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Warum sich der Goldpreis vom US-Dollar abkoppelt

Goldpreis entkoppelt sich von US-Dollar

Historisch betrachtet korreliert der Goldpreis negativ zum US-Dollar. Im Moment führt das gelbe Edelmetall jedoch ein Eigenleben und lässt sich in seinem Aufwärtsdrang von der ausgeprägten Stärke der Weltleitwährung nicht beirren. Für diesen Trend, der besonders deutschen Gold-Fans zugutekommt, gibt es mehrere Gründe.

Goldpreis in Euro auf Rekordkurs

Unbemerkt von den Finanzmedien nähert sich der Goldpreis in unserer Heimatwährung, dem Euro, Stück für Stück wieder seinem Allzeithoch aus dem August 2020 bei 1.737 EUR/Unze an. Zum neuen Rekord fehlen gerade noch 5,9 Prozent bzw. 102 Euro pro Unze.

Goldpreis in EURO vs US-Dollar

Bereits seit der Eurokrise steigen die Notierungen in der Gemeinschaftswährung stärker als in US-Dollar.

Gold in EUR vs. Gold in USD

Mit zu diesem Auseinanderlaufen der Kurse in den beiden Währungen beigetragen hat die im Vergleich zur US-Notenbank nochmals deutlich aggressivere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Seit Anfang 2015 hat die EZB ihre Bilanzsumme von 2,2 Bio. Euro auf aktuell 8,6 Billionen Euro (Stand: 14. Januar 2022) fast vervierfacht.

EZB Bilanz vs FED Bilanz vs BIPs

Gleichzeitig änderte sich der Leitzins bzw. Hauptrefinanzierungssatz für Banken in dieser Zeit nur minimal von 0,05 Prozent im Januar 2015 auf 0,0 Prozent ab März 2016. Seitdem gibt es in Europa, auch am Kapitalmarkt, kaum noch Zinsen. Das ist vorteilhaft für das zinslose und relativ knappe Edelmetall Gold.

EZB Leitzins

Im Vergleich zur Geld-Menge hat sich die überirdische Gold-Menge nur moderat erhöht: Seit Anfang 2015 kamen zu den gesamten überirdischen Beständen (Total above-ground Gold Stocks) knapp 24.000 Tonnen hinzu. Das entspricht einem Plus von 13,5 Prozent in 7 Jahren auf insgesamt weltweit 201.296 Tonnen.

Im Vergleich zur global explodierenden Geldmenge ist das eine vernachlässigbare Mengenausweitung. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass die Bank of Japan (BoJ) und die Schweizer Nationalbank (SNB) nochmals deutlich aggressiver Geld in den weltweiten Wirtschaftskreislauf pumpten, als die Fed und die EZB.

Auch der politische Wille aufseiten der europäischen „Währungshüter“, die Gemeinschaftswährung im Interesse der internationalen Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen zu schwächen, trug mit zu der Outperformance von Euro-Gold bei. Seit der Weltfinanzkrise ab 2008 hat die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar von 1,60 EUR/USD auf aktuell 1,13 EUR/USD um knapp 30 Prozent abgewertet. Diese politisch zumindest tolerierte „Verweichlichung“ des Euro kam den europäischen Haltern des weltweit in US-Dollar gehandelten Edelmetalls wechselkursbedingt zugute.

EUR vs. USD

Geopolitik verstärkt den Trend

Seit der Eskalation der Ukraine-Krise in der vergangenen Woche kann der Goldpreis als „Sicherer Hafen“ zusätzlich von der Schwäche der Gemeinschaftswährung profitieren. Die Unsicherheit ist auch deshalb so groß, weil sich mit der NATO und Russland zwei Blöcke gegenüberstehen, die sich mit gegenseitigen Sanktionen in die Rezession treiben können. Europa ist hier wegen der engen wirtschaftlichen Verbindung zu Russland, speziell im Rohstoffbereich, ökonomisch besonders verletzlich. Außerdem können wahrscheinlich noch nicht einmal die involvierten Parteien absehen, wie sich die aktuelle Krise weiter entwickelt, was die Unsicherheit speziell in Europa zusätzlich erhöht.

Goldpreis in US-Dollar vs. EUR-US-Dollar

Ein weiterer Faktor für den robusten Goldpreis ist die Trendwende an den Aktienmärkten, die ebenfalls die Flucht in das Edelmetall verstärkt. Zumal die Renditen am US-Kapitalmarkt für länger laufende Anleihen zuletzt in die Kursschwäche der Aktienmärkte hinein gefallen sind. Damit signalisieren die Anleihemärkte, denen man per se die höhere ökonomische Kompetenz zubilligt, dass die Fed mit ihrer Inflationsbekämpfung nicht allzu weit kommen wird. Zu sehr sind die Vermögensmärkte und die extrem konsumabhängige US-Konjunktur von billigem Geld abhängig. Nur mit einer anhaltend laxen Geldpolitik kann der Schuldenberg in Höhe von 86 Billionen US-Dollar (Gesamtheit aller privaten und öffentlichen Schulden) bedient und der exorbitante Konsum aufrechterhalten werden. Der Anteil des Privatverbrauchs am Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA beträgt horrende 68 Prozent. In der Eurozone sind es 52 Prozent (Quelle: Statista).

Win-win-Situation für Gold

Der Goldpreis spiegelt neben anderen Faktoren also auch die Zwickmühle der Fed wider: entweder sie bekämpft die Inflation konsequent und crasht damit die Vermögenspreise und die konsumabhängige Konjunktur oder sie lässt die Inflation laufen. Für den Goldpreis sind beide Szenarien konstruktiv.

Da die Fallhöhe sowohl der Aktienmärkte als auch des Konsums ausreicht, um eine technische Rezession auch im US-Dollar-Raum auszulösen, steigt der Goldpreis trotz der Stärke der Weltleitwährung an, da diese Stärke auch ganz schnell mit einem erzwungenen Umschwenken der Fed wieder passé sein kann.



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2 Kommentare

  1. Als die Zinsen in den USA 1980 bei fasst 20% lag, ist der Goldpreis regelrecht explodiert.

  2. Der aktuelle Crash des Edelmetalls widerlegt die These das sich Gold vom Dollar abkoppelt könnte.

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