Folgen Sie uns

Allgemein

Warum Inflation durch das Coronavirus sehr schnell kommen kann

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Mischung aus Angebotsverknappung, Hamsterkäufen, desperater Geldpolitik und explodierenden Haushaltsdefiziten wegen des Coronavirus kann die Preise sehr schnell ansteigen lassen  – kann also schnell zu einer galoppierenden Inflation führen. Bei Waren, die gegen die ökonomischen Folgen des Coronavirus schützen sowie bei Gold- und Silbermünzen kommt es bereits jetzt zu spürbarer Mangelteuerung. Auch in Folge der Inflation der Notenbankgeldmengen.

Der Wechsel von Deflation zu Inflation wird durch unser Geldsystem beschleunigt

Im Juli des Jahres 1944 wurde im noblen Bezirk Bretton Woods der Stadt Carroll im Bundesstaat New Hampshire, USA eine neue Währungsordnung für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg unter den späteren Siegermächten ausgehandelt. Der US-Dollar stand dabei als Ankerwährung im Zentrum des Bretton-Woods-Abkommens und alle anderen Währungen (Satellitenwährungen) schwankten in einem definierten Band um die mit Gold gedeckte neue Weltleitwährung.

Fortan wurde von den nicht amerikanischen Notenbanken weltweit der US-Dollar als Reservewährung Nr. 1 gehalten. Ein Großteil der Goldreserven der Welt befand sich in den Tresoren in Manhattan und Fort Knox in den USA.

27 Jahre nach der Etablierung des Nachkriegs-Währungs-Regimes, im August 1971, hob der damalige 37. US-Präsident Richard Milhous Nixon die Bindung des US-Dollars an das Gold auf. Fortan war der Anker unseres heutigen Weltwährungssystem, ebenso wie alle Satellitenwährungen, frei von der Deckung durch Gold. In der Folge stieg die Inflation stark an, konnte aber aufgrund der damals noch deutlich geringeren Verschuldung durch massive Zinsanhebungen bekämpft werden.

Die im Dezember 1913 gegründete US-Notenbank Fed konnte nach der Schließung des Goldfensters im Sommer 1971 unbegrenzt US-Dollars produzieren. Im Zuge der Finanzkrise 2008 ff. wurde dieses Privileg dann erstmals genutzt, um Geld für notleidende Banken und die Finanzierung der Staatshaushalte im Rahmen der sogenannten QE-Programme direkt einzusetzen.

Bis zur Finanzkrise bauten die Notenbanken der Industriestaaten ihre Goldreserven permanent ab. Seitdem hat sich zwar diesbezüglich ein Sinneswandel vollzogen, aber unser heutiges Währungssystem bleibt ein in seiner Gesamtheit ein ungedecktes Fiat-Money-System, in dem die Zentralbanken theoretisch unendlich viel Geld aus dem Nichts schöpfen und zum Ankauf von Schuldpapieren und Vermögenswerten nutzen können. Dies führt automatisch zu Inflation (von lat. inflatio = Aufblähen der Geldmenge).

Da es dafür bereits einen Präzedenzfall gibt, nämlich die letzte Finanzkrise, kann man die Erfahrungen und geldpolitischen Instrumente nun sehr viel schneller und in ungleich größerer Dimension einsetzen, was das Risiko einer schnell eintretenden Inflation erhöht. Widerspruch aus der Politik oder aus der Bevölkerung ist nicht mehr zu erwarten, aufgrund des Gewöhnungseffekts.

Daher reagieren die Notenbanken momentan mit ihrer Geldpolitik in einem Tempo und mit einer Aggressivität in Sachen Geldschöpfung und Geldverbilligung (Zinssenkungen), die bislang beispiellos in der Weltgeschichte sind.

Das Mandat der Preisstabilität (Vermeidung von zu starker Inflation) wird nun der Erhaltung der Systemstabilität vollständig untergeordnet.

Ohne Reflation wäre unser heutiges Wirtschaftssystem am Ende

Bereits vor den wirtschaftlichen Belastungen durch die Corona-Krise befand sich die globale Verschuldung laut dem quartalsweisen Report des Institute of International Finance (IIF) vom 13. Januar mit 253 Billionen US-Dollar auf Rekordniveau. Diese Schuldensumme entspricht 322 Prozent des globalen BIP.

Das Institute erwartet nun eine signifikante Beschleunigung dieser Verschuldung sowie Verwerfungen am Markt für Unternehmensanleihen. Die hohe Schuldenlast vieler Wirtschaftssubjekte wird in der anstehenden sehr tiefen Rezession zum Problem und löst zunächst einen heftigen deflationären Schock aus, der ohne zeitnahe Reflation zum Zusammenbruch der Weltwirtschaft führen würde.

Da die Höhe der Schulden die weltweite Wirtschaftsleistung bereits um das dreifache übertrifft und die Zinskosten bereits historisch niedrig sind, bleibt nur noch das Anwerfen der Notenpresse, um mit dem neu geschöpften Geld die Konjunktur- und Rettungspakte der Staaten zu finanzieren sowie Schuldpapiere und Vermögenswerte aller Art aufzukaufen. Im Gegenzug blähen sich die Bilanzen der Notenbanken, auf denen die gekauften Assets landen, massiv auf.

Die Erfahrung aus der letzten Finanzkrise zeigt, dass ein Abbau der Bilanzen und eine Rückführung der neu geschaffenen Geldmenge nicht möglich ist. Der Versuch der US-Notenbank Fed, die Zinsen über die Teuerungsrate hinaus anzuheben (Zinsnormalisierung) und ihre Bilanz zu reduzieren, führte zum Einbruch der Aktienmärkte und zu einer signifikanten Konjunkturabkühlung im vierten Quartal 2018. Andere große Zentralbanken, wie die Bank of Japan oder die Europäische Zentralbank haben im Bewusstsein der Abhängigkeit der überschuldeten Weltwirtschaft von der ultra laxebn Geldpolitik derartige Experimente unterlassen.

Der Zinsspielraum, den die US-Notenbank sich mit ihren neun Zinsanhebungen in Trippelschritten, verteilt über 5 Jahre, mühsam erarbeitet hatte, wurde innerhalb eines dreiviertel Jahres komplett ausgeschöpft und verpuffte nahezu wirkungslos.

Inflation: Die Weichen sind bereits voll auf Geldentwertung gestellt – Coronavirus beschleunigt

In diesem Jahr haben die Notenbanken weltweit bereits 73 Mal die Zinsen gesenkt, allein 51 Mal im Monat März. Sollten die aktuell wegen des Coronavirus in den USA geplanten und in anderen Teilen der Welt bereits beschlossenen Maßnahmen umgesetzt werden, rollt eine Flut von 9,6 Billionen US-Dollar frisches Geld auf die Weltwirtschaft zu. Sollte mehr Geld notwendig sein, dann könnte diese Summe schnell und in beliebiger Höhe weiter aufgestockt werden.

Da diese Tatsache kein Geheimnis ist, hat der Run auf alternative Währungen bereits begonnen: Die Märkte für Gold- und Silbermünzen stehen wegen der enorm hohen Nachfrage bereits unter extremen Spannungen. Die Verfügbarkeit von Münzen ist bereits stark eingeschränkt, die Aufgelder zu den Spot-Preisen steigen deutlich an und die Lieferzeiten dehnen sich aus.

Fazit und Ausblick: Coronavirus und Inflation

Dieses Phänomen wird sich ab einer bestimmten Summe aus den Notenpressen zunächst stabilisierend und dann preistreibend auf alle Vermögenspreise auswirken und im Anschluss auf die Preise von Gütern, Waren und Dienstleistungen. Besonders in den Bereichen, in denen die Liquidität der Notenbanken, die über zins- und tilgungsfreie Direktzahlungen auch an Haushalte und Selbstständige verteilt wird (Helikoptergeld), auf ein knappes Angebot in Folge unterbrochener Lieferketten treffen.

Der Einwand einiger Ökonomen, das verteilte Geld würde lediglich die Sparquote erhöhen, ist unzulässig, da die verantwortlichen Notenbanker bereits über das Helikoptergeld hinaus an Geld mit eingebauten zeitlichem Verfallsdatum denken (Schwundgeld). So soll das Horten der Geldgeschenke vermieden und die Geldumlaufgeschwindigkeit erhöht werden, damit das neu geschöpfte Fiat-Money auch garantiert nachfragewirksam wird und so Inflation erzeugt.

Erstmals in der Geschichte können und dürfen Notenbanken global konzertiert so viel Geld produzieren, wie sie und ihre Kollegen aus der Fiskalpolitik es für die Aufrechterhaltung eines ohnehin überschuldeten Wirtschaftssystems zentralplanerisch für nötig erachten. Schon aus diesem Grund ist eine gesunde Skepsis gegenüber dem Kaufkrafterhalt der ungedeckten Währungen angebracht.

Die Inflation dürfte wegen der Folgen des Coronavirus bald stark steigen

 

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    TM

    23. März 2020 17:05 at 17:05

    Seit wieviel Jahren wird nun die große Inflation angekündigt? Die verfügbaren Einkommen sinken gerade dramatisch, die private Nachfrage kollabiert, die Investitionsnachfrage der Unternehmen ist gleich Null. Aber klar, wir bekommen Inflation….Im Optimalfall vermeiden wir eine deflationäre Depression. Aber gut, die Inflationspropheten liegen seit Jahrezehnten daneben und werden dennoch nicht müde.

    • Avatar

      Columbo

      23. März 2020 18:23 at 18:23

      @TM

      Ich verstehe auch nicht, warum jetzt Inflation kommen soll.
      In und nach der Coronakrise haben die Menschen weniger Geld, sie werden noch mehr sparen. Auch wenn Banken und Unternehmen gerettet werden und es von ein paar Helikoptern einige wenige Scheine regnet, reich werden die Leute davon nicht. Sie werden sich nichts leisten wollen und können. Ich sehe ebenfalls eher ein länger dauerndes, gefährliches Deflationszenario, aber ich verstehe zu wenig davon.

      • Avatar

        Markus

        23. März 2020 22:23 at 22:23

        Auch wenn es abgedroschen klingt, die Inflation ist da, und zwar bei allen Vermögenswerten, außer Gold. Lebensmittel und Dinge des Alltags werden langsam teurer. Beim Öl wird eine Ausdünnung der Anbieter irgendwann dafür sorgen, dass der Preis steigt.
        Öl braucht man immer, ohne Öl kein Krieg. Wenn die alltäglichen Konsumgüter rasch im Preis steigen, und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt(Umschichtung in Nützliche Dinge) dann sind wir mMn bei der für den Normalbürger schlimmen Inflation angekommen.
        Die Nullzinspolitik hat uns einen Bärendienst erwiesen. Ob sich Staaten angesichts der Gigantischen Schuldenberge trotz Nullzins und mit Inflation im heutigen Umfeld erfolgreich ich will nicht sagen entschulden, aber zu mindest auf ein Niveau von 60% des BIPs wie im (lach) Maastrichtvertrag vorgesehen, jemals wieder bewegen werden, ist doch sehr ungewiss…….

    • Avatar

      Hinterfrager

      23. März 2020 18:55 at 18:55

      Jepp, ein Großteil der gigantischen globalen Schulden auf allen Ebenen müsste zunächst definitiv ausgebucht werden, bevor die zusätzlich geschöpften Geldmengen (aus dem Nichts) real wirksam würden. Auch die großen Kapitalinjektionen seit 2008 haben real nichts bewirkt, da sie größtenteils in den Bilanzen und Posten der weniger sichtbaren Geldssystembereiche hängen geblieben, teils Vermögenswerte aufgebläht, aber eben nicht in die Realwirtschaft geflossen sind. Genau dort hätten sie aber inflationär wirken müssen. Da sich womöglich aber Geschichte wieder reimt und dieses Finanzsystem „so wie früher“ unter allen Umständen erhalten werden soll (also ohne die große Ausbuchung, dafür beispiellosen Interventionen), wird es dieses Mal wohl kaum anders kommen…

      • Avatar

        Hinterfrager

        23. März 2020 19:19 at 19:19

        P.S.: Die 1.200 Dollar, die Mom and Dad pro Kopf in den USA per Helikopter bekommen sollen oder die 5.000-9.000 Euro pro Kleinunternehmen in Deutschland können noch nicht einmal ansatzweise die aktuellen Verdienstausfälle ausgleichen. Außerdem herrscht nirgendwo ein Mangel an Warenangebot, sondern „lediglich“ ein (zudem) vorübergehendes Nachfrageproblem. Wo soll da bitteschön langfristig Inflation entstehen?

        • Avatar

          Michael

          23. März 2020 21:39 at 21:39

          @Hinterfrager, 3000 EUR pro Monat können nicht die Ausgaben für einen Solo-Selbständigen ausgleichen? Für Kleinunternehmer mit Angestellten sind es deutlich mehr.

          1200 Dollar in USA kompensieren vermutlich einen 3-4-Job-Status in der dekadelangen Wunder-Statistik in den USA.

          Es wird spannend zu sehen, ob weiterhin die idiotischen Börsen überleben, oder der Realwirtschaft erste neue Chancen geboten werden.

          • Avatar

            Hinterfrager

            24. März 2020 08:53 at 08:53

            @ Michael Bitte zu Ende denken! Über wie viele Monate insgesamt sprechen wir hier eigentlich? Drei, vier oder sechs?

      • Avatar

        Markus

        23. März 2020 22:39 at 22:39

        Wenn die Schulden so einfach ausgebucht werden, geht eines verloren: Vertrauen.
        Zumindestens bei den Corporate Bonds.
        Und wenn ein Staat die Rückzahlung verweigert, Argentinien, Never ending Story.

        Warum soll es ein zweites Mal wieder funktionieren?
        Ok, sagt der eine oder andere jetzt, des Klappt schon wieder.
        Aber jetzt ist das Experiment noch größer, das Drumherum (Derivate) noch gewaltiger.

        Ich sag Stagflation.

        • Avatar

          leftutti

          24. März 2020 02:08 at 02:08

          @Markus
          Ich sag Neustart, denn die Fakten, in Form eines prinzipiell (noch relativ) harmlosen RNA-Stranges, eines vom Krankheitsverlauf und den Symptomen harmlosen, aber unbekannten und zurecht furchteinflößenden Virus lassen sich nicht weiter mit 1.000.000.000.000.000.000.000 bullisch wegpumpen.

          Das Virus des Wahnsinns, der in Wirtschaft und an den Börsen seit Dekaden wütet, hat sich in einfachster symbolischer Form als Warnschuss vor den Bug manifestiert. Was an wahren Gefahren im Klimawandel schlummert, in den auftauenden Permafrostböden, in tauenden Eismassen, wird die Menschheit wirklich erschüttern.

          Was an der bewusst übertriebenen Zahl auffällt, sind die willkürlich vielen Nullen. Das entspricht leider irgendwie symbolisch der traurigen virtuellen Realität. Bei Problemen hängen wir eine Dreiergruppe an Nullen hintenan. Nullen überall, was all die tolle Zahl noch rettet, ist die Eins am Anfang. Mit ihr steht und fällt die Realitätsblase, fällt sie weg oder verschiebt sie sich nach hinten, holt uns zusehends die wahre Welt ein. Die letzten drei Nullen symbolisieren 90% und mehr der Menschheit. Die ganze schöne Zahl x 0 = 0.

  2. Avatar

    Markus Strunz

    23. März 2020 19:49 at 19:49

    Es gibt die Inflation schon real, dafür muss man nur in die Supermärkte gehen. Zwar sind die Preise für die Produkte nicht erhöht worden, aber bei der Bückware sind die Regale oftmals leer. So gesehen sind die Preise für Mehl von 50 Cent auf 1,50 € gestiegen, und selbst dann darf man nicht in beliebiger Menge kaufen, sondern nur ein oder zwei Pakete. Vieles ist ständig ausverkauft.

  3. Avatar

    Prognosti

    24. März 2020 07:41 at 07:41

    Und für alle die nicht an Inflation glauben, sollen einmal die Krankenkassen u.Sozialkosten in Betracht ziehen. Sind in Amerika die Krankenprämien schon letztes Jahr OHNE CORONAVIRUS stark gestiegen, müsste das einen Riesenkostenschub geben. Bisher wurden diese Kosten als einzig steigende Kostenklasse im GDP nur positiv gesehen. Ohne die stark steigenden Gesundheits- u, Sozialkosten wäre das GDP schon länger negativ.

  4. Pingback: Corona-Krise: die wirtschaftlichen Folgen › Digital Diary – Claudia Klinger

  5. Pingback: Bitcoin für Anfänger - Coingeeks.de

  6. Pingback: Bitcoin-Ausbruch am 22. Juli? – Spanien – Mallorca – Festland – Hai

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Börse: Chancen und Risiken – welche Anlageklassen werden boomen?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Die Börse hat den Corona-Crash scheinbar überwunden – die Aktienmärkte handeln an Allzeithochs, den Notenbanken sei Dank! Wie aber geht es nun weiter, mittel- bis langfristig?

„Die Börse ist gut drau und geht davon aus, dass alles gut wird“, sagt der ehemalige Hedgefundmanager Florian Homm. Dieses Mantra aber sei gefährlich und risikoreich, so Homm. Angesichts der Bewertungen an der Börse seien die Perspektiven eher mau: selbst wenn die Aktienmärkte im besten Fall 4% pro Jahr weiter steigen würden, bestünde die Gefahr, dass diese Zugewinne durch eine steigende Inflation zunehmend aufgefressen würden.

Homm analysiert in folgendem Video verschiedene Anlageklassen: Edelmetalle, Rohstoffe, Nahrungsmittel, Kryptowährungen, Anleihen und Aktien. Was dürfte in den nächsten Jahren am besten funktionieren? So oder so: „Wir befinden uns in einer spannenden, hochriskanten Dekade“, sagt Florian Homm. Aber angesichts der finanziellen Repression gehe aber eben kein Weg an der Börse vorbei, so Homm. Dabei zeigt er fünf Szenarien auf:

An der Börse geht angesichts der finanziellen Repression kein Weg vorbei

weiterlesen

Allgemein

Aktiensplit bei Tesla – folgen andere bald nach?

Avatar

Veröffentlicht

am

Es ist Thema in vielen Wirtschaftsteilen der Medien – der Aktiensplit von Tesla und die extreme Kursreaktion eines Automobilherstellers, der schon zuvor fast so viel wert war wie alle Autoproduzenten Europas. Passt natürlich auch ins Schema von Elon Musk, der einen gigantischen Optionsvertrag besitzt, der ihm beim Erreichen hoher Werte in punkto Marktkapitalisierung Zuteilungsrechte eröffnet, die es so noch nicht gegeben hat. Zig-Millionen an Aktien in Stufen bis zu einem Unternehmenswert von 650 Milliarden Dollar, wie im Artikel vom 24. Juli dargelegt.

Der Aktiensplit zum Monatsende

Durch den exponentiellen Anstieg der Aktie von Tesla von 400 Dollar zu Jahresanfang bis auf fast 1800 Dollar, Mitte Juli und in sechseinhalb Monaten, war nicht nur ein Fahnenstangen-Chart entstanden, der nach Korrektur schreit, sondern auch ein psychologisches wie auch praktisches Problem entstanden. Für Millionen Kleinanleger, vor allem die vielen Neuen des Jahres 2020, war das Papier einfach zu teuer. Claudio Kummerfeld hat gestern die Wirkung der Fünftelung des Aktienpreises in einem Artikel beschrieben. Und es hat funktioniert. Am Tag nach der Ankündigung, einen Aktiensplit zu machen, erreichte die Aktie im New Yorker Handel 1585 Dollar und schloss bei 1554 Dollar, sagenhafte 13 Prozent im Plus, obwohl sich fundamental deshalb schon rein gar nichts geändert hat. Bei Beurteilung der Börsenreaktion von Tesla muss man aber die besondere Situation bei diesem Highflyer berücksichtigen. Einer der „meistgeshorteten“ großen Titel, bei dem die Leerverkaufsquote schon einmal 25 Prozent des Free Floats ausmachte. Zuletzt waren es immer noch über 10 Prozent oder 14 Millionen und da kann jede positive Meldung einen Pain Trade auslösen, in Form der berüchtigten Short Squeezes.

Nichtsdestotrotz gibt es Anleger, die keine Aktien mögen, weil sie optisch sehr teuer wirken. Als ob eine Deutsche Bank mit 8 Euro attraktiver wäre als eine Allianz mit 180 Euro.

So hatte kürzlich erst die Ankündigung von Apple, einen Aktiensplit von 4 zu 1 zu planen, Furore gemacht.

Ende August gibt es dann viermal so viele Papiere des wertvollsten Unternehmens der Welt. Statt etwa 455 Dollar wie am gestrigen Tag würde das Papier dann nur noch etwas mehr als 110 Dollar kosten. Die angekündigte Aktiensplit hatte selbst bei einem Wert mit einer Marktkapitalisierung von über 1,9 Billionen Dollar große Wirkung und ließ den Kurs nachbörslich um sechs Prozent in die Höhe schnellen. Diese Reaktion macht Anleger neugierig und man hält Ausschau nach Titeln, die optisch teuer sind und wo sich das Management zu so einem Schritt entscheiden könnte. Nach Ansicht von Experten sollten Aktien, die für einen Aktiensplit in Frage kommen, zwei Bedingungen erfüllen: Sie müssten in der letzten Zeit stark nach oben gegangen sein und die Aktien sollten über 400 Dollar kosten.

Welche Werte könnten dem Beispiel folgen?

Angesichts der „Anomalie“ einer folgenden Kurssteigerung infolge von optischen Psychotricks könnte es nicht verkehrt sein, nach Titeln Ausschau zu halten, die extrem gestiegen und extrem hohe Kurswerte aufweisen. Da fällt einem natürlich sofort Amazon ins Auge, die Online-Aktie, die es bereits zum Schnäppchenpreis von 3100 Dollar gibt. Wann wird sich Jeff Bezos zu diesem Schritt entscheiden, schließlich wurde die Aktie in diesem Jahrhundert auch noch nicht gesplittet? Immer wieder unglaublich anzusehen, die Entwicklung dieses Wertes, der im Crash des Jahres 2001 auf unter 10 Dollar gefallen war. Dann gibt es natürlich noch weitere FAANG-Aktien, die die großen Renner des Jahres waren: Alphabet mit über 1500 Dollar, Netflix mit über 450 Dollar, aber auch andere bekannte Titel wie BlackRock (580 Dollar), Adobe (450 Dollar), Nvidia (460 Dollar) oder der sehr teure und auch in Deutschland bekannte Online-Reisekonzern Booking.com mit über 1800 Dollar. An Auswahl mangelt es nicht.

Wie ist es in Deutschland?

Natürlich kennen wir hierzulande auch den Aktiensplit, vor einem Jahr war es der Sportartikelhersteller Puma, der seine Aktien gezehntelt hatte. Vor Kurzem war es die Medizintechnikfirma Eckert und Ziegler. Aber auch die großen Werte aus dem DAX wie BASF, Beiersdorf, Eon, Fresenius, SAP oder Siemens haben ihre Anteilsscheine schon geteilt, aber das ist schon viele Jahre her. Optisch richtig teure Werte gibt es derzeit nicht im Dax, aus dem MDax ragt der Küchenhersteller Rational mit seinem 600 Euro Kurswert hervor. Aber wer weiß, deutsche Unternehmen ahmen nicht selten angelsächsischen Gepfogenheiten nach und schließlich befindet sich unser Leitindex auch in seiner Mehrheit in ausländischen Händen.

Fazit

Tesla hat strategisch nachgemacht, was Apple bereits vor Monatsfrist erfolgreich vorgemacht hat: Die teuerste Firma der Welt hat bereits vier Mal einen Aktiensplit durchgeführt, der fünfte ist für Ende August angekündigt und hat zu den gewohnten (positiven) Kursreaktionen geführt. Ohne die Splits würde die Aktie des Börsengiganten Apple heute bereits 24.000 Dollar kosten. Für viele Kleinanleger unhandelbar. Dass es dennoch anders geht, zeigt die Aktie von Warren Buffett, Berkshire Hathaway.

Diese kostete bei seiner Übernahme der Firma im Jahre 1965 unter 20 Dollar und heute in der Ur-Form als A-Aktie ungesplittet etwa 318.000 Dollar, eine Performance von über 2 Millionen Prozent, allerdings in einem für Normalanleger unvorstellbar langem Zeitraum. Geschadet hat es der Performance der Aktie auf lange Sicht nicht, weil zu guter Letzt die Fundamentaldaten zählen.

Kurzfristig ist ein Aktiensplit immer ein kleiner Kursturbo, auch wenn sich fundamental nichts ändert. Und für Trader eine lohnende Angelegenheit, wenn es gelingt….?

Wie ein Aktiensplit die Kurse von Apple und Tesla treibt

weiterlesen

Allgemein

Handelskrieg, jetzt Internetkrieg zwischen USA und China?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Der Kampf um die globale Dominanz begann mit dem Handelskrieg, nun aber entwickelt sich die Auseinandersetzung zunehmend zu einem Krieg um das Internet. Der Bann der Trump-Administration non TikTok, vor allem aber von WeChat zeigt, wie sich die Auseinandersetzung nun immer mehr in den digitalen Raumm verlagert. Nun versuchen Apple und andere US-Konzerne durch Lobbyarbeit den Bann zu verhindern – denn vor allem für Apple geht es um viel: ohne WeChat würden die Verkäufe von iPhones im zweitwichtigsten Absatzmarkt kollabieren..

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen