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Warum eine Stagflation sehr gefährlich wäre

Zur weiteren Unterstützung der Wirtschaft plant Peking selektive Konjunkturprogramme. Das Problem der Bekämpfung einer Stagflation durch fiskalische Maßnahmen ist aber vor allem die zeitliche Verzögerung des Wirkungseintritts, zumal dann, wenn ganze Landstriche nach wie vor abgeriegelt sind. Zudem besteht das Risiko, dass die Führung in Peking zu früh den Notstand aufhebt, um die ökonomischen Schäden zu begrenzen. Das Virus könnte dann eine zweite Ansteckungswelle über die Beschäftigten in den Betrieben, die die Arbeit wieder aufnehmen, auslösen.

Die Aufgabe der Notenbanken wäre in einer solchen Situation eigentlich die „Brechung“ der Inflationserwartungen durch das Anheben der Zinsen. Diese Option gibt es aber nicht mehr, wie die Welt spätestens seit dem gescheiterten Versuch der US-Notenbank in Sachen „zinspolitische Normalisierung“ im Herbst 2018 gelernt hat. In Japan und der Eurozone hat man sich dieses Experiment daher erspart. Die People´s Bank of China lässt mangels anderer Handlungsoptionen die Inflation aktuell außer Acht und kümmert sich lediglich um den Aspekt der wirtschaftlichen Stagnation. Ein ähnliches Vorgehen der Geldpolitiker wäre auch in den westlichen Volkswirtschaften zu erwarten. Die Einführung der sogenannten symmetrischen Inflationsziele in den USA und der Eurozone würde den Notenbanken das Überschießen der angepeilten Teuerungsraten ermöglichen.

Gelöst wäre das Problem der Stagflation damit freilich nicht, denn die Ursachen dieses Phänomens kann die Geldpolitik nur teilweise beseitigen. Die Rückabwicklung der Globalisierung und die Angebots- und Nachfrageschocks durch die Coronavirus-Epidemie (Medikamente sind in Arbeit) eben nicht. Zumal die Reduktion von Inflationserwartungen eine stabile, glaubwürdige und an Regeln orientierte Geldpolitik der Zentralbank erfordert. Genau diese Reputation haben die Notenbanken aber mit ihrer dauerhaften Rettungspolitik bereits größtenteils verspielt.

Fazit und Ausblick

Schon vor dem Ausbruch der Coronavirus-Epidemie wurde die Weltwirtschaft von mehreren Faktoren belastet. Die Kombination aus zunehmendem Protektionismus (Rückabwicklung der Globalisierung) sowie dem durch die Epidemie ausgelösten Angebotsschock, führt zur Beeinträchtigung von Lieferketten und zu steigenden Preisen für Vorleistungsgüter und Zwischenprodukte. Da die Preissteigerungen nicht vollumfänglich zu Lasten der Margen der Unternehmen abgefedert werden können, muss ein Teil der Teuerung an die Verbraucher weitergegeben werden. Da diese aber weder über höhere Einkommen noch in der Breite über ausreichend Rücklagen verfügen (Thema Überschuldung), sinkt die Leistbarkeit vieler Produkte für den Endverbraucher, was sich für die Unternehmen in rückläufigen Absätzen bei gleichzeitig geschmälerter Marge bemerkbar macht.

Die Notenbanken können mit ihren Instrumenten diesen Angebotsschock nicht beheben, ebenso wenig wie die Teuerung. Zinsanhebungen würden zwar die Inflationserwartung eindämmen, wären aber von den ohnehin angeschlagenen und in der Breite überschuldeten Wirtschaftssubjekten nicht tragbar.

Zinssenkungen oder gar weitere Liquiditätsspritzen wären zur Eindämmung des Phänomens Stagflation ebenso wenig geeignet. Im Gegenteil würde sich die Teuerungsrate dadurch zusätzlich erhöhen, wie dies aktuell in China bereits geschieht. Sollte das Szenario einer Stagflation eintreten, würden sich die Ausblicke für die Unternehmensgewinne eintrüben, ohne dass der Notenbank-Put hier greifen könnte. Eine solche Entwicklung wäre für die Börsen tatsächlich ein „schwarzer Schwan“. Es bleibt zu hoffen, dass es gelingt, die Coronavirus-Epidemie einzudämmen. Spätestens dann, wenn die Temperaturen im Frühling wieder steigen und die UV-Strahlung durch die Sonne stark zunimmt (das mag das Virus überhaupt nicht). Die Weltwirtschaft hat auch ohne eine globale Seuche bereits genug Herausforderungen zu bewältigen.



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