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Warum Handelskriege heutzutage nicht einfach zu gewinnen sind – am Beispiel von Huawei, in einer total vernetzten Welt!

Der Handelskrieg und die Vernetzung der Welt am Beispiel des chinesischen Tech-Giganten Huawei

Wolfgang Müller

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Im Bewusstsein einer starken US-Wirtschaft im Frühjahr/Sommer 2018 hatte sich der US-Präsident Donald Trump zu der Bemerkung hinreißen lassen, Handelskriege seien leicht zu gewinnen. Nach einigen Monaten von Zollanhebungen von Seiten der USA und ebensolcher aus China wird deutlich, dass es neben den unmittelbaren Auswirkungen auf die Kontrahenten zahllose weitere Folgewirkungen auf andere Länder gibt, was zugleich wieder einen Rückkopplungseffekt auf den eigentlichen Verursacher hat – Stichwort Wertschöpfungsketten.

 

Gegenseitige Geschäftsbeziehungen

Sehen wir uns das Beispiel des chinesischen Netzwerkausrüsters, inzwischen Weltmarktführer, zugleich bedeutsamer Handyhersteller, Huawei an. Ungeachtet der Vorwürfe und Anklagen gegen die Firma in puncto Finanzbetrug, Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen, Verschwörung, Behinderung der Justiz und Verstößen gegen Sanktionen durch amerikanische Behörden, zeigt dieses Unternehmen doch deutlich, welchen Vernetzungsgrad die Weltwirtschaft auf einigen Geschäftsfeldern erreicht hat.

Vorteil USA. Die chinesische Firma ist noch sehr auf amerikanische Produkte angewiesen, von 92 der Zulieferer Huaweis stammen ein Drittel aus den USA (z.B. Qualcomm, Intel, Broadcom, NVIDIA, Seagate). Die meisten Chips kommen immer noch von Broadcom. Auf jedem Huawei-Handy läuft Googles Betriebssystem Android und eine Alternative hat Huawei derzeit nicht.

Nachteil USA. Dies bedeutet natürlich große Einnahmen für die USA allein die kalifornische US-Firma NeoPhotonics macht fast 50% ihres Umsatzes in China. Auch Qualcomm erzielte fast ein Drittel seines Umsatzes mit der Nachfrage aus China.

 

Der Welt-Netzwerkausrüster

Eine unglaublichen Stellenwert hat Huawei im Netzwerkbereich erobert. Die Firma ist in 170 Ländern oder Regionen vertreten und stattet nach eigenen Angaben 45 der führenden Telefonanbieter aus. Huawei hat nach eigenen Angaben den Zuschlag für den Ausbau von 30 kommerziellen 5G-Netzen erhalten. Auch in Europa würde ein Verbot von Geschäftsbeziehungen zum chinesischen Giganten, trotz Ericsson und Nokia, nicht nur aus Kostengründen, eine gewaltige Verzögerung implizieren. Kurzum, ein Huaweiverbot wäre für viele Länder ein finanzieller Albtraum.

Auch erwähnenswert: Huawei ist nach Samsung bereits der zweitgrößte Smartphone-Hersteller.

 

Das politische Klima

Bei der Anklage gegen die in Kanada inhaftierte Huawei-Finanzchefin Meng Whanzou sollte nicht vergessen werden, dass diese Frau die Tochter des Firmenchefs Ren Zhengfei ist – mit der Perspektive der Nachfolge auf den Chefsessel. Eine Verurteilung der 46-Jährigen hätte gewiss keine guten Auswirkungen auf die US-Kundschaft in China (Boykott von US-Produkten).

 

Fazit

Aus diesem kleinen Überblick sieht man nicht nur wie wichtig es ist bei internationalen Geschäften die Regeln zu beachten, sondern auch wie komplex die „entwickelten“ Volkswirtschaften bereits vernetzt sind. Entscheidungen aus dem Bauch heraus (Trump prahlt immer mit seinem Bauchgefühl) sind da bestimmt nicht mehr adäquat. Deshalb könnte der Handelskonflikt zwischen dem Platzhirschen USA und seinem Herausforderer China ein langwieriger Prozess werden – der Fall Huawei ist hierfür nur ein Beispiel.

Noch ein Wort zu der automatischen Anhebung von Handelszöllen von 10 auf 25% am 1.März, ein Fall von dem ich persönlich nicht ausgehe.

Nehmen wir mal an, es kommt zu keiner Einigung hinsichtlich eines Minimaldeals zwischen den USA und China, was wäre dann die Folge? Ein erneuter Einbruch der Wall Street, die diese Zölle als oberste Sorge in den letzten Tagen immer wieder betonte. Dazu eine sofortige Verteuerung von vielen Alltagsgütern, die zu ca. 70% aus China kommen. Klar träfe es die Chinesen zuerst mehr (und auch Deutschland), aber der ökonomische Schaden würde auch für die USA folgen. Weil es eben die Verbraucher beträfe, in einer 70% Konsumökonomie.

Wie Trump auf Aktieneinbrüche reagiert, hatte man schon im Dezember beobachten können, bei seiner Aufforderung an die Amerikaner US-Aktien zu kaufen. Die USA haben in der jüngeren Vergangenheit nicht die besten Erfahrungen mit Zöllen gemacht – George W. Bush 2002 mit Stahl- und Aluminiumzöllen in Höhe von 8 bis 30%, Ergebnis Verlust von ca. 200 Tsd. Arbeitsplätzen und die Rücknahme der Maßnahme und sogar Barack Obama 2009 mit 35% Zoll auf chinesische Reifeneinfuhren und ebenfalls verlorenen Arbeitsplätzen – nur dieses Mal geht es um eine ganz andere Hausnummer.

Wenn es also zu der Zollanhebung kommen sollte, bin ich der Überzeugung, dass diese in diesem Konjunkturstadium (es beginnt das 11.Jahr des Aufschwungs, jeder gefühlt zweite Kommentar handelt von „concerns about global growth“) und gut eineinhalb Jahre vor den Präsidentschaftswahlen nicht lange Bestand haben würden. Dies bedeutet meines Erachtens nicht, dass der Konflikt um die Vorherrschaft in absehbarer Zeit gelöst werden kann.

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Finanznews

Aktien: Generation Z und die Spekulation! Marktgeflüster (Video)

Die Generation Z (ab 1995 Geborene) macht wieder Schlagzeilen und pusht auch heute wieder bestimme Aktien nach oben. Das böse Ende aber wird kommen..

Markus Fugmann

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Die Generation Z (ab 1995 Geborene) macht auch heute wieder Schlagzeilen und pusht wieder Aktien wie Gamestop oder Beyond Meat nach oben. Diese Generation Z wird nicht nur den Klimawandel ausbaden müssen, sondern ahnt auch, dass sie seit langer Zeit die erste Generation sein wird, für die der Kuchen nicht größer, sondern vermutlich kleiner sein wird. Und diese Generation Z wähnt sich nun durch die Fed und andere Notenbanken in einem Casino, in dem man ohne Risiko zocken könne – weil Aktien angeblich immer steigen. Aber an der Börse hat die Mehrheit schon immer verloren, und das wird diesmal nicht anders sein..

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Robuste Ergebnisse auf breiter Front

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die gemeldeten und heute Abend anstehenden Quartalszahlen sind heute ein wichtiges Thema.

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Aktien

Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

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Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

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