Anleihen

Warum Eurobonds eine Katastrophe für die deutsche Volkswirtschaft wären

Der Drang hin zu Eurobonds wird immer größer. Für Deutschland hätte der gemeinsame Schuldentopf aber fatale Folgen.

Euro-Geldscheine
Foto: Claudio Kummerfeld

Eurobonds würden bedeuten, dass die Länder der Eurozone nicht mehr als einzelne Länder am Kapitalmarkt Schulden aufnehmen. Nein, bei Eurobonds würde man über eine gemeinsame Schuldenagentur für alle Euroländer eine große Summe am Anleihemarkt aufnehmen, und das eingenommene Geld dann verteilen. Im selben Schlüssel würde man dann die Schulden zurückzahlen. Dies wäre aber für Deutschland eine Katastrophe!

Eurobonds: Der Druck auf Deutschland nimmt zu

Viele prominente Stimmen machen Druck. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat erneut Eurobonds für die Bereiche Verteidigung, Technologie und Infrastruktur gefordert. Zuletzt hatte sogar Bundesbankpräsident Joachim Nagel für gemeinsame europäische Schulden plädiert. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing wollen sie zur Finanzierung der Aufrüstung. Je mehr und je öfters so etwas im Raum steht, desto einfacher ist irgendwann der Schritt zu sagen: „Gut, machen wir jetzt einfach komplett Eurobonds, alles in einen Topf“ (meine Meinung). Bei den EU-Projekten „NextGenerationEU“ sowie den Ukraine-Hilfen gibt es bereits Eurobonds, also gemeinsame EU-Schulden. Sogar der Versicherungskonzern Allianz spricht sich aktuell für „Strategische Eurobonds“ aus, zur Deckung gemeinsamer Finanzierungsbedarfe in den Bereichen Verteidigung, Klimawandel und Infrastruktur. Wie gesagt: Irgendwann finanziert man so viele Ausgabentöpfe über Eurobonds, dass man nur noch fragen braucht: Warum nicht gleich alles über Eurobonds laufen lassen? Meine Meinung: Ein Kanzler wie Friedrich Merz könnte doch recht einfach JA sagen zu dem Thema. Wer ohne Not der SPD 500 Milliarden Schuldenprogramm „schenkt“, wird sich gewiss auch von Frankreich-Präsident Macron und anderen Staatenlenkern zu Eurobonds verleiten lassen!

In der Theorie klingst das alles ganz wunderbar. Die Euroländer von Portugal bis Finnland, von Bulgarien bis Irland, verkaufen gemeinsam ihre Anleihen, und haben am Anleihemarkt eine viel größere Wirkmacht. Als großer Block sind diese Länder ein verlässlicherer Schuldner, und man kann bessere Konditionen bei Banken, Pensionskassen und anderen großen Aufkäufern von Staatsanleihen aushandeln. Klingt gut, aber in der Realität würde es bedeuten: Die allermeisten Staaten in der Eurozone würden profitieren, Deutschland würde drauf zahlen. Wir alle wären direkt oder indirekt betroffen!

Deutsche Anleiherenditen viel niedriger als bei den Südländern

Es geht um das Thema Bonität. Bei welchem Land glauben Anleiheinvestoren, dass die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls am geringsten ist? Und sie haben seit Jahrzehnten eine klare Entscheidung getroffen. Deutschland hat eine viel geringere Schuldenquote und ein (noch) gutes Image ein verlässlicher Schuldner. Aufgrund der angenommenen geringeren Ausfallwahrscheinlichkeit muss Deutschland bislang spürbar weniger Zinsen für seine Schulden zahlen als der Rest Europas. Im Chart sehen wir es: Aktuell liegt die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen bei 2,73 %.

Im Chart sehen wir auch: Die Renditen für zehnjährige spanische Staatsanleihen liegen bei 3,15 %. Frankreich liegt bei 3,30 %, Griechenland bei 3,35 % und Italien ebenfalls bei 3,35 %. Was würde also passieren, wenn man quasi die Bonität aller Euroländer „in einen Topf wirft und einmal kräftig durchführt“? Richtig, die Anleiheinvestoren würden im großen Topf der Eurobonds die „hochwertige“ deutsche Bonität sehen und die weniger soliden Haushaltsführungen in Frankreich und anderen Ländern. Es ist keine Raketenwissenschaft erforderlich, um die Auswirkung zu erkennen: Die Rendite für zehnjährige Eurobonds würde irgendwo über den deutschen Renditen, und irgendwo unterhalb der Renditen der anderen Länder liegen. Deutschlands Bonität würde durch die anderen quasi verschlechtert werden, und umgekehrt könnten die anderen Länder vom hohen Ansehen deutscher Staatsschulden profitieren.

