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Warum ich Twitter-Fan bin, und warum Twitter überleben sollte

Von Claudio Kummerfeld

Nein, gleich vorweg. Ich besaß nie Twitter-Aktien, noch besitze ich derzeit welche. Heute haben wir die Twitter-Quartalszahlen veröffentlicht, die ein Wachstum bei den Nutzerzahlen zeigen, das langsam wieder in Schwung kommt. Natürlich ist Twitter mit seinen 328 Millionen aktiven Nutzern pro Monat eine viel kleinere Hausnummer als Facebook mit seinen 1,2 Milliarden Nutzern. Auch die Facebook-Tochter Instagram zieht Twitter davon mit jetzt sogar 700 Millionen aktiven Nutzern. Aber hey, kann man das überhaupt vergleichen? War es überhaupt jemals angedacht in Konkurrenz zu Facebook zu treten?


Das Twitter-Logo. Foto: Copyright Marisa Allegra Williams (@marisa) for Twitter, Inc.

Einen Wettbewerb haben wohl nur so manche Analysten kreiert. Wer wächst schneller, kann Twitter mithalten? Twitter war von vorneherein ein spannendes Nischenprojekt, und ist kein soziales Netzwerk zum Vernetzen unter Freunden so wie Facebook. Es ist eher eine Art Nachrichten-Ticker, bei dem sich jeder seinen Ticker selbst zusammenstellen kann. Man kann anhand seiner persönlichen Präferenzen entscheiden, welchen Informationen und Themen nach folgen will, beziehungsweise womit man informativ in Echtzeit überflutet werden will. Genau so kann man auch selbst zum Producer werden und seine Follower mit Infos überfluten.

Schon vom Grundkonstrukt her ist Twitter nicht so massentauglich wie Facebook. Auch möchte ich mal die Frage oder These in den Raum stellen, ob Twitter von den Nutzern her nicht qualitativ hochwertiger und ernsthafter ist, weil hier gezielt gesucht und gezielt gefolgt wird. Bei Facebook sieht das nach meiner Meinung etwas anders aus! Und ja, natürlich gibt es bei Twitter jede Menge Trash, Müll, Schrott, oder wie man es auch nennen will. Aber wer beide Netzwerke regelmäßig nutzt und durchstöbert, kann sich rein subjektiv eine Meinung bilden. Und meine subjektive Meinung ist, dass bei Facebook eben deutlich mehr Müll anfällt als bei Twitter, vor allem weil die einfache Nutzung für private Anwender eher gegeben ist, die ihr 500. Katzenfoto unbedingt mit ihren Nachbarn und Schulfreunden teilen wollen. Und die tun dies auf Facebook, und nicht bei Twitter.

Aber ich gebe zu, das ist wohl alles reine Ansichtssache. Meine These ist, dass Qualität sich durchsetzt, und die Werbekunden Twitter auf lange Sicht schätzen lernen. Je nach Rechnungslegung macht Twitter ja bereits einen kleinen Gewinn oder Verlust. Jedenfalls arbeitet man derzeit rund um die Gewinnschwelle. Auch muss man hierzu erwähnen, dass Twitter erst relativ spät mit der Vermarktung von Werbeplätzen angefangen hat. Man hat es in Sachsen User-Wachstum aufgrund der Grundkonzeption wohl einfach schwerer als zum Beispiel Instagram, das aufgrund seiner simplen Nutzbarkeit als Fotoalbum extrem leicht konsumierbar ist.

Letztes Jahr war die Diskussion groß, ob Twitter überhaupt durchhalten und überleben kann. Es kursierten so ziemlich alle Medienkonzerne als potenziellen Käufer, aber niemand kaufte Twitter. So macht die Firma aktuell alleine weiter. Es wäre schade, wenn Twitter langfristig nicht durchhalten würde. Denn abgesehen davon Twitter-Fan zu sein, oder das Konzept an sich toll zu finden, gibt es da noch einen ganz anderen Aspekt, der eigentlich alle freiheitsliebenden Menschen veranlassen sollte fleißig auf Twitter aktiv zu sein.

Geht Twitter nämlich unter, liegt de facto die ganze Social Media-Welt (im sogenannten „freien Westen“) in der Hand eines Konzerns, nämlich Facebook. Und sein Chef Mark Zuckerberg ist eher nicht dafür bekannt ein großer Basisdemokrat zu sein. Er wäre ohne Twitter Monopolist, denn seien wir mal ehrlich: Ohne Twitter gäbe es Facebook, Instagram und Whatsapp. Alle drei gehören zum Facebook-Konzern. Snapchat ist eher eine Spielerei für Jugendliche, auch wenn man viele User hat. Google+ existiert zwar, ist aber nur noch eine leere Hülle ohne Leben, wenn wir mal ehrlich sind. Und sonnst? YouTube ist zwar ein riesiger Verbreitungskanal für Videos, bei dem man sich über die Kommentarfunktion auch austauschen kann. Aber mal ehrlich, es ist nicht mal ansatzweise das selbe, als wenn man einen Tweet absetzt oder einen Facebook-Post.

De facto bliebe der Social Media-Gemeinde ohne Twitter nur noch das „Facebook-Universum“. Oder irgendjemand würde einen gigantischen zweistelligen Milliardenbetrag in die Hand nehmen, und würde eine neue Alternative zu Facebook schaffen, eine Art Twitter Reloaded. Aber dazu muss es ja nicht kommen, wenn Twitter als Verbreitungsmedium für News und Meinungen erhalten bleibt (inklusive des Schrotts). Auch wenn ich „Alternative zu Facebook“ schreibe: Twitter ist nicht 1:1 als Konkurrent mit Facebook vergleichbar. Aber wer News, Kommentare und Meinungen verbreiten will, hätte außer Twitter nur noch Facebook als Alternative! Das wäre dann quasi ein Monopol. Und Monopole hatten noch nie die Angewohnheit etwas Positives zu bewirken.!



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1 Kommentar

  1. Gute Analyse Herr Kummerfeld. Grundsätzlich stimme ich mit Ihren Ansichten überein, für die Werbekunden zählt jedoch leider Quantität vor Qualität weshalb zwangsläufig mehr Werbung zu Facebook wandert. Wollen wir mal hoffen, das hier vielleicht auch noch ein Umdenken einsetzt.

    Generell hat Twitter aber auch ein Führungsproblem. Jack Dorsey kann nicht zwei Unternehmen gleichzeitig führen (Square + Twitter). Dorsey muss sich auf eines konzentrieren. Twitter muss auch hier was die Unternehmensleitung betrifft Fakten schaffen !

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