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Warum Griechenland und Tsipras jetzt in der Offensive sind

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Die Mäkte reagieren nach kurzer Verunsicherung entspannt auf den klaren Wahlsieg von Syriza in Griechenland. Ganz nach dem Motto: wird schon gut gehen. Der Dax erreicht sogar ein neues Allzeithoch, auch der Euro kann sich von seinen Tiefstständen wieder deutlich erholen. Aber es dürfte noch einiges auf uns zukommen, weil der designierte Ministerpräsident Tsipras ein entscheidendes Faustpfand in der Hinterhand hat: den „Grexit“.

Zwar hat Tsipras immer wieder wiederholt, dass Griechenland unter seiner Führung in der Eurozone bleiben und auch den Euro behalten will. Aber seine Forderungen liegen so weit entfernt von dem, was die EU zulassen könnte, dass ein Kompromiß extrem schwierig zu finden sein wird. Denn die Verhandlungsposition der EU ist relativ schwach: jeder weitgehende Kompromiß würde andere Länder der Euro-Peripherie ermuntern, Ähnliches zu fordern wie Tsipras. Und das muß die EU unter allen Umständen verhindern.

Tsipras aber hat seinen Wählern einen kompletten Neuanfang versprochen und kann daher nicht wirklich Komprommisse eingehen, die an der Grundsituation wenig ändern, ohne sein Gesicht zu verlieren. Er wird daher, wenn sich die EU verweigert, mit dem „Grexit“ als Trumpfkarte drohen. Dieser hätte zwar auch katastrophale Auswirkungen auf Griechenland selbst, aber, so die Logik der Wahlsieger in Hellas, viel kann man ohnehin nicht mehr verlieren. Und für die EU wäre das ein echter „Finanz-Tsunami“.

Was nämlich würde bei einem „Grexit“ passieren? Zunächst einmal ist das in den Statuten der EU gar nicht vorgesehen, es wäre also gewissermaßen eine Scheidung ohne ein zugrundeliegendes Scheidungsrecht. Die Target-2-Salden (zuletzt mit 36 Milliarden Euro im Minus) würden massiv steigen, da die Griechen in Erwartung der Wiedereinführung der Drachme versuchen würden, sämtliche Euros von ihren Bankkonten zu holen – in der logischen Erwartung, dass eine Drachme im Vergleich zum Euro dramatisch abwerten würde. Je mehr Euros aber von griechischen Bankkonten abgehoben werden, umso stärker laufen die Target-2-Salden ins Minus.

Hinzu kommen dramatische Verluste für alle Gläubiger Griechenlands: die EZB (die bekanntlich griechische Staatsaneihen gekauft hat), der Internationale Währungsfond wie auch private Anleihehalter von griechischen Staatsanleihen (meist Banken) müssten hohe Milliardenbeträge abschreiben. Die Fordernungen der Troika gegenüber Griechenland liegen bei 240 Milliarden Euro. Im Wissen darum aber kann die EU ein solches Szenario nicht zulassen, ohne ein „Lehman-Moment“ an den Finanzmärkten zu riskieren.

Hinzu kommt, dass die EU mit einem Austritt Griechenlands selbst „ihr Gesicht verlieren würde“. Mario Draghi und andere haben immer wieder betont, dass man unter allen Umständen die Eurozone in ihrer jetzigen Form beibehalten werde. In der Summe bedeutet das: die EU hat mindestens genau so viel zu verlieren wie Griechenland. Und: würde Griechenland ausscheiden, dürfte der Euro eine fulminante Rally absolvieren – und auch daran haben die EU-Verantwortlichen nicht wirklich ein Interesse..

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Andre

    26. Januar 2015 17:36 at 17:36

    Zitat:
    Je mehr Euros aber von griechischen Bankkonten abgehoben werden, umso stärker laufen die Target-2-Salden ins Minus.
    Zitat Ende.

    Das Target2 bildet meine Wissens nur die innergemeinschaftlichen Geschäfte ab, also den Geldstrom
    bei innereuropäischen Geschäften, die dann über die nationalen Notenbanken laufen und
    im Zentrum über die EZB.