Eurobonds würden deutsche Anleiherenditen hochtreiben und die anderer Länder fallen lassen

Vielleicht würde der deutsche Staat dann nicht mehr Renditen von bisher 2,73 % zahlen. Man würde vielleicth irgendwo um die 3 % oder sogar noch höher liegen. Auch alle neuen Anleiheemissionen würden man dann zu diesen höheren Zinsen begeben. Vom deutschen Staatshaushalt würde folglich deutlich mehr Geld draufgehen, um die höhere Zinslast zu bezahlen. Umgekehrt würden Frankreich und die meisten anderen Länder jubeln, weil ihre Zinslast sinkt.

Aber das ist noch nicht alles. Die Zinsen für Kredite für die Realwirtschaft orientieren sich an den Marktzinsen. Bauzinsen zum Beispiel orientieren sich über Pfandbriefe letztlich an den deutschen Bundesanleihen. Und wenn die Bundesanleihen entfallen und quasi in den höher verzinsten Eurobonds aufgehen, würden auch die deutschen Bauzinsen einen Sprung nach oben machen. Die Folge: Höhere Finanzierungskosten für gewerbliche und private Bauherren.

Also hätten der deutsche Staat wie auch private Kreditnehmer aller Marktlogik nach unter höheren Zinslasten zu leiden, wenn der deutsche Staat sich hinreißen lassen würde, dem Drängen vieler anderer Ländern nach Eurobonds nachzugeben. Und die anderen Staatenlenker wissen sicherlich, dass sich ihre Zinslast spürbar absenken würde, wenn man sich die deutsche Bonität am Anleihemarkt quasi „ins Boot holt“.

Animation für noch viel mehr Schulden in der Eurozone

Aber da ist noch mehr. Durch Eurobonds würde Europa am globalen Anleihemarkt die Botschaft aussenden: Schaut her, Europa ist ein großer solider Schuldner. Sinkende Anleiherenditen für den Großteil der Eurozone mit Deutschland an Bord (Image: Der große verlässliche Fels in der Brandung) würden viele Euroländer animieren, noch mehr Schulden zu machen. Man sah es nach der Einführung des Euro: Viele Südländer erlebten plötzlich drastisch sinkende Kreditzinsen – die Folge war ein Boom bei der Verschuldung vieler Volkswirtschaften, was letztlich in den Absturz führte, siehe Griechenland.

Auch in Deutschland gäbe es Profiteure

Für die deutsche Volkswirtschaft als Ganzes hätte es katastrophale Folgen, wenn man den Eurobonds zustimmen würde. Wie beschieben: Staat und private Kreditnehmer würden unter deutlich verschlechterten Finanzierungskonditionen für Kredite leiden. Auf der anderen Seite aber würden Versicherungen, Fondsgesellschaften und Pensionskassen, die große Summen an deutschen Bundesanleihen halten, dank der höheren Renditen profitieren. Dieser Effekt würde aber wieder verwässert, wenn diese Institutionen auch Staatsanleihen anderer Euroländer halten, wo die Renditen sinken. Und letztlich muss man erwähnen: Eurobonds sorgen außerhalb Deutschland in Staatshaushalten für Entlastung. Damit nimmt (zum Beispiel in Frankreich) der Druck zum soliden Haushalten ab. Man wird verführt, weiterhin schludrig und verschwenderisch zu arbeiten. Langfristig führt das nur weiter bergab. Der Ökonom Daniel Stelter hat die drohenden Eurobonds jüngst besprochen. Wenn sie kämen, ginge die Disziplin verloren. Also noch weniger Haushaltsdisziplin, noch mehr neue Schulden europaweit. Klicken Sie HIER für den Podcast von Daniel Stelter.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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7 Kommentare

  1. Wenn man Schulden nun auch offiziell vergemeinschaftet, ist rational erwartbar, dass die Schuldenaufnahme insgesamt steigt.
    Weiterhin würden alle schon begebenen Anleihen im Wert korrigieren. Das wiederum würde sich in den Bilanzen niederschlagen.
    Wenn man so etwas wie derzeit üblich, einfach mal so macht, weil es kurzfristig für die gegenwärtig amtierenden Politiker mehr Liquidität liefert, würde ich das als Brandbeschleuniger für den Euro betrachten.

