöhnlich starken Inversion trotz bereits massiv gesenkter US-Leitzinsen eine sehr starke Rezession á la Finanzkrise 2008 ff. ein:

Die Notenbanken stehen unter immensem Druck

Da bei einer solchen Konstellation die Zinsmargen der Banken erodieren (Thema Fristentransformation), steht die US-Notenbank Fed unter enormem Druck. Sie hat zwar noch etwas Spielraum für Zinssenkungen, die helfen könnten, die starke Inversion der Zinsstrukturkurve abzumildern und die Banken vor Verlusten im Kreditgeschäft zu schützen, aber auch in den USA nähern sich die Leitzinsen rasant der Nulllinie (aktuell effektiv 1,05 Prozent).
Die nächste offizielle Zinssitzung der Fed findet am 18. März statt. In Anbetracht der sich weiter verstärkenden Marktturbulenzen trotz einer bereits vollzogenen Notzinssenkung am Dienstag voriger Woche ist es kaum vorstellbar, dass die Fed bis zu diesem offiziellen Termin passiv bleibt.

Geldpolitischer Wahnsinn voraus

Wir werden momentan Zeugen einer historisch einmaligen Dynamik beim Verfall der Zinsen in den Industrieländern weltweit. Für Zinssparer sind dies keine guten Nachrichten. Für den Immobilienmarkt verheißen die noch weiter sinkenden Fremdfinanzierungskosten eine weitere Aufblähung der Preisblase und für immer mehr Staaten ergibt sich die Möglichkeit, sich so günstig wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit zu verschulden, nämlich zu Zinsen unter null.
Diese gesamte Gemengelage, also Nullzinsen und Staatsanleihekaufpanik bei paralleler Schuldenexplosion, macht rational eigentlich keinen Sinn. Aber sie zeigt die Verzweiflung der Anleger und den Grad des Notenbankeninterventionismus.
Beim Betrachten der aktuellen Entwicklung bei den Zinsen beschleicht einen immer mehr das Gefühl, man sei Zeuge der Endphase eines Wirtschaftssystems – jenseits der aktuellen ökonomischen Belastungen durch das Coronavirus.

Die Zinsen gehen in den Keller
US Treasury Department. Foto: AgnosticPreachersKid CC BY-SA 3.0

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    sabine

    9. März 2020 13:14 at 13:14

    „den Grad des Notenbankeninterventionismus“
    Steiler Steigbügel für das Helfersyndrom (Aufblasen von Blasen) der Notenbanken war in großem Stil die Krise 2008. Und die Medien sorgen dafür, daß die Mehrheit sich freut, daß die Notenbanken retten. Statt das Spiel zu durchschauen.
    Man kann es nur immer wiederholen, freie Marktwirtschaft wird mehr oder weniger abgewürgt, abgeschafft.

    Das ist doch wie bei der Zwangsgebühr GEZ, die können bringen was sie wollen, der Absatz ist egal, das Einkommen gesichert!

  2. Avatar

    Columbo

    9. März 2020 13:36 at 13:36

    Irgendwie wäre mir jetzt Mario Draghi lieber, als Christine Lagarde, kann das rational aber nicht begründen. „Was immer auch geschieht“…jetzt geschieht es.
    Macht am Ende wohl doch keinen Unterschied, wer von den beiden…

  3. Avatar

    Steve oh

    9. März 2020 16:14 at 16:14

    Wat?

    Dubai vor der pleite??

    • Avatar

      Hannes Zipfel

      9. März 2020 18:41 at 18:41

      @STEVE OH: Ja, keine Öl- und Gasproduktion mehr, 40 Mrd. US-Dollar Schulden beim Nachbaremirat Abu Dhabi und abnehmendes Wirtschaftswachstum. Dubai erhebt keinerlei Steuern (außer früher auf Öl- und Gasgeschäfte) und ist daher hochgradig defizitär. Wenn im Herbst die Weltausstellung (Expo) wegen Corona platzt, ist Dubai pleite.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Beate Sander: „Ich werde in diesem Monat sterben!“ Das letzte Interview

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Beate Sander ist bekanntlich in dieser Woche verstorben. Dass ihr Leben zu Ende geht, war ihr völlig klar: „Ich werde in diesem Monat sterben“, sagte sie in ihrem letzten Interview mit einer bewundernswerten Haltung. Trotzdem ist die „Börsen-Oma“ bis zum letzten Tag ihrer Leidenschaft für die Märkte treu geblieben – und es ist diese Leidenschaft, die sie die Schmerzen und die Aussicht auf den Tod hat ertragen lassen.