    Das das Abheben von Geld in Griechenland die TARGET2-Salden verändert, wusste ich noch
    nicht und kommt mir ein bisschen „spanisch“ vor.

    Bitte um Prüfung und wenn möglich, kurze Erläuterung!

    Grüsse Andre Best
    PS: Da habt ihr mit http://www.finanzmarktwelt.de eine super Website aufgebaut!!!

    • Avatar

      Francois

      7. Juni 2015 11:18 at 11:18

      Wenn Sie sich über Target informieren wollen, lesen Sie die diversen Artikel in http://www.target-2.de

      Bei ernsthaft drohendem Austritt Griechenlands aus der Eurozone wird der Euro über Nacht kollabieren. Dies wissen sowohl die Finanzmärkte wie auch (aber nur diese) die führenden Europolitiker wie Junker, Schäuble, Draghi und Konsorten. Der Grexit würde also in Folge nicht nur schwerwiegende finanzielle Turbulenzen bewirken (Folge: Wiedereinführung der DM) sondern vor allem zunächst die herrschenden Parteiensysteme – als Verantwortlichen für das Eurodesaster – hinwegfegen. Der Grieche Tsipras, vor allem sein eiskalter Finanzminister, kennen diesen Automatismus ganz genau. Sie reden nie vom Eurozusammenbruch davon, versichern immer Zahlungswilligkeit, weichen aber keinen Deut davon ab, dass die griechischen Schulden komplett zu streichen sind. Die Großgläubiger der Griechen wollen aber auf ihre Darlehen nicht verzichten (sowenig wie die EZB), was im Klartext heißt: für die Schulden der Griechen sollen die europäischen Steuerzahler einspringen, denn niemand sonst steht zur Verfügung. Das ist jedoch der Öffentlichkeit inzwischen (nach all den sinnlosen Rettungspaketen) kaum noch zu vermitteln. Deswegen die seit Herbst andauernden ebenso end- und hilflosen Versuche europäischer Spitzenpolitiker die Griechen zum Einlenken zu bewegen. Angeblich ist ja Griechenland seit Monaten schon immer nächste Woche Pleite, doch die EZB finanziert über ELA aus guten Grund ständig weiter: Denn in Wirklichkeit geht es nicht nur um das unbedeutende Griechenland (Wirtschaftsleistung geringer als in Bayern) sondern um den Bestand der Eurozone schlechthin da die Griechen mit ihren Schulden erfolgreich ganz Europa erpressen können. Zu so hohen Schulden hätte es nie kommen dürfen und einer der Hauptverantwortlichen dafür ist W. Schäuble. Fazit: Im Ergebnis werden die Schulden Griechenlands zwangsläufig auf die Steuerzahler der Euroländer abgewälzt werden. Das muss nur noch hinreichend „begründet und vernebelt“ werden und die Eurozone ist „gerettet“. Dann geht das gleiche Spiel mit Frankreich, Italien oder Portugal von vorne los und irgendwann bricht schließlich der Euroverbund auseinander und niemand war schuld daran.

      Bei G7 (G6) wird das das Hauptthema sein.

      KvH 07.06.2015

      Target-2 wirkt dann in der Eurountergngskrise wie ein Brandbeschleuniger, was jedem einigermaßen erfahrenen Wiurtschaftsfachmann inzwischen klar ist. Dass diverse amerikanische Wirtschaftswissenschaftler der weiteren Neuverschuldung das Wort reden, hat den Hintergrund, dass sie ihren Dauerauftraggebern, den Gläubigern Griechenlands verpflichtet sind und versuchen deren Kohlen aus dem Feuer zu holen.

      privaten Kredigebern Krediie Griechischen Kre3ditgeberAlle benoischuldigen ist W. SAchäubleerfolgreichwird l chen die Schulden griechgischen Großgläu zipras eas die das politisch herrschende Establishment vernichten saus dem Euro Resumée

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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