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Warum ein Öl-Fass bei uns 10 Dollar teurer ist als in den USA

Von Claudio Kummerfeld

Der Handel von Öl ist doch global und einheitlich? Falsch! Warum ein Öl-Fass bei uns 10 Dollar teurer ist als in den USA, erklären wir hier.

Öl Bohrplattform Beryl_alpha_from_air

 

 

 

 

 

 

Öl-Bohrplattform „Beryl Alpha“ in der Nordsee
Foto: Stephen (danrandom) aus UK / Wikipedia (CC BY 2.0)

WTI und Brent-Öl

Das in Europa verbrauchte Öl wird als „Brent Crude Oil“ bei der Londoner Tochter der US-Börse ICE (Intercontinental Exchange) als Future gehandelt. Brent ist die Bezeichnung eines Öl-Felds in der Nordsee, aus dem immer noch gefördert wird – eher unbedeutende Mengen, aber man zieht allgemeingültig den Brent-Kurs aus London als Referenz für das in Europa verbrauchte Öl heran. Das US-Öl „WTI“ (West Texas Intermediate) wird in New York an der NYMEX (New York Mercantile Exchange) als Future gehandelt.

10 Dollar Unterschied

Seit Ewigkeiten laufen Brent und WTI praktisch parallel im Kurs, da Öl ja ein global gehandeltes Gut ist, das von A zu B zu C mit Tankern transportiert werden kann. Seit Kurzem entfernen sich Brent und WTI aber immer weiter von einander. Aktuell ist der Spread (Kursunterschied) bei ca. 10 US-Dollar.

Öl Crude Brent

 

 

 

 

 

Im Chart kann man gut erkennen, dass Brent (Orange) und WTI (schwarz) die ganze Zeit (relativ) parallel verliefen, und dann eine Abkoppelung stattfand.

Warum?

In den USA ist in den letzten Jahren die Öl-Produktion durch Fracking explodiert. Inzwischen sind die USA zum größten Öl-Produzenten der Welt aufgestiegen und können sich selbst versorgen. In der folgenden Grafik kann man z.B. sehr gut sehen, wie im US-Bundesstaat North Dakota, wo das gigantische Bakken-Ölfeld liegt, die Anzahl der Bohrlöcher in den letzten Jahren explodiert ist. Erst jetzt bei den gefallenen Ölpreisen geht die Zahl langsam zurück – viel zu langsam. Durch höhere Effizienz fördern die vorhandenen Bohrlöcher trotzdem mehr Öl als je zuvor und lassen die Öl-Lager in den USA an den Rand ihrer Kapazitäten kommen. 444 Millionen barrel Öl sind derzeit in den USA eingebunkert – bei einer maximalen Kapazität von 521 Millionen barrel (laut US Energy Information Administration) und der immer noch stattfindenden Überproduktion wird der US-Markt sozusagen mit eigenem Öl geflutet – somit ist ein enormer Preisdruck nach unten vorhanden.

Öl North-Dakota-Average-Monthly-Rig-Count

 

 

 

 

 

North Dakota: Anzahl der Öl-Bohrstellen in blau, ND Ölpreis in grün
Grafik: North Dakota Department of Mineral Resources

 

 

In Europa läuft eigentlich alles wie früher auch. Man lässt sich beliefern aus Nordsee-Ölfeldern, aus Russland, Libyen, aus Saudi-Arabien etc. Aktuell gibt es im Brent-Future immer wieder Aufs und Abs, weil sich die geopolitische Lage ständig ändert. Mal zerstören Rebellen eine Pipeline in Libyen, mal gibt es wetterbedingt Lieferprobleme im Südirak. Diese Probleme haben die Differenz-Vergrößerung zwischen Brent und WTI jüngst unterstützt. Aber auch diese Probleme werden nicht von Dauer sein. Irgendwann werden sie wieder behoben, aber im Großen und Ganzen läuft die Belieferung Europas mit Öl wieder reibungslos. Also warum dieser Preisunterschied? Letztendlich ist es so: Die Amerikaner drücken ihre „relativ neue“ eigene Überproduktion in den eigenen Markt und drücken damit das Preisniveau für das WTI in New York deutlich stärker runter als das in Europa beim Brent der Fall ist mit Öl aus Saudi-Arabien etc. Man könnte auch sagen die tatsächlich vorhandene Verkaufsmasse an Öl auf dem nordamerikanischen Markt sorgt für mehr Abwärtsdruck als die vorhandene Verkaufsmasse Öl in Europa. Diese Differenz dürfte letztendlich erst dann wieder zusammenschrumpfen, wenn die Fördermenge in den USA massiv zurückgeht. Dann reguliert sich der Markt von alleine.




Quelle: US Energy Information Administration / North Dakota Department of Mineral Resources



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