Man spürt: Beate Sander hatte eine Berufung – und diese Berufung machte sie glücklich. Und in der Tat: wer eine Berufung in sich spürt, der verspürt Sinn in seinem Leben. Beate Sander aber war eine „Berufene“. Und das obwohl die ehemalige Realschullehrerrin erst im Alter von 59 Jahren ihre erste Aktie kaufte.

Ihre letzte Botschaft lautete für diejenigen, die ähnlich wie sie vor dem Tode stehen:

„Nehmt das so mutig und gelassen hin wie es möglich ist“.

Und Sander mit ihrem letzten Appell:

„Ich möchte alle Anleger noch mal ganz herzlich bitten: Weg vom Sparbuch, hin zu Aktien! Spart vernünftig und baut euch ein schönes Vermögen auf!“

Wer am Ende so souverän sein kann wie Beate Sander, muß ein großer Mensch sein!

 

Beate Sander war eine Berufene

weiterlesen

Allgemein

Olaf Scholz und der große Steuer-Irrsinn – Bundesrat rettet die Bürger?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Was Olaf Scholz da verzapft hatte gegen Privatpersonen in Deutschland, die an der Börse handeln, war unfassbar. Ja, es war sogar der reine Irrsinn. Man könnte glatt meinen, Olaf Scholz verstehe gar nicht, was er da macht – schließlich betont er immer wieder, dass das Sparbuch sein persönlicher Favorit ist. Kennt er sich mit Aktien, Derivaten und Verlustverrechnungen überhaupt aus? Geht es nach seinen Beschlüssen, dann werden Privatpersonen ab Januar 2021 in die absurde Lage kommen, dass sie Steuern auf Kapitalerträge zahlen müssen, obwohl sie in diesem Jahr insgesamt mehr Verluste als Gewinne gemacht haben!

Zahlreiche Medienpublikationen berichteten unlängst über dieses Thema (siehe beispielsweise hier oder hier), aber auch wir bei FMW hatten uns schon mehrfach darüber ausgelassen, was für ein Irrsinn da von Olaf Scholz in die Welt gesetzt wurde. Oder können Sie sich vorstellen zum Beispiel als kleiner Selbständiger Einkommensteuer zu zahlen, obwohl sie gar kein Geld verdient haben? Nein, denn das wäre ja völlig sinnfrei – genau wie es jetzt bei Steuern auf Kapitalerträge aus Derivategeschäften kommen soll.

Laut dem neuem Gesetz von Olaf Scholz (Erweiterung des Einkommensteuergesetz § 20 Absatz 6 Satz 4) dürfen ab Januar 2021 Verluste aus Termingeschäften nur noch mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden. Noch wichtiger: Pro Jahr dürfen nur noch 10.000 Euro Verluste mit Gewinnen verrechnet werden. Macht man 15.000 Euro Verlust, kann man im Folgejahr die überschüssigen 5.000 Euro gegen die Gewinne des nächsten Jahres verrechnen. Nur dumm, wenn man jahrelang in Folge mehr Verluste als Gewinne macht. Die praktische Folge: Es kann passieren, dass der Anleger Steuern auf Gewinn-Trades zahlt, obwohl man insgesamt in einem Jahr mehr Verluste als Gewinne gemacht hat.

Rettet der Bundesrat die Bürger vor dem Irrsinn des Olaf Scholz?

Jetzt kann der Steuerbürger und Privatanleger nur hoffen, dass der Bundesrat am 9. Oktober den Steuer-Irrsinn des Olaf Scholz stoppen wird. Denn ein aktuelles Papier (hier einsehbar) zeigt die Empfehlungen der Fachausschüsse an den Bundesrat für die Sitzung am 9. Oktober. Man darf vermuten und hoffen, dass der Bundesrat diese Empfehlungen umsetzen wird? Und siehe da, genau zu dieser angedachten Änderung im Einkommensteuergesetz, die das Ministerium von Olaf Scholz umgesetzt sehen will, sagt die Empfehlung der Ausschüsse Zitat „In Absatz 6 werden die Sätze 5 und 6 gestrichen„. Und eben jene Sätze betreffen diese angedachte Begrenzung der Verlustverrechnung. Wir wollen an dieser Stelle nur einen kurzen Teil der Begründung zitieren, warum die Fachausschüsse dem Bundesrat diese Empfehlung geben. Zitat:

Der Bundesrat spricht sich für die Streichung der 2019 (BGBl. I 2019, 2875) geschaffenen neuen Verlustverrechnungsbeschränkungen im Bereich der Einkünfte aus Kapitalvermögen aus. Die administrative Umsetzung dieser Vorschriften ist verfassungsrechtlich bedenklich und stellt die Finanzverwaltung zudem vor nahezu unlösbare Aufgaben.

Mit der Neuausrichtung der Besteuerung ab dem Jahr 2009 wurde – höchstrichterlich bestätigt – das Grundprinzip einer symmetrischen Berücksichtigung von Gewinnen und Verlusten innerhalb der Kapitaleinkünfte eingeführt. Die neuen Vorschriften brechen mit diesem Grundprinzip. Die Verlustverrechnungsbeschränkungen sind so restriktiv, dass sie in der Fachliteratur als ein klarer Verstoß gegen das verfassungsrechtlich maßgebende Nettoprinzip bewertet werden.

Zum Thema finden Sie hier ein aktuelles Video des Börsenexperten Andre Stagge, bitte anschauen!

Bundesfinanzminister Olaf Scholz
Olaf Scholz. Foto: Olaf Kosinsky CC BY-SA 3.0 de

weiterlesen

Allgemein

Trump und die US-Wirtschaft – ein Faktencheck

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Donald Trump

In der TV-Debatte mit Herausforderer Joseph Biden rühmte sich US-Präsident Donald J. Trump erneut, dass sich die US-Wirtschaft während seiner Amtszeit zur „Greatest Economy Ever“ entwickelte. Ein Blick auf die Fakten relativiert diese Einschätzung.

Trump und das Ende des Aufschwungs der US-Wirtschaft

Donald Trumps Amtszeit fiel in die Schlussphase einer ungewöhnlich langen wirtschaftlichen Expansion in den USA, die beispiellose 128 Monate andauerte. Der Rekordlauf, der im Juni 2009 begann, drohte jedoch bereits im Jahr 2019 zu kippen, noch lange bevor die US-Wirtschaft von der COVID-19-Klippe fiel. Nur das beherzte Eingreifen der US-Notenbank (Fed) am US-Repo-Markt, am Offshore-Dollar-Geldmarkt sowie am Markt für kurzlaufende US-Staatsanleihen verhinderte vor Jahresfrist einen Finanzcrash mit unabsehbaren Folgen für die US-Konjunktur. Schuld an den Spannungen war nicht zuletzt die stark gestiegene Emissionstätigkeit des US-Finanzministeriums (U.S. Department of the Treasury) in Folge exorbitanter Ausgabensteigerungen.

Allein das US-Militärbudget stieg in der Amtszeit von Donald J. Trump von 663 Mrd. US-Dollar für 2017 auf 738 Mrd. US-Dollar für 2020 um 11,3 Prozent an. Zum Vergleich: Russlands Militärbudget beträgt für 2020 lediglich 72,3 Mrd. US-Dollar und China, die zweitgrößte Militärmacht weltweit, wendet in diesem Jahr umgerechnet knapp 270 Mrd. US-Dollar für seine Verteidigung auf (Quellen: Statista, NDR). Volkswirtschaftlich betrachtet sind Militärausgaben, vor allem in dieser unfassbaren Höhe wie in den USA, wenig produktiv und kaum nachhaltig. Besser wären die Mehrausgaben im Bereich Infrastruktur angelegt, wo es in Anbetracht von maroden Brücken, Straßen und Schienenwegen dringend benötigt wird.

Insgesamt stieg die Verschuldung der US-Bundesregierung während der Amtszeit von Donald Trump gemäß den Daten des Bureau of Public Debt (BPD) von 105,3 Prozent des BIP Ende 2016 auf aktuell 136,8 Prozent an. Die Menge der angebotenen Schuldpapiere zur Finanzierung des Staatsbudgets überforderte die Aufnahmefähigkeit des Anleihe-Marktes und zwang die US-Notenbank Fed bereits ab September 2019, also noch vor dem Ausbruch der Pandemie, zu Notmaßnahmen. Bis zum Jahresultimo 2019 kaufte die amerikanische Notenbank im Volumen von 410 Mrd. US-Dollar amerikanische Staatsanleihen auf nahm diese auf das eigene Buch. Auch eine Notzinssenkung hatte die Fed bereits im Jahr 2019 vornehmen müssen und sogar ein neues QE-Programm über 60 Mrd. US-Dollar pro Monat etabliert.

Die Lage heute

Seit Jahresbeginn hat die US-Notenbank ihren Leitzinssatz (Fed Funds Rate) auf effektiv 0,09 Prozent gesenkt und ihre Bilanz um weiter 2,92 Billionen auf insgesamt 7,093 Billionen US-Dollar aufgebläht. Dies ist der höchste Stand in der Geschichte der USA. Das Haushaltsdefizit erreichte im Fiskaljahr 2019/2020 atemberaubende 14 Prozent des US-BIP. Seit März 2020 befinden sich die USA in der Coronakrise. Innerhalb von nur zwei Monaten verloren 20,5 Millionen Amerikaner ihre Arbeitsplätze und hunderttausende Unternehmen in nahezu allen Sektoren mussten vorübergehend oder dauerhaft ihren Betrieb einstellen. Der Erholungsprozess der Wirtschaft ist wie überall in der Welt von einer zweiten Pandemie-Welle bedroht.

Natürlich ist der US-Präsident nicht für die Corona-Krise oder das Virus verantwortlich. Ohne Pandemie hätte er sich mit seiner Wiederwahl womöglich sogar leichter getan. Seine bewusste Verharmlosung der Seuche hat aber wahrscheinlich mit dazu beigetragen, dass die US-Bevölkerung und die US-Wirtschaft heute die weltweit größten Belastungen tragen müssen. Und das alles nur, weil Donald Trump angeblich eine Panik im eigenen Land vermeiden wollte. Dafür, dass man die Krise besser hätte managen können, ist Deutschland ein gutes Kontrastbeispiel zu der angeblich „Greatest Nation On Earth And In History“.

Es ist unbestritten, dass die US-Wirtschaft in den ersten drei Jahren der Präsidentschaft von Donald Trump stetig wuchs, während die Arbeitslosigkeit kontinuierlich sank. Doch messen lassen muss er sich an seinen Wahlversprechen am Wahltag, dem 3. November.

Wirtschaftswachstum

Die Wirtschaftsleistung blieb weit hinter dem Wachstum von 4 bis 6 Prozent zurück, das Donald Trump seinen Wählern wiederholt versprochen hatte, und wuchs 2019, 2018 und 2017 um 2,2 Prozent, 3,0 Prozent und 2,3 Prozent. Für das letzte Jahr der ersten und möglicherweise letzten Amtsperiode von Donald Trump rechnet die OECD für die USA mit einer Kontraktion des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Höhe von 8,5 Prozent. Damit fällt die US-Wirtschaft auf das Ausgangsniveau von Trumps bisheriger Präsidentschaft zurück. Also kein Wachstum seit 2017.

Außenhandel

Eines der Schwerpunkte auf Trumps politischer Agenda war und ist der Handelskrieg, vor allem gegen China. Berechtigt oder nicht versprach Trump, dass im Ergebnis Millionen von Jobs und zehntausende Produktionsstätten nach Amerika zurückkehren und sich das immense Außenhandelsdefizit der USA stark verringern würde. Fakt ist, dass das US-Handelsbilanzdefizit gemäß den Daten des U.S. Bureau of Economic Analysis im Januar 2017, also im Monat der Amtseinführung des aktuellen US-Präsidenten, bei -42,9 Mrd. US-Dollar lag. Im Dezember 2018 schlugen bereits -56,4 Mrd. US-Dollar Handelsbilanzdefizit zu Buche. Die letzten verfügbaren Daten aus dem Juli 2020 zeigen einen Wert von -63,6 Mrd. US-Dollar. Das ist das genaue Gegenteil dessen, was Trump seinen Wählern versprochen hatte. Über massenhafte Verlagerungen von Produktionsstandorten und Jobs aus China in die USA ist nichts bekannt.

Arbeitsmarkt

Die offizielle US-Arbeitslosenrate ist mit aktuell 8,4 Prozent deutlich höher als im Januar 2017 mit 4,8 Prozent. In Menschenschicksalen gerechnet bedeutet dies 30,5 Millionen Amerikaner, die momentan auf Arbeitslosenhilfe angewiesen sind (am Freitag kommen neue Zahlen). Im Januar 2017 waren es lediglich 17 Millionen Amerikaner.

Soziale Ungleichheit

Das inflationsbereinigte mittlere Haushaltseinkommen (Median Houshold Income) betrug im vergangenen Jahr 68.703 US-Dollar, eine Steigerung von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Laut dem U.S. Census Bureau war dies der fünfte jährliche Anstieg in Folge. Die offizielle Armutsquote lag 2019 bei 10,5 Prozent – die niedrigste seit Beginn der Volkszählung im Jahr 1959. Für das Jahr 2020 erwartet die US-Notenbank (Fed) eine gegenläufige Entwicklung mit sinkendem mittleren Haushaltseinkommen und einem deutlichen Anstieg der Armutsquote. Diese sei vor allem der Eintrübung am Arbeitsmarkt und dem Verlust von Betriebsvermögen im Bereich „Small Businesses“ zurückzuführen.

Zwar konnte die Trump-Administration mit insgesamt vier Krisenhilfspaketen das Einkommen der US-Bürger stabilisieren und Arbeitsplätze erhalten. Ein Großteil der Hilfen läuft nun jedoch sukzessive aus und es droht Millionen Menschen der wirtschaftliche Absturz. Dies gilt vor allem für den Niedriglohnsektor und für Transferleistungsempfänger, die kaum Rücklagen gebildet haben und im Gegenteil sogar netto verschuldet sind.

In welchem Ausmaß sich die soziale Schere in Folge der Coronakrise spreizen wird, hängt auch vom weiteren Verlauf der Pandemie, deren zeitlicher Ausprägung und der Fähigkeit des US-Kongresses zur Kompromissfindung für ein fünftes billionenschweres Hilfspaket ab. Die zunehmende Verhärtung der Fronten zwischen Abgeordnetenhaus und Senat lässt diesbezüglich bis weit in den November hinein nichts Gutes für die US-Wirtschaft erahnen.

Fazit

Ohne Gelddruckorgie und das Zinsdumping der Fed wäre es schon vor gut einem Jahr zu einer neuen Krise der US-Wirtschaft gekommen. Und hätte es die drei QE-Programme der Fed seit der Finanzkrise 2008 nicht gegeben, wer weiß, ob es die „Greatest Nation On Earth And In History“ nach nur 232 Jahren (1776-2008) heute überhaupt noch gäbe.

Mit der Arbeit von Donald Trump und seinem Vorgänger Barack Obama hat die Länge des Aufschwungs bis 2019 jedenfalls relativ wenig zu tun. Abgesehen von der Steuerreform Donald Trumps, die sicher die US-Konjunktur belebt hat. Die Geldpolitik hat in der Amtszeit von Donald Trump aber faktisch die Konjunktur getragen und ihren Kollaps mehrfach verhindert, nicht die Trump-Administration. Diese Wahrheit sollte der US-Präsident kennen. Aber was scheren einen der angeblich erfolgreichsten Geschäftsmänner unserer Zeit und größten US-Präsidenten aller Zeiten schon Fakten.

Was soll man auch von einem Mann erwarten, der sich im Vergleich zu seinem 77 Jahre alten Herausforderer für vital hält, obwohl er selbst bereits 74 Lenze zählt und damit nur 3 Jahre und sieben Monate jünger ist als Joseph Biden. Doch auch das ist bestimmt nur ein Fake-Fakt der von der Lügenpresse, in diesem Fall von Wikipeda, frei erfunden wurde.

Es bleibt zu hoffen, dass Donald J. Trump nach einer möglichen Niederlage freiwillig das Weiße Haus räumt und nicht vom Secret Service herausgetragen werden muss. Vor allem aber bleibt zu hoffen, dass Trump im Nachgang einer möglichen Niederlage die „Proud Boys“ an die Leine nimmt, anstatt sie zum Bürgerkrieg aufzurufen, wie er es unterschwellig in dem TV-Duell in der Nacht zum Mittwoch tat. Das wäre ein sehr unrühmliches Ende seiner durchaus streitbaren Präsidentschaft.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen