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Warum Facebook den Datenskandal überstehen und weiter wachsen wird

In einem Aufschrei der Empörung verkündeten Promis in den letzten Wochen, dass sie sich diesen Missbrauch ihrer Daten nicht mehr gefallen lassen wollen. Man müsse nun ein Zeichen setzen, und daher kündige man sein Facebook-Konto, so verkündeten es stolz viele Promis. Gesagt, getan. Und was kommt nach dem Aufschrei?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Der folgende Artikel spiegelt nur meine persönliche Meinung wieder. Am Ende kann natürlich alles auch ganz anders kommen! Der Datenskandal rund um Facebook hat die Medienwelt erschüttert. Zahlreiche Prominente haben ihren Facebook-Accounts gelöscht. Darunter auch eine Tech-Ikone wie Steve Wozniak, der neben Steve Jobs das technische Gehirn bei Apple war.

Die Masse wird Facebook weiter nutzen

In einem Aufschrei der Empörung verkündeten Promis in den letzten Wochen, dass sie sich diesen Missbrauch ihrer Daten nicht mehr gefallen lassen wollen. Man müsse nun ein Zeichen setzen, und daher kündige man sein Nutzerkonto, so verkündeten es stolz viele Promis. Gesagt, getan. Und was kommt nach dem Aufschrei? Entscheidend ist, was die große Masse der Nutzer macht.

Seien Sie bitte mal ehrlich zu sich selbst. Seit einigen Tagen zeigen Facebook und Instagram beim Öffnen der App große Hinweise zum nun verschärften Datenschutz. Man kann sie entweder lesen oder wegklicken. Haben Sie diese Hinweise gelesen, oder haben sie sie weggedrückt? Ich vermute mal, dass mindestens 95 von 100 Nutzern den Hinweis schnell weggeklickt haben, weil sie einfach nur schnell, oberflächlich und ohne tiefgründige Gedanken die Posts ihrer Freunde und lustige Videos auf Facebook im Modus des ständigen Runter-Scrollens konsumieren wollen.

Die Masse der Nutzer hat sich schon nach dem NSA-Skandal unterbewusst daran gewöhnt, dass man ja eh datenmäßig abgschöpft und überwacht wird. Der Gewöhnungseffekt ist längst eingetreten. Es mag wie gesagt eine kleine Gruppe von Intellektuellen, Netzaktivisten, Promis und Journalisten geben, die das Thema voller Empörung an die große Glocke hängen. Der normale Nutzer nimmt den Skandal rund um „Cambridge Analytica“ zwar auch mit Empörung zur Kenntnis, aber eben nur einen kurzen Augenblick lang.

Danach sagt man sich „was soll´s“, und surft weiter. Dass die persönlichen Daten abgesaugt, weiter verarbeitet und weitergereicht werden, ist den meisten Nutzern klar, und vielen wohl letztlich egal. Es geht ihnen nur um ein einfaches und oberflächliches Herum-Surfen auf Facebook, was auch vollkommen in Ordnung ist. Der Analyst, der nun glaubt durch diesen Datenskandal könnte für Facebook die große Wende eintreten und die Nutzerzahlen würden einbrechen – der könnte sich irren! Hinzu kommt: Facebook wird vermutlich alles dafür tun vor allem in Emerging Markets weiter massiv zu wachsen, weil irgendwann das Nutzerwachstum in westlichen Industriestaaten erschöpft sein wird – weil fast jeder schon dort Mitglied ist. Genug Potenzial für neue Nutzer ist also global gesehen immer noch vorhanden!

Mangelnde Alternative

Erst gestern berichteten wir über eine mögliche Alternative zu Facebook, nämlich „Telegram“. Vielleicht wird Telegram in den nächsten Jahren eine Alternative im Messenger-Bereich, und kann auch mit anderen Funktionen ein Konkurrent werden. Aber kann sich Telegram zu einer vollwertigen Alternative entwickeln? Man weiß nie, was die Zukunft bringt. Aber auf einen Zeithorizont von vielleicht fünf Jahren scheint das doch unwahrscheinlich.

Der entscheidende Vorteil von Facebook ist, dass man als vollwertiges Soziales Netzwerk der erste Anbieter am Markt war. Alle die dieses neue Tool des Sozialen Netzwerks nutzen wollten, haben daher ein Facebook-Konto eingrichtet, weil es einfach der erste vollwertige Anbieter war. Dementsprechend haben es Konkurrenten schwer. Denn selbst wenn ein Nutzer bei einem Konkurrenten jetzt einen Account einrichtet – alle seine Freunde sind noch bei Facebook, und am Konkurrenz-Angebot könnte er daher mangels vorhandener Masse schnell das Interesse verlieren.

Google+ ist ein totes Vehikel, Snapchat eine Spielerei für Jugendliche, Instagram ein Fotoalbum mit Kommentarfunktion, YouTube eine Videoplattform mit Kommentarfunktion. Twitter ist und bleibt keine vollwertige Alternative zu Facebook, sondern ein tolles Spezial-Tool für eine kleinere und speziellere Gruppe von Internet-Usern. Zu Facebook gibt es derzeit und wohl auch auf absehbare Zeit keine vollwertige (!) Alternative. Also, wohin sollte die Masse der Nutzer wechseln, selbst wenn sie wollte?

Ein Konkurrent müsste erstmal eine gigantische kritische Mindestmasse an Userkonten und Inhalten erreichen, um gegen Facebook antreten zu können. Dieser erste Schritt ist extrem schwer. Selbst wenn es diesen Konkurrenten gäbe, würde es Jahre dauern ihn groß genug werden zu lassen. Auf absehbare Zeit wird man als Anbieter in diesem Angebotsumfang alternativlos bleiben, und die Masse der Leute wird weiterhin lustige Videos konsumieren, Fotos aus ihrem Urlaub hochladen, und Fotos von Freunden kommentieren. Wer den Niedergang von Facebook freudig erwartet, könnte sich gewaltig irren.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg
Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Foto: Friesehamburg / Wikipedia (CC BY-SA 4.0)

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Michael

    4. Mai 2018 23:10 at 23:10

    Hauptsache, dass Millionen, wenn nicht Milliarden anderer Websitebetreiber nun den Anforderungen der neuen Datenschutz-Grundverordnung nachkommen und ihre Websites ändern müssen.
    Keiner weiß, was genau zu tun ist, weil der Text in der Verordnung wie immer abstrakt, allgemein und wenig bis gar nicht rechtsverbindlich formuliert ist.
    Hunderte bis Tausende Zeilen von Text werden derzeit von Anwälten verfasst, die auch nicht wissen, was konkret rechtsverbindlich ist.
    Hunderte und Tausende von Abmahnprofis stehen geleichzeitig Gewehr bei Fuß, um ab 25. Mai das Web zu durchforsten und zahlreiche kleine wehrlose Unternehmen und Selbständige in den Ruin zu treiben.

    Soll doch jedes Gewohnheitstier seine Aktivitäten weiterhin bei Facebook, Google, Instagram etc. der ganzen Welt freiwillig zur Verfügung stellen, wenn das so wichtig und für deren Leben so unabdingbar ist. Und sollen sie den amerikanischen Stalker und Studienabbrecher im Melange-T-Shirt noch ein paar Milliarden reicher machen.

    Nur ohne diese seltsame Aktion zum 25. Mai, die derzeit die halbe Wirtschaft lahmlegt, während sich die grundsätzlich Verantwortlichen dieser Misere bereits in neuen Hochs suhlen.

  2. Avatar

    Petkov

    5. Mai 2018 15:07 at 15:07

    Hallo Herr Kummerfeld, Zu Facebook gibt es sehr wohl gleichwertige Alternativen, die praktisch den gleichen Funktionsumfang haben, jedoch durch dezentrale Datenhaltung eine höhere Datensicherheit bieten. Beispiel: Diaspora. Aber bei ihr greift natürlich Ihr Argument mit der Nutzerzahlhürde.

    Ich finde übrigens, dass die Datenklau-Diskussion meistens stark am eigentlichen Thema vorbeigeführt wird. Alle regen sich auf, dass ihre Daten missbraucht wurden… Allerdings ist der entstandene Schaden bei den Meisten geringer als derjenige, den sie sich selbst durch falsche Einstellungen für die Sichtbarkeit und unüberlegte Veröffentlichung von Inhalten täglich hinzufügen.

    Das eigentliche Verbrechen von Facebook & Co. sind die rechtlichen Konsequenzen, die alle anderen wegen ein paar schwarzer Schaafe tragen müssen. Beispiel: DSGVO. Dieses wirre „Regelwerk“ erfordert erkleckliche Investitionen, die Facebook kaum wehtun, aber ganz viele andere Unternehmen schwächen, darunter auch potentielle Konkurrenten für Facebook. Es kann also durchaus sein, dass der vermeintliche Schutz vor Verbrechern ihre Position sogar stärkt.

