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Was die Ideen von Kevin Kühnert in der Realität für SIE bedeuten würden

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Die Ideen beziehungsweise Pläne von SPD Juso-Chef Kevin Kühnert, die gehen SIE nichts an? Falsch gedacht. Sorgen Sie vor für Ihre Rente? Investieren Sie in Aktien? Investieren Sie monatlich über einen Sparplan beispielsweise in einen Immobilienfonds? Dann lassen Sie uns mal durchspielen, was die Pläne des Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert letztlich für Sie persönlich bedeuten würden, in der Realität.

Vorab: Wer noch Zweifel daran hat, ob Kevin Kühnert es wirklich ernst meint, der schaue bitte beim Klick an dieser Stelle in die ARD Mediathek. Er war gestern zu Gast bei Anne Will zum Thema CO2-Steuer, wo es auch um seine sozialistischen Thesen ging. Der liebe Herr Kühnert meint es wirklich ernst!

Immobilien

Kevin Kühnert wünscht sich, dass der deutsche Bürger zukünftig nur noch die Immobilie besitzen darf, in der er auch selbst wohnt. Das würde in der Realität bedeuten: Altersvorsorge oder normales Sparen in Immobilienfonds wäre komplett verboten, weil man hierüber ja (wenn auch nur zu kleinen Teilen) Eigentümer an diversen Immobilien wird! Dadurch würde viel Geld fehlen für den Bau neuer Wohn-Immobilien. Auch müsste eine neue Bundesbehörde bei jedem Immobilienkauf überwachen, ob der Käufer diese Immobilie dort selbst einziehen wird, und ob er nicht bereits eine Immobilie besitzt. Das würde erstens einen enormen bürokratischen Aufwand bedeuten, und außerdem würde es einher gehen mit einem enormen Eingriff des Staates in die Privatsphäre der Bürger (persönliche Kontrollbesuche etc).

Aktien

Kevin Kühnert will, dass man als Bürger nur noch Aktien an Unternehmen besitzen darf, bei denen man auch selbst beschäftigt ist. Das würde ganz real bedeuten: Der Staat müsste sich alle Aktien-Depots der Bürger im Detail anschauen und mit Arbeitsverträgen/Gehaltseingängen auf Girokonten abgleichen. Auch müssten Banken und Broker eine Art staatliche Bestätigung erhalten, bei welchem Arbeitgeber der Kontoinhaber angestellt ist. Dann würde der Broker den Kunden nur zum Kauf dieser bestimmten Aktie freischalten. Jeder Bürger, der zum Beispiel beim Staat arbeitet oder selbständig ist, kann dann nicht mal diese eine Aktie kaufen.

Letztlich würde die Fondsindustrie in Deutschland ganz wegbrechen, und der Bürger als Anleger könnte gar nicht mehr in Aktienfonds oder Immobilienfonds investieren. Es bliebe nur noch das gute alte Sparbuch. Außerdem müsste der Staat einen umfassenden Kontrollapparat inklusive umfassender Kapitalverkehrskontrollen etablieren. Denn man bedenke: Viele Menschen würden sich sagen: Hey, dann umgehe ich doch einfach die staatliche Einschränkung und eröffne einfach online ein Brokerkonto in London oder New York. Dann überweise ich Geld dorthin und handele von dort aus auch mit deutschen Aktien, wie ich es will. By the way… gäbe es dann überhaupt noch eine funktionierende Aktien-Börse in Deutschland?

Meint der „Kühnert-Staat“ es wirklich ernst, müssten Online-Kontoeröffnungen bei ausländischen Brokern für deutsche Internet-Nutzer blockiert werden (Webseiten-Sperren). Auch müssten Überweisungen ins Ausland flächendeckend kontrolliert werden, damit man sicherstellt, dass der Bürger nicht doch Geld zu einem Broker beispielsweise nach New York überweist. Was gruselig klingt und sich nach dem totalen Überwachungsstaat mit umfangreichen Einschränkungen für die Freiheit der Bürger anhört, wäre eine zwingende Konsequenz aus den Ideen des Kevin Kühnert.

Denn ein Staat, der den Bürger daran hindern will Aktien zu kaufen, bei dessen Unternehmen er nicht arbeitet, der muss nun mal umfangreiche Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen einführen! Klingt wie Sozialismus, und ist auch Sozialismus, pur! Ganz abgesehen davon: Diese Idee von Kevin Kühnert bedeutet auch, dass ausländische und inländische Investoren aller Art (Warren Buffett als Langfristinvestor, Hedgefonds, normale Aktienfonds) kein Geld mehr in deutsche Aktiengesellschaften pumpen könnten. So wäre der Zugang deutscher Unternehmen über das Mittel von Kapitalerhöhungen oder Börsengängen de facto nicht mehr vorhanden.

Konkretes Beispiel einer Kapitalerhöhung

Spielen wir das mal durch. Ein Dax- oder MDax-Unternehmen will für 1 Milliarde Euro eine Kapitalerhöhung durchführen, um in neue umweltfreundliche Technologien zu investieren. Die ausländische Konkurrenz rennt schon weg, also muss man schnell nachziehen, und braucht dieses Geld. Die Mitarbeiter des Unternehmens als „Kollektive Eigentümer“ (so will es Kühnert ja haben) entscheiden sich gegen die Ausgabe von Anleihen oder Bankkredite, denn man will sich ja nicht verschulden. Also will man neue Aktien ausgeben.

Aber dank der Restriktion, dass nur noch die eigenen Mitarbeiter Aktien halten dürfen, kann das Unternehmen am freien Kapitalmarkt keine neuen Aktien anbieten, und darf nur bei seinen eigenen Mitarbeitern diese neuen Aktien verkaufen. Die müssen also 1 Milliarde Euro aufbringen. Was ist nun, wenn sie aber nur sagen wir mal 100 Millionen Euro aufbringen? Dann fehlen 900 Millionen Euro, die Investition kann nicht stattfinden, und die ausländische Konkurrenz rennt davon in Sachen Innovation. Schöne neue Kühnert-Welt.

SPD Juso-Chef Kevin Kühnert
Kevin Kühnert. Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 de

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Kritisch

    6. Mai 2019 17:24 at 17:24

    Hallo!
    Also, zu erst würde ich Hr. Kühnert den schon häufiger „Sager“ von Dr. Kreisky ins Stammbuch schreiben: „Hr. Kühnert, lernens bitte einmal Geschichte!“
    Zweitens würde ich meinen, dass jemand der so denkt und politisch aktiv ist doch ganz einfach seine Koffer packen sollte und z. Bsp. in CHINA,KUBA oder VIETNAM seine Ideologie ausleben sollte.
    Ein alter Professor von mir sagte einmal – Schauen sie Menschen in die Augen und sie wissen nahezu alles über diese Person (na dann schauen wir ihm mal in die Augen)-ich finde er hatte recht!
    LG

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    Mulo

    6. Mai 2019 17:50 at 17:50

    Wie sagte doch Hans-Georg Maaßen passend, bevor er aus seinem Amt entfernt wurde. „Aus meiner Sicht war dies für linksradikale Kräfte in der SPD, die von vorneherein dagegen waren, eine Koalition mit der CDU/CSU einzugehen, der willkommene Anlass, um einen Bruch dieser Regierungskoalition zu provozieren.“ Kühnerts Äußerungen, unterstützt von Stegner zeigen eindeutige diese linksradikalen Kräfte auf.

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    Koch

    6. Mai 2019 17:53 at 17:53

    Was treibt den Kevin an? Bisher empfand ich Ihn als konsequenten Querdenker,eine Spezies welche Mutti beinahe ausgerottet hat.Auch ist er in der Lage ohne die vielen ähs und ohs der meisten anderen Knalltüten zu sprechen.Zur Zeit denke ich jedoch,dass er irre ist,obwohl es mir schwerfällt.Ausserdem ist der wieder entfesselte Finanzmarkt wegen der Minuszinsen,der vielen QE’s und den allgegenwärtigen Notenbankmanipulationen ebenfalls irre und dem allgemeinen Volkswohl abträglich!Der Volksmund sagt dazu:Gleich und gleich gesellt sich gern.Spannend was aus dieser Gemengelage entsteht.Der Kevin haut halt mal so richtig auf den Busch.Da Mutti Pfarrerstochter ist lässt sich leicht abgewandelt skandieren.Und unter den Talaren,der Muff aus 13 Jahren!

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    md

    6. Mai 2019 20:24 at 20:24

    er ist auf jeden fall psychologischer gewinner. ich hab den knirps vorher garnicht gekannt. jetzt kennt ihn ganz deutschland. also nüchtern betrachtet ein psychologisch cleverer schachzug. und wenn ich in der geschichte der sozi’s mich so durchlese kommt auch der gerhard schröder vor. unser kanzler der reichen und schönen, muss das gleiche auch gesagt haben in seinen jungen jahren. jetzt ist er gerade dabei die gazprom zu verstaatlichen. :)))))

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      leftutti

      6. Mai 2019 21:58 at 21:58

      @md,
      Hat unser deutsch-türkischer Doppelpass-Besitzer und opportunistischer Genießer aller Vorteile zweier Sozialsysteme in den Geschichtsbüchern auch schon nachgelesen, wessen Sozialpolitik er seinen Sonderstatus gegenüber allen Einheimischen zu verdanken hat? Waren es Leute wie Brandt und Schmidt oder waren es 30 Jahre Kohl und Merkel?

      Egal, die Grünen haben alles zerstört und tragen an allem Schuld. Sieben Jahre Rot-Grün haben sämtliche Errungenschaften und gleichzeitig die Zukunft für die nächsten zehn Generationen zunichte gemacht.

      Ich will hier Kevin Kühnert nicht im Ansatz verteidigen oder rechtfertigen, er ist halt ein Jungspund ohne Ahnung und Erfahrung. Und ohne politischen Einfluss, ein Jungpfadfinder, zudem aus Langeweile aufgeblasen von den Medien, weil es für die anscheinend nichts anderes zu berichten gibt.

      Aber, lieber @md, sind Sie nicht ebenso ein Knirps, der ständig völlig unhaltbare und ähnlich lächerliche Kommentare publiziert, die eindeutig widerlegt wurden? Gerne können Sie sich einige hier auf FMW heraussuchen (Katholische Kirche, Regenerative Energien, Freund von Erdogan, solange er nicht in der Türkei leben muss usw.)

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      Timo Merten

      6. Mai 2019 22:40 at 22:40

      Derartige Tagträumereien sind wohl eher einem erhöhten Geltungsbedürfnis des jungen Mannes unterzuordnen und meiner Meinung nach, keiner Rede wert! Dem Deutschen im Osten, mit seinem mühevoll abgeschafften Sozialismus (was keiner war!), wie dem Deutschen im Westen, mit RAF, SDS und Dutschke oder einem Idealsozialisten wie Herrn Porst, sollte mehr Abgeklärtheit zugestanden werden, als unsere Medien uns Deutschen zutrauen! Ich kann über sowas nur lachen. MfG Timo Merten

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    joah

    6. Mai 2019 21:36 at 21:36

    Nicht so verbissen und ernst, Leute: das ist ein Kevin. Und der Bundesvorsitz (der Jusos) macht Ihn dann ja auch noch folglich zu einem Alpha…

  6. Avatar

    Gixxer

    6. Mai 2019 23:04 at 23:04

    Auf solche Forderungen würden selbst etliche von DieLinke nicht kommen.
    Aber ich vermute auch in erster Linie Geltungssucht von Herrn Kühnert. Mit 08/15-Forderungen lockt man halt nun mal keinen mehr hinter dem Ofen vor.

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Einblick in die Herzkammer der deutschen Industrie – die dramatische Lage

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Düstere Umfragedaten der Industrie aus Baden-Württemberg

Die Herzkammer der deutschen Industrie gewährt aktuell einen Einblick in die aktuell dramatische Lage, was Auftragseingänge, Kurzarbeit etc betrifft. „Südwestmetall“ ist der Dachverband der Metall- und Elektro-Industrie in Baden-Württemberg – der Leitbranche der baden-württembergischen Wirtschaft, wie es Südwestmetall selbst ausdrückt. Aktuell hat man eine Umfrage unter seinen Mitgliedern veröffentlicht. Man spricht von einem gravierenden Einbruch bei Aufträgen und Produktion, und auch von einem explosionsartigen Anstieg der Kurzarbeit in der Metallbranche. Noch gelinge es dem Gros der Unternehmen, durch Kurzarbeit und andere flexible Instrumente ihre Kernbelegschaften zu schützen. Je länger die aktuellen Einschränkungen aber aufrechterhalten werden, desto wahrscheinlicher würden auch Jobs verloren gehen, so der Verband. Nicht nur die aktuelle Lage ist dramatisch – vor allem auch die Aussichten der befragten Unternehmen für die nächsten Wochen sehen düster aus. Hier die wichtigsten Aussagen im Wortlaut:

Laut den Ergebnissen der Umfrage sind die Auftragseingänge zu Jahresbeginn (Januar bis März) um 14 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Die allermeisten Unternehmen (92 %) sehen ihre Produktion durch Corona-Auswirkungen eingeschränkt, 19 % verzeichnen starke, weitere 24 % sogar sehr starke Einschränkungen.

Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung liegt derzeit nur noch bei 60 %, dabei sind 9 % der Betriebe sogar komplett geschlossen. Als weitaus häufigster Grund für den Produktionseinbruch wird dabei „fehlende Nachfrage“ genannt (71 %), gefolgt von „fehlende Arbeitskräfte wegen Krankheit, Kinderbetreuung etc.“ (33 %) und „fehlende Teile/Material“ (29 %). Zahlreiche Betriebe (18 %) haben zudem ihre Produktion zurückgefahren und umorganisiert, um Ansteckungsgefahren zu verhindern. „Ausgehend von China sind unseren Unternehmen nach und nach die Märkte weggebrochen. Die Verkaufsstellen der Autobauer sind geschlossen, der Maschinenbau leidet unter der Zurückhaltung bei Investitionen“, sagte Dick.

In der Anfangsphase haben die Betriebe noch intensiv betriebliche und tarifliche Möglichkeiten ausgeschöpft, um dem abrupten Absatzeinbruch zu begegnen: Arbeitszeitkonten, Überstunden und Resturlaub wurden abgebaut, Instrumente wie die tariflichen Freistellungstage statt Auszahlung (T-ZUG) oder die Anordnung von Betriebsurlaub genutzt. 39 % der Betriebe haben zudem befristete Beschäftigungsverhältnisse beendet, 53 % die Zahl der Zeitarbeitnehmer reduziert.

Mittlerweile wird vor allem die inzwischen erleichterte Kurzarbeit genutzt, um den teilweise weitgehenden Produktionsstillstand auszugleichen. Zum Zeitpunkt der Umfrage (2.-7. April) waren schon in der Hälfte der Unternehmen Mitarbeiter in Kurzarbeit. Durchschnittlich waren dabei knapp Dreiviertel (72 %) der Beschäftigten in diesen Betrieben betroffen, die Arbeitszeit wurde im Schnitt um fast die Hälfte (47 %) reduziert. Allerdings plant derzeit auch mehr als die Hälfte dieser Betriebe (59 %) in den nächsten Wochen eine Ausweitung der Kurzarbeit. Hinzu kommt mehr als ein weiteres Drittel aller Betriebe (35 %), die in den nächsten Wochen mit Kurzarbeit beginnen will – so dass dann in Summe 85 % aller Betriebe dieses Instrument nutzen würden – sollte nicht eine Lockerung der Corona-Maßnahmen ein geringeres Ausmaß ermöglichen.

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Banken vor Debakel? Eine unsichtbare Lawine hat sich in Gang gesetzt!

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Banken in Frankfurt - für die Branche brechen harte Zeiten an

Die Banken profitieren ganz aktuell sogar ein klein wenig von der Coronakrise. Wie das geht? Nun, der Staat haftet ja über die KfW zu 90 Prozent, und sogar ganz frisch zu 100 Prozent für einige Kredite, welche die Banken an eine sehr große Zahl an Unternehmen und Kleinstunternehmer herausreichen. Risikolos Geld verleihen, und dafür auf den KfW-Zins noch ein klein wenig Marge drauf schlagen. So lässt sich jetzt der ein oder andere Euro risikolos verdienen für die Banken. Aber das ist wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Banken vor einer Lawine von Kreditausfällen

Da hat sich nun im Zuge der Coronakrise eine unsichtbare Lawine in Gang gesetzt. Sie rollt auf die Banken mit voller Wucht zu, aber sie ist noch nicht sichtbar! Die Lawine besteht aus Kreditausfällen. Der Bankenverband hatte schon gewarnt. Verluste müssen dann als Verluste aus dem Eigenkapital der Banken ausgeglichen werden. Somit wird das Eigenkapital der Banken in Deutschland, aber wohl noch mehr im europäische Ausland, erodieren! Es ist das Szenario des Markus Krall, das nun wohl Fahrt aufnimmt. Er predigte schon seit gut zwei Jahren, dass es eine gewaltige Masse an Zombieunternehmen in Deutschland gäbe – dies seien eigentlich kaputte Unternehmen, die nur noch deswegen überleben würden, weil sie für Kredite dank der Nullzinsen nun keine Finanzierungskosten mehr zahlen müssten. Und jetzt kommt die Coronakrise.

Jetzt, wo die Wirtschaft auf breiter Front durch KfW-Kredite gestützt werden muss, verweigern die Banken den Unternehmen, die schon vor der Coronakrise Probleme hatten, den Zugang zu KfW-Krediten. Denn nur Unternehmen, die vor der Krise gesund waren, sollen in den Genuss der KfW-Kredite kommen. Und so sehen wir aktuell, wie Unternehmen wie Vapiano, Maredo, Appelrath Cüpper etc in die Insolvenz rauschen. Unternehmen wie Esprit oder Galeria Kaufhof Karstadt haben ein Schutzschirmverfahren angemeldet – man schützt sich vor den Gläubigern, hat aber noch nicht offiziell Insolvenz angemeldet. Diese Lawine der kaputten Unternehmen, die in dieser Wirtschaftskrise keine neuen Finanzierungen erhalten, dürfte sich fortsetzen.

Kredite jenseits der KfW-Garantien

Dann dürfte man doch eigentlich sagen: Hey, es ist doch gut, wenn die Banken diesen kaputten Unternehmen keine neuen Kredite geben? Ja, aber was kommt danach, Monate und Jahre nach der Krise? Durch die Insolvenzen müssen die Banken alte Kredite dieser Zombies ganz oder teilweise als Verluste abschreiben. Dazu kommt, dass in diesem Zombieunternehmen ja auch viele Menschen gearbeitet haben. Und die haben Autos und Häuser auf Kredit finanziert. Auch hier dürften Immobilienfinanzierungen oder normale Konsumkredite für Privatkunden bei den Banken notleidend werden. Auch dürfte die Banken ein aktuell erlassenes Gesetz belasten, wonach Verbrauchern Kreditzahlungen für drei Monate gestundet werden können, wenn sie belegen, dass sie derzeit Einnahmeausfälle haben. Also könnten hunderttausende Kurzarbeiter oder neue Arbeitslose erstmal ihre Kreditzahlungen aussetzen. Rein optisch wird den Banken durch die Aufsicht damit geholfen, dass ein Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einzustufen ist, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden. Das hilft zwar für die Optik, aber Kreditausfall bleibt Kreditausfall.

Dadurch, dass viele gewerblichen Mieter nun Mietzahlungen aussetzen, oder aufgrund ihrer finanziellen Probleme gar nicht mehr leisten können, geraten auch diejenigen Vermieter in Finanznöte, die ihre Immobilienprojekte standardmäßig voll auf Kredit erstellen. Auch sie können womöglich schon bald ihre Kreditraten an die Banken teilweise nicht mehr bedienen. Dies schwächt die Bücher der Banken! Positiv ist natürlich zu erwähnen, dass die Banken beim neuen KfW-Schnellkredit kein Ausfallrisiko tragen müssen. Aber drum herum, da rollt im Stillen auf die Banken eine riesige Welle von anstehenden Kreditausfällen zu, von Unternehmen und Privatpersonen.

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Tourismus: Die Reisebranche zeichnet ein depressives Bild

Die Reisebranche befindet sich wegen der Coronakrise im freien Fall: Wie schnell und wie stark sich der Tourismus wiederbeleben wird, ist momentan ungewiss

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Wegen massenhafter Stornierungen, ausbleibendem Neugeschäfts, Betriebsstillstände, Liquiditätsengpässen und drohenden Insolvenzen befindet sich die Reisebranche im freien Fall: Wie schnell und wie stark sich der Tourismus wiederbeleben wird, ist momentan ungewiss.

Der Tourismus leidet besonders heftig unter der Corona-Krise

Man konnte es schon ahnen, als die Zahlen zum Passagieraufkommen für den Monat März ins bodenlose stürzten. Um 90 Prozent brach der Linienverkehr mit Passagiermaschinen ein. Die nach Ryanair zweitgrößte Fluggesellschaft Europas, die Lufthansa-Group, rechnet nicht mit einer schnellen Erholung des Luftverkehrs und beendete gestern die Geschäftstätigkeit der Tochtergesellschaft Germanwings. Der Flugbetrieb wurde mit sofortiger Wirkung eingestellt. Die Fluggesellschaft aus Köln mit 30 Flugzeugen und rund 1.400 Beschäftigten fliegt seit Jahren nicht mehr unter eigenem Namen, sondern ausschließlich für Eurowings. Darüber hinaus sollen laut Lufthansa weitere Einsparungen vorgenommen werden und auch etliche Flugzeuge anderer Teilgesellschaften stillgelegt und die Verwaltung deutlich verkleinert werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa-Group Carsten Spohr geht davon aus, dass es noch Monate dauern wird, bis die globalen Reisebeschränkungen vollständig aufgehoben werden, und noch Jahre, bis das Volumen des weltweiten Tourismus und die Nachfrage nach Flugreisen das Niveau von vor der Corona-Krise wieder erreichen. Das sind keine guten Nachrichten für die Reisebranche insgesamt.

Die Zahlen aus der Reisebranche sind schockierend

Die jüngst von der Industrie und Handelskammer im Rahmen einer Umfrage vom 24. bis zum 26. März in der Gastronomie sowie in der Reisebranche erhobenen Daten zeigen die ganze Dramatik im Tourismus: 82 Prozent der deutschen Reisewirtschaft ist aktuell komplett stillgelegt. 80 Prozent klagen über Auftragsstornierungen. 55 Prozent der Betriebe sind mit Liquiditätsengpässen konfrontiert und 38 Prozent sind trotz staatlicher Hilfsmaßnahmen akut von Insolvenz bedroht.

Noch dramatischer schlägt sich der Lockdown im Tourismus und die Quarantänemaßnahmen in den Zahlen des Gastgewerbes nieder: 91 Prozent des Gaststättengeschäfts findet momentan nicht mehr statt. Zwei Drittel aller Reservierungen wurden storniert. 59 Prozent der Branche leiden unter Liquiditätsengpässen und 40 Prozent sind bereits jetzt von Insolvenz bedroht.

Insgesamt rechnen 94 Prozent der Unternehmen aus der Reisebranche mit Umsatzrückgängen, null Prozent mit Umsatzsteigerungen. Sechs Prozent der Befragten können die Folgen noch nicht abschätzen. Im Gastgewerbe rechnen 90 Prozent der Betreiber mit Umsatzrückgängen und ebenfalls null Prozent mit Umsatzsteigerungen.

In der Konsequenz werden im Tourismus hierzulande massiv Arbeitsplätze abgebaut. Zwei Drittel der Befragten aus der Reisebranche gaben an, ihr Personal reduzieren zu müssen. Im Gastgewerbe sind es sogar 71 Prozent. Allein im Gastgewerbe waren laut Statista im Jahr 2019 im Schnitt 1,1 Mio. Menschen beschäftigt. Im Tourismus insgesamt sind es laut Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft über 3 Mio. Arbeitsplätze. Die Branche trägt mit über 100 Mrd. Euro zur Wertschöpfung unseres Landes bei, das sind ca. 4 Prozent des deutschen BIP.

Rückerstattung oder Gutschein und die Angst vor der zweiten Welle

Um die Unternehmen der Reisebranche zu schützen arbeitet die Bundesregierung an einem Gesetz, dass die Verbraucherrechte einschränken soll. Anstelle von Rückerstattungen in Bar bei fristgerechneten Stornierungen müssen Reisende dann Gutscheine der Reisebüros, Reiseveranstalter, Hotels oder Fluglinien akzeptieren. Die Gutscheine sollen für alle Buchungen gelten, die vor dem 8. März getätigt wurden. Wie die Gültigkeit der Gutscheine auch im Falle einer zwischenzeitlichen Insolvenz gewährleistet werden soll, ist noch nicht im Detail geklärt. Denkbar ist ein Hilfsfonds, der dann einspringt, wenn die Gutscheine wegen Zahlungsunfähigkeit des Reisedienstleisters ihren Wert verlieren. Für solch eine Gutschein-Lösung muss allerdings auch EU-Recht im Bereich des Verbraucherschutzes geändert werden.

Seit Bekanntgabe dieses Gesetzesvorhabens am 2. April sind die Stornoquoten nochmals angestiegen und Kunden von Reisebüros fordern die sofortige Rückzahlung der bereits geleisteten Anzahlungen in Bar. Diese Situation bringt vor allem kleine und mittelgroße Reisebüros, Reiseveranstalter, Hotels und Ferienflieger in akute Liquiditätsnot. Zumal die Anzahl der Neubuchungen im April weiter Richtung null absinkt.

Damit fällt ein großer Teil der Buchungen für die Hauptreisesaison für die Reisebranche weg. Ob der Tourismus sich dann im Herbst wieder vollständig erholt, wie es die Konjunkturforscher der großen Wirtschaftsinstitute erwarten, ist ebenfalls nicht sicher. Erfahrungsgemäß folgt statistisch fünf Monate nach der ersten Pandemiewelle eine zweite, weniger stark ausgeprägte Welle. Die jetzige Erfahrung mit Ausgangsbeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und Reiseverboten dürfte die Neigung der Kundschaft zur Buchung von Flügen und Hotelaufenthalten allerdings stark dämpfen.

Fazit und Ausblick für Tourismus und Reisebranche

Für die Gesamtwirtschaft rechnen die deutschen Konjunkturforscher in einer heute vorgestellten Gemeinschaftsprognose mit einem Einbruch der Wirtschaft unseres Landes in Höhe von lediglich 4,2 Prozent für das laufende Jahr. Vergleicht man diese optimistisch erscheinende Prognose mit dem Konjunktureinbruch im Zuge der Lehmann-Krise im Jahr 2009 in Höhe von -5,7 Prozent (gemäß Statista), dann wird es sehr wahrscheinlich wie in jedem Jahr noch reichlich Revisionen bei den Prognosen geben – vermutlich gen Süden.

Für den Tourismus und die Reisebranche könnte die Corona-Pandemie durchaus länger anhaltende Folgen haben. Zum einen wird es zu einer signifikanten Marktbereinigung kommen, die nach einer Preisdelle mittelfristig zu steigenden Preisen führen kann. Auf jeden Fall kommen auf die Unternehmen der Branche neue Bestimmungen zu, wie zum Beispiel noch höhere Hygieneauflagen, größere Abstände zwischen den Flug- und Speisegästen sowie aufwendige Desinfektionsmaßnahmen nach jedem Flug oder in Bussen, Bahnen und Mietwagen. Das wird zumindest vorübergehend die Marge belasten oder die Kosten für Reisende erhöhen.

Der Tourismus und die Reisebranche stehen vor schweren Zeiten

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