    1. Ich behaupte mal einfach so ungeprüft, dass das die politische Mitte stark nach rechts verschieben würde. Das Vertrauen in die Politik ist bereits angekratzt und auch das Vertrauen in die EU-Institutionen ist nicht mehr das gelbe vom Ei.

      Aktuell haftet die BRD über TARGET II ja sowieso schon mit. Aber dieses Thema versteht die Masse nicht. Gemeinsame Schulden versteht jeder und ich kann jetzt schon einen Tipp geben, welche Partei das für sich zu nutzen wissen wird.

      Ich empfehle davon die Finger zu lassen. Andererseits, wenn wir auch so früh in Rente dürfen wie die Franzosen, könnte ich dem was abgewinnen aber das wird die Mitte ja ebefalls nicht wollen, eher das Gegenteil. Da steckt eine große Menge Sprengkraft drin. Und ich denke, es gibt auch andere Länder, wo das kritisch wird.

      1. Das ist der Grund, warum Überwachung ausgeweitet, Landesverteidigung hochgerüstet und alle Bereiche des alltäglichen Lebens digitalisiert werden soll. Die Politik rechnet mit Aufständen in den nächsten Jahren, weil uns demografischer Wandel, steigende Schulden und wachsende Unzufriedenheit mit der Politik zu eben solchen führen werden. Alle anderen Gründe für Chatkontrolle, eID und Digitaler Euro sind vorgeschoben. Das ist keine Verschwörungstheorie – Das wäre genau, was man für einen Überwachungskapitalismus braucht, in dem Bürger zukünftig nur noch arbeiten, Steuern zahlen und ansonsten kuschen.

  2. Der seit 15 Jahren laufende CO2-Betrug, ergänzt durch Eurobonds sind genau die Mittel, um die ethnisch-kulturellen Deutschen finanziell auf das Niveau des Großteils der übrigen europäischen Bevölkerung zu schieben: mediterrane Regionen, Osteuropa, ländliches Frankreich, Großbritannien. Der geringe durchschnittliche deutsche Wohlstand und die Solidität der Staatsfinanzen wurden und werden bewußt und gezielt von einer 80%igen Mehrheit im Bundestag seit der Merkelregierung vernichtet. Die Regierung Merz hat wiederholt mit Schattenboxen klar gemacht, dass sich daran nichts ändert. Also kommen die Eurobonds so sicher wie das Amen in der Kirche.

  3. Ich vermute die Eurobonds werden kommen wenn das Sondervermögen aufgebraucht ist. Hauptsache die Ausgaben können bleiben oder gar noch gesteigert werden.

  4. Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl mußte Staatspräsident Francois Mitterrand dahingehend ein Zugeständniss machen, daß er die Währung DM beendet, um von Frankreich die Zustimmung zur Deutsche Einheit zu bekommen. Am heutigen Euro möchte ich nichts rückgängig machen, um entsprechende Auswirkungen auf den internationalen Finanzmärkten zu verhindern. Aber wegen der Zinskosten lehne ich Eurobonds ab. Ein Anknüpfungspunkt hierzu ist Ja zur gemeinsamen europäischen Wirtschaftspolitik und Nein zu den Vereinigte Staaten von Europa. Wenn ich mir die unglaubwürdige Luftverkehrssteuer- und Stromsteuerpolitik von Bundeskanzler Friedrich Merz so anschaue, würde es mich nicht wundern, wenn sich der Bundeskanzler in Zukunft für Eurobonds aussprechen würde.

  5. Abwarten, möglicherweise gleichen sich die Renditen für Staatsanleihen schneller an, als man denkt. Die Zeiten des deutschen soliden Wirtschaftens sind vorüber. Schuldenmacherei wie in den Südländern bei gleichzeitig viel schlechterem Wirtschaftswachstum – wer will da Deutschland noch Geld für weniger Zinsen leihen ?

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