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Medizin mit vielen Nebenwirkungen Warum Trump bei den Zöllen zögert!

Es ist der Aktienmarkt, stupid!

Foto: Bloomberg

Wo bleiben die Zölle von Donald Trump? Was hat Trump nicht alles für Ankündigungen hinsichtlich von Zöllen gegenüber Ländern, die die USA scheinbar so ausnutzen getätigt?

Trump und die Zölle

Zölle und Trump – sie spielten eine wichtige Rolle bei seiner viel beachteten Antrittsrede als 47. Präsident der Vereinigten Staaten, oder auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos, wo er nicht weniger als den Beginn einer goldenen Ära für die Vereinigten Staaten versprochen hat. Und hierbei sollen Zölle eine große Rolle spielen, die das Vermögen der USA und seiner Bürger mehren würden.

Jetzt aber zögert er erkennbar mit der Umsetzung seiner Devise von 25 Prozent Einfuhrzöllen – auf alle. Denn so einfach ist die Sachlage nicht. Die Einfuhren in die USA sind bei Weitem kein so großer Wirtschaftsfaktor für das Bruttoinlandsprodukt der USA Und dass die betroffenen Länder diese nicht ohne Gegenwehr geschehen lassen werden, haben schon viele Verlautbarungen der Betroffenen gezeigt. Man wird sich wehren mit Gegenzöllen und Ausfuhrbeschränkungen. Außerdem besteht das Problem von steigenden Preisen für die US-Bürger, sprich die Medizin, die der „Heilsbringer“ Trump verspricht, hat viele Nebenwirkungen. Recht wahrscheinlich werden die Nachteile sogar die Vorteile überwiegen.

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Nachfolgend ein kleiner Versuch einer finannzmathematischen Einordnung des Themas Zölle, im gesamtwirtschaftlichen Kontext.

Die Dimensionen der größten Volkswirtschaft der Welt

Die USA sind mit ihren 28,7 Billionen Dollar (2024) als Volkswirtschaft, die mit Abstand größte der Welt, gefolgt von China (18,2 Bio. Dollar) – und dann gibt es noch Länder wie Japan oder Deutschland, die nur noch ein Sechstel des BIPs von Amerika auf die Waage bringen. Aber diese gigantísche US-Wirtschaftsleistung ist zu 70 Prozent auf den heimischen Konsumenten und auf den Dienstleistungssektor gestützt. Der Industriesektor hat nur noch ein Gewicht von etwa 10 Prozent. Dies war vor ein paar Jahrzehnten noch doppelt so viel, die USA stehen nach einer langen Phase der Deindustrialisierung, man hat sich die Güter einfach aus dem Ausland liefern lassen. Das will Trump von nun an ändern.

Seiner Philosophie entsprechend, würde sich das Ausland an den USA bereichern, da man den Wohlstand der anderen Nationen mehrte, indem man für deren Exporte bezahlt – auf Kosten der heimischen Industrie. Die USA haben tatsächlich seit Jahren ein großes Außenhandelsdefizit, indem die Importe die Exporte um etwa 1000 Milliarden Dollar übertreffen.

In Zahlen: 2023 (die Zahlen für das letzte Jahr gibt es nur bis Ende November – Daten von GTAI) betrugen die Importe 3.168 Milliarden Dollar, die Exporte hingegen nur 2.018 Milliarden Dollar. Daraus resultierte eine Handelsdefizit von 1149 Milliarden Dollar, welches sich im Jahr 2024 nicht allzu sehr verringerte.

Die importierten Güter waren anteilig Elektronik: (12,3%), Kfz und -Teile (11,8%), Chemische Erzeugnisse (11,6%) Maschinen (10,1%), Elektrotechnik 6,8%), Erdöl (5,4%) u.w.

Wer waren nun die Übeltäter, die mit ihren Exporten für das Defizit mit den USA sorgten?

– Mexico: 480 Milliarden Dollar
– China: 448 Milliarden Dollar
– Canada: 428 Milliarden Dollar
– Deutschland 163 Milliarden Dollar
– Japan: 151 Milliarden Dollar

..gefolgt von Ländern aus den Emerging Markets wie Südkorea, Vietnam, Indien…

Um dieses Handelsbilanzdefizit geht es also, um etwa 1000 Milliarden Dollar, denn das Defizit ist im letzten Jahr geringer geworden. Und schon aus dieser Zahl erkennt man, dass von „Reich-werden“ der USA durch Zölle keine Rede sein kann, schließlich hat allein das Haushaltsdefizit der USA im letzten Jahr bereits über 2000 Milliarden Dollar betragen. Die USA verschulden sich über beide Ohren seit Jahren. „Hier liegt der Hund begraben.“ Wie es diese Übersicht von Charlie Bilello aufzeigt:

Trump Zölle Bilello 1

Zölle, Gegenzölle und weitere Nebenwirkungen

Die US-Industrie hat über Jahrzehnte Lieferketten und Produktionsnetzwerke in anderen Ländern etabliert, insbesondere mit den drei genannten „Hauptübeltätern“ – aber natürlich auch mit der EU. Was Donald Trump nicht daran gehindert hat, in Davos zu behaupten, dass insbesondere Europa die USA sehr unfair behandeln würden.

Ein Beispiel für die Vernetzung ist die Autoindustrie. Mit 16 Millionen verkauften neuen Fahrzeugen machte die Branche Umsätze von etwa 750 Milliarden Dollar. Davon beliefen sich wiederum die Importe auf etwa 50 Prozent. Und nach einer Studie von Bernstein stammten davon die Hälfte aus Mexiko, Kanada und Südkorea, Ländern, mit denen die USA sogar noch ein Freihandelsabkommen haben. Was würden hier Zölle bedeuten, die darauf abzielen die Produktion in die USA zurückzuverlagern? Sicherlich wesentlich höhere Preise, denn die Stundenlöhne liegen in den USA jenseits von 50 Dollar.

Andere Beispiele: Donald Trump bezieht sich mit seinen Zolldrohungen besonders auf die Öllieferungen aus Kanada, worauf der nördliche Nachbar schon mit einem Lieferstopp gedroht hat. Was fatale Folgen für die Versorgung in Nordamerika zur Folge hätte.

Chinas Exporte in die USA sind zweifelsohne mächtig gewachsen, das Land will seine Immobilienkrise wegexportieren. Indem man die Welt und auch die USA mit subventionierten, billigen Gütern überschwemmt. Aber China würde sich auch mit Gegenzöllen wehren und vor allem mit Liefereinschränkungen von Gütern wie Seltenen Erden, die die USA ganz besonders dringend brauchen. Und bezieht Walmart nicht einen riesigen Anteil seiner täglichen Gebrauchsgüter aus dem Reich der Mitte? Was macht dies alles mit der Inflation, wegen deren Bekämpfung Trump auch gewählt wurde?

Auch die EU berät bereits über Gegenmaßnahmen, falls Trump dort die Autoindustrie stärker bezollen sollte.

Aber eines ist wiederum erkennbar: US-Präsident Trump droht, um Deals zu machen. Das hat er bereits seit frühester Jugend gelernt im Immobiliengeschäft, welches er von seinem Vater übernommen hat. Aber auf Weltebene ist diese Methode um einige Nummern komplexer.

Wie zum Beispiel das Thema Wechselkurse. Durch Zölle würde der US-Dollar weiter aufwerten, mit Folgen für die USA selbst, durch Preisanstiege der eigene Exporte. Aber auch durch eine Abschwächung der Weltwirtschaft, denn die Emerging Markets sind nach wie vor stark in Dollar verschuldet. Donald Trump wird demnächst sicherlich verbal gegen die Aufwertung des Dollars wettern, wie er es schon 2017 getan hat.

Aber am wichtigsten dürften die Reaktionen am Anleihemarkt sein. Sollten aufgrund der Zollpolitik die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf 5 Prozent oder mehr ansteigen, würde die Zinslast der USA bereits in diesem Jahr gewaltig klettern. Wie diese Grafik zeigt, man ist bereits bei deutlich über 1,1 Billionen Dollar angekommen. Die Zinszahlungen sind bereits der zweitgrößte Posten im US-Haushalt. Tendenz, stark steigend:

Denn: Von den 36 Billionen Dollar Staatsschulden müssen die USA bereits in 2025 sieben Billionen Dollar refinanziert werden, gefolgt vom Jahr 2026 mit weiteren vier Billionen Dollar. Altanleihen, die allesamt niedriger verzinst waren, als bei den aktuellen Renditen. Wo es in keiner Laufzeit Papiere mit Renditen von unter 4 Prozent gibt. Und dann sind auch noch die neuen Schulden, die die USA im Jahr 2025 aufnehmen werden, auch unter einen Rationalisierer Elon Musk.

Damit dürfte eines Bedeutung erlangen, was an dieser Stelle schon in mehreren Artikeln formuliert wurde: Der Anleihemarkt ist der einzige ernstzunehmende Gegner für eine Regierung, die es sich mit dem Schuldenmachen zu einfach macht. Dies gilt auch für die neue Administration.

Aber Donald Trump wäre nicht Trump, wenn er nicht mit seiner Methode als Dealmaker künftig Gott und die Welt erschrecken würde. Deshalb wurde auch schon der Begriff eines „Headline Risikos“ bei Trump in den nächsten vier Jahren geprägt.

Hier sei noch eine Einschätzung erwähnt, von einem Urgestein der Börse, Hans A. Bernecker. Dieser hatte Donald Trump schon von 40 Jahren kennengelernt, indem er als Berater bei Immobiliengeschäften mit ihm verhandeln musste. Seine Darstellung des Dealmakers:

„Trump stellt große Forderungen, er verhandelt nur mit einflussreichen Persönlichkeiten, er ändert seine Meinung teilweise in kurzer Zeit, aber er möchte immer als Gewinner aus seiner Sache herausgehen oder zumindest als der Gewinner erscheinen. Das ist seine Methode seit langer, langer Zeit.“

Aber was den US-Präsidenten aktuell besonders im Zaum halten wird, könnte vielleicht an jedem Tag ganz einfach verfolgt werden.

Der US-Aktienmarkt – der große Elefant im Raum

US-Präsident Trump spricht vom Wohlstand seines Landes, den er steigern möchte, durch eine Reindustrialisierung und eben auch durch Zölle. Aber kann hierdurch das Vermögen der Amerikaner wirklich so deutlich steigen, wo es sich doch insbesondere in drei Asset-Klassen versammelt: Immobilien, Aktien und Geldanlagen. Es waren im Jahr 2023 etwa 140 Billionen Dollar, im letzten Jahr könnten noch etwa 10 Prozent dazugekommen sein.

Eine große Rolle spielt dabei natürlich der Aktienmarkt, der akkumuliert in den USA die 63 Billionen Dollar Grenze erreicht hat. Als Donald Trump seine erste Amtszeit begann, stand der S&P 500 bei etwa 2240 Punkten, aktuell hat man die 6100 Zählern überwunden.

Die Amerikaner haben in den letzten Jahren durch die Schulden-finanzierte Wirtschaftspolitik einen unglaublichen Anstieg ihrer Aktienportfolios erlebt. Auch die der unteren Einkommensschichten über die 401K Aktiensparpläne. Deshalb beträgt auch das Median-Vermögen der Haushalte in den USA 250.000 Dollar. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Hälfte einer 340 Millionen Menschen starken Gesellschaft mehr als eine Viertel Million Dollar als Aktienvermögen besitzt. Damit kann man erahnen, welche Vermögensverluste aufträten, sollte der Aktienmarkt, insbesondere in Gestalt des dominanten S&P 500, um 10 Prozent korrigieren.

Zum Beispiel wegen der Zollpolitik Donald Trumps. Die Vermögenseinbußen der Amerikaner würden rasch eine Größenordnung erreichen, wie alle Ex- und Importe der USA zusammen.

Der Aktienmarkt dürfte sich damit zur entscheidenden Determinante entwickelt haben, für jegliches Regierungshandeln, aber auch bei der Fortsetzung der Geldpolitik der US-Notenbank.

Das im Aktienmarkt liegende Vermögen der Amerikaner wird zur Achilles-Ferse einer Gesellschaft, die einen beispiellosen Aktienanstieg erlebt hat. Und eine globale Dominanz seiner Aktienindizes. So wie 1989 Japan, die mit über 40 Prozent den Weltaktienmarkt beherrschten, die USA liegen derzeit mit über 60 Prozent im MSCI All Countries World noch deutlich darüber. Wenn der US-Präsident jetzt davon spricht, dass er Amerika wieder groß machen will, sollte er sich erst einmal diese Zahlen betrachten.

Der Aktienmarkt, speziell der Lieblingsindex des Präsidenten, der Dow Jones Average, sollte damit zum Korrektiv der Trumpschen Zollpolitik werden. Trump liebt es, die neuen Höchstmarken im Index als seinen Verdienst darzustellen und dies auch öffentlichkeitswirksam vor Kameras zu verlautbaren. Es wäre natürlich nicht gerade erfreulich für ihn, wenn das Gegenteil der Fall wäre und dies unmittelbar mit seiner Zollpolitik zu tun hätte. It’s the Dow, Mr. President!

Fazit

Sicherlich beinhaltet diese Analyse nur ein winzigen Bruchteil all der Verquickungen, die sich in einer so großen Volkswirtschaft mit einer globalisierten Welt ergeben werden. Aber sie zeigt gewiss bereits in wenigen Sätzen die Problemlage auf, in die sich Präsident Trump begeben wird, sollte er auch nur im Ansatz versuchen, die 25 Prozent-Marke an Zöllen gegenüber allen seinen Hauptimportländern zu erheben. Er hat nicht nur das Thema der Inflation auf den Tisch, sondern auch die beiden großen Kapitalanlagen der USA – den Anleihe- und den Aktienmarkt.

Stiege die Rendite der so wichtigen US-Kapitalmarktzinsen nur um ein paar Zehntel für längere Zeit, so würde sich die Haushaltslage in den USA bereits deutlich verschlechtern. Und was beim 63 Billionen Dollar schweren Aktienmarkt schon ein Rückgang von der 10 Prozent bewirkt, wurde gerade beschrieben.

Der Wohlstand der USA hängt bestimmt nicht von der Realisierung von einigen 100 Milliarden Dollar an Einnahmen bei den Einfuhren ab. Es ist weitaus mehr der US-Aktienmarkt, von dem 60 Prozent der US-Bürger profitieren. Auch die weniger Wohlhabenden über das Instrument der 401K Aktiensparpläne für das Alter. Sollte also der US Präsident tatsächlich versuchen die Zölle stärker in den zweistelligen Prozent-Bereich gegenüber den großen Exportländern zu erheben, so wird ihm der Aktienmarkt, aber auch der Anleihemarkt rasch eine Quittung servieren. Wegen der vielen Nebenwirkungen – Dollar, Zinsen, Inflation.

Was dann aber gar nicht zum alles übertönenden Wahlspruch des US-Präsidenten passt: MAGA – Make America Great Again. All das weiß natürlich auch der neue US-Finanzminister Scott Bessent. Wie dies seinem Präsidenten nahebringen? Durch Versuch und Irrtum oder doch durch die ökonomische Vernunft? Die letzten Tage scheinen Letzteres zu indizieren. Für Volatilität sollte dennoch gesorgt sein, denn Donald Trump bleibt eben Donald Trump..



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2 Kommentare

  1. Sie haben alles richtig beschrieben.
    Bleibt für Trump die Frage mit was will er dann noch drohen, Deals machen.
    Die Frage hat er schon mit seinem Wesen beantwortet.
    Denken wir mal zurück an das Theater, Atomschlag mit Nordkorea. Nachrichtenwirbel, Drohungen, rauf, runter.
    Ein echter Alleinunterhalter.

  2. Eigenartig – alle mit unterschiedlichen Zahlen. Angeblich ist es keine Defizit mit Kanada – ohne Öl und Gas. Mit Öl und Gas auch nur 56 Mrd. Dollar.

    Angeblich sind es 4 Mio Barrel pro Tag d.h. die USA würde bei Lieferstopp – welche angedroht wurde – arge Probleme bekommen.

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