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Warum steigende Anleiherenditen eine Gefahr für die Aktienmärkte sind!

In den letzten Tagen, ja Wochen gibt es einen großen Trend: die Anleihemärkte sind unter Druck, sprich die Renditen steigen, die Kurse fallen. Kommt damit ein Trend zum Ende, der faktisch 30 Jahre lang gedauert hat? Warum das auch für die Aktienmärkte eine schlechte Nachricht sein dürfte..

Redaktion

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FMW-Redaktion

In den letzten Tagen, ja Wochen gibt es einen großen Trend: die Anleihemärkte sind unter Druck, sprich die Renditen steigen, die Kurse fallen. Kommt damit ein Trend zum Ende, der faktisch 30 Jahre lang gedauert hat?

Die Entwicklungen der letzten Tage an den Anleihemärkten sind heftig: die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe durchbrach den Abwärtstrend mit dem Anstieg über die Marke von 2,50% (aktuell 2,566%; gestern wurde nach der inzwischen dementierten Meldung, wonach China keine oder weniger US-Anleihen kaufe, die 2,6%-Marke erreicht) – und heute steigen inbesondere die Renditen für europäische Staatsanleihen, nachdem die EZB in ihrem Protokoll der letzten Sitzung faktisch angekündigt hat, ihre immer noch extrem expansive Geldpolitik überdenken zu wollen („The language pertaining to various dimensions of the monetary policy stance and forward guidance could be revisited early in the coming year“). Offenkundig wird der EZB bewußt, dass die Konjunktur stark ist, während sie bislang so handelt, als wären wir noch im Krisenmodus (genau das wurde im Protokoll von einem namentlich nicht genannten EZB-Mitglied so formuliert!).

Das war eine extrem hawkishe Überraschung – und passt zum aktuellen Bild, wonach selbst die Bank of Japan, Vorreiter des monetären Stimulus, ihre Anleihekäufe reduziert. Der Bund-Future, der die Renditeerwartung für die 10-jährige deutsche Staatsanleihe (Bundesanleihe) widergibt, fiel daraufhin rasant, sprich die Renditen stiegen (nun über der Marke von +0,52%):


(Chart durch anklicken vergrößern)

Warum könnte das etwa schlecht sein für Aktien und damit auch für den Dax – und das nicht nur, weil der Euro im Gefolge des EZB-Protokolls deutlich über die 1,20er-Marke gestiegen ist?

Übergeordnet kann man sagen:

– höhere bzw. steigende Renditen zeigen an, dass ein ökonomischer (Aufschwung-)Zyklus sich seinem Ende nähert und dann ein Abschwung folgen dürfte

– höhere Renditen sind ein Signal dafür, dass die Märkte eine steigende Inflation erwarten, was wiederum Notenbanken tendentiell dazu zwingt, die Zinsen weiter anzuheben

Besonders die 10-jährige US-Anleihe und die 10-jährige deutsche Staatsanleihe haben dabei ein wichtige Leitfunktion: sie sind der Maßstab für Kredite (auch Immobilienkredite). Steigen Anleiherenditen, wird, salopp formuliert, Geld teurer. Und das heißt für Konsumenten steigende Kredit-Kosten, die etwa die Nachfrage nach Immobilienkrediten oder anderen Krediten dämpfen.

Vor allem aber sinken bei Unternehmen, wenn Kredite und damit Geld teurer wird, die Gewinn-Margen. Sie haben damit weniger freies Geld, um zu investieren – aber auch weniger Geld um Dividenden zu erhöhen oder eigene Aktien zurück zu kaufen, beides zentrale Treiber für die Aktienmärkte!

Hinzu kommt, dass höhere Renditen den Anleihemarkt zur Konkurrenz für die Aktienmärkte machen. So liegt in den USA etwa die Rendite der 2-jährigen US-Staatsanleihe schon über der Dividendenrendite des S&P 500, die 10-jährige US-Anleihe liegt bei der Rendite weit darüber. Aus Renditgesichtspunkten (für den nur in der Theorie möglichen Fall, dass Aktienkurse und Anleihekurse sich nicht verändern würden in einem bestimmten Zeitraum) werden damit Anleihen als Alternative zu Aktien immer attraktiver.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    leser

    11. Januar 2018 17:49 at 17:49

    Bill Gross lag ja schon einige Male brutal daneben mit seiner Short-Prognose. Aber diesmal könnte es klappen,
    https://www.marketwatch.com/story/bill-gross-says-bond-bear-market-confirmed-amid-treasurys-selloff-2018-01-09

    Der Bund Chart sieht ganz schön angeschlagen aus. Und die Notenbanken haben wohl ein Stop-Signal erhalten.

  2. Avatar

    Beobachter

    11. Januar 2018 18:20 at 18:20

    Wieder einmal genau richtig,
    Z.B.Aktienrückkäufe mit Kredit funktioniert nur solange
    wie die Dividende plus Kursgewinn die Zinskosten übersteigen, genau wie bei den Carry- Trades mit Währungen, sonst geht der Schuss nach hinten los.

  3. Avatar

    Michael

    11. Januar 2018 19:14 at 19:14

    Sollten die Notenbanken es tatsächlich zeitnah und nicht wieder viel zu spät auf die Reihe bekommen, eine vernünftige und der Konjunkturentwicklung adäquate Geldpolitik zu betreiben, sähe ich darin wesentlich mehr Vorteile als Nachteile:
    – man würde einem drohenden ökonomischen Abschwungzyklus entgegenwirken und die Gefahr einer wirtschaftlichen Depression abmildern
    – steigende Zinsen würden Spareinlagen und andere konservative Geldanlagen wie Lebens- bzw. Rentenversicherungen wieder einigermaßen profitabel machen. Die zusehends älter werdende Gesellschaft in Schland setzt nun einmal auf diese Formen der Vorsorge, was nach dem Milliardengrab nach der Dotcom- und Finanzkrise vor etwa 10 Jahren mehr als verständlich ist
    – drohenden Blasen auf dem Immobilien-, Aktien- und Kryptomarkt könnte dadurch etwas Druck aus dem überforderten Kessel genommen werden
    – uferlos aufgeblasene Konzerne würden wieder ein wenig in Richtung dessen geführt, was sie tatsächlich wert sind
    – Finanzminister müssten auf Gewinne durch Schulden verzichten und den Haushalt wieder seriöser führen
    – lediglich sinnlose Permabullen, die sich noch immer nicht mit ihren inzwischen utopischen Gewinnen an den Aktienmärkten zufrieden geben und weiter in ihren Longpositionen verharren, würden gerechtfertigte und schmerzhafte Lehren ziehen müssen, vollkommen zurecht, wenn sie als bereits damals aktive Player keine Konsequenzen aus den Dramen der platzenden Blasen vor etwa 10 Jahren gezogen haben

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Lieber Börsianer,

da stimmen Sie mir sicherlich zu. Die Stimmung an den Börsen hat sich im Oktober eingetrübt. Vor allem das europäische Infektionsgeschehen schlägt uns aufs Gemüt. Auch im Alltag werden wir die Folgen nächstens wieder alle ganz gegenständlich spüren, wenn Deutschland in den Lockdown light geht. Das nämliche Bild bei unseren Nachbarn. In Wien werden derzeit ähnliche Maßnahmen vorbereitet, um die zweite Covid-Welle zu brechen. In Frankreich gelten sogar wieder harte Ausgangssperren. Man darf dort zur Arbeit und zum Einkauf fahren. Ansonsten gilt: Rien ne va plus.

Da überrascht es nicht, dass der DAX südwärts läuft und derweil auf Wochensicht über 8 % eingebüßt hat. Ähnlich wie im vergangenen Februar und März sind auch die Ölpreise wieder massiv rückläufig und verlieren zur Vorwoche rund 9 %. US-Aktien halten sich noch recht wacker, aber auch hier sehe ich Gefahr im Verzug.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich mache jetzt hier nicht den Pessimisten. Gleichwohl halte ich es für ratsam, kurzfristig in unseren Depots die Cashquoten zu erhöhen und den ein oder anderen Titeln zu veräußern, um dann am Ende zu günstigeren Kursen wieder in den Markt zurückzukommen.

Diese Taktik dürfte etwa bei dem Wasserstoff-Titel Ballard Power reizvoll sein, denn hier kündigt sich ein scharfer Ausverkauf an. Schauen wir uns zunächst einmal die letzten Zahlen aus dem zweiten Quartal an. Das kanadische Unternehmen meldete einen Umsatz in Höhe von 25,8 Millionen USD. Das entspricht einem recht vernünftigem Wachstum im Vergleich zum Vorjahresquartal in Höhe von 9 %. Den Verlust konnte man spürbar eingrenzen, gleichwohl hat das…..

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