Anleihen

Was bringt das QE der EZB?

Von Markus Fugmann

Heute startet das QE der EZB – mit Käufen deutscher und französischer Staatsanleihen. Werden die Renditen nun weiter fallen? Der Marktkonsens meint ja, doch steigt derzeit (aufgrund des QE der EZB) die Inflationserwartung in der Eurozone – und das könnte dann wiederum zu steigenden Renditen führen.

Was aber bringen die Anleihekäufe der Wirtschaft? Befürworter verweisen auf die Konunkturerholung in den USA nach dem Beginn des QE der Fed – aber nachgewiesen ist das nicht. So meint Kenneth Rogoff in einem Interview mit dem „Schweizer Tagesanzeiger“:

„Niemand weiss, was die Anleihenkäufe in den USA wirklich bewirkt haben. Möglicherweise hätte sich dort auch unabhängig davon ohnehin eine Erholung nach der Krise eingestellt. Es gibt keine eindeutige Einschätzung dieses Effekts.“

James Bianco ist noch deutlicher skeptischer. Auf die Frage der Schweizer „Finanz und Wirtschaft“, was das QE bringen könne, sagt er klar:

„Das Programm hilft der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt kaum. Es wird die EZB aber in Schwierigkeiten bringen. QE nützt vor allem den Wohlhabenden, die Aktien halten und vom Anstieg der Vermögenswerte profitieren. Das beste Beispiel dafür sind die Autoverkäufe in den USA.

Gemäss dem Internetdienst TrueCar hat der Absatz von Mittelklassewagen in der Preiskategorie bis zu 33 000 $ im vergangenen Jahr 4% zugenommen. Der Verkauf von Autos für 50 000 $ hat hingegen 30% angezogen, und in der Kategorie von über 70 000 $ belief sich das Plus sogar auf 50%. Wer Elektroautos von Tesla für 120 000 $ verkauft, verzeichnete ein fantastisches Jahr. Wer hingegen Toyota Corollas vertreibt, hatte es sehr, sehr schwer.“

Die EZB begeht laut Binaco denselben Fehler wie die Fed – mit schwerwiegenden Folgen:

„Wenn Europa nicht aufpasst, wird es zu den gleichen sozialen Problemen kommen wie in den USA. Wer in den Nobelquartieren von Rom oder Madrid wohnt, wird vom Programm der EZB stark profitieren. In den Armenvierteln der Vororte dagegen werden Spannungen zunehmen“.

Auch Bianco zeigt sich skeptisch über die Wirkung des QE in den USA. Seine Begründung:

„Das hat mit der Hypothese der permanenten Einkommen von Milton Friedman zu tun. Demnach fördern nur Einkommensveränderungen den Konsum, die als dauerhaft erachtet werden. Temporäre Effekte hingegen haben kaum einen Einfluss. So wurden zum Beispiel steigende Häuserpreise bis 2006 als zusätzliches Einkommen erachtet, was den Verbrauch stimulierte. Seit der schweren Immobilienkrise und dem Crash an der Börse misstrauen viele Amerikaner aber den Kursavancen und der Erholung der Häuserpreise. Das heisst, sie halten den Wertzuwachs nur für temporär.“

So oder so: die EZB exportiert mit ihrem QE die Probleme der Eurozone in andere Regionen – und sorgt so für Ungleichgewichte, deren Folgen noch nicht absehbar sind..



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