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Warum Negativzinsen die Wirtschaft bremsen! Aber nicht weitersagen an Draghi..

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

In Kreisen tiefgläubiger Notenbanker herrscht derzeit ein Matra vor: Negativzinsen sind gut für die Wirtschaft, weil es dann ja viel mehr Kredite und Konsum gebe. Also muß der Zins immer negativer werden, damit die Konjunktur so richtig anspringt. Dummerweise tut sie das aber nicht so recht, auch die Kreditvergabe steigt nicht wirklich. Letzteres aus zwei Gründen: erstens, weil die Kreditnachfrage nicht steigt, weil die Unternehmen, so gestern sichtbar im ifo Index, nicht sehr optimistisch sind für die weitere Entwicklung. Wer nicht optimistisch in die Zukunft blickt, investiert nicht, braucht ergo also keine neuen Kredite.

Und zweitens, weil die Marge für die Banken bei immer negativeren Zinsen immer kleiner wird, sodass die mickrige Marge irgendwann die mit der Vergabe des Kredits eingegangenen Risiken nicht mehr rechtfertigen. Könnte diesen Zusammenhang irgend jemand aus der Hochfinanz einmal Herrn Draghi kommunizieren, so ganz vorsichtig dosiert natürlich? Nein, besser nicht. Sonst tut sich der noch was an..

So ganz alleine auf weiter Flur mit der kritischen Sicht auf Negativzinsen sind wir jedoch nicht. So schrieb heute Martin Hüfner vom Vernögensverwalter assenagon in einer sehr lesenswerten Analyse:

„Negative Zinsen beschränken sich ja nicht nur auf das Verhältnis von Zentralbank und Banken. Sie sollen bei Unternehmen und Privatleuten ankommen. Dort führen sie zu vielen Dingen, die man nicht unbedingt haben muss. Die Schulden steigen, die Altersvorsorge verringert sich, die Risikoneigung auf den Kapitalmärkten erhöht sich und vieles andere mehr. Eine Zeitlang kann man das hinnehmen (und hat es auch schon getan). Aber irgendwann kommt der Punkt, wo das nicht mehr geht.

Volkswirtschaftlich führt das am Ende zu einem interessanten Ergebnis: Die Konjunktur wird durch die negativen Zinsen ab einem bestimmten Punkt nicht mehr angeregt, sondern gebremst. Das ist paradox: Zu niedrige Zinsen (im negativen Bereich) wirken genauso wie zu hohe Zinsen. Sie senken das Wachstum. Natürlich gibt es hier keine feste Grenze. Bei minus 0,3 % wird noch nichts zu merken sein. Aber je tiefer es geht, umso gefährlicher wird es.“

Und Martin Hüfner resümiert:

„Gehen Sie davon aus, dass die Zentralbanken in Europa und Japan angesichts der drohenden Wachstumsschwäche die Zinsen noch weiter senken werden. Die Banken werden das auf die Kunden überwälzen. Negative Zinsen sind gut für alle, die Kredit aufnehmen wollen. Aktien- und Rentenmärkte werden sie zuerst auch begrüßen. Aber die Euphorie wird nur kurzlebig sein. Je länger der Zustand anhält und je tiefer die Zinsen sinken, umso mehr werden negative Nebenwirkungen auch an den Märkten spürbar werden.“

Unterstützung bekommt Hüfner übrigens von unerwarteter Stelle. So schrieb heute Professor Wang Yong von der People´s Bank of China (also der Notenbank Chinas), dass Negativzinsen die Wirkung einer Drogenabhängigkeit hätten und daher maximal kurzfristig Anwendung finden sollten. Je länger sie dauerten, um so größer die schädlichen Folgen, die die Vorteile deutlich überwögen. Häufig, so Wang Yong, seien sie ein Beleg für Reformunwilligkeit – man bevorzuge mit Negativzinsen offenkundig den Weg des geringsten Widerstands, und das wiederum sei bei Drogenabhängigen ganz ähnlich..

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Gerd

    24. Februar 2016 12:02 at 12:02

    zum ersten Beitragsteil:
    Hört sich logisch an, unterstellt aber einen doppelt Negativeffekt, den es in der reinen Form garantiert nicht gibt. Das hieße nämlich, der eine will keinen Kredit und derjenige, der einen möchte, ist zufällig jener, welcher keinen bekommt.

    zum zweiten Teil:
    Extreme Negativzinsen auf die S p i t z e getrieben.
    Vor knapp 10 Jahren lag der Refinanzierungssatz für die Banken bei der EZB bei rund 4% (heute bei 0,5%). Damals wurden Kredite an Private zu, sagen wir 7% vergeben. Marge 3%.
    Ab März senkt die EZB den Refinanzierungssatz auf -4% =) und die Banken vergeben Kredite zu -1% an Private! Die Marge für die Geschäftsbanken wäre wiederum 3% und ich wäre der Erste, welcher einen solchen Kredit haben wollte.

    • Avatar

      Gerd

      24. Februar 2016 12:04 at 12:04

      Schreibfehlehler:
      Refinanzierungssatz heute bei 0,05% nicht 0,5%

  2. Avatar

    Bernd P

    9. April 2016 14:52 at 14:52

    Kreditvergabe lohnt sich ja so nicht einmal mehr für die Kreditdienstleister.
    Und mit fremdem Geld arbeiten sollte eigentlich etwas kosten müssen. Sonst gibt der Geldgeber sein Geld nicht an andere damit die damit arbeiten können. Wenn für diese Dienstleistung kein Gewinn abfällt, dann ist sie unwirtschaftlich. Punkt.

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Zinseszinseffekt: So verdoppeln Sie Ihr Depot binnen weniger Jahre – Werbung

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Lieber Börsianer,

Albert Einstein bezeichnete ihn einst als 8. Weltwunder. Für Starinvestor Warren Buffett gilt er als wichtigster Erfolgsfaktor beim Investieren. Die Rede ist vom Zinseszinseffekt. Es kommt nicht von Ungefähr, dass diese beiden Genies dem Zinseszins eine so hohe Bedeutung beimessen. Denn er verhilft selbst bei kleinen investierten Beträgen über einen längeren Zeitraum zu großen Erfolgen. Folgende kleine Geschichte veranschaulicht den Effekt des Zinseszinses:

Die Legende vom Reiskorn

Die beeindruckende Wirkung des Zinseszinseffektes war offenbar bereits den alten Persern bekannt. Von ihnen stammt die Legende vom Reiskorn. In dieser forderte der König seine Untertanen auf ihm die Langeweile zu vertreiben. Wer es schafft, sollte eine Belohnung erhalten.

Ein kluger Höfling brachte dem König daraufhin das Schachspiel bei. Der König war begeistert ob der neuen Zerstreuung und wollte den Höfling belohnen. Dieser sprach: „Ich möchte nichts weiter als ein paar Reiskörner. Ich möchte, dass ihr mir das Schachbrett mit Reis füllt. Legt ein Reiskorn auf das erste Feld und dann auf jedes weitere Feld jeweils die doppelte Anzahl an Reiskörnern.“

Der König wunderte sich über den bescheidenen Wunsch seines Dieners und sagte sogleich die Belohnung zu. Er dachte wohl an ein kleines Säckchen voller Reis. In Wahrheit hätte er aber dank der 64-maligen Verdopplung mehr Reis gebraucht, als auf der ganzen Erde wächst.

Wie ist eine solche Fehleinschätzung möglich?

Das menschliche Gehirn ist nicht besonders gut in Prozentrechnung. Diese Art der Verzinsung ist in unserer Evolutionsgeschichte erst seit wenigen hundert Jahren von Bedeutung. Deshalb unterschätzen wir genau wie der persische König systematisch die Macht des Zinseszinses. Investmentgewinne von 5% locken nur wenige hinter dem Ofen hervor. Doch über einen…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Einzelhandelsumsätze boomen in der Coronakrise – bis auf ein Segment

Claudio Kummerfeld

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Leeres Einkaufszentrum als Symbol für die Coronakrise

Wenn man in der Coronakrise schon kein Geld für Restaurants, Theater, Kinos oder Urlaubsreisen ausgeben kann, dann kann man doch immerhin noch sein Haus, seine Wohnung oder den Garten verschönern? Und zuhause gut essen ist ja auch drin. Dementsprechend wandeln sich die Einzelhandelsumsätze in den letzten Monaten.

Unterm Strich geben die Deutschen deutlich mehr aus als noch im Vorjahr, und auch mehr als direkt vor Ausbruch der Coronakrise. Dies wird untermauert durch die vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Einzelhandelsumsätze für Oktober. Sie steigen im Vergleich zu Oktober 2019 um 8,2 Prozent, und im Vergleich zu Februar 2020 um 5,9 Prozent. Das ist eindeutig. Der Onlinehandel boomt am Stärksten, die Heimwerkermärkte boomen, und auch der Lebensmitteleinzelhandel. Ein klarer Wink hin zu mehr Konsum in den eigenen vier Wänden. Nur der stationäre Einzelhandel mit Bekleidung ist spürbar rückläufig. Klar, wenn man deutlich weniger ausgeht, hat man auch weniger den Drang neue Klamotten zu kaufen. Hier die Detailangaben der Statistiker über die Einzelhandelsumsätze im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober 2020 real 7,3 % und nominal 10,3 % mehr um als im Oktober 2019. Dabei lag der Umsatz der Supermärkte, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkte real 7,9 % und nominal 10,9 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 3,0 % und nominal 6,5 % mehr um.

Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 9,0 % und nominal um 9,4 %. Das größte Umsatzplus mit real 29,8 % und nominal 31,1 % erzielte der Internet- und Versandhandel. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 14,2 %. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau waren dagegen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren und der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -6,4 % und -2,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Einzelhandelsumsätze für Oktober im Detail

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Autoindustrie: Die Stimmung hat sich brutal verfinstert!

Claudio Kummerfeld

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Riesiger Parkplatz mit unzähligen Autos

Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie (Hersteller und Zulieferer) hat sich brutal verfinstert. Laut heute früh veröffentlichten Umfrageergebnissen des ifo-Instituts ist die aktuelle Geschäftslage der Branche zwar noch akzeptabel mit einem Wert von +7,2 Punkten nach -2 Punkten im Oktober. Aber die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sinken aktuell dramatisch ab, von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November! Der Chart zeigt den Absturz der Stimmungslage in der Autoindustrie in den letzten Monaten. Im Moment läuft es noch, aber der Blick in die Zukunft macht die Firmen gegenwärtig nicht glücklich, so ifo aktuell in seiner Headline-Aussage. Weitere Aussagen hier im Wortlaut:

„Im Oktober haben wir einen Einbruch bei den gewerblichen Neuzulassungen gesehen. Das wird sich wahrscheinlich fortsetzen, aufgrund der großen Unsicherheit bei den Unternehmen“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Die Unternehmen gaben an, ihre Produktion deutlich drosseln zu wollen. Der Indikator sank von plus 38,6 Punkte auf minus 0,5 Punkte. Die Exporterwartungen fielen deutlich von plus 19,0 Punkten im Oktober auf minus 5,0 Punkte. Auch gab immer noch die Mehrheit der Unternehmen an, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu verringern. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 34,6 Punkte.

Der Auftragsbestand konnte zuletzt nicht mehr so stark zulegen. Der entsprechende Indikator sank deutlich auf 6,2 Punkte, nach 29,3 im Oktober. Der Bestand im Fertigwarenlager ist allerdings weiterhin geringer als saisonüblich. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 4,9 Punkte.

Chart zeigt Verlauf der Geschäftserwartungen der Autoindustrie

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