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Anleihen

Was ist an den Anleihemärkten los? Geld wird teurer!

An den Märkten für Staatsanleihen erleben wir derzeit Entwicklungen, die es in dieser Form seit Jahren nicht mehr gegeben hat! Und das betrifft uns alle!

Markus Fugmann

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am

Von Markus Fugmann

An den Märkten für Staatsanleihen erleben wir derzeit Entwicklungen, die es in dieser Form seit Jahren nicht mehr gegeben hat! Und das sollte auch jene interessieren, die sich nur an den Aktienmärkten tummeln – denn was an den Anleihemärkten passiert, beeinflußt stark auch die Entwicklung anderer Asset-Klassen. Schon alleine deshalb, weil an den Anleihemärkten das große Geld gedreht wird – alleine der Markt für amerikanische Staatsanleihen bringt 13,6 Billionen Dollar auf die Waage! Und auch deshalb, weil an den Anleihemärkten faktisch gehandelt wird, was Geld kostet!

Und derzeit geschieht Erstaunliches an den Anleihemärkten: die Zinskurve wird wieder tiefer. Und das nun schon seit neun Handelstagen in Folge – das gab es zuletzt im Jahr 2012 (damals verkauften viele Anleihebesitzer ihre länger laufenden Anleihen an die Fed im Rahmen von deren QE-Programm).

Was bedeutet: die Zinskurve wird wieder tiefer? Mit einem Wort: die Investoren verlangen wieder höhere Renditen (Zinsen), wenn sie länger laufende Anleihen kaufen. Mithin fallen also lang laufende Anleihen wie die 30-jährige US-Staatsanleihe im Kurs, während die Zinsen dafür steigen. Das aber ist bei kürzer laufenden Anleihen nicht so der Fall, sodass der Zinsabstand zwischen etwa einer 2-jährigen oder 5-jährigen Anleihe zu einer lang laufenden Anleihe wie der 30-jährigen US-Staatsanleihe steigt. Das gilt nicht nur für die USA, sondern auch etwa für Deutschland und Japan.

Was geht da vor sich? Erstens hat die EZB auf ihrer letzten Sitzung nicht geliefert – was die Märkte auf dem falschen Fuß erwischt hat. Zweitens hat sich der Markt verabschiedet von der Vorstellung, dass die Fed schon im September die Zinsen anheben wird – was Investments in kürzer laufende Anleihen sinnvoll macht (weil ein Stillhalten der Fed längerfristig eine höhere Inflation wahrscheinlicher macht). Und der dritte Grund ist der vielleicht wichtigste: die Notenbanken, alle voran die Bank of Japan, haben zuletzt signalisiert, dass sie die Zinskurve, die sich in den letzten Monaten und Jahren immer mehr verflacht hatte, wieder vertiefen wollen.

Warum? Es geht um die Banken. Denn das Geschäft der Banken läuft letztlich doch so: sie nehmen unsere Einlagen, die derzeit praktisch nicht verzinst sind, und verleihen das Geld langfristig für deutlich höhere Zinsen. Das geht aber nur, wenn die Zinskurve nicht zu flach ist: macht es etwa keinen Unterschied, ob man Geld für ein Jahr ausleiht oder für 30 Jahre, weil die zu bietenden Zinsen sich praktisch nicht unterscheiden, kann eine Bank kein Geld verdienen.

Und genau das ist der springende Punkt: den Notenbanken ist klar, dass sie die Stabilität des Finanzsystems mit Negativzinsen etc. gefährden, weil sie das Geschäftsmodell der Banken zerstören, das auf Zinsdifferenzen beruht. Nun lautet das neue Motto offenkundig: neue Stimulus-Maßnahmen sind erst einmal auf Eis gelegt (EZB), man gibt den Märkten vielmehr das Signal, dass sich die Zinskurve wieder vertiefen sollte (Bank of Japan) – aus diesem Grund sahen wir bei länger laufenden Staatsanleihen letzten Freitag und am Montag den größten sell-off seit einem Jahr.

Das alles bedeutet: Geld wird perspektivisch wieder teurer, die Zeiten stetig sinkender Zinsen sind Geschichte. Für Banken ist das eine gute Nachricht, für Kreditnehmer allerdings nicht..

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Marten

    15. September 2016 12:52 at 12:52

    Und ich dachte immer, das Geschäftsmodