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Warum Value-Aktien den Indizes hinterherhinken – in diesem Jahrzehnt ist alles ungewöhnlich

Wie oft präsentierten aktive Fondsmanager ihre Strategie, die da lautet: Kaufen Sie substanzstarke, unterbewertete Value-Aktien, damit können Sie jede Phase aussitzen. Wenn das so einfach wäre, wie ein Vergleich zwischen den Fonds der Schnäppchenjäger und den Indizes wie MSCI World oder S&P 500 aufzeigt.

 

Der lange Aufwärtstrend der „Growth-Aktien“ gegenüber Value-Akien

Auf Jahressicht ist es nicht unüblich. Growth schlägt Value. Der globale Aktienindex MSCI World hat in den letzten 12 Monaten fast zehn Prozent zugelegt hat, während seine Value-Komponente nur etwas höher steht als zu Beginn des Beobachtungszeitraum. Aber auch auf Sicht von fünf Jahren liegt Value hinten. Das vergangene Jahrzehnt war das erste, in dem die Value-Strategie dem Growth-Ansatz unterlegen war. Dazu der Fondsmanager von HQ-Investment, Sven Lehmann: „Eine solche Phase der Underperformance gab es noch nie – sowohl was deren Dauer als auch was deren Ausmaß angeht“.

 

Warum war Wachstum besser?

Einer der wichtigsten Gründe dafür war der starke Aufstieg von passiven Strategien wie zum Beispiel Exchange Traded Funds (ETF) oder Indexzertifikate in allgemein steigenden Märkten. Was teuer ist, wird beim Kauf eines ETFs immer weiter nach oben getrieben. Aktien wie Amazon, Facebook, Netflix und Co sind hoch bewertet und tauchen daher in keinem Depot für substanzstarke Aktien auf. Ein weiterer Grund ist natürlich die Zinssituation mit der sehr langen Phase billigen Geldes. Wachstumsaktien bekamen sehr leicht weitere Mittel, um ihre Expansion anzutreiben. Substanzstarke Titel sind im Bereich der Verschuldung sehr viel zögerlicher und zurückhaltender unterwegs. Ein weiterer Faktor könnten auch die Aktienrückkäufe sein, dem Kurstreiber der letzten Dekade schlechthin, die insbesondere durch stark wachsende Firmen genutzt wurden, um ihre eigene Bewertung zu verbessern (ungeachtet des dominanten Bonusprinzips).

 

Ein Value-Investor hat es trotzdem wieder geschafft

Man kann es schon vermuten, wer dies gewesen sein könnte, denn Mr. Value himself, Warren Buffett, ist selbiges schon viele Male gelungen. Seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway lief in den letzten 12 Monaten so gut wie der MSCI World. Natürlich auch, weil der 88-Jährige auf seine alten Tage stärker auf Wachstumstitel und Aktienrückkäufer wie Apple und Amazon gesetzt hat. Ob dies im 11. Jahr der Hausse in den USA so eine gute Idee war?

 

Fazit: Value-Aktien und Growth-Akien

In diesem Jahrzehnt ist tatsächlich vieles anders, als in früheren Dekaden. Rekordniedrige Zinsen, rekordhohe Aktienrückkäufe, der Siegeszug der börsennotierten Indexfonds (ETFs) und die Underperformance von Value gegenüber Growth. Während einige dies schon als künftigen Dauerzustand prognostizieren, hege ich doch große Zweifel an diesem Paradigmenwechsel. Die nächste Krise wird es wieder richten, Substanz bleibt erhalten, Luftnummern werden den Gang des Disruptiven gehen. Dieses Mal ist alles anders, sagt man. Nicht schon wieder!

 

Warren Buffett - ein Fan von Value-Aktien

Warren Buffett. Foto: USA International Trade Administration / Gemeinfrei



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