Während sich die Schlagzeilen rund um Rezession, geopolitische Risiken und steigende Ölpreise überschlagen, marschiert der DAX erneut in Richtung seiner Rekordstände bei über 25.000 Punkten. Trotz aller Risiken rückt beim deutschen Leitindex damit sogar das nächste Allzeithoch wieder in Reichweite. Viele Anleger fragen sich deshalb zunehmend: Warum steigt der DAX eigentlich noch?
DAX ignoriert alle Risiken
Denn während Verbraucher, Unternehmen und Ökonomen zunehmend vor einer wirtschaftlichen Abschwächung warnen, scheint die Börse derzeit vor allem eines auszublenden: die Risiken. Denn das fundamentale Umfeld spricht eigentlich klar gegen neue Höchststände. Deutschlands Wirtschaft kämpft weiterhin mit einer schwachen Industrieproduktion, einer angeschlagenen Exportwirtschaft und anhaltender Wachstumsschwäche. Selbst das 500-milliardenschwere Infrastruktur- und Verteidigungspaket der Bundesregierung konnte die Sorgen vor einer möglichen Rezession bislang nicht vollständig verdrängen.
Gleichzeitig nehmen die geopolitischen Risiken weiter zu. Vor allem die Lage im Nahen Osten bleibt angespannt. Der Iran-Konflikt und die anhaltende Blockade der Straße von Hormus sorgen an den Energiemärkten für Nervosität. Die Meeresenge gilt als eine der wichtigsten Öl-Handelsrouten der Welt. Experten warnen bereits davor, dass die Auswirkungen unterschätzt werden.
Die Folgen zeigen sich bereits bei den Ölpreisen, der Inflation und der wirtschaftlichen Entwicklung — und dürften sich weiter verschärfen, wenn nicht bald eine Lösung gefunden wird. Laut Goldman Sachs sinken die Ölreserven im Rekordtempo und könnten die Versorgung gefährden. Doch obwohl genau diese Risiken eigentlich belastend für Aktienmärkte wirken müssten, zeigt sich der DAX erstaunlich stabil. Das liegt vor allem daran, dass die Börse aktuell weniger auf die Gegenwart, sondern vielmehr auf mögliche Zukunftsszenarien blickt – und diese Zukunftsszenarien wirken auf viele Investoren derzeit noch vergleichsweise hoffnungsvoll.
Die gefährliche EZB-Zwickmühle
Viele Investoren setzen darauf, dass der Iran-Konflikt bald endet und sich sowohl die Inflation als auch die globale Wirtschaft in den kommenden Quartalen stabilisieren könnte. Zugleich hoffen Anleger weiterhin auf geldpolitische Unterstützung der Europäischen Zentralbank. Genau hier entsteht jedoch die nächste große Unsicherheit. Denn die EZB steckt zunehmend in einer Zwickmühle.
Einerseits belasten hohe Energiepreise und geopolitische Risiken die bereits schwächelnde Wirtschaft. Andererseits könnten steigende Ölpreise den Inflationsdruck weiter erhöhen. Ökonomen warnten zuletzt davor, dass dauerhaft hohe Energiepreise mögliche Zinssenkungen der EZB erschweren könnten. Im Gegenteil: Die Marktteilnehmer rechnen inzwischen sogar wieder mit einer strafferen Geldpolitik: Laut dem ECB Watch Tool liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der EZB um 25 Basispunkte im Juni bei über 80 %.
Damit entsteht ein gefährlicher Mix aus einer strafferen Geldpolitik, schwächerem Wachstum und gleichzeitig anhaltendem Inflationsdruck. Genau dieses Szenario erzeugt normalerweise Gegenwind für die Aktienmärkte. Dennoch ignoriert der DAX viele dieser Risiken bislang erstaunlich konsequent und nimmt weiter Kurs auf sein Allzeithoch. Dabei haben vergleichbare Marktphasen in der Vergangenheit häufig deutliche Kurskorrekturen ausgelöst.
Börse setzt auf Hoffnung statt Realität
Ein entscheidender Faktor ist dabei die Marktpsychologie. Anleger handeln an der Börse häufig nicht nach der aktuellen Lage, sondern nach Erwartungen für die Zukunft. Solange Investoren davon ausgehen, dass sich die Lage mittelfristig wieder stabilisiert, bleiben Rücksetzer oft begrenzt. Hinzu kommt, dass viele globale Investoren deutsche Aktien trotz der schwachen Wirtschaft nach wie vor als attraktiv bewerten, insbesondere gegenüber den teuren US-Aktien.
Vor allem große DAX-Konzerne erzielen einen erheblichen Teil ihrer Umsätze außerhalb Deutschlands und sind dadurch weniger abhängig von der heimischen Wirtschaftslage. Auch die jüngste Berichtssaison liefert Anlegern derzeit Argumente für weiter steigende Kurse. Viele DAX-Unternehmen präsentierten trotz der schwachen Konjunktur überraschend robuste Quartalszahlen. Die Gewinne der DAX-Konzerne legten im ersten Quartal insgesamt um rund fünf Prozent zu — der stärkste Anstieg seit mehr als zwei Jahren. Die robusten Quartalszahlen wirken daher wie ein Stabilisator für den DAX und überlagern zumindest kurzfristig viele der bestehenden Risiken.
Trotzdem wächst die Gefahr, dass der Markt die Risiken derzeit unterschätzt. Für die weitere DAX-Prognose dürfte deshalb entscheidend sein, ob sich der Nahost-Konflikt weiter verschärft, die Ölpreise längere Zeit auf hohem Niveau verharren oder die Weltwirtschaft stärker abkühlt. Dann könnte sich die Stimmung an den Börsen schnell drehen und eine größere Korrektur ihren Lauf nehmen.
Bereits in früheren Eskalationsphasen reagierten DAX und internationale Märkte äußerst nervös auf steigende Energiepreise und geopolitische Unsicherheit. Vor allem dann, wenn sich die Risiken immer deutlicher in den Konjunkturdaten widerspiegeln. Auch charttechnisch befindet sich der DAX inzwischen in einer kritischen Phase. Während die Rekordstände wieder in Reichweite geraten, könnte eine schärfere Korrektur an den zuvor stark gelaufenen US-Börsen schnell auch den deutschen Leitindex mit nach unten ziehen.
Genau deshalb bleibt die aktuelle Situation so außergewöhnlich. Der DAX nähert sich erneut seinen Allzeithochs, obwohl das makroökonomische Umfeld alles andere als beruhigend wirkt. Die entscheidende Frage bleibt deshalb: Steigt der DAX weiter — oder ignoriert der Markt die Gefahr einer größeren Korrektur schon zu lange?
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Der DAX Performance Index hat sich gegenüber der Jahrtausendwende etwas mehr als verdreifacht …gut und schön …der Kursindex ist aber nur um knapp 50 Prozent gestiegen…
Bitte beachten Sie, das internationale Indizes hauptsächlich als Kursindexe veröffentlicht werden…
Und wenn, dann müsste man den Dax Performance Index, zum Beispiel mit dem Dow Jones Total Return Index vergleichen ,denn natürlich zahlen auch amerikanische Unternehmen ihren Aktionären Dividenden aus…