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Warum Unicredit 1 Milliarde Euro an seine österreichische Tochter überweist

FMW-Redaktion

Warum überweist die Muttergesellschaft Geld an die Tochtergesellschaft? So aktuell geschehen bei der größten italienischen Bank Unicredit, die nicht nur Eigentümerin der deutschen Hypovereinsbank ist, sondern auch von der österreichischen „Bank Austria“. Letzte Woche hatte die Unicredit zusammen mit den anderen Eigentümern der Bank Austria (Betriebsratsfonds + AVZ-Stiftung) laut der „Presse“ beschlossen sich das Osteuropa-Geschäft der Tochter (CEE) einzuverleiben. Es wandert also organisatorisch von Wien nach Mailand. Somit wandern auch Einlagen über die Alpen. Eigentlich dürfte es doch egal sein, ob es von Wien oder von Mailand aus gelenkt wird – CEE ist doch so oder so Teil von Unicredit, oder? Falsch.

Durch das physische Abwandern der Einlagen nach Mailand wird die Bank Austria als Institut geschwächt, und Unicredit als einzelnes Institut in Italien gestärkt. Daher hatten, wie man aus Bankenkreisen hört (wir berichteten letzte Woche), Bankenaufseher aus Österreich und von der EZB darauf gedrängt, dass die Unicredit diesen Umzug kompensiert, in dem man frisches Bargeld in die Wiener Tochter pumpt. Auch die anderen Bank Austria-Aktionäre sollen angeblich darauf bestanden haben. So hat die Unicredit jetzt 1 Milliarde Euro Cash in die Tochter gepumpt, wie diese aktuell bestätigt.

Die Bank Austria sagt dazu offiziell, dass das „Reorganisationsprojekt“ voll in Gange sei – es werde der Bank Austria zukünftig erlauben sich auf das Kerngeschäft in Österreich zu konzentrieren bla bla. Filetierung oder „Ausnehmen“ könnte man es auch nennen, oder? Aber Reorganisierung klingt einfach angenehmer. Klar, die Unicredit holt sich die guten Geschäfte ins eigene Stammhaus. Dass man davor noch 1 Milliarde hinblättern musste um die Bankenaufseher glücklich zu machen, war wohl so nicht geplant. Denn wie praktisch alle italienischen Banken steht man selbst auch nicht glänzend da. Angeblich sucht die Unicredit derzeit nach Wegen um an frisches Geld zu kommen, z.B. über eine Kapitalerhöhung oder durch den Verkauf von Vermögenswerten. Aber noch sind das Gerüchte aus Bankkreisen.

Man kann es drehen und wenden wie man will. Auch kann man mit Taschenspielertricks versuchen die Krise hinauszuschieben. Zwei mal hat Italien jetzt versucht zu bluffen. Anfang des Jahres richtete man den peinlichen „Atlante“-Rettungsfonds für heimische Banken ein mit offiziell 5 Milliarden Euro (wurden nicht mal erreicht), die reichen sollten um die Kapitalbasis der Banken zu stärken und kaputte Kredite rauszulösen. Ein Witz, der vom Markt schnell als solcher erkannt wurde. Danach folgte vor Kurzem die „Rettung“ der Banca Monte dei Paschi, wo auch hauptsächlich kaputte italienische Banken dieser Bank aus der Patsche helfen sollen. Tja, und wer rettet dann demnächst diese Banken, die jetzt als Retter auftraten?



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