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Warum nimmt Amazon trotz riesigen Cash-Polsters Schulden auf?

Dabei wollte Amazon nach Angaben der den Anleiheverkauf betreuenden Konsortialbanken (Citigroup, JP Morgan, Morgan Stanley und Wells Fargo) ursprünglich nur 15 Milliarden US-Dollar am Kapitalmarkt aufnehmen. Da die Resonanz des Marktes aber sehr positiv war, wurde das Kreditvolumen auf 18,5 Mrd. US-Dollar erhöht.

Insgesamt wurden acht verschiedene Schuldtitel mit Laufzeiten zwischen zwei und 40 Jahren emittiert. Wie aus dem Emissionsprospekt hervorgeht, sollen die Kurzläufer zur Finanzierung ökologischer und sozialer Projekte verwendet werden (u. a. emissionsfreier Verkehr, erneuerbare Energien und nachhaltiger Gebäudebau).

Zuletzt hatten sowohl die Europäische Zentralbank EZB als auch die US-Notenbank Fed betont, im Rahmen ihrer billionenschweren Wertpapierkaufprogramme solche Unternehmensanleihen zu bevorzugen, die in nachhaltige Projekte im Sinne der Umwelt, des Klimaschutzes und des sozialen Ausgleichs investiert werden.

Den großen Rest des aufgenommenen Geldes will Amazon für die Forcierung des organischen Wachstums, Akquisitionen und die Refinanzierung bestehender Schulden nutzen. Möglich ist auch eine Verwendung für Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe.

Im letzten Jahr hatte sich Amazon 10 Mrd. US-Dollar für „allgemeine Unternehmenszwecke“ am Kapitalmarkt geborgt und davor im Jahr 2017 bereits 16 Mrd. US-Dollar für die Akquisition der US-Bio-Supermarktkette Whole Foods Market.

Ertrag deutlich höher als der Anleihezins

Ebenfalls am Montag stufte die Ratingagentur Moody´s den Handelsriesen von A2 auf A1 mit stabilem Ausblick hoch. Das aktuelle Amazon-Rating ist das fünfthöchste von insgesamt acht Investmentgrade-Ratings und versetzt den Konzern in die Lage, sich noch günstiger am Markt zu refinanzieren.

Nach Angaben von Investoren zahlte der Konzern für seine ultralangen Papiere über 40 Jahre Laufzeit lediglich 0,95 Prozent p. a. mehr Zinsen, als das US-Finanzministerium für Staatsanleihen zahlt.

Für die zweijährigen Papiere muss der Edelschuldner lediglich 0,1 Prozent p. a. mehr bezahlen als für US-Staatsanleihen gleicher Laufzeit fällig werden. Das ist ein neuer Niedrigrekord für den Spread zwischen Unternehmensanleihen dieser Laufzeit und Bonität und Staatsanleihen.
Amazon konnte im ersten Quartal dieses Jahres eine Bruttomarge von 40 Prozent, eine operative Marge von 6,63 Prozent und eine Netto-Marge von 6,42 Prozent erwirtschaftet. Bei einem Return on Invested Capital (ROIC) in Höhe von 13,65 Prozent lohnt sich die Aufnahme des Fremdkapitals mit Zinsen von im Schnitt 2,96 Prozent.

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Hätte Amazon die Anleiheemission zum absoluten Zinstief am 31.12.2020 vorgenommen, wären im Schnitt sogar nur 2,33 Prozent Zinsen p. a. fällig geworden.

Fazit und Ausblick

Amazon braucht theoretisch für das weitere Wachstum kein Geld vom Kapitalmarkt, aber es ist aktuell extrem günstig.
Seitdem die US-Notenbank in dreistelliger Milliardenhöhe pro Monat Wertpapiere und auch Unternehmensanleihen massenhaft aufkauft, haben sich die Finanzierungsbedingungen stark gelockert. Die Spreads zwischen „risikolosen“ Staatsanleihen und Unternehmensanleihen sind signifikant geschrumpft. Das gilt v. a. für Anleihen mit Investment-Grade, deren Aufschläge zu Staatsanleihen mikroskopisch klein geworden sind.
Viele Unternehmen benötigen zwar aktuell kein Geld, nutzen die günstigen Refinanzierungsbedingungen gleichwohl für die Verbilligung bestehender Verbindlichkeiten und zum Aufbau langfristiger Cash-Polster.

Steigt in Zukunft die Inflation an und im Zuge dessen auch die Renditen am Kapitalmarkt, dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt, sich günstig mit Geld vollzusaugen.

Damit gelangt auch über diesen Weg das Geld der Notenbanken in den Wirtschaftskreislauf. Amazon wird mit seinen massiven, auch kreditfinanzierten Investitionen die Nachfrage nach Baustoffen und Technologiekomponenten weiter anheizen, was die Preissteigerungen in vielen Bereichen mit befeuert.



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3 Kommentare

  1. Um die Eingangsfrage zu beantworten braucht es keinen langen Artikel. Sind Zinsen extrem niedrig, dann ersetze ich Eigen- durch Fremdkapital. Einfacher kann man die Rendite gar nicht steigern.
    Die Kohle schütte ich dann entweder an die Eigner aus oder ich kaufe mir weitere Märkte zusammen. Dazu brauche ich weder Innovationen noch muss ich irgendwelche Risiken eingehen. Es gewinnt automatisch der mit dem größten Konto.

    Bei den Zinssäten entwerten sich die Schulden schon heute. Kommt es dann noch zu einer steigenden Inflation verschwinden sie ganz von alleine. In einer überschuldeten Welt ist das rationalste Verhalten (Geld)vermögen abzubauen (sprich in Assets zu tauschen) und die Schulden möglichst stark zu erhöhen (und davon auch Assets zu kaufen).

    Die Aussage, das man keine Schulden machen soll, die gerne von so Typen wie z.B. Marc Friedrich herausposaunt werden, ist Unfug. Man muss sie nur „richtig“ machen. Das bedeutet z.B. mit festen Zinssätzen, ohne Nachschussverpflichtungen und ähnlichem.
    Immer nach der alten Weisheit: Hast du 100.000€ Schulden, hast du ein Problem, hast du 2 Mrd. € Schulden hat deine Bank ein Problem.

    Bei 0 Zinsen ist die rationalste Entscheidung, die Schulden möglichst hoch zu treiben. Ein Interview mit einem „einfachen“ Amerikaner in der letzten Finanzkrise hat das mal auf den Punkt gebracht (aus dem Gedächtnis):

    Frage: „Sie verlieren jetzt ihr Haus weil sie ihre Schulden nicht zurückzahlen können.“
    Antwort: „Ja“
    Frage: „War ihnen den gar nicht bewusst, das sie eventuell die Schulden nicht zurückzahlen können?“
    Antwort: „Doch“
    Frage: „Wäre es dann nicht besser gewesen das teure Haus nicht zu kaufen?“
    Antwort: „Nein. Ich hätte mir nämlich nie so ein Haus leisten können. Aber so habe ich 10 Jahre in einem tollen Haus gewohnt. Jetzt ziehe ich zwar wieder in eine abgeranzte Unterkunft, aber da hätte ich sonst mein ganzes Leben hausen müssen.“

    Da hat jemand ohne „Wirtschafts- und Finanzwissen“ mehr von Wirtschaft und Finanzen verstanden als die ganzen hochbezahlten aber ahnungslosen „Experten“. Es gilt halt weiterhin, das die Schlauen von den Dummen leben und die von der Arbeit. Und daran wird sich auch niemals etwas ändern.

    1. Das ist aber eine riskante Taktik sich zu verschulden und dann zu hoffen dass die Inflation das Problem erledigt. Welche Bank bietet einem heute feste Zinsen über mehr als 3 oder vielleicht 5 Jahre an? Eine jede Bank wäre mehr als dumm wenn sie das machen würde.

  2. …und genau so machen es auch gerade viele Staaten…die Höhe der Schulden ist unwichtig…Schulden zurückzahlen ebenfalls…die Inflation wird es schon richten bzw. die erdrückende Macht mit dem vielen Geld Dinge zu bewegen, die auf Jahrzehnte wirken werden

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