    Aber sowas ist halt typisch für den nebulösen, hoffnungslos inkompetenten Korruptionssumpf namens EU, in dem die helle und unbefleckte Friedensidee EU erstickt.

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Markus Koch im Interview mit Dr. Jens Ehrhardt – Markt war überkauft

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Markus Koch spricht im folgenden aktuellen Interview mit Dr. Jens Ehrhardt über die aktuelle Börsenlage. Dr. Ehrhardt ist der Meinung, dass die Börse zuletzt überkauft war, und dass die Kurse deswegen gerade zurückkommen. Das Thema Optionen spielt dabei eine wichtige Rolle. Angesprochen werden im Interview technische wie auch fundamentale Faktoren.

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Wer an der Börse seine Gefühle ausschaltet, gewinnt! – Werbung

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Lieber Börsianer,

was ist Ihre Lieblingsaktie? Welchem Titel halten Sie unbedingt die Treue und gehen quasi mit ihm durch dick und dünn? Hier verzeihen Sie auch einmal schlechte Nachrichten, weil Sie von dem Unternehmen wirklich überzeugt sind. Das Phänomen der Lieblingsaktie kann auch gleich für eine ganze Branche gelten. So schworen viele Privatanleger vor einigen Jahren auf Unternehmen aus der Edelmetall-Branche. In fester Erwartung eines Euro-Untergangs wurde diese Branche für viele Privatanleger zum bevorzugten Ort der Investition.

Typisch für eine solche Situation ist, dass wir die Nachrichtenlage dann nur noch sehr eingeschränkt wahrnehmen. Schlechte Nachrichten zu unserer Lieblingsaktie blenden wir aus. Gute Nachrichten hingegen bewerten wir in ihrer Bedeutung für die Kursentwicklung über.

Mehr noch: Oftmals bilden wir in unseren Lieblingsaktien deutliche Übergewichtungen in unseren Depots, weil wir hier gerne mehrfach kaufen. Plötzlich steht Ihre Lieblingsaktie dann für 10 oder 20 % Ihres Gesamtdepots.

Aber wie entsteht eigentlich so eine Lieblingsaktie in unserem Depot? In aller Regel steht am Anfang zunächst eine starke Performance. Folglich mögen wir diese Aktie, weil sie uns eben zunächst viel Rendite beschert hat. Am besten können wir die Produkte unseres Lieblingsunternehmens im Alltag auch noch erfahren und quasi anfassen.

Tatsächlich schätzten in der Vergangenheit viele deutsche Privatanleger die Aktien von BMW oder Daimler, weil sie privat ein entsprechendes Auto fuhren. Studien haben diesen Zusammenhang mehrfach belegt.

Investieren Sie nicht in der Branche, in der Sie arbeiten

Für die Entstehung einer Lieblingsaktie oder einer Lieblingsbranche ist auch oft unser ausgeübter Beruf von Relevanz. So habe ich jahrelang in meinen Depots Bank-Aktien übergewichtet, weil ich ein Kind der Branche bin. Hier fühlte ich mich wohl, hier kaufte ich gerne. Richtig clever war diese Übergewichtung freilich nicht, wie die Performance vieler Bank-Aktien im Rückblick zeigt. Ich habe Zeit gebraucht, um diesen Wirkfaktor zu verstehen und schließlich abzuschalten.

Ein ähnliches Beispiel: Ein Ingenieur im Maschinenbau wird mit großer Wahrscheinlichkeit sein Depot erheblich mit Aktien dieser Branche befüllen. Er liebt die Arbeit, die er tut. Er mag die Produkte, mit denen er arbeitet. Folglich liebt er auch

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Dax und die Risikoaversion – aktuelle Analystenmeinungen

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Risikoaversion und der Dax - wie geht es weiter?

