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Warum ETF derzeit ihre größten Mängel offenbaren

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ETF haben in der derzeitigen Crash-Phase Probleme

Tracking Error ist eine von den Spezifikationen abweichende Preisdifferenz zwischen einem Derivat und seinem Basiswert. Das kommt in „normalen“ Börsenzeiten selten vor, da die Märkte so funktionieren, wie sie sollen. Doch jetzt sind keine normalen Zeiten. Und so stellen Besitzer einiger börsengehandelter Fonds entsetzt fest, dass sich die Preise ihrer Anlagen nicht so entwickeln, wie sie es müssten. Ein börsengehandelter Index-Fonds (ETF) sollte die Preisentwicklung des Basiswerts, also des Index, normalerweise 1:1 abbilden. Bei gehebelten Fonds geschieht die Abbildung entsprechend des gewählten Hebels, also zum Beispiel 3% Kursänderung im Fonds bei 1% Kursänderung im Index. Das funktioniert in den meisten Fällen hervorragend.

Nicht so jedoch in den vergangenen Wochen. Je illiquider der Basiswerts ist, umso wahrscheinlicher sind Preisabweichungen zwischen Basiswert und Fonds. Vor allem bei Anleihen wurden die börsengehandelten Fonds (ETF) bisher als liquide Alternative zu den relativ illiquiden Anleihen angesehen. Doch hier hatten die Anleger nicht aus den Erfahrungen mit offenen Immobilienfonds während der 2008er Finanzkrise gelernt. Auch damals galten die offenen Immobilienfonds als liquide, willkommene Alternative zu Immobilien- und Geldmarktinvestitionen. Eine absurde Situation. Denn Geldmarktanlagen sind die kurzfristigste Anlageform, während Immobilien in der Regel die langfristigste Möglichkeit der Geldanlage darstellen.

Als die Finanzkrise losging und unzählige Anleger lieber Sicherheit statt Risiko wählten, wurden die Fonds en masse verkauft. Doch so schnell, wie Anleger Geld aus den Fonds abzogen, konnten die Fonds die illiquiden Anlagebestände gar nicht verkaufen. Lag der Fondsverkauf nur einen Mausklick entfernt, dauert der Verkauf eines 60-stöckigen Bürohauses eher Monate bis Jahre. Die Folge waren immer größere Abstände zwischen dem bilanzierten Fondswert und dem an der Börse bezahlten Preis für die Fondsanteile. Anleger wollten die Fonds um jeden Preis loswerden und waren bereit, zu deutlichen Abschlägen gegenüber dem fairen Wert der Fondsanteile zu verkaufen.

Illiquide Basiswerte erzeugten teils drastische Preisabweichungen bei ETF

Das gleiche Problem zeigt sich inzwischen auch bei etlichen börsengehandelten Fonds, vornehmlich für Anleihen. Während bei Staatsanleihen der Markt relativ liquide ist, gibt es bei Unternehmensanleihen nur relativ wenige aktive Käufer und einen großen Marktanteil vermeintlich liquider ETFs. In der Krise versuchen nun viele Fondsanleger, die Fondsanteile zu verkaufen, was die Fonds jedoch nicht am Markt abbilden können. Es fehlt schlicht an genügend Käufern für die im Fonds enthaltenen Anleihen. In der Folge gibt es deutliche Abweichungen zwischen dem Fondspreis und dem Preis der im Fonds enthaltenen Wertpapiere.

Normalerweise würden hier institutionelle Marktakteure einspringen und arbitrieren, also versuchen, risikofreie Gewinne einfahren. Ist der Preis eines Fondsanteils geringer als der Wert der enthaltenen Wertpapiere, würden diese Marktakteure Fondsanteile kaufen und die enthaltenen Wertpapiere verkaufen. Ist der Preis des Fondsanteils hingegen höher als der Preis der enthaltenen Papiere, zum Beispiel in Zeiten hoher Nachfrage, liefe es umgekehrt. Sie würden die Wertpapiere kaufen, ETF-Anteile erzeugen und am Markt verkaufen. Das funktioniert jetzt jedoch nicht mehr, da das Verkaufsinteresse bei den ETF-Anlegern viel größer ist als das Aufnahmevermögen des Marktes für die gehandelten Wertpapiere. Es bleibt also eine Preisdifferenz zwischen dem Wert des Fondsanteils und dem rechnerischen Wert der darin enthaltenen Wertpapiere bestehen. Teils schon seit Wochen.

Tracking Errors zeigen sich inzwischen auch bei ETFs für liquide Basiswerte

Zudem kommt es verstärkt zu Tracking Errors selbst bei ETFs für an sich sehr liquide Basiswerte. Tracking Error, so nennt man Abweichungen zwischen der Preisentwicklung des Fonds und dem Basiswert. Zum Beispiel legt ein Hebel-3-ETF nur um 7% zu, während der Basiswert um 3% steigt. Bei einem Hebel von drei sollte der Preis des ETF eigentlich um 9% und nicht 7% steigen. Es passierte in den vergangenen Wochen sogar bei Long- und Short-ETFs für den gleichen Basiswert gleichermaßen. Bei fallenden Kursen verlor der Long-ETF weniger stark an Wert und der Short-ETF gewann weniger stark an Wert, als sie es theoretisch tun sollten.

