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Warum ließ Lufthansa psychisch kranken Co-Pilot fliegen?

Von Markus Fugmann

Es wird immer offensichtlicher, dass der Co-Pilot, der die Germanwings-Maschine zum Absturz gebracht hat, psychisch krank war. Das ergab eine Dursuchung der Wohnung von Andreas L., wie der „Spiegel“ berichtet, ohne allerdings Details zu nennen.

Die Bild-Zeitung berichtet, dass der Co-Pilot vor sechs Jahren für eineinhalb Jahre in psychiatrischer (nicht psychologischer!) Behandlung gewesen sei, bei Abschluss seiner Flug-Ausbildung sei eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ diagnostiziert worden. In seinen Flugschulkursen sei er mehrfach wegen Depressionen zurück gestuft worden, auch vor dem Unglücksflug sei er in medizinischer Behandlung gewesen. Ein Vermerk beim Luftfahrtbundesamt habe auf massive psychologische Probelem hingedeutet.

Da stellt sich die Frage, wieso der Lufthansa-CEO Carsten Spohr den Co-Piloten mehrfach als voll flugtauglich bezeichnet hat. Die Lufthansa rühmt sich, die beste Ausbildung weltweit für Piloten zu haben, scheint aber weitgehend blind für psychologische Auffäliggkeiten gewesen zu sein. So makaber es ist: eigentlich war es für die Lufthansa positiv, dass nicht versagende Technik die Ursache des Absturzes war. Nach den neuen Erkenntnissen, die nun vorliegen, hätte die Lufthansa aber einen psychisch labilen Piloten niemals ins Cockpit lassen dürfen – das wiegt schwerer als ein technisches Versagen eines Flugzeugs.

Der Lufthansa droht damit ein noch schwerer Image-Schaden. Ohnehin eingeklemmt zwischen Billig-Airlines und staatlich unterstützen Airlines, ist der Absturz für die Lufthansa-Billigvariante Germanwings, die als Antwort der Airline auf die Billig-Konkurrenz installiert wurde, ein schwerer Rückschlag. Es sieht so aus, als hätten die Prüfungsmechanismen in einem zentralen Punkt versagt: wie kann ein mehrfach aufgefallener, psychisch kranker Mensch die angeblich so harte, auch psychische Prüfung bestehen, wenn seine Krankheit bereits in den Akten vermerkt war?



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6 Kommentare

  1. Nicht nur bei der Lufthansa werden psychisch labile Menschen weiter beschäftigt. Auch ich habe von einem Fall erfahren, wo ein Arbeitskollege, der aus seiner Breivik-Verehrung keinen Hehl machte, ankündigte, eines Tages genauso wie seine Vorbilder Breivik, Ted Bundy alle Kollegen (darunter Kindergartenkinder) umzubringen. Als die Kollegin sich letztendlich an die teils anwesenden Kollegen und den Geschäftsführer wandte, haben diese sich plötzlich an gar nichts mehr erinnern können. Der Kollege wurde vom Geschäftsführer, ein Telekommunikationstechniker, also keinerlei fachliche Ausbildung etwa als Psychologe, Polizist usw., dazu befragt. Dieser stritt selbstverständlich alles ab. Hinterher feixte über die Befragung noch herum. Kurzum, die Sache wurde mit dem Argument, der Kollege sei doch so freundlich und nett, als „Dummerjungenstreich“ abgetan. Der Kollegin wurde gekündigt…Einzig die Polizei, bei welcher die Kollegin für den Fall, dass dieser Ex-Kollege doch seinen angekündigten Amoklauf wahr machen würde, schliesslich Anzeige erstattete, nahm sich der Angelegenheit an. Der Kollege war schon einschläglich wegen Gewaltäußerungen auffällig geworden. Schon mal erleichternd, dass der Kollegin wenigstens geglaubt wurde. Das von der Polizei eingeschaltete LKA meinte jedoch, keine Gefahr. Die Polizei leitete das Ganze auch nicht an die Staatsanwaltschaft weiter, da das Material nicht ausreichte. Ausserdem sei ja schliesslich „nichts passiert!“ Ausserdem sei der Kollege in psychiatrischer Behandlung gewesen, würde nach Erfahrung der Polizei somit jederzeit auf seine psychische Erkrankung verweisen, so dass man da leider nichts machen könne. Immerhin wurde der Fall nochmals an den Sozialpsychiatrischen Dienst verwiesen. Wenn man nun noch hört, dass bei der Fluggesellschaft LH/Germanwings die Kollegen psychologische Auffälligkeiten melden sollten, dann kann ich angesichts des o.G. nur sagen: Wer würde das denn machen? Zumal man doch riskiert nicht ernst genommen zu werden und dann gar noch selber als Denunziant dastünde. Und einen solchen wollen weder die Kollegen, noch die Geschäftsleitung im Unternehmen haben. Meine Kollegin hat zwar ihre Entscheidung der Meldung nicht bereut, aber sie hat schwer dafür zahlen müssen!

  2. Elfriede das was Du schreibst bringt es genau auf den Punkt….

  3. Warum lässt Lufthansa einen psychisch kranken fliegen?
    Die Antwort ist simpel und für jeden klar erkennbar: Lufthansa wusste es nicht !…ganz einfach!
    Der Copilot hat eine Meldepflicht bei einer psychologischen Erkrankung. Wenn er dieser nicht nachkommt, begeht er eine Straftat. Und kein Mensch kann so ein Vergehen verhindern, denn in Deutschland gilt die ärztliche Schweigepflicht.
    Kein Flugmediziner hätte bei Kenntnis dieser Erkrankung diesen Mann als flugtauglich erachtet.
    Und der Flugmedizinische Dienst hat die Pflicht und die Erlaubnis vom Piloten, alle relevanten Erkrankungen dem Luftfahrtbundesamt zu melden, welches dann aktiv wird oder auch nicht.
    Die Lufthansa hat darüber hinaus keine Möglichkeit, etwas über den Zustand des Piloten zu erfahren. Das gilt für alle Airlines in diesem Land.
    Wenn also der Pilot vorsätzlich und sträflicherweise zu einem normalen Arzt geht, um seine Krankheit zu verbergen kann dieser aus gesetzlichen Gründen rein gar nichts tun.
    Die Airlines können sich ja nicht üer die Gesetze und die Verfassung hinwegsetzen und ihre Piloten unter Vollüberwachung stellen.

    1. Bei rezidivierender Depression darf niemand Pilot werden bzw. wird berufsunfähig.. Und das er wiederholt Depressionen hatte, war/ist Lufthansa laut Bild bekannt.

    2. Matt: Ich stimme vollkommen zu, jedoch frage ich mich , ob nicht seitens des behandelnden Arztes eine Meldepflicht an den Betriebsarzt/Flugarzt besteht.
      Ich habe bereits erwähnt:
      Würde bei einem Chirurgen eine ansteckende Krankheit bestehen, dürfte dieser auch nicht mehr operieren.

      Im Hygienebereich ( selbst im Gastättenbereich ) besteht meines Wissens eine Meldepflicht
      – auch bei Infektionen von Kindern

      Sollte das bei Piloten nicht der Fall sein? Kaum zu glauben!

      Allerdings: In den Berichten wurde nicht gesagt, dass die Krankschreibung mit den Psych. Problemen in Zusammenhang steht, es könnte aja auch eine simple Grippe gewesen sein..

  4. Zu meinem Verständnis :

    Angeblich war der Copilot psyschisch krank und ist krankgeschrieben worden.
    Normalerweise wird man nur krankgeschrieben, wenn man das will – wenn der Andreas L. fliegen wollte und den Suizid geplant hat, hätte er eine Krankschreibung gewiß erstmal abgelehnt.
    Ich gehe davon aus, dass der behandelnde Arzt wußte, dass sein Patient Pilot ist.

    Sollte der Arzt eine psyschische Erkrankung festgestellt haben, bei der man davon ausgehen kann, dass der Patient eine Gefahr in Ausübung seiner Tätigkeit darstellen könnte, dann müsste der Arzt das doch dem Arbeitgeber bzw. dem zuständigen Flugarzt/Betriebsarzt Meldung machen.

    Das ist doch in etwa so, als ob ein Chirurg eine ansteckende Krankheit hat, und trotzdem operiert.

    (Allerdings sagen Berichte nur was über eine Erkrankung, es wird kein Zusammenhang mit einer psych. Erkrankung genannt)

    Irgendwie passt das alles nicht …

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