Werden Dax, Dow und Co nach dem jüngsten Kursverlusten weiter fallen? Risikoaversion (auch Risk Off genannt) ist das Wort der Stunde, also die Flucht in den sicheren Hafen namens US-Dollar und hochwertige Anleihen, in Zeiten immer weiter steigender Corona-Ängste, welche die wirtschaftliche Erholung gefährden. Hier zunächst zwei aktuelle Video-Beiträge von Jochen Stanzl von CMC Markets:

Milan Cutkovic

Hier drucken wir die aktuelle Meinung von Milan Cutkovic ab, Marktanalyst bei Axitrader:

Die Börsen wurden zum Start in die neue Handelswoche von der Realität eingeholt. Dank des billigen Geldes der Notenbanken, drastischer Stützungsmaßnahmen der Regierungen weltweit sowie einer starken Nachfrage nach den Technologieaktien als Pandemie-Gewinner kannte der Aktienmarkt in den vergangenen Monaten nur den Weg nach oben. Die jüngsten Corona-Warnungen nach dramatisch steigenden Infektionszahlen sind nun eine kalte Dusche für die Investoren und die Erinnerung daran, dass wir uns weiterhin inmitten einer globalen Pandemie befinden.

Dass die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Herbst wieder steigen würde, wurde generell erwartet. An den Aktienmärkten bestand jedoch die Hoffnung, dass die Regierungen die Situation nun deutlich besser unter Kontrolle haben und weitere Lockdowns nicht nötig sein würden. In Großbritannien aber kalkuliert die Regierung aber bereits wieder mit einem solchen Szenario und bereitet weitere landesweite Restriktionen vor. Es besteht die Sorge, dass weitere Länder in Europa dem Beispiel folgen werden und die Wirtschaft erneut zum Stillstand kommt.

In den USA steht kein Durchbruch im Ringen um ein neues Corona-Hilfspaket in Sicht. Für die Anleger ist dies frustrierend, vor allem nach dem die Federal Reserve nicht weit genug ging. Ohne weitere Stimulus-Maßnahmen der Regierung könnte die Konjunkturerholung auf der anderen Seite des Atlantiks ins Stocken geraten.

Auch am Devisenmarkt ist in naher Zukunft mit erhöhter Volatilität zu rechnen. Neben der Pandemie dürften die US-Präsidentschaftswahl, die Brexit-Verhandlungen und geopolitische Spannungen die Wechselkurse wieder stärker bewegen. Aktuell sind aufgrund der Risikoaversion vor allem der US-Dollar und der japanische Yen gefragt.

Jasper Lawler

Jasper Lawler von LCG sagt aktuell (hier auszugsweise zitiert), dass er heute die Reaktion der Anleger auf den gestrigen großen Risiko-Off-Tag an allen Märkten, den so genannten „Battery Day“ von Tesla und die Aussage des Fed-Vorsitzenden Jay Powell beobachten werde. Der gestrige Tag sei ein klassischer Risiko-Off-Moment gewesen, an dem Aktien und Kryptowährungen einbrachen, während Staatsanleihen, der US-Dollar und der Yen zulegen konnten. Tech-Aktien würden sich seit einigen Wochen zurückziehen, aber gestern sei der Ausverkauf breiter gewesen, da die Industrieunternehmen im Dow schwer getroffen wurden. Der Silberpreis fiel am Montag an einem Punkt um 10%.

Einige Marktteilnehmer hätten auch argumentiert, dass das traurige Ableben der Richterin Ruth Bader Ginsburg und der Streit um ihre Nachfolge im Obersten Gerichtshof ein neues US-Konjunkturpaket noch unwahrscheinlicher gemacht habe. Wenn der Rückgang nur auf die Stimmung zurückzuführen ist, dann erhöhe dies die Chance auf einen Rückschlag am nächsten Tag – auch wenn einige wichtige technische Niveaus, darunter die 50 DMA im S&P 500 nachgegeben haben – dies begünstige weitere Abwärtsbewegungen.

Teslas Battery Day sei zum Teil ein PR-Gag, und zum Teil etwas Wesentliches für die Zukunft der Elektrofahrzeuge. Jede neue Generation von Tesla-Batterien sollte in der Lage sein, mehr Energie zu speichern und eine längere Lebensdauer zu haben – und damit die Reichweite und Kosten von Elektrofahrzeugen auf ein Niveau zu bringen, das von der breiten Masse akzeptiert werde.

Jasper Lawler weist auch darauf hin, dass Jerome Powell heute Nachmittag bei einer von drei Gelegenheiten in dieser Woche vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses über das CARES-Gesetz aussage – d.h. über das erste Konjunkturpaket. Für Großbritannien wird erwartet, dass Premierminister Boris Johnson gegen Mittag in einer Erklärung vor dem Unterhaus weitere Sperrmaßnahmen ankündigen wird.

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