Devisen

Warum ist der Yen so stark?

Von Markus Fugmann

Derzeit fällt praktisch jede global wichtige Währung gegenüber dem US-Dollar: das britische Pfund in der Nähe eines 5-Jahrestiefs, der australische Dollar geht konstant nach unten, der kanadische Loonie ebenso, der Euro sowieso. Nur der Yen verliert nicht gegenüber dem Dollar – und das obwohl die Bank of Japan eine Politik betreibt, die noch expansiver ist als das QE der EZB.

Nimmt man die sogenannte Kaufkraft-Parität, ist die Stärke des Yen sogar gerechtfertigt: demnach ist der Yen zum Dollar 32% unterbewertet, der Euro 7%, während das Pfund 6% zum US-Dollar überbewertet ist. Gestern hat der Wirtschafstberater des japanischen Ministerpräsidenten Abe, Hamada, auf diesen Zusammenhang hingewiesen – Dollar-Yen sei bei 105 fair bewertet. Aber Devisenkurse funktionieren nun einmal nicht nach Logik der Kaufkraft-Parität – es sind andere Kräfte, die die Entwicklung maßgeblich bestimmen.

Und diese Kräfte sind die Notenbanken. Mit einem Wort: die Notenbanken schichten ihre Währungsreserven derzeit überwiegend auf Kosten des Euro in den Yen um. Der Chart des Euo-Yen macht das gut sichbar:

Euro-Yen

Zentraler Treiber für diese Entwicklung sind die Renditen auf dem Anleihemarkt. Inwzischen rentieren etwa deutsche Staatsanleihen deutlich tiefer als japanische. Auch japanische Staatsanleihen bringen nur eine mickrige Rendite, aber eben keine Negativrendite wie bei Staatsanleihen Deutschlands bis zu einer Laufzeit von sieben Jahren. Daher fließt derzeit Geld in japanische Staatsanleihen, vorwiegend sind es Notenbanken, die damit faktisch den Yen als Währungsreserve wieder aufstocken, während sie den Anteil des Euros aufgrund der Negativrenditen sowie dem negativen Einlagezins der EZB senken. Ein sehr gute Übersicht über die Währungsreserven der Notenbanken finden Sie hier..

Faktisch wirken damit die Käufe der Notenbanken wie eine Intervention zur Stützung des Yen. Und sie konterkarieren so auch die Anstrengungen der Bank of Japan, ihr Inflationsziel von 2% zu erreichen. Die Grundfrage ist nun, ob das Verhalten der anderen Notenbanken die Bank of Japan dazu zwingen wird, ihr Anleihekaufprogramm noch weiter auszuweiten. Der Widerstand dagegen nimmt derzeit in Japan jedoch zu, wie zahlreiche Äusserungen von japanischen Ökonomen und Polikern zeigen. Es sieht also so aus, als könnte die EZB einen Punktsieg im „Währungskrieg“ gegen die Bank of Japan verbuchen..



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