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Warum Starbucks vom chinesischen Startup Luckin überholt wird!

Starbucks Beispielfoto

Starbucks ist eine Erfolgsgeschichte. 49 Jahre nach der Gründung kommt Starbucks auf mehr als 31.000 Filialen. Doch in einigen Ländern wie Deutschland oder China läuft es gar nicht rund (klicken Sie hier für einen etwas kritischeren Blick). In China wurde Starbucks gerade von einem erst zwei Jahre alten Startup überholt. Luckin Coffee hat nicht nur mehr Filialen in China. Es kommt auch schon auf einen Börsenwert von 11 Milliarden US-Dollar!

Luckin Coffee: Von 0 auf 1/10 Starbucks in weniger als 30 Monaten!

Luckin Coffee wurde erst im Oktober 2017 gegründet, betreibt inzwischen aber deutlich mehr als 4.000 Filialen in China. Kam das Unternehmen im Dezember 2017 erst auf neun Filialen, wahren es sechs Monate später bereits mehr als 500. Zwei Monate später konnte sich das Startup eine erste Venture Capital Finanzierung über 20 Millionen US-Dollar sichern. Die agressive Expansionsstrategie zahlte sich aus. Bereits Ende 2018 kamen weitere 200 Millionen US-Dollar Wagniskapital hinzu bei einer Unternehmensbewertung von 2 Milliarden US-Dollar. 18 Monate nach der Gründung strebte das Unternehmen schließlich in den USA an die Börse und ist nach nicht einmal 30 Monaten an der Börse immerhin schon gut ein Zehntel soviel wert wie Starbucks nach fast 50 Jahren.

Wie konnte Luckin Coffee so schnell wachsen und was macht den Erfolg des Startups aus? Im Gegensatz zu Starbucks setzt Luckin nicht auf teure Cafés mit vielen Sitzplätzen und Toiletten in Einkaufsstraßen, sondern auf kleine Geschäfte, in denen vor allem Kaffee zum Mitnehmen verkauft wird. Gestartet ist Luckin sogar damit, zu einem beträchtlichen Teil Räumlichkeiten anzumieten, in denen ausschließlich für die Lieferung von frisch gebrühten Kaffee gearbeitet wurde. Ende des 3. Quartals 2019 verkauften mehr als 93% der Geschäfte Getränke ausschließlich zum Mitnehmen, 3% arbeiteten ausschließlich für Lieferdienste und nur 3% der Standorte boten Sitzplätze für Kunden an.

Im Gegensatz zu Starbucks setzt Luckin auch auf Geisterküchen

Luckin Coffee stellt damit einen Zwischenschritt dar zwischen klassischen Cafés und Restaurants und den immer beliebter werdenden Geisterküchen. Mit Geisterküchen werden Restaurantküchen ohne Restaurant beschrieben. Die Restaurants existieren ausschließlich virtuell in den Bestell-Apps von Essen-Lieferdiensten. Das spart Kosten, da die Miete für Restaurants oftmals der größte Kostenblock ist. Der Trend geht dahin, dass die Geisterküchen von den Lieferdienst-Betreibern selbst eingerichtet und anderen Betreibern zur Nutzung überlassen werden. Der Küchenbetreiber ist nur noch für die Kreation der Gerichte zuständig. Der Lieferdienstbetreiber kümmert sich um das Marketing, die Belieferung der Kunden und stellt dem Küchenbetreiber Informationen zur Optimierung seines Produktportfolios bereit.

Luckin Coffee hat zwar noch einen Verkauf an Passanten eingerichtet, doch es werden eher günstigere, kleinere Räumlichkeiten genutzt, die auch nicht immer in bester Publikumslage liegen müssen. Fokus liegt klar auf dem Liefergeschäft und dem Marketing. Derzeit gibt Luckin Coffee im Quartal 78 Millionen US-Dollar für Marketing aus bei 67 Millionen US-Dollar Ladenmieten und 216 Millionen US-Dollar Umsatz. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um enorme 540%. Erfreulich auch, dass der Same-Store-Absatz steigt. Wachstum wird also nicht nur durch mehr Standorte erzielt, sondern auch an bereits existierenden Standorten wird mehr verkauft als früher.

In Relation zum Umsatz und vor allem Unternehmensergebnis ist eine Marktkapitalisierung natürlich absurd. Sie beruht einzig und allein auf dem schnellen Wachstum und der Tatsache, dass der Umsatz bedeutend schneller wächst als die Kosten. Damit hebt sich Luckin von vielen Wachstumsgiganten ab, bei denen die Kosten genauso schnell oder sogar schneller wachsen als die Umsätze. Doch bei Luckin stehen 540% Umsatzwachstum nur 194% Kostenwachstum gegenüber.

Wichtigster Konkurrent ist wohl eher Coca Cola!

Vom enormen Wachstum profitiert jedoch nicht nur Luckin Coffee und deren Aktionäre, sondern auch europäische Zulieferer. Denn der Kaffee wird mit Maschinen von Franke und Groupe SEB hergestellt. Zumindest SEB ist auch als Aktie handelbar, wenngleich die Performance marktunterdurchschnittlich ist. Weiteres Wachstumspotenzial will sich Luckin durch das Aufstellen von Selbstbedienungsgeräten erschließen. Das ist ein Markt, in dem auch andere Player mit deutlich mehr Marktmacht gerne mitmischen würden. So führte Coca Cola schon 2010 die Marke Chaqwa für Kaffeeautomaten ein. Um dem eigenen Kaffeegeschäft mehr Auftrieb zu verleihen, kaufte Coca Cola 2018 die Kaffeehauskette Costa Coffee.



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2 Kommentare

    1. …ansonsten ein ziemlich sinn- und nutzloses Unternehmen aus dem amerikanischen Fress-Sektor, das sich in die weltweite Esskultur wie ein Virus eingeschlichen hat.

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