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Warum Inflation durch das Coronavirus sehr schnell kommen kann

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Die Mischung aus Angebotsverknappung, Hamsterkäufen, desperater Geldpolitik und explodierenden Haushaltsdefiziten wegen des Coronavirus kann die Preise sehr schnell ansteigen lassen  – kann also schnell zu einer galoppierenden Inflation führen. Bei Waren, die gegen die ökonomischen Folgen des Coronavirus schützen sowie bei Gold- und Silbermünzen kommt es bereits jetzt zu spürbarer Mangelteuerung. Auch in Folge der Inflation der Notenbankgeldmengen.

Der Wechsel von Deflation zu Inflation wird durch unser Geldsystem beschleunigt

Im Juli des Jahres 1944 wurde im noblen Bezirk Bretton Woods der Stadt Carroll im Bundesstaat New Hampshire, USA eine neue Währungsordnung für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg unter den späteren Siegermächten ausgehandelt. Der US-Dollar stand dabei als Ankerwährung im Zentrum des Bretton-Woods-Abkommens und alle anderen Währungen (Satellitenwährungen) schwankten in einem definierten Band um die mit Gold gedeckte neue Weltleitwährung.

Fortan wurde von den nicht amerikanischen Notenbanken weltweit der US-Dollar als Reservewährung Nr. 1 gehalten. Ein Großteil der Goldreserven der Welt befand sich in den Tresoren in Manhattan und Fort Knox in den USA.

27 Jahre nach der Etablierung des Nachkriegs-Währungs-Regimes, im August 1971, hob der damalige 37. US-Präsident Richard Milhous Nixon die Bindung des US-Dollars an das Gold auf. Fortan war der Anker unseres heutigen Weltwährungssystem, ebenso wie alle Satellitenwährungen, frei von der Deckung durch Gold. In der Folge stieg die Inflation stark an, konnte aber aufgrund der damals noch deutlich geringeren Verschuldung durch massive Zinsanhebungen bekämpft werden.

Die im Dezember 1913 gegründete US-Notenbank Fed konnte nach der Schließung des Goldfensters im Sommer 1971 unbegrenzt US-Dollars produzieren. Im Zuge der Finanzkrise 2008 ff. wurde dieses Privileg dann erstmals genutzt, um Geld für notleidende Banken und die Finanzierung der Staatshaushalte im Rahmen der sogenannten QE-Programme direkt einzusetzen.

Bis zur Finanzkrise bauten die Notenbanken der Industriestaaten ihre Goldreserven permanent ab. Seitdem hat sich zwar diesbezüglich ein Sinneswandel vollzogen, aber unser heutiges Währungssystem bleibt ein in seiner Gesamtheit ein ungedecktes Fiat-Money-System, in dem die Zentralbanken theoretisch unendlich viel Geld aus dem Nichts schöpfen und zum Ankauf von Schuldpapieren und Vermögenswerten nutzen können. Dies führt automatisch zu Inflation (von lat. inflatio = Aufblähen der Geldmenge).

Da es dafür bereits einen Präzedenzfall gibt, nämlich die letzte Finanzkrise, kann man die Erfahrungen und geldpolitischen Instrumente nun sehr viel schneller und in ungleich größerer Dimension einsetzen, was das Risiko einer schnell eintretenden Inflation erhöht. Widerspruch aus der Politik oder aus der Bevölkerung ist nicht mehr zu erwarten, aufgrund des Gewöhnungseffekts.

Daher reagieren die Notenbanken momentan mit ihrer Geldpolitik in einem Tempo und mit einer Aggressivität in Sachen Geldschöpfung und Geldverbilligung (Zinssenkungen), die bislang beispiellos in der Weltgeschichte sind.

Das Mandat der Preisstabilität (Vermeidung von zu starker Inflation) wird nun der Erhaltung der Systemstabilität vollständig untergeordnet.

Ohne Reflation wäre unser heutiges Wirtschaftssystem am Ende

Bereits vor den wirtschaftlichen Belastungen durch die Corona-Krise befand sich die globale Verschuldung laut dem quartalsweisen Report des Institute of International Finance (IIF) vom 13. Januar mit 253 Billionen US-Dollar auf Rekordniveau. Diese Schuldensumme entspricht 322 Prozent des globalen BIP.

