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Warum Europas Gaspreis stark steigt und der US-Gaspreis gleichzeitig fällt

Der Terminmarkt-Gaspreis in Europa steigt, in den USA fällt er deutlich. Es gibt zwei Faktoren - einen Flüssiggas-Terminal und Nord Stream 1.

Gas-Transport per Schiff

Der Terminmarkt-Gaspreis in Europa entwickelt sich derzeit exakt gegenläufig zu dem in den USA. Dafür gibt es für den jeweiligen Markt eine eigene Story. Schauen wir uns das an. Der europäische Gaspreis Dutch TTF steigt seit gestern früh von 85 Euro auf aktuell knapp über 100 Euro. Der Terminmarktpreis für Gas in den USA (Henry Hub Natural Gas, andere Menge pro Kontrakt als bei Dutch TTF) verliert seit letzter Woche von 9,54 Dollar auf heute 7,24 Dollar. Es geht einerseits um einen Flüssiggas-Terminal in den USA, anderseits um die Pipeline Nord Stream 1.

Gaspreis in USA profitiert von Ausfall einer wichtigen Exportanlage für Flüssiggas

Letzte Woche erschütterte eine Explosion eine Anlage für die Verschiffung von Flüssiggas in Texas. Die Anlage der Firma Freeport LNG Development aus Houston fiel aus. Und wie die Firma in einer gestern veröffentlichten Mitteilung erläuterte, wird die Anlage erst wieder in ca 90 Tagen teilweise an den Start gehen können. Und derzeit rechnet Freeport LNG nicht vor Ende des Jahres mit dem Abschluss aller notwendigen Reparaturen und der Wiederaufnahme des vollen Anlagenbetriebs.

Die Experten der Commerzbank haben es heute klargestellt, wie wichtig diese Anlage für die Verschiffung von Flüssiggas aus den USA Richtung Übersee ist. So erwähnen sie, dass Freeport das zweitgrößte Terminal für Flüssiggas in den USA ist, und für rund ein Fünftel der Exporte von Flüssiggas des Landes steht. Das bedeutet aber auch: Wenn die USA für die nächsten Monate deutlich weniger Gas exportieren, erhöht sich die in den USA vorhandene Menge an Gas deutlich. Dies dämpft logischerweise den Gaspreis am Terminmarkt in den USA. Plötzlich ist die Aussicht auf deutlich mehr Angebotsmenge da, und so kann der Henry Hub-Kontrakt binnen genau einer Woche um 24 Prozent fallen.

Nord Stream 1 hat Mengen deutlich reduziert – Verknappungsangst für Gas in Europa nimmt wieder zu

Gestern war es die Meldung am europäischen Gasmarkt. Die wichtigste Versorgungsroute für Gas von Russland nach Westeuropa, die Ostseepipeline Nord Stream 1, reduziert die Durchleitungsmenge um 40 Prozent. Es ist eine Ironie der Sanktionen gegen Russland. Inzwischen hat sich bestätigt, dass – wie gestern von Gazprom erwähnt – tatsächlich fehlende Teile von Siemens Energy ein Problem für die Pipeline Nord Stream 1 darstellen. Die wurden vom Unternehmen in Kanada repariert, dürfen jetzt aber nicht von Kanada zurückgeschickt werden – eben weil Kanada Russland sanktioniert hat. Dies trifft über den steigenden Gaspreis aber alle Verbraucher in Europa, und macht Putins Taschen noch voller als ohnehin schon.

Ob der Betreiber von Nord Stream 1 die Durchleitung wirklich gleich um 40 Prozent reduzieren musste, weil von Siemens Energy diese eine Turbine für eine Kompressorstation fehlt, das kann man als Außenstehender schwer einschätzen. Es bleibt das Geschmäckle, dass hier auch die große Geopolitik mit im Spiel sein könnte. Der Experte Tom Marzec-Manser weist darauf hin, dass die Transportmengen von Gas aus Russland Richtung Europa bereits seit einigen Tagen sinken. Die täglichen Pipeline-Gasliefermengen von Gazprom nach Europa sind demnach von einer Menge von 440mcm vor genau einem Jahr auf gestern 158mcm gesunken.

Der Ausfall der Flüssiggas-Verschiffungsanlage in Texas kommt als Verknappungsgrund für Gas in Europa noch hinzu, was dazu führen dürfte, dass das Aufstocken der Gaslager in den nächsten Monaten schwieriger werden dürfte. Dies ist neben Nord Stream 1 aktuell der zweite Baustein für den steigenden Gaspreis am Terminmarkt in Europa.

Chart zeigt Gaspreis-Entwicklungen in Europa und den USA Chart zeigt seit dem 6. Juni den Kursverlauf im Gaspreis Dutch TTF in rot-grün, dagegen den fallenden Preis für US-Gas (blaue Linie).



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1 Kommentar

  1. SANKTIONDEPPEN.
    Normalerweise, wenn man Krieg führt, müsste das Gasexportland, den Gasexport nach Europa einstellen.
    Nach und nach, geschieht das.
    Schadet dies den Aggressor? NEIN.
    Warum nicht?
    Wir befinden uns im Krieg.
    Und alle erzählen uns Märchen, von dies und jenes.
    Wahrheit ist im KRIEGSZUSTAND obsulet.
    Fragen Sie ihren Psychiater, ARZT ODER APOTHEKER.

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