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2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    PK

    24. März 2020 10:26 at 10:26

    also Aktien ETF waren jedenfalls nicht das Problem.
    Wenn überhaupt, dann kann man sich freuen, daß Aktien wie Amazon auch in den ETF stark gewichtet sind und dadurch etwas mehr verloren haben als sinnvoll ist.
    Im Grunde hat der Absturz gezeigt, daß das Aktien ETF Bashing eine komplette Luftnummer der aktiven Fondsmanager war.
    Du konntest alle wichtigen ETF zu JEDEM Zeitpunkt mit erstaunlich geringen Spreads durchhandeln.

  2. Avatar

    Kristlleugner

    4. April 2020 11:41 at 11:41

    Die Überlegung, ob ETF´s ungefährlich sind, ist schon irrwitzig. Das ist genauso naiv und dämlich, wie der Glaube an das Bestehen und die Leistungen der Lebensversicherungen in 20 Jahren.
    Lemminge ihr sterbt nie aus!

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Aktienmärkte: Bis US-Wahl jede Rally „gedeckelt“? Marktgeflüster (Video)

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Aktienmärkte: Dänemark, der Börsenstar des Jahres

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Jeden Tag blicken wir gespannt auf die Aktienmärkte in den USA, um an der Wall Street die wundersame Rally der Hightechwerte zu verfolgen. Apple, Amazon und Co haben den Nasdaq zu einem Highflyer gemacht, dessen Performance aufgrund von nur sieben Titeln die Indizes der Welt in den Schatten gestellt hat.

Aber relativ unbemerkt gibt es in Europa einen der kleinsten Aktienmärkte, der sogar in Schlagweite zur Technologiebörse in den USA geblieben ist: der OMX in Dänemark.

Aktienmärkte: Der dänische Leitindex trotzt Corona

Dänemark ist nicht nur ein relativ kleines Land in Europa mit gerade einmal 5,8 Millionen Einwohnern, auch umfasst der Leitindex OMX Copenhagen nur 20 Aktien. Was ihn aber nicht davon abgehalten hat, sich im Coronajahr an die Performance-Spitze der größeren Aktienmärkte der Welt zu setzen. Zum Ende letzter Woche ergab sich dabei folgende Performance zum 1.1. 2020:

OMX Kopenhagen + 16,9 Prozent
CSI China + 11,6 Prozent
S&P 500 + 0,5 Prozent
Dax – 9,1 Prozent
Einzig der Nasdaq 100 lieferte mit plus 22 Prozent noch etwas mehr. Allerdings spielt auch der Wechselkurs noch eine Rolle und da hat die dänische Krone gegenüber dem Euro sogar noch etwas aufgewertet.

Gründe für das gute Abschneiden

Da ist zum einen die Entwicklung von COVID-19 in dem skandinavischen Land zu nennen. Aufgrund eines frühen Lockdowns litt das Land nicht so sehr unter den ökonomischen Folgen der Pandemie, das dänische Bruttoinlandsprodukt verlor im zweiten Quartal um 6,9 Prozent, weniger als der Durchschnitt in Europa (-12,1%), aber auch weniger als Deutschland oder den USA (-9,7%/9,5%). Hinzu kommen die weltweit üblichen Rettungspakete, die auch die dänische Regierung verabschiedet hat. Alles das wäre aber nicht in der Lage, den Index so zu „pushen“ – es ist vielmehr die Zusammensetzung des Leitindex in Dänemark.

Es sind eine Reihe von Pharma- und Biotechfirmen, die im Index sehr dominant vertreten sind und die von der Pandemie im Besonderen profitiert haben: Der weltgrößte Insulinhersteller Novo Nordisk, die Medizintechnikfirma Ambu, Coloplast, Genmab, CHR Hanssen und Novozymes, Firmennamen, die in unseren Breiten nicht allzu bekannt sind. Damit kommen die Gesundheitsfirmen auf die Hälfte der Marktkapitalisierung des Index in Höhe von 370 Millionen Euro. Dennoch ganz schon imposant im Vergleich zu unserem DAX, dem Leitindex in einem Land mit 83 Millionen Menschen, der gerade eine gute Billion Euro auf die Wage bringt.

Ein großer Nachteil eines Engagements ist damit schon erklärt, denn man fokussiert sich dann ziemlich stark auf eine Branche mit wenigen Titeln. Zumal die Unternehmensbewertung durch die Hausse deutlich nach oben gegangen ist. KGVs von 22 (Novo Nordisk) bis hin zu 60 (Genmab) oder 110 (Ambu) zeigen ein weiteres Gefahrenmoment auf. Aber die Wachstumsstory ist noch intakt und der dänische Index ist noch wenig auf dem Radar internationaler Fonds gesichtet – anders als etablierte Aktienmärkte dieser Welt. Natürlich gibt es zu Zeiten von Corona auch Verlierer im OMX, wie den Bürodienstleisters ISS, die Danskebank oder die Brauerei Carlsberg. Diese vermochten es aber nicht, die Performance des Index arg zu dezimieren.

Fazit

„We Are Red We Are White, We Are Danish Dynamite“, lautete einmal ein Song des fußballbegeisterten Dänemark, insbesondere beim Gewinn des Europameistertitels 1992 in Schweden. Ausgerechnet gegen den damals amtierenden Weltmeister Deutschland. Scheint so, als ob für die Börse des kleinen nordischen Landes in diesem Jahr auch wieder so ein kontinentaler Titel möglich ist.

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