Das Institute erwartet nun eine signifikante Beschleunigung dieser Verschuldung sowie Verwerfungen am Markt für Unternehmensanleihen. Die hohe Schuldenlast vieler Wirtschaftssubjekte wird in der anstehenden sehr tiefen Rezession zum Problem und löst zunächst einen heftigen deflationären Schock aus, der ohne zeitnahe Reflation zum Zusammenbruch der Weltwirtschaft führen würde.

Da die Höhe der Schulden die weltweite Wirtschaftsleistung bereits um das dreifache übertrifft und die Zinskosten bereits historisch niedrig sind, bleibt nur noch das Anwerfen der Notenpresse, um mit dem neu geschöpften Geld die Konjunktur- und Rettungspakte der Staaten zu finanzieren sowie Schuldpapiere und Vermögenswerte aller Art aufzukaufen. Im Gegenzug blähen sich die Bilanzen der Notenbanken, auf denen die gekauften Assets landen, massiv auf.

Die Erfahrung aus der letzten Finanzkrise zeigt, dass ein Abbau der Bilanzen und eine Rückführung der neu geschaffenen Geldmenge nicht möglich ist. Der Versuch der US-Notenbank Fed, die Zinsen über die Teuerungsrate hinaus anzuheben (Zinsnormalisierung) und ihre Bilanz zu reduzieren, führte zum Einbruch der Aktienmärkte und zu einer signifikanten Konjunkturabkühlung im vierten Quartal 2018. Andere große Zentralbanken, wie die Bank of Japan oder die Europäische Zentralbank haben im Bewusstsein der Abhängigkeit der überschuldeten Weltwirtschaft von der ultra laxebn Geldpolitik derartige Experimente unterlassen.

Der Zinsspielraum, den die US-Notenbank sich mit ihren neun Zinsanhebungen in Trippelschritten, verteilt über 5 Jahre, mühsam erarbeitet hatte, wurde innerhalb eines dreiviertel Jahres komplett ausgeschöpft und verpuffte nahezu wirkungslos.

Inflation: Die Weichen sind bereits voll auf Geldentwertung gestellt – Coronavirus beschleunigt

In diesem Jahr haben die Notenbanken weltweit bereits 73 Mal die Zinsen gesenkt, allein 51 Mal im Monat März. Sollten die aktuell wegen des Coronavirus in den USA geplanten und in anderen Teilen der Welt bereits beschlossenen Maßnahmen umgesetzt werden, rollt eine Flut von 9,6 Billionen US-Dollar frisches Geld auf die Weltwirtschaft zu. Sollte mehr Geld notwendig sein, dann könnte diese Summe schnell und in beliebiger Höhe weiter aufgestockt werden.

Da diese Tatsache kein Geheimnis ist, hat der Run auf alternative Währungen bereits begonnen: Die Märkte für Gold- und Silbermünzen stehen wegen der enorm hohen Nachfrage bereits unter extremen Spannungen. Die Verfügbarkeit von Münzen ist bereits stark eingeschränkt, die Aufgelder zu den Spot-Preisen steigen deutlich an und die Lieferzeiten dehnen sich aus.

Fazit und Ausblick: Coronavirus und Inflation

Dieses Phänomen wird sich ab einer bestimmten Summe aus den Notenpressen zunächst stabilisierend und dann preistreibend auf alle Vermögenspreise auswirken und im Anschluss auf die Preise von Gütern, Waren und Dienstleistungen. Besonders in den Bereichen, in denen die Liquidität der Notenbanken, die über zins- und tilgungsfreie Direktzahlungen auch an Haushalte und Selbstständige verteilt wird (Helikoptergeld), auf ein knappes Angebot in Folge unterbrochener Lieferketten treffen.

Der Einwand einiger Ökonomen, das verteilte Geld würde lediglich die Sparquote erhöhen, ist unzulässig, da die verantwortlichen Notenbanker bereits über das Helikoptergeld hinaus an Geld mit eingebauten zeitlichem Verfallsdatum denken (Schwundgeld). So soll das Horten der Geldgeschenke vermieden und die Geldumlaufgeschwindigkeit erhöht werden, damit das neu geschöpfte Fiat-Money auch garantiert nachfragewirksam wird und so Inflation erzeugt.

Erstmals in der Geschichte können und dürfen Notenbanken global konzertiert so viel Geld produzieren, wie sie und ihre Kollegen aus der Fiskalpolitik es für die Aufrechterhaltung eines ohnehin überschuldeten Wirtschaftssystems zentralplanerisch für nötig erachten. Schon aus diesem Grund ist eine gesunde Skepsis gegenüber dem Kaufkrafterhalt der ungedeckten Währungen angebracht.

Die Inflation dürfte wegen der Folgen des Coronavirus bald stark steigen

 

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    TM

    23. März 2020 17:05 at 17:05

    Seit wieviel Jahren wird nun die große Inflation angekündigt? Die verfügbaren Einkommen sinken gerade dramatisch, die private Nachfrage kollabiert, die Investitionsnachfrage der Unternehmen ist gleich Null. Aber klar, wir bekommen Inflation….Im Optimalfall vermeiden wir eine deflationäre Depression. Aber gut, die Inflationspropheten liegen seit Jahrezehnten daneben und werden dennoch nicht müde.

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      Columbo

      23. März 2020 18:23 at 18:23

      @TM

      Ich verstehe auch nicht, warum jetzt Inflation kommen soll.
      In und nach der Coronakrise haben die Menschen weniger Geld, sie werden noch mehr sparen. Auch wenn Banken und Unternehmen gerettet werden und es von ein paar Helikoptern einige wenige Scheine regnet, reich werden die Leute davon nicht. Sie werden sich nichts leisten wollen und können. Ich sehe ebenfalls eher ein länger dauerndes, gefährliches Deflationszenario, aber ich verstehe zu wenig davon.

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        Markus

        23. März 2020 22:23 at 22:23

        Auch wenn es abgedroschen klingt, die Inflation ist da, und zwar bei allen Vermögenswerten, außer Gold. Lebensmittel und Dinge des Alltags werden langsam teurer. Beim Öl wird eine Ausdünnung der Anbieter irgendwann dafür sorgen, dass der Preis steigt.
        Öl braucht man immer, ohne Öl kein Krieg. Wenn die alltäglichen Konsumgüter rasch im Preis steigen, und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt(Umschichtung in Nützliche Dinge) dann sind wir mMn bei der für den Normalbürger schlimmen Inflation angekommen.
        Die Nullzinspolitik hat uns einen Bärendienst erwiesen. Ob sich Staaten angesichts der Gigantischen Schuldenberge trotz Nullzins und mit Inflation im heutigen Umfeld erfolgreich ich will nicht sagen entschulden, aber zu mindest auf ein Niveau von 60% des BIPs wie im (lach) Maastrichtvertrag vorgesehen, jemals wieder bewegen werden, ist doch sehr ungewiss…….

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      Hinterfrager

      23. März 2020 18:55 at 18:55

      Jepp, ein Großteil der gigantischen globalen Schulden auf allen Ebenen müsste zunächst definitiv ausgebucht werden, bevor die zusätzlich geschöpften Geldmengen (aus dem Nichts) real wirksam würden. Auch die großen Kapitalinjektionen seit 2008 haben real nichts bewirkt, da sie größtenteils in den Bilanzen und Posten der weniger sichtbaren Geldssystembereiche hängen geblieben, teils Vermögenswerte aufgebläht, aber eben nicht in die Realwirtschaft geflossen sind. Genau dort hätten sie aber inflationär wirken müssen. Da sich womöglich aber Geschichte wieder reimt und dieses Finanzsystem „so wie früher“ unter allen Umständen erhalten werden soll (also ohne die große Ausbuchung, dafür beispiellosen Interventionen), wird es dieses Mal wohl kaum anders kommen…

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        Hinterfrager

        23. März 2020 19:19 at 19:19

        P.S.: Die 1.200 Dollar, die Mom and Dad pro Kopf in den USA per Helikopter bekommen sollen oder die 5.000-9.000 Euro pro Kleinunternehmen in Deutschland können noch nicht einmal ansatzweise die aktuellen Verdienstausfälle ausgleichen. Außerdem herrscht nirgendwo ein Mangel an Warenangebot, sondern „lediglich“ ein (zudem) vorübergehendes Nachfrageproblem. Wo soll da bitteschön langfristig Inflation entstehen?

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          Michael

          23. März 2020 21:39 at 21:39

          @Hinterfrager, 3000 EUR pro Monat können nicht die Ausgaben für einen Solo-Selbständigen ausgleichen? Für Kleinunternehmer mit Angestellten sind es deutlich mehr.

          1200 Dollar in USA kompensieren vermutlich einen 3-4-Job-Status in der dekadelangen Wunder-Statistik in den USA.

          Es wird spannend zu sehen, ob weiterhin die idiotischen Börsen überleben, oder der Realwirtschaft erste neue Chancen geboten werden.

          • Avatar

            Hinterfrager

            24. März 2020 08:53 at 08:53

            @ Michael Bitte zu Ende denken! Über wie viele Monate insgesamt sprechen wir hier eigentlich? Drei, vier oder sechs?

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        Markus

        23. März 2020 22:39 at 22:39

        Wenn die Schulden so einfach ausgebucht werden, geht eines verloren: Vertrauen.
        Zumindestens bei den Corporate Bonds.
        Und wenn ein Staat die Rückzahlung verweigert, Argentinien, Never ending Story.

        Warum soll es ein zweites Mal wieder funktionieren?
        Ok, sagt der eine oder andere jetzt, des Klappt schon wieder.
        Aber jetzt ist das Experiment noch größer, das Drumherum (Derivate) noch gewaltiger.

        Ich sag Stagflation.

        • Avatar

          leftutti

          24. März 2020 02:08 at 02:08

          @Markus
          Ich sag Neustart, denn die Fakten, in Form eines prinzipiell (noch relativ) harmlosen RNA-Stranges, eines vom Krankheitsverlauf und den Symptomen harmlosen, aber unbekannten und zurecht furchteinflößenden Virus lassen sich nicht weiter mit 1.000.000.000.000.000.000.000 bullisch wegpumpen.

          Das Virus des Wahnsinns, der in Wirtschaft und an den Börsen seit Dekaden wütet, hat sich in einfachster symbolischer Form als Warnschuss vor den Bug manifestiert. Was an wahren Gefahren im Klimawandel schlummert, in den auftauenden Permafrostböden, in tauenden Eismassen, wird die Menschheit wirklich erschüttern.

          Was an der bewusst übertriebenen Zahl auffällt, sind die willkürlich vielen Nullen. Das entspricht leider irgendwie symbolisch der traurigen virtuellen Realität. Bei Problemen hängen wir eine Dreiergruppe an Nullen hintenan. Nullen überall, was all die tolle Zahl noch rettet, ist die Eins am Anfang. Mit ihr steht und fällt die Realitätsblase, fällt sie weg oder verschiebt sie sich nach hinten, holt uns zusehends die wahre Welt ein. Die letzten drei Nullen symbolisieren 90% und mehr der Menschheit. Die ganze schöne Zahl x 0 = 0.

  2. Avatar

    Markus Strunz

    23. März 2020 19:49 at 19:49

    Es gibt die Inflation schon real, dafür muss man nur in die Supermärkte gehen. Zwar sind die Preise für die Produkte nicht erhöht worden, aber bei der Bückware sind die Regale oftmals leer. So gesehen sind die Preise für Mehl von 50 Cent auf 1,50 € gestiegen, und selbst dann darf man nicht in beliebiger Menge kaufen, sondern nur ein oder zwei Pakete. Vieles ist ständig ausverkauft.

  3. Avatar

    Prognosti

    24. März 2020 07:41 at 07:41

    Und für alle die nicht an Inflation glauben, sollen einmal die Krankenkassen u.Sozialkosten in Betracht ziehen. Sind in Amerika die Krankenprämien schon letztes Jahr OHNE CORONAVIRUS stark gestiegen, müsste das einen Riesenkostenschub geben. Bisher wurden diese Kosten als einzig steigende Kostenklasse im GDP nur positiv gesehen. Ohne die stark steigenden Gesundheits- u, Sozialkosten wäre das GDP schon länger negativ.

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Immobilien: Nach der Coronakrise wird es einen Gewinner geben!

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Mieter von gewerblichen Immobilien sind wohl die Gewinner nach der Krise

Alle Bereiche des Lebens und der Wirtschaft sind derzeit von der Coronakrise betroffen, so auch die Immobilien. So hört man die letzten Tage, dass zahlreiche gewerbliche Großmieter wie Adidas, Deichmann und Co einfach Mietzahlungen für ihre Ladengeschäfte aussetzen. Aber wie wird die Lage bei Immobilien nach der Coronakrise aussehen? Wird alles weitergehen wie bisher? Ich möchte hier ein Szenario besprechen, dass nicht mit hundertprozentiger Garantie so eintreten muss. Aber die im folgenden Text beschriebene Auswirkung der Coronakrise auf die Branche scheint mir logisch.

Die Lage am Markt für Immobilien wird sich nach der Krise ändern

Bislang war es so: Die Eigentümer von Immobilien waren die Gewinner. Egal ob gewerblich oder privat, wer besitzt und vermietet, konnte jahrelang immer höhere Mieten kassieren. Und die jahrelange Flutung der Märkte mit Notenbankgeld und die abgeschafften Zinsen trieben Assets wie Aktien und Immobilien immer weiter nach oben. Die Käufer von Wohnungen und Projektentwickler von Gewerbeimmobilien mussten immer höhere Grundstückspreise und Erstellungskosten zahlen – und waren somit gezwungen die Mietpreise immer weiter hochzuschrauben, wenn sie denn noch eine nennenswerte Rendite auf ihren Kapitaleinsatz erzielen wollten. Aber jetzt wird sich einiges ändern. Womöglich nicht für private Mieter.

Aber die Mieter von Gewerbeimmobilien im Bereich Einzelhandel und in der Gastronomie, die werden nach der Coronakrise die großen Gewinner sein. Natürlich meine ich diejenigen Mieter, die diese aktuelle Durststrecke finanziell überleben werden, und auch danach ihre Cafes, Restaurants und Bekleidungsgeschäfte weiter betreiben. Bisher war es so: Der Immobilien-Eigentümer konnte bei Auslauf des Mietvertrags für den nachfolgenden Zeitraum stets kräftige Mietpreissteigerungen verlangen. Aber was passiert jetzt? Selbst nach gigantischen Rettungspaketen und KfW-Kreditprogrammen werden zahlreiche Gastronomen und Bekleidungsgeschäfte nicht überleben. By the way… viele kleine Unternehmer werden diese Kredite wohl gar nicht erhalten (mehr dazu hier). Entweder gehen zahlreiche Unternehmer in den nächsten Monaten pleite, oder dank der KfW-Kredite werden sie vielleicht erst in einem Jahr überschuldet aufgeben und ihren Laden dicht machen.

Angebot und Nachfrage

Dadurch, dass zahlreiche dieser Mieter aus dem Markt ausscheiden, verschiebt sich das Machtgefüge zwischen Mietern und Vermietern bei Immobilien im gewerblichen Bereich. Es wird viel Leerstand geben. Die Entwicklung hatte ja schon vor der Coronakrise in Innenstädten und Einkaufszentren eingesetzt. Zu viel Fläche, zu hohe Ladenmieten und immer mehr Online-Konkurrenz machen den Mietern schon seit Jahren zunehmend das Leben schwer. Nach und nach gaben einige auf und machten ihre Läden dicht. Dieser Trend wird nun durch die Coronakrise massiv beschleunigt werden. Der Leerstand wird deutlich zunehmen. Und die Eigentümer der Flächen werden auf einmal den bestehenden Mietern entgegenkommen. Ja, diese Prognose wage ich, auch wenn ich selbst kein Experte für Immobilien bin. Es geht um das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage.

Mieter werden nach Auslauf der Verträge womöglich günstigere Anschlussverträge aushandeln können, weil die Vermieter sehen, wie links und rechts schon Flächen leer stehen. Da hat man Angst seinen noch vorhandenen Bestandsmieter zu verlieren, denn der hat nun die freie Auswahl. Und ganz schnell werden wohl auch die Neuvermietungspreise für Flächen im gewerblichen Bereich purzeln. Wer also die Coronakrise finanziell überlebt, und/oder wer nach der Krise ganz neu mit einer Geschäftsidee im Einzelhandel oder in der Gastronomie startet, der wird womöglich spürbar geringere Mietkosten erwarten dürfen, oder aushandeln können! Vielleicht noch nicht Ende April oder im Mai. Aber wohl in sechs Monaten, wenn nach und nach andere Gewerbemieter pleite gehen und ihre Läden dicht machen. Die letzten Tage haben Restaurantketten wie Maredo und Vapiano bereits Insolvenz angemeldet. Ob und wie viele dieser Läden fortbestehen werden nach einer möglichen Restrukturierung? Unklar, aber die Pleitewelle wird wohl kommen. Was man jetzt in Einzelfällen sieht, ist erst der Anfang.

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Schwellenländer drohen durch die Pandemie im Chaos zu versinken

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Christus-Statue in Rio - Schwellenländer hart getroffen durch Pandemie

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung schauen die Märkte zur Zeit vor allem auf die dramatischen Entwicklungen in den USA und Europa. Doch für die Schwellenländer, die bereits vor der Pandemie angeschlagenen waren, droht nun der ökonomische Super-GAU.

Schwellenländer leiden bereits unter dem Abzug von Kapital

Wie wir schon vor der Pandemie berichteten, bewegten sich wichtige Schwellenländer bereits vor der Pandemie in schwerem Fahrwasser. Einige Länder, wie Argentinien, Brasilien, die Türkei, Venezuela, Südafrika oder Chile haben bereits Schlagseite. Die sich jetzt bereits in Ansätzen abzeichnenden globalen Verwerfungen drohen diese Staaten ökonomisch zum Kentern zu bringen. Die Schwellenländer sind besonders abhängig von Mittelzuflüssen aus den Industriestaaten und reagieren in einer Krise wie jetzt sehr sensibel auf eine Umkehr der Kapitalströme. Doch genau das passiert bereits, wie das Institute of International Finance (IIF) berichtet: Seit Ende Januar 2020 sind 95 Mrd. USD aus Aktien und -Anleihen der Emerging-Markets von ausländischen Investoren abgezogen worden.

Damit sind in dieser relativ kurzen Zeitspanne deutlich mehr Gelder rapatriiert worden als in der Finanzkrise ab September 2008. Die Kapitalflucht der Investoren aus Nordamerika und Europa aus den Schwellenländer-Märkten ist in weltweit unruhigen Zeiten ein bekanntes Phänomen. Gerade dann stellen stark überschuldete und politisch instabile Länder ein besonderes Verlustrisiko dar, das es zu meiden gilt. Kommt es zeitgleich zu Turbulenzen an den großen Finanzmärkten in New York, Tokio und London, wird die Liquidität dringend zu Hause benötigt, um Vermögenslöcher zu stopfen oder Margin-Calls zu bedienen.

Für eine Pandemie schlecht gewappnet

Im speziellen Fall der COVID-19-Pandemie befürchten die Investoren wahrscheinlich zu Recht, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme einiger Schwellenländer mit der Seuche überfordert sein könnten. Eine Befürchtung, die in Indien bereits Realität ist. Dort sind soziale Sicherungssysteme kaum vorhanden, das Gesundheitssysteme ist extrem fragil und die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Menschen verursachen Chaos im indischen Verkehrssystem und bringen die Menschen ohne jeden Schutz noch dichter zusammen. In Brasilien, wo das Virus mittlerweile ebenfalls angekommen ist, folgte die Regierung um Präsident Jair Bolsonaro zunächst der Strategie Londons und Washingtons und verharmloste das Virus. Jetzt rudert die Staatsführung in Brasília zurück, wahrscheinlich wie in den USA und England viel zu spät.

Die bereits getätigten und sich aktuell verstärkenden Kapitalabflüsse werden die fiskalpolitischen Möglichkeiten in den Schwellenländern stark beeinträchtigen. Zum einen wird weniger Geld für die Seuchenbekämpfung und zur Abmilderung der ökonomischen und sozialen Folgen mobilisiert werden können. Zum anderen steigen die Kosten für die Kreditaufnahme ausgerechnet jetzt deutlich an. Gleichzeitig schwinden auch die Devisenreserven, die nicht nur für die hohen Zinslasten der zum Teil hoffnungslos in US-Dollar überschuldeten Länder benötigt werden, sondern auch für den Ankauf von Schutzkleidung, Test-Kits und teuren medizinischen Geräten. Staaten wie Venezuela, Brasilien, Südafrika oder Argentinien sind zudem wichtige Rohstofflieferanten. Die Preise für natürliche Ressourcen waren in den letzten Wochen stark rückläufig, was die Ökonomien dieser Staaten zusätzlich belastet. Außerdem müssen viele Förderstätten zum Schutz der Arbeiter vorübergehend stillgelegt werden. In Südafrika für mindestens drei Wochen. Es ist daher zu befürchten, dass die Schwellenländer die Pandemie noch schwerer werden bewältigen können als die Industriestaaten.

Schwellenländer bekommen den Stress im Finanzsystem zu spüren

Seit Mitte März bekommen die Schwellenländer die Krise bereits an den Finanzmärkten zu spüren. Die Zinsaufschläge, die Entwicklungsländer aktuell gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen zahlen müssen, sind seitdem stark angestiegen. Besonders hart trifft es die Ukraine. Der osteuropäische Pleitestaat muss nun statt 400 Basispunkten Zinsaufschlag über 1.200 Basispunkte mehr bezahlen. Der Risikoaufschlag türkischer Staatsanleihen hat sich von 352 Anfang März auf aktuell über 700 erhöht. Russland steht trotz des Ölpreisverfalls mit 350 Basispunkten aufgrund der niedrigen Staatsverschuldung von lediglich 12,5 Prozent des BIP noch vergleichsweise gut da. Deutlich dramatischer stellt sich die Lage für den afrikanischen Ölproduzenten Nigeria dar, der nach einer Verdreifachung der Zinsaufschläge nun ebenfalls bei über 1.200 Basispunkten Zinsaufschlag gegenüber US-Anleihen angekommen ist. Auch Südafrika ist mit in den Aufwärtssog bei den Renditen geraten und muss aktuell 1.120 Basispunkte Zinsaufschlag bezahlen. Argentinien, dass seinen Schuldendienst bereits ausgesetzt hat, ist sogar gezwungen, für seine stark ausfallgefährdeten Anleihen (S&P-Rating: CCC-) Mehrkosten in Höhe von 2.640 Basispunkten am Kapitalmarkt zu akzeptieren. Das Land ist bereits de facto bankrott.

Die Kapitalflucht und die steigenden Risikoprämien werden auch in den Währungsentwicklungen der Schwellenländer sichtbar. Seit der verstärkten Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus Anfang Februar über die Landesgrenzen Chinas hinaus, kam es auch an den Devisenmärkten zu heftigen Bewegungen. Der mexikanische Peso verlor seitdem 23 Prozent, der russische Rubel über 20 Prozent (was übertrieben scheint), der argentinische Peso von niedrigem Niveau aus nochmals 5 Prozent und der südafrikanische Rand 16 Prozent.

Fazit und Möglichkeiten der Stabilisierung

Die bereits sichtbaren Folgen für die Schwellenländer sind wahrscheinlich nur der Beginn schwerer ökonomischer, sozialer und politischer Verwerfungen. In den kommenden Wochen und Monaten könnten sich die Turbulenzen infolge der Rezession in den USA und Europa, der zunehmenden Anzahl von COVID-19-Fällen auch in den Schwellenländern, einer fortschreitenden Unterbrechung der Lieferketten und einer sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen noch vergrößern. Der für viele Entwicklungsländer als Devisenquelle enorm wichtige Tourismus ist bereits weitgehend kollabiert.

Ein Großteil der Schwellenländer hat keine ausreichenden Rückstellungen oder fiskalischen Spielräume, um die heimische Wirtschaft mit großen Konjunkturpaketen á la USA oder Deutschland zu unterstützen. Würde die Zentralbank Argentiniens vergleichbar der US-Notenbank Fed eine staatliche Schuldensause von 10 Prozent des BIP durch Gelddrucken finanzieren, würde sich der Restwert des argentinischen Peso in Luft auflösen. Der makroökonomische Handlungsspielraum der Schwellenländer ist generell im Vergleich zu fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund der begrenzten Glaubwürdigkeit ihrer Währungen stark limitiert. Selbst Staaten mit niedriger Verschuldung, wie Russland, bekommen dies bereits durch die massive Abwertung ihrer Währung zu spüren. Daher sind die Schwellenländer auf externe Hilfe mittels harter Devisen angewiesen.

Die Fed hat diesem Bedürfnis bereits Rechnung getragen und ihre Dollar-Swap-Linien geografisch stark ausgeweitet und bietet nun auch Entwicklungsländern über diesen Weg einen Zugang zu US-Dollar-Liquidität. Bereits 80 Länder haben zudem den Internationalen Währungsfonds (IWF), gemäß dessen Direktorin Kristalina Georgiewa, um finanzielle Hilfe gebeten. Der supranationalen Institution stehen zur Zeit dafür 1 Billion US-Dollar zur Verfügung. Dieser Betrag muss dringend in Anbetracht der Vielzahl der Hilfegesuche aufgestockt werden.

Auf Ebene der G20-Staaten wurde beim jüngsten virtuellen Sondergipfel ebenfalls über Hilfen für Entwicklungsländer diskutiert – allerdings sehr abstrakt. So sollen Handelsbeschränkungen abgebaut und die Entwicklungshilfe ggf. aufgestockt werden. Dem Rest der Welt sollten die Schwellenländer nicht egal sein. Wenn diese im Zuge der jetzt bevorstehenden Weltrezession noch tiefer in finanziellem Chaos versinken, würde dies für die gesamte Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schock bedeuten. Eine schnelle wirtschaftliche Erholung exportorientierte Länder wie Deutschland nach dem Abebben der Pandemie wäre dann unwahrscheinlich.

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Dirk Müller über die dramatischen Folgen der Corona-Krise

„Unser Finanzsystem hat fertig“

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Die Corona-Krise nimmt immer dramatischere Foolgen für die Wirtschaft an – der Einbruch ist heftiger als in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929, sagt Dirk Müller. Eigentlich sollte „Mr. Dax“ bei einer Finanzmesse auftreten – aber da das aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, hielt Dirk Müller seinen Vortrag von zuhause aus per Video.

Corona-Krise schlimmer als Weltwirtschaftskrise 1929

Der Crash der Aktienmärkte passierte sogar schneller als in der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 (und folgende). Und das wird bedeuten, dass da viele Finanz-Player erwischt wurden – daher sind viele Pleiten im Finanzsektor wahrscheinlich, von denen wir in den nächsten Wochen und Monaten erfahren werden. Das gilt auch und vor allem für Banken – Dirk Müller erwartet daher Banken-Pleiten. Wenn aber Banken pleite gehen, werden auch die Gelder auf deren Konten in Gefahr sein, sagt Dirk Müller – denn faktisch ist ein Kontoguthaben bei einer Bank eine Art Kredit, den man der Bank gibt.

Dirk Müller über den Crash des Kreditsystems

„Unser Finanzsystem hat fertig“, so Dirk Müller – wir erleben jetzt einen reset des Systems. Das Coronavirus sei nur der Auslöser für diesen reset – und die Ausrede zugleich, warum eben dieser „reset“ nun vermeintlich nötig sei. Bisher haben die Notenbanken es nicht geschafft, die Märkte zu beruhigen, was aber eigentlich durch das „plunge protection team“ der Amerikaner möglich gewesen, aber eben nicht erfolgt sei, meint Dirk Müller.

Das eigentliche Problem könnten die Notenbanken so oder so nicht lösen, so „Mr. Dax“: den „Credit Crunch„. Alle brauchen nun Liquidität, um Kredite und Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Cash ist King im deflationären Schock.

Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft

Was fast noch schlimmer ist: die Menschen haben Angst um ihre Jobs und damit um ihre Zukunft. Dazu kommt noch die Angst um die Gesundheit der eigenen Familie – Müller spricht daher von einer so noch nie dagewesenen „Angstkombination“, die massive und bisher unkalkulierbare Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Gesellschaft haben dürfte. Es könne daher zu sehr häßlichen Szenen kommen, die wir bisher nicht für möglich halten. Diese „Angstkombination“ in der Gesellschaft verstärke dann die Neigung der Menschen, Sündenböcke zu suchen – vielleicht die Flüchtlinge, die mit der einheimische Bevölkerung etwa um Arztbesuche konkurrieren?

Sehen Sie hier das Szenario von Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise:

Dirk Müller über die Folgen der Corona-Krise

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