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Was die Ideen von Kevin Kühnert in der Realität für SIE bedeuten würden

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die Ideen beziehungsweise Pläne von SPD Juso-Chef Kevin Kühnert, die gehen SIE nichts an? Falsch gedacht. Sorgen Sie vor für Ihre Rente? Investieren Sie in Aktien? Investieren Sie monatlich über einen Sparplan beispielsweise in einen Immobilienfonds? Dann lassen Sie uns mal durchspielen, was die Pläne des Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert letztlich für Sie persönlich bedeuten würden, in der Realität.

Vorab: Wer noch Zweifel daran hat, ob Kevin Kühnert es wirklich ernst meint, der schaue bitte beim Klick an dieser Stelle in die ARD Mediathek. Er war gestern zu Gast bei Anne Will zum Thema CO2-Steuer, wo es auch um seine sozialistischen Thesen ging. Der liebe Herr Kühnert meint es wirklich ernst!

Immobilien

Kevin Kühnert wünscht sich, dass der deutsche Bürger zukünftig nur noch die Immobilie besitzen darf, in der er auch selbst wohnt. Das würde in der Realität bedeuten: Altersvorsorge oder normales Sparen in Immobilienfonds wäre komplett verboten, weil man hierüber ja (wenn auch nur zu kleinen Teilen) Eigentümer an diversen Immobilien wird! Dadurch würde viel Geld fehlen für den Bau neuer Wohn-Immobilien. Auch müsste eine neue Bundesbehörde bei jedem Immobilienkauf überwachen, ob der Käufer diese Immobilie dort selbst einziehen wird, und ob er nicht bereits eine Immobilie besitzt. Das würde erstens einen enormen bürokratischen Aufwand bedeuten, und außerdem würde es einher gehen mit einem enormen Eingriff des Staates in die Privatsphäre der Bürger (persönliche Kontrollbesuche etc).

Aktien

Kevin Kühnert will, dass man als Bürger nur noch Aktien an Unternehmen besitzen darf, bei denen man auch selbst beschäftigt ist. Das würde ganz real bedeuten: Der Staat müsste sich alle Aktien-Depots der Bürger im Detail anschauen und mit Arbeitsverträgen/Gehaltseingängen auf Girokonten abgleichen. Auch müssten Banken und Broker eine Art staatliche Bestätigung erhalten, bei welchem Arbeitgeber der Kontoinhaber angestellt ist. Dann würde der Broker den Kunden nur zum Kauf dieser bestimmten Aktie freischalten. Jeder Bürger, der zum Beispiel beim Staat arbeitet oder selbständig ist, kann dann nicht mal diese eine Aktie kaufen.

Letztlich würde die Fondsindustrie in Deutschland ganz wegbrechen, und der Bürger als Anleger könnte gar nicht mehr in Aktienfonds oder Immobilienfonds investieren. Es bliebe nur noch das gute alte Sparbuch. Außerdem müsste der Staat einen umfassenden Kontrollapparat inklusive umfassender Kapitalverkehrskontrollen etablieren. Denn man bedenke: Viele Menschen würden sich sagen: Hey, dann umgehe ich doch einfach die staatliche Einschränkung und eröffne einfach online ein Brokerkonto in London oder New York. Dann überweise ich Geld dorthin und handele von dort aus auch mit deutschen Aktien, wie ich es will. By the way… gäbe es dann überhaupt noch eine funktionierende Aktien-Börse in Deutschland?

Meint der „Kühnert-Staat“ es wirklich ernst, müssten Online-Kontoeröffnungen bei ausländischen Brokern für deutsche Internet-Nutzer blockiert werden (Webseiten-Sperren). Auch müssten Überweisungen ins Ausland flächendeckend kontrolliert werden, damit man sicherstellt, dass der Bürger nicht doch Geld zu einem Broker beispielsweise nach New York überweist. Was gruselig klingt und sich nach dem totalen Überwachungsstaat mit umfangreichen Einschränkungen für die Freiheit der Bürger anhört, wäre eine zwingende Konsequenz aus den Ideen des Kevin Kühnert.

Denn ein Staat, der den Bürger daran hindern will Aktien zu kaufen, bei dessen Unternehmen er nicht arbeitet, der muss nun mal umfangreiche Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen einführen! Klingt wie Sozialismus, und ist auch Sozialismus, pur! Ganz abgesehen davon: Diese Idee von Kevin Kühnert bedeutet auch, dass ausländische und inländische Investoren aller Art (Warren Buffett als Langfristinvestor, Hedgefonds, normale Aktienfonds) kein Geld mehr in deutsche Aktiengesellschaften pumpen könnten. So wäre der Zugang deutscher Unternehmen über das Mittel von Kapitalerhöhungen oder Börsengängen de facto nicht mehr vorhanden.

Konkretes Beispiel einer Kapitalerhöhung

Spielen wir das mal durch. Ein Dax- oder MDax-Unternehmen will für 1 Milliarde Euro eine Kapitalerhöhung durchführen, um in neue umweltfreundliche Technologien zu investieren. Die ausländische Konkurrenz rennt schon weg, also muss man schnell nachziehen, und braucht dieses Geld. Die Mitarbeiter des Unternehmens als „Kollektive Eigentümer“ (so will es Kühnert ja haben) entscheiden sich gegen die Ausgabe von Anleihen oder Bankkredite, denn man will sich ja nicht verschulden. Also will man neue Aktien ausgeben.

Aber dank der Restriktion, dass nur noch die eigenen Mitarbeiter Aktien halten dürfen, kann das Unternehmen am freien Kapitalmarkt keine neuen Aktien anbieten, und darf nur bei seinen eigenen Mitarbeitern diese neuen Aktien verkaufen. Die müssen also 1 Milliarde Euro aufbringen. Was ist nun, wenn sie aber nur sagen wir mal 100 Millionen Euro aufbringen? Dann fehlen 900 Millionen Euro, die Investition kann nicht stattfinden, und die ausländische Konkurrenz rennt davon in Sachen Innovation. Schöne neue Kühnert-Welt.

SPD Juso-Chef Kevin Kühnert
Kevin Kühnert. Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 de

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Kritisch

    6. Mai 2019 17:24 at 17:24

    Hallo!
    Also, zu erst würde ich Hr. Kühnert den schon häufiger „Sager“ von Dr. Kreisky ins Stammbuch schreiben: „Hr. Kühnert, lernens bitte einmal Geschichte!“
    Zweitens würde ich meinen, dass jemand der so denkt und politisch aktiv ist doch ganz einfach seine Koffer packen sollte und z. Bsp. in CHINA,KUBA oder VIETNAM seine Ideologie ausleben sollte.
    Ein alter Professor von mir sagte einmal – Schauen sie Menschen in die Augen und sie wissen nahezu alles über diese Person (na dann schauen wir ihm mal in die Augen)-ich finde er hatte recht!
    LG

  2. Avatar

    Mulo

    6. Mai 2019 17:50 at 17:50

    Wie sagte doch Hans-Georg Maaßen passend, bevor er aus seinem Amt entfernt wurde. „Aus meiner Sicht war dies für linksradikale Kräfte in der SPD, die von vorneherein dagegen waren, eine Koalition mit der CDU/CSU einzugehen, der willkommene Anlass, um einen Bruch dieser Regierungskoalition zu provozieren.“ Kühnerts Äußerungen, unterstützt von Stegner zeigen eindeutige diese linksradikalen Kräfte auf.

  3. Avatar

    Koch

    6. Mai 2019 17:53 at 17:53

    Was treibt den Kevin an? Bisher empfand ich Ihn als konsequenten Querdenker,eine Spezies welche Mutti beinahe ausgerottet hat.Auch ist er in der Lage ohne die vielen ähs und ohs der meisten anderen Knalltüten zu sprechen.Zur Zeit denke ich jedoch,dass er irre ist,obwohl es mir schwerfällt.Ausserdem ist der wieder entfesselte Finanzmarkt wegen der Minuszinsen,der vielen QE’s und den allgegenwärtigen Notenbankmanipulationen ebenfalls irre und dem allgemeinen Volkswohl abträglich!Der Volksmund sagt dazu:Gleich und gleich gesellt sich gern.Spannend was aus dieser Gemengelage entsteht.Der Kevin haut halt mal so richtig auf den Busch.Da Mutti Pfarrerstochter ist lässt sich leicht abgewandelt skandieren.Und unter den Talaren,der Muff aus 13 Jahren!

  4. Avatar

    md

    6. Mai 2019 20:24 at 20:24

    er ist auf jeden fall psychologischer gewinner. ich hab den knirps vorher garnicht gekannt. jetzt kennt ihn ganz deutschland. also nüchtern betrachtet ein psychologisch cleverer schachzug. und wenn ich in der geschichte der sozi’s mich so durchlese kommt auch der gerhard schröder vor. unser kanzler der reichen und schönen, muss das gleiche auch gesagt haben in seinen jungen jahren. jetzt ist er gerade dabei die gazprom zu verstaatlichen. :)))))

    • Avatar

      leftutti

      6. Mai 2019 21:58 at 21:58

      @md,
      Hat unser deutsch-türkischer Doppelpass-Besitzer und opportunistischer Genießer aller Vorteile zweier Sozialsysteme in den Geschichtsbüchern auch schon nachgelesen, wessen Sozialpolitik er seinen Sonderstatus gegenüber allen Einheimischen zu verdanken hat? Waren es Leute wie Brandt und Schmidt oder waren es 30 Jahre Kohl und Merkel?

      Egal, die Grünen haben alles zerstört und tragen an allem Schuld. Sieben Jahre Rot-Grün haben sämtliche Errungenschaften und gleichzeitig die Zukunft für die nächsten zehn Generationen zunichte gemacht.

      Ich will hier Kevin Kühnert nicht im Ansatz verteidigen oder rechtfertigen, er ist halt ein Jungspund ohne Ahnung und Erfahrung. Und ohne politischen Einfluss, ein Jungpfadfinder, zudem aus Langeweile aufgeblasen von den Medien, weil es für die anscheinend nichts anderes zu berichten gibt.

      Aber, lieber @md, sind Sie nicht ebenso ein Knirps, der ständig völlig unhaltbare und ähnlich lächerliche Kommentare publiziert, die eindeutig widerlegt wurden? Gerne können Sie sich einige hier auf FMW heraussuchen (Katholische Kirche, Regenerative Energien, Freund von Erdogan, solange er nicht in der Türkei leben muss usw.)

    • Avatar

      Timo Merten

      6. Mai 2019 22:40 at 22:40

      Derartige Tagträumereien sind wohl eher einem erhöhten Geltungsbedürfnis des jungen Mannes unterzuordnen und meiner Meinung nach, keiner Rede wert! Dem Deutschen im Osten, mit seinem mühevoll abgeschafften Sozialismus (was keiner war!), wie dem Deutschen im Westen, mit RAF, SDS und Dutschke oder einem Idealsozialisten wie Herrn Porst, sollte mehr Abgeklärtheit zugestanden werden, als unsere Medien uns Deutschen zutrauen! Ich kann über sowas nur lachen. MfG Timo Merten

  5. Avatar

    joah

    6. Mai 2019 21:36 at 21:36

    Nicht so verbissen und ernst, Leute: das ist ein Kevin. Und der Bundesvorsitz (der Jusos) macht Ihn dann ja auch noch folglich zu einem Alpha…

  6. Avatar

    Gixxer

    6. Mai 2019 23:04 at 23:04

    Auf solche Forderungen würden selbst etliche von DieLinke nicht kommen.
    Aber ich vermute auch in erster Linie Geltungssucht von Herrn Kühnert. Mit 08/15-Forderungen lockt man halt nun mal keinen mehr hinter dem Ofen vor.

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Von

Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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