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Warum Inflation durch das Coronavirus sehr schnell kommen kann

Hannes Zipfel

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Die Mischung aus Angebotsverknappung, Hamsterkäufen, desperater Geldpolitik und explodierenden Haushaltsdefiziten wegen des Coronavirus kann die Preise sehr schnell ansteigen lassen  – kann also schnell zu einer galoppierenden Inflation führen. Bei Waren, die gegen die ökonomischen Folgen des Coronavirus schützen sowie bei Gold- und Silbermünzen kommt es bereits jetzt zu spürbarer Mangelteuerung. Auch in Folge der Inflation der Notenbankgeldmengen.

Der Wechsel von Deflation zu Inflation wird durch unser Geldsystem beschleunigt

Im Juli des Jahres 1944 wurde im noblen Bezirk Bretton Woods der Stadt Carroll im Bundesstaat New Hampshire, USA eine neue Währungsordnung für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg unter den späteren Siegermächten ausgehandelt. Der US-Dollar stand dabei als Ankerwährung im Zentrum des Bretton-Woods-Abkommens und alle anderen Währungen (Satellitenwährungen) schwankten in einem definierten Band um die mit Gold gedeckte neue Weltleitwährung.

Fortan wurde von den nicht amerikanischen Notenbanken weltweit der US-Dollar als Reservewährung Nr. 1 gehalten. Ein Großteil der Goldreserven der Welt befand sich in den Tresoren in Manhattan und Fort Knox in den USA.

27 Jahre nach der Etablierung des Nachkriegs-Währungs-Regimes, im August 1971, hob der damalige 37. US-Präsident Richard Milhous Nixon die Bindung des US-Dollars an das Gold auf. Fortan war der Anker unseres heutigen Weltwährungssystem, ebenso wie alle Satellitenwährungen, frei von der Deckung durch Gold. In der Folge stieg die Inflation stark an, konnte aber aufgrund der damals noch deutlich geringeren Verschuldung durch massive Zinsanhebungen bekämpft werden.

Die im Dezember 1913 gegründete US-Notenbank Fed konnte nach der Schließung des Goldfensters im Sommer 1971 unbegrenzt US-Dollars produzieren. Im Zuge der Finanzkrise 2008 ff. wurde dieses Privileg dann erstmals genutzt, um Geld für notleidende Banken und die Finanzierung der Staatshaushalte im Rahmen der sogenannten QE-Programme direkt einzusetzen.

Bis zur Finanzkrise bauten die Notenbanken der Industriestaaten ihre Goldreserven permanent ab. Seitdem hat sich zwar diesbezüglich ein Sinneswandel vollzogen, aber unser heutiges Währungssystem bleibt ein in seiner Gesamtheit ein ungedecktes Fiat-Money-System, in dem die Zentralbanken theoretisch unendlich viel Geld aus dem Nichts schöpfen und zum Ankauf von Schuldpapieren und Vermögenswerten nutzen können. Dies führt automatisch zu Inflation (von lat. inflatio = Aufblähen der Geldmenge).

Da es dafür bereits einen Präzedenzfall gibt, nämlich die letzte Finanzkrise, kann man die Erfahrungen und geldpolitischen Instrumente nun sehr viel schneller und in ungleich größerer Dimension einsetzen, was das Risiko einer schnell eintretenden Inflation erhöht. Widerspruch aus der Politik oder aus der Bevölkerung ist nicht mehr zu erwarten, aufgrund des Gewöhnungseffekts.

Daher reagieren die Notenbanken momentan mit ihrer Geldpolitik in einem Tempo und mit einer Aggressivität in Sachen Geldschöpfung und Geldverbilligung (Zinssenkungen), die bislang beispiellos in der Weltgeschichte sind.

Das Mandat der Preisstabilität (Vermeidung von zu starker Inflation) wird nun der Erhaltung der Systemstabilität vollständig untergeordnet.

Ohne Reflation wäre unser heutiges Wirtschaftssystem am Ende

Bereits vor den wirtschaftlichen Belastungen durch die Corona-Krise befand sich die globale Verschuldung laut dem quartalsweisen Report des Institute of International Finance (IIF) vom 13. Januar mit 253 Billionen US-Dollar auf Rekordniveau. Diese Schuldensumme entspricht 322 Prozent des globalen BIP.

Das Institute erwartet nun eine signifikante Beschleunigung dieser Verschuldung sowie Verwerfungen am Markt für Unternehmensanleihen. Die hohe Schuldenlast vieler Wirtschaftssubjekte wird in der anstehenden sehr tiefen Rezession zum Problem und löst zunächst einen heftigen deflationären Schock aus, der ohne zeitnahe Reflation zum Zusammenbruch der Weltwirtschaft führen würde.

Da die Höhe der Schulden die weltweite Wirtschaftsleistung bereits um das dreifache übertrifft und die Zinskosten bereits historisch niedrig sind, bleibt nur noch das Anwerfen der Notenpresse, um mit dem neu geschöpften Geld die Konjunktur- und Rettungspakte der Staaten zu finanzieren sowie Schuldpapiere und Vermögenswerte aller Art aufzukaufen. Im Gegenzug blähen sich die Bilanzen der Notenbanken, auf denen die gekauften Assets landen, massiv auf.

Die Erfahrung aus der letzten Finanzkrise zeigt, dass ein Abbau der Bilanzen und eine Rückführung der neu geschaffenen Geldmenge nicht möglich ist. Der Versuch der US-Notenbank Fed, die Zinsen über die Teuerungsrate hinaus anzuheben (Zinsnormalisierung) und ihre Bilanz zu reduzieren, führte zum Einbruch der Aktienmärkte und zu einer signifikanten Konjunkturabkühlung im vierten Quartal 2018. Andere große Zentralbanken, wie die Bank of Japan oder die Europäische Zentralbank haben im Bewusstsein der Abhängigkeit der überschuldeten Weltwirtschaft von der ultra laxebn Geldpolitik derartige Experimente unterlassen.

Der Zinsspielraum, den die US-Notenbank sich mit ihren neun Zinsanhebungen in Trippelschritten, verteilt über 5 Jahre, mühsam erarbeitet hatte, wurde innerhalb eines dreiviertel Jahres komplett ausgeschöpft und verpuffte nahezu wirkungslos.

Inflation: Die Weichen sind bereits voll auf Geldentwertung gestellt – Coronavirus beschleunigt

In diesem Jahr haben die Notenbanken weltweit bereits 73 Mal die Zinsen gesenkt, allein 51 Mal im Monat März. Sollten die aktuell wegen des Coronavirus in den USA geplanten und in anderen Teilen der Welt bereits beschlossenen Maßnahmen umgesetzt werden, rollt eine Flut von 9,6 Billionen US-Dollar frisches Geld auf die Weltwirtschaft zu. Sollte mehr Geld notwendig sein, dann könnte diese Summe schnell und in beliebiger Höhe weiter aufgestockt werden.

Da diese Tatsache kein Geheimnis ist, hat der Run auf alternative Währungen bereits begonnen: Die Märkte für Gold- und Silbermünzen stehen wegen der enorm hohen Nachfrage bereits unter extremen Spannungen. Die Verfügbarkeit von Münzen ist bereits stark eingeschränkt, die Aufgelder zu den Spot-Preisen steigen deutlich an und die Lieferzeiten dehnen sich aus.

Fazit und Ausblick: Coronavirus und Inflation

Dieses Phänomen wird sich ab einer bestimmten Summe aus den Notenpressen zunächst stabilisierend und dann preistreibend auf alle Vermögenspreise auswirken und im Anschluss auf die Preise von Gütern, Waren und Dienstleistungen. Besonders in den Bereichen, in denen die Liquidität der Notenbanken, die über zins- und tilgungsfreie Direktzahlungen auch an Haushalte und Selbstständige verteilt wird (Helikoptergeld), auf ein knappes Angebot in Folge unterbrochener Lieferketten treffen.

Der Einwand einiger Ökonomen, das verteilte Geld würde lediglich die Sparquote erhöhen, ist unzulässig, da die verantwortlichen Notenbanker bereits über das Helikoptergeld hinaus an Geld mit eingebauten zeitlichem Verfallsdatum denken (Schwundgeld). So soll das Horten der Geldgeschenke vermieden und die Geldumlaufgeschwindigkeit erhöht werden, damit das neu geschöpfte Fiat-Money auch garantiert nachfragewirksam wird und so Inflation erzeugt.

Erstmals in der Geschichte können und dürfen Notenbanken global konzertiert so viel Geld produzieren, wie sie und ihre Kollegen aus der Fiskalpolitik es für die Aufrechterhaltung eines ohnehin überschuldeten Wirtschaftssystems zentralplanerisch für nötig erachten. Schon aus diesem Grund ist eine gesunde Skepsis gegenüber dem Kaufkrafterhalt der ungedeckten Währungen angebracht.

Die Inflation dürfte wegen der Folgen des Coronavirus bald stark steigen

 

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    TM

    23. März 2020 17:05 at 17:05

    Seit wieviel Jahren wird nun die große Inflation angekündigt? Die verfügbaren Einkommen sinken gerade dramatisch, die private Nachfrage kollabiert, die Investitionsnachfrage der Unternehmen ist gleich Null. Aber klar, wir bekommen Inflation….Im Optimalfall vermeiden wir eine deflationäre Depression. Aber gut, die Inflationspropheten liegen seit Jahrezehnten daneben und werden dennoch nicht müde.

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      Columbo

      23. März 2020 18:23 at 18:23

      @TM

      Ich verstehe auch nicht, warum jetzt Inflation kommen soll.
      In und nach der Coronakrise haben die Menschen weniger Geld, sie werden noch mehr sparen. Auch wenn Banken und Unternehmen gerettet werden und es von ein paar Helikoptern einige wenige Scheine regnet, reich werden die Leute davon nicht. Sie werden sich nichts leisten wollen und können. Ich sehe ebenfalls eher ein länger dauerndes, gefährliches Deflationszenario, aber ich verstehe zu wenig davon.

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        Markus

        23. März 2020 22:23 at 22:23

        Auch wenn es abgedroschen klingt, die Inflation ist da, und zwar bei allen Vermögenswerten, außer Gold. Lebensmittel und Dinge des Alltags werden langsam teurer. Beim Öl wird eine Ausdünnung der Anbieter irgendwann dafür sorgen, dass der Preis steigt.
        Öl braucht man immer, ohne Öl kein Krieg. Wenn die alltäglichen Konsumgüter rasch im Preis steigen, und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt(Umschichtung in Nützliche Dinge) dann sind wir mMn bei der für den Normalbürger schlimmen Inflation angekommen.
        Die Nullzinspolitik hat uns einen Bärendienst erwiesen. Ob sich Staaten angesichts der Gigantischen Schuldenberge trotz Nullzins und mit Inflation im heutigen Umfeld erfolgreich ich will nicht sagen entschulden, aber zu mindest auf ein Niveau von 60% des BIPs wie im (lach) Maastrichtvertrag vorgesehen, jemals wieder bewegen werden, ist doch sehr ungewiss…….

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      Hinterfrager

      23. März 2020 18:55 at 18:55

      Jepp, ein Großteil der gigantischen globalen Schulden auf allen Ebenen müsste zunächst definitiv ausgebucht werden, bevor die zusätzlich geschöpften Geldmengen (aus dem Nichts) real wirksam würden. Auch die großen Kapitalinjektionen seit 2008 haben real nichts bewirkt, da sie größtenteils in den Bilanzen und Posten der weniger sichtbaren Geldssystembereiche hängen geblieben, teils Vermögenswerte aufgebläht, aber eben nicht in die Realwirtschaft geflossen sind. Genau dort hätten sie aber inflationär wirken müssen. Da sich womöglich aber Geschichte wieder reimt und dieses Finanzsystem „so wie früher“ unter allen Umständen erhalten werden soll (also ohne die große Ausbuchung, dafür beispiellosen Interventionen), wird es dieses Mal wohl kaum anders kommen…

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        Hinterfrager

        23. März 2020 19:19 at 19:19

        P.S.: Die 1.200 Dollar, die Mom and Dad pro Kopf in den USA per Helikopter bekommen sollen oder die 5.000-9.000 Euro pro Kleinunternehmen in Deutschland können noch nicht einmal ansatzweise die aktuellen Verdienstausfälle ausgleichen. Außerdem herrscht nirgendwo ein Mangel an Warenangebot, sondern „lediglich“ ein (zudem) vorübergehendes Nachfrageproblem. Wo soll da bitteschön langfristig Inflation entstehen?

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          Michael

          23. März 2020 21:39 at 21:39

          @Hinterfrager, 3000 EUR pro Monat können nicht die Ausgaben für einen Solo-Selbständigen ausgleichen? Für Kleinunternehmer mit Angestellten sind es deutlich mehr.

          1200 Dollar in USA kompensieren vermutlich einen 3-4-Job-Status in der dekadelangen Wunder-Statistik in den USA.

          Es wird spannend zu sehen, ob weiterhin die idiotischen Börsen überleben, oder der Realwirtschaft erste neue Chancen geboten werden.

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            Hinterfrager

            24. März 2020 08:53 at 08:53

            @ Michael Bitte zu Ende denken! Über wie viele Monate insgesamt sprechen wir hier eigentlich? Drei, vier oder sechs?

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        Markus

        23. März 2020 22:39 at 22:39

        Wenn die Schulden so einfach ausgebucht werden, geht eines verloren: Vertrauen.
        Zumindestens bei den Corporate Bonds.
        Und wenn ein Staat die Rückzahlung verweigert, Argentinien, Never ending Story.

        Warum soll es ein zweites Mal wieder funktionieren?
        Ok, sagt der eine oder andere jetzt, des Klappt schon wieder.
        Aber jetzt ist das Experiment noch größer, das Drumherum (Derivate) noch gewaltiger.

        Ich sag Stagflation.

        • Avatar

          leftutti

          24. März 2020 02:08 at 02:08

          @Markus
          Ich sag Neustart, denn die Fakten, in Form eines prinzipiell (noch relativ) harmlosen RNA-Stranges, eines vom Krankheitsverlauf und den Symptomen harmlosen, aber unbekannten und zurecht furchteinflößenden Virus lassen sich nicht weiter mit 1.000.000.000.000.000.000.000 bullisch wegpumpen.

          Das Virus des Wahnsinns, der in Wirtschaft und an den Börsen seit Dekaden wütet, hat sich in einfachster symbolischer Form als Warnschuss vor den Bug manifestiert. Was an wahren Gefahren im Klimawandel schlummert, in den auftauenden Permafrostböden, in tauenden Eismassen, wird die Menschheit wirklich erschüttern.

          Was an der bewusst übertriebenen Zahl auffällt, sind die willkürlich vielen Nullen. Das entspricht leider irgendwie symbolisch der traurigen virtuellen Realität. Bei Problemen hängen wir eine Dreiergruppe an Nullen hintenan. Nullen überall, was all die tolle Zahl noch rettet, ist die Eins am Anfang. Mit ihr steht und fällt die Realitätsblase, fällt sie weg oder verschiebt sie sich nach hinten, holt uns zusehends die wahre Welt ein. Die letzten drei Nullen symbolisieren 90% und mehr der Menschheit. Die ganze schöne Zahl x 0 = 0.

  2. Avatar

    Markus Strunz

    23. März 2020 19:49 at 19:49

    Es gibt die Inflation schon real, dafür muss man nur in die Supermärkte gehen. Zwar sind die Preise für die Produkte nicht erhöht worden, aber bei der Bückware sind die Regale oftmals leer. So gesehen sind die Preise für Mehl von 50 Cent auf 1,50 € gestiegen, und selbst dann darf man nicht in beliebiger Menge kaufen, sondern nur ein oder zwei Pakete. Vieles ist ständig ausverkauft.

  3. Avatar

    Prognosti

    24. März 2020 07:41 at 07:41

    Und für alle die nicht an Inflation glauben, sollen einmal die Krankenkassen u.Sozialkosten in Betracht ziehen. Sind in Amerika die Krankenprämien schon letztes Jahr OHNE CORONAVIRUS stark gestiegen, müsste das einen Riesenkostenschub geben. Bisher wurden diese Kosten als einzig steigende Kostenklasse im GDP nur positiv gesehen. Ohne die stark steigenden Gesundheits- u, Sozialkosten wäre das GDP schon länger negativ.

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Banken halten bei EZB 3,3 Billionen Euro – Daten zu Strafzinsen und Freibeträgen

Claudio Kummerfeld

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am

Türme von Banken in Frankfurt

Die einfache Sichtweise der „großen“ Experten in den Türmen der Notenbanken lautet: Je tiefer wir die Zinsen setzen, desto weniger attraktiv wird es für die Menschen Geld auf Bank- und Sparkonten zu parken. Sie werden dann immer mehr Geld in den Konsum pumpen. Aber egal wie viel sehr man auch an so einer Theorie festhält – die Realität sieht oft ganz anders aus. Die Bürger (vor allem die Deutschen) wollen gerade in Krisenzeiten offenkundig weiterhin Monat für Monat von ihrem Ersparten anständig was auf die hohe Kante packen – Vorsorgen für die schlechten Zeiten, sozusagen.

Und bei de facto Nullzinsen, die in den letzten Jahren in der Regel (nach Abzug der Inflation) reale Negativzinsen bedeuten, legen die Menschen einfach pro Monat noch mehr Geld auf die hohe Kante, sozusagen als Ausgleich für die fehlenden Zinsen. Und so steigen seit Jahren in der Eurozone die Bankguthaben immer weiter an. Das wird für die Banken immer mehr zu einem dramatischen Problem. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) wollte nicht nur, dass der (einfältige?) Bürger endlich sein Geld in den Konsum steckt. Nein, die EZB wollte auch erreichen, dass die (faulen?) Banken endlich mehr Geld als Kredit herausreichen an Privat- und Geschäftskunden, damit die Konjunktur angekurbelt wird – und dadurch letztlich die Inflation ansteigt – die letzten Jahre geschah aber letztlich das Gegenteil.

Banken vor immer größerem Problem

Aber egal wie fleißig die Banken auch sein mögen bei der Kreditvergabe – der Sparfleiß der Bürger ist stärker. Die Guthaben bei den Banken wachsen immer mehr. Und genau deswegen hatte sich die EZB eine Art Strafmechanismus ausgedacht, damit die Banken nun wirklich mal die Einlagen der Kunden vermehrt als Kredit rausreichen. Verrechnet man das von den Bankkunden eingezahlte Guthaben mit den ausgegebenen Krediten, dann haben praktisch alle Banken eine Überschussliquidität, die bei der EZB geparkt wird. Die EZB bestraft die Banken hierfür mit einem Negativzins von derzeit -0,5 Prozent (ab 2014 stufenweise eingeführt, damals noch bei -0,1 Prozent). Je mehr die Kunden sparen und je höher sich die Banken-Überschüsse auf ihren EZB-Konten auftürmten, desto mehr mussten sie als Strafzins an die EZB überweisen.

Dies wurde in den letzten Jahren immer mehr zu einem Problem für die Banken, die sowieso dank Nullzinsen ein ernsthaftes Problem mit ihrem wichtigsten Geschäft hatten, nämlich der Zinsmarge. Die EZB sah dieses Problem, und führte einen Freibetrag ein. Die Banken sollten für zu viel hinterlegte Einlagenüberschüsse also bestraft werden – aber nicht so sehr, dass sie in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Und so gibt es EZB-Strafzinsen für die Banken mit einem Freibetrag an Einlagen, der nicht mit einem Strafzins bedacht wird.

Gigantische Überschüsse, Strafzinsen und Freibetrag

Heute veröffentlichte Daten der Bundesbank zeigen die Dimension der Beträge. Demnach gab es im Dezember 2020 eine Überschussliquidität im Euroraum in Höhe von 3,35 Billionen Euro. Zwischen Einführung des Tiering-Systems (Freibeträge) im Oktober 2019 und Dezember 2020 betrug der Zinsaufwand der Banken im Euroraum für das Halten dieser Überschussliquidität bei der EZB 8,9 Milliarden Euro. Dieser Zinsaufwand (die Strafzinsen) fiel laut Bundesbank um 4,7 Milliarden Euro niedriger aus, als dies unter sonst gleichen Bedingungen ohne ein Tiering-System der Fall gewesen wäre. Gleichzeitig wurde mit zuletzt 2,498 Billionen Euro der größte Teil der Überschussliquidität weiterhin negativ verzinst.

Während die Überschussliquidität der Banken bei der EZB in den letzten Jahren immer weiter stieg (oberer Teil der Grafik), dachte die EZB wohl sie könnte dies verhindern, indem sie den Strafzins immer weiter anhebt. Es brachte aber nichts! Wer arg ins Detail gehen möchte, kann sich beim Klick an dieser Stelle in den Bundesbank-Bericht auf den Seiten 61-72 in das Thema vertiefen. Wer sich für die Rücklagen der Deutschen interessiert, der klicke bitte hier. Im Krisenjahr 2020 wurde von deutschen Haushalten 333,5 Milliarden Euro auf die hohe Kante gelegt, nach 220,3 Milliarden Euro in 2019. Diese Summe steigerte sich in den letzten Jahren immer weiter, obwohl das Zinsniveau für die Sparer immer weiter abrutschte.

Grafik zeigt Bundesbank-Daten zu Strafzinsen und Überschussliquidität

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BlackRock, Wall Street – und China: Kampf der Giganten

Wolfgang Müller

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Wird BlackRock zu mächtig? Während BlackRock immer größer und wichtiger wird, scheinen die USA insgesamt abzusteigen (siehe hierzu das Interview mit der USA-Korrespondentin der „Zeit“, Heike Buchter).

Der Kampf der beiden Supermächte USA und China um die wirtschaftliche und technologische Vorherrschaft elektrisiert viele Marktbeobachter. Klar ist es fast unmöglich Chinas weiteren Aufstieg zu verhindern, schließlich hat China mit seiner riesigen Anzahl an Menschen – Vergleich zu den USA: 1439 Millionen zu 332 Millionen – einen Riesenvorteil. Aber die USA haben neben ihren großen Techfirmen auch noch weitere Riesen, einer davon ist der Finanzdienstleister BlackRock, der letzte Woche gigantische Zahlen abgeliefert hat.

BlackRock: Der schwarze Felsen wird immer größer

Der weltweite Aktienmarkt klettert, wie schon so oft dargestellt, auch infolge der Aktionen der Notenbanken nach oben, auf zuletzt 106 Billionen Dollar. Maßgeblich beteiligt daran ist die Wall Street, deren Aktienmärkte allein schon ein Gewicht von über 40 Billionen Dollar aufweisen. Angesichts des Anteils der USA an der Weltbevölkerung (4,3 Prozent) und der Wirtschaftsleistung (kaufkraftbeteinigt etwa 16 Prozent) eigentlich viel zu groß. Aber ebenso dominant ist der Anteil der Vermögensverwaltung in den USA, wie allein die letzten Donnerstag veröffentlichten Zahlen von BlackRock aufweisen.

BlackRock ist mit 8,68 Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen (Stand: 31. Dezember 2020) der weltgrößte Vermögensverwalter. Die Kunden sind Privatanleger und Institutionen wie Banken, Pensionskassen, Stiftungen, Versicherer, Staatsfonds und Zentralbanken. So der zutreffende Eintrag bei Wikipedia.

Inmitten der Corona-Krise ist es der Firma von Larry Fink gelungen, einem sehr einflussreichen CEO, was demnächst auch die Regierung von Joe Biden erleben dürfte, das Volumen der verwalteten „Assets“ im Jahr 2020 um 17 Prozent oder 1,2 Billionen Dollar auf 8,68 Billionen Dollar zu steigern.

BlackRock profitierte nicht nur von der aktiven Fondsbranche, auch seine bekannte ETF-Sparte (iShares) ist um 185 Milliarden Dollar gewachsen.

Aus diesen ganzen Zahlen ergab sich ein Gewinn für das Jahr 2020 von 5,2 Milliarden Dollar, ein Anstieg von ebenfalls 17 Prozent. Dass die Fantasie der Investoren auch bei diesem Felsbrocken der Finanzwelt ins Kraut schießt, zeigt die Entwicklung der Aktie, die bis zur Veröffentlichung der Jahresbilanz um 44 Prozent gestiegen ist. Aufgrund der großen Marktmacht von BlackRock spürt der Gigant nicht einmal so sehr die Entwicklung in der Fondsbranche hin zu den kostengünstigen Exchange Traded Funds. Der Gewinn des Finanzdienstleisters war auch im vierten Quartal um 1,6 Milliarden Dollar angewachsen.

Noch ein paar Sätze zum Zweikampf zwischen den USA und China.

Liste der größten Firmen der Welt

Betrachtet man sich die aktuelle Liste der nach Marktkapitalisierung schwersten Unternehmen der Welt, so stellt man fest, dass sich unter den größten 20 Unternehmen allein 13 US-Unternehmen, unter ersten Zehn gleich deren sieben befinden. China ist mit Tencent, Alibaba vertreten.

Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Tesla, Facebook, Berkshire Hathaway, Visa, Walmart, Johnson &Johnson, JP Morgan, Procter&Gamble, MasterCard, von einem Finanzgiganten BlackRock ist dabei nichts zu sehen, nicht einmal unter den ersten Hundert.

Sicher wird es demnächst durch Regulation bei den Monopolfirmen einiges an Korrekturen geben. Auch befinden sich die Kurse einiger Firmen in Höhen, die nicht aufrechterhalten werden können – auch wenn einige glauben, Aktien könnten sich dauerhaft den Fundamentaldaten entziehen.

Was das Vermögen von Kundengeldern angeht, haben die USA noch weit die Nase vorn. Denn neben dem 8-Billionen-Dollar-Koloss BlackRock gibt es noch die Riesen Vanguard Group, State Street Global Advisors und Fidelity Investments, jedes Unternehmen verwaltet mehrere Billionen Dollar.

China hat ein großes Problem in seinem Aufwärtsstreben und das ist sein totalitäres System. Es wird sicherlich nicht das Vertrauen von Investoren steigern, wenn eine Regierung so rigoros an eine Firma wie Alibaba herangeht, kürzlich noch achtwertvollstes Unternehmen der Welt, dessen Gründer Jack Ma schon seit Wochen von der Bildfläche verschwunden ist. Da vertraut die westliche Welt schon eher auf einen ETF der Firma BlackRock, Sparte iShares, wie die jüngsten Zahlen beweisen. Der Produktionsstandort China boomt – aber der Finanzstandort?

BlackRock und die Wall Street

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Wirtschaft kommt laut Bundesbank recht gut durch den Lockdown, aber…

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Lockdown Schriftzug

Die Bundesbank hat vor wenigen Minuten ihren Monatsbericht für Januar veröffentlicht. Demnach kommt die deutsche Wirtschaft recht gut durch den Lockdown. Die Erholung der deutschen Wirtschaft ist laut Bundesbank im letzten Quartal 2020 durch das erhöhte Infektionsgeschehen und die wieder erheblich verschärften Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zwar ausgebremst worden. Aber es habe jedoch keinen größeren Rückschlag gegeben, da sich weniger durch die Maßnahmen betroffene Bereiche der Wirtschaft weiter erholten. Insbesondere die Industrie aber auch die Bauwirtschaft hätten nach den bis November vorliegenden Zahlen kräftig zugelegt.

Die Auftragseingänge in der Industrie hätten im November das Vorkrisenniveau vom Schlussquartal 2019 sogar deutlich überstiegen. Zudem seien die Einzelhandelsumsätze bis November noch erheblich gewachsen. Dies hätte ein Gegengewicht zu den Einbußen gebildet, die aufgrund der im Dezember angeordneten Schließungen im stationären Einzelhandel entstanden sein dürften. Die Unternehmensstimmung hellte sich im Dezember laut ifo Geschäftsklimaindex trotz des Wiederaufflammens der Pandemie auf. Diese ermutigenden Signale lassen laut aktueller Bundesbank-Aussage darauf hoffen, dass auch die zu Beginn des neuen Jahres verlängerten und weiter verschärften Einschränkungen die wirtschaftliche Erholung nicht allzu weit zurückwerfen.

Aber die Bundesbank versieht diese rosigen Aussagen mit einer kleinen Warnung, wie es nicht anders zu erwarten wäre. Bei dieser Krise sind ja „Risiko-Disclaimer“ fast schon unverzichtbar, da niemand eine Glaskugel hat und unzählige Variablen vorhersehen kann. Sollte das Infektionsgeschehen jedoch nicht erheblich nachlassen und die gegenwärtigen Beschränkungen der Wirtschaftstätigkeit länger anhalten oder noch weiter verschärft werden, so könne es gleichwohl noch zu einem spürbaren Rückschlag (für die Wirtschaftsleistung) kommen, so die Bundesbank.

Auch beim Thema Arbeitslosigkeit sieht die Bundesbank offenbar keine ernsthaften Probleme. So blieb der Arbeitsmarkt laut Aussage der Bundesbank trotz der wieder strikteren Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung bemerkenswert stabil. Zwar seien im November und Dezember vermehrt Anmeldungen zur Kurzarbeit eingegangen, diese entsprächen jedoch nur einem Bruchteil der Anzeigen aus dem vergangenen Frühjahr. Die aktuellen Anzeigen würden sich vor allem auf den von den angeordneten Schließungen betroffenen Hotel- und Gaststättenbereich sowie Teile des Handels beschränken. Die registrierte Arbeitslosigkeit sei im Dezember wie schon in den beiden Monaten zuvor spürbar zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen sei um saisonbereinigt 37.000 gegenüber dem Vormonat gesunken, die entsprechende Arbeitslosenquote läge damit bei 6,1 Prozent.

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