Gas

Szenario Warum ein höherer Gaspreis für uns Europäer auch nach dem Iran-Krieg ein Thema sein wird

Der Gaspreis stieg durch den Iran-Krieg kräftig an. Auch nach Kriegsende dürften wir Europäer mit höheren Preisniveaus konfrontiert sein.

Gasspeicher
Foto: Digitaldesign2-Freepik.com

Der Gaspreis steigt seit Montag früh massiv an. Der Iran hat die Straße von Hormus gesperrt. LNG aus Katar gelangt nicht mehr auf den Weltmarkt, die Preise steigen logischerweise. Auch wenn nach dem Ende des Kriegs wieder eine Normalisierung eintreten sollte – für Europa dürften höhere Preisniveaus ein Thema bleiben!

Gaspreis stark gestiegen – im großen Bild noch keine große Sache

Im Chart sehen wir den Verlauf im europäischen Großhandels-Gaspreis TTF seit dem Jahr 2021. Nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs sah man sogar ein Allzeithoch bei 340 Euro pro Megawattstunde. Die aktullen Anstiege von 32 Euro auf jetzt über 55 Euro sind zwar ein großer prozentualer Anstieg. Aber im Vergleich zur schlimmsten Eskalation im Sommer 2022 sind das aktuell immer noch entspannte Niveaus. Gewiss, der Gaspreis kann noch weiter ansteigen. Aber man muss natürlich auch sehen: Nach Ende des Iran-Kriegs, wenn die Straße von Hormus wieder befahrbar sein wird, dürften Gas und Öl aus dem Golf wieder auf den Weltmarkt gelangen, und die Preise dürften fallen. Dennoch könnten Endverbraucher in Europa noch längere Zeit höhere Preisniveaus zu befürchten haben.

Verlauf im europäischen Gaspreis seit 2021

Gasspeicher relativ leer

Die folgende Grafik zeigt es: Die Gasspeicher in Europa und gerade auch in Deutschland sind relativ leer. Im Vorjahr waren die deutschen Gasspeicher am 1. März im Schnitt zu 33,61 % gefüllt. Dieses Jahr am 1. März (Daten und Grafik von der Bundesnetzagentur) sind es nur noch 20,83 %. Da die unterirdischen Gasspeicher einen gewissen Mindestdruck aufweisen müssen für eine problemlose Ausspeicherung, sind 20 % schon ziemlich wenig Füllstand. Und bei so wenig Reserve steht man in ganz Europa (EU-Füllstand 29,89 %) vor einer großen Herausforderung. Damit es in der nächsten Heizperiode ab Herbst 2026 nicht wirklich zu einer Gasmangellage kommt, muss man in den nächsten Monaten jede Menge Gas einkaufen. Das dürfte den Gaspreis antreiben.

Und verständlicherweise dürfte der Iran-Krieg – selbst wenn er in ein paar Tagen oder Wochen endet – für nachhaltige Verunsicherung sorgen. Gas aus Katar, das vor allem nach Asien geliefert wird, dürfte die dortigen Käufer hellhörig machen. Denn die Sicherheit einer jederzeit konstanten Belieferung ist dahin. Man wird wie auch die Europäer in den nächsten Monaten am Weltmarkt massiv Gas aufkaufen wollen. Und diese Nachfrage auch von anderen großen Aufkäufern kann für mehrere Monate den Gaspreis im Großhandel auf höheren Niveaus als vor dem Iran-Krieg festhalten. Es kann also nachhaltig teurer werden für die Endverbraucher von Gas, auch in Eurropa! Denn man konkurriert mit weltweiten Abnehmern von Gas.

Relativ leere Gasspeicher in Deutschland

Norwegen kann nicht noch mehr liefern

In Europa gibt es einen großen und verlässlichen Lieferanten von Gas für den Kontinent: Norwegen. Aber dort sind die Lieferkapazitäten nicht erweiterbar. Man pumpt am Limit! Norwegens Erdgasproduzenten arbeiten nach Angaben des Energieministers nahezu an der Kapazitätsgrenze, so meldete es gestern Bloomberg News. Dies erhöht den Druck auf europäische Staaten, die ihre erschöpften Gasspeicher wieder auffüllen müssen.

“Wir produzieren im Wesentlichen mit voller Kapazität. Ich glaube nicht, dass sich noch viel zusätzliche Förderung mobilisieren lässt”, sagte Terje Aasland am Dienstag in einem Bloomberg-Interview in seinem Büro in Oslo. “Wir hoffen, dass dies keine lang anhaltende Situation sein wird.”

Die plötzliche Schließung der weltweit größten Anlage für den Export von Flüssigerdgas in Katar nach einem iranischen Drohnenangriff am Montag ließ den europäischen Gaspreis in die Höhe schnellen. Die Preise stiegen auf den höchsten Stand seit 2023 und liegen mehr als 70% über dem Schlusskurs vom Freitag, da unklar ist, wie lange der Produktionsstopp andauern wird.

“Wir wollen nicht, dass die Preise auf diese Weise steigen, wenn solche Ereignisse eintreten”, sagte Aasland. “Wir müssen uns auf unsere Rolle konzentrieren. Wir müssen ein stabiler, langfristiger und verlässlicher Lieferant sein — und sicherstellen, dass wir das auch bleiben können.”

Norwegen wurde zum wichtigsten Erdgaslieferanten Europas, nachdem die russischen Lieferungen infolge des Angriffs auf die Ukraine stark zurückgegangen waren. Heute deckt das Land rund ein Drittel des europäischen Bedarfs. Europa geht mit stark geleerten Speichern in die letzte Phase des Winters und wird in der bevorstehenden Einspeichersaison mit anderen großen Abnehmern weltweit um Lieferungen konkurrieren müssen.

“Wenn wir solche Preisanstiege sehen, ist es wichtig, dass der Markt funktioniert”, sagte der Minister. “Das ist eine wichtige Lehre aus der Zeit nach der Invasion der Ukraine. In diesem Moment in den Markt einzugreifen, wäre riskant.”

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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2 Kommentare

  1. Wenn man einen Bundeskanzler hatte, der sich lächelnd und ohne Kommentar in seinem Konfirmationsanzug sagen lässt, dass Deutschland die wichtigste Gasversorgung weggesprengt wird.
    Dann aber nicht wenigstens die noch intakte Röhre genutzt wird.
    Auch kein Öl mehr aus Russland genommen wird und nun auch bald kein LNG mehr, dann wird es hart.
    Aber die Bürger dieses Landes wollten ja auch, wenn es gegen Putin geht, frieren und ihr Land wirtschaftlich vor die Wand fahren.
    Sie werden es bekommen, wie gewollt und bestellt.
    Wer das nicht mitmachen möchte, sollte mal nachforschen, ob er nicht besser in einem anderen Land leben möchte, bzw. die Ausbildung dafür hat.
    Auch seinen Kindern zuliebe.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  2. Diese Regierung will für viel Geld von Kohle auf Gas umstellen. Vielleicht gelangt man jetzt doch noch zu der Erkenntnis, dass man besser die Steinkohle-Kraftwerke weiter lassen sollte. Möglicherweise wären neue Kohlekraftwerke in Süddeutschland sogar sinnvoll, wobei man die für die neue Aufgabe anpassen könnte. Ich würde die da bauen lassen, wo man Kohle per Schiff hinbringen kann. Also am Rhein und an der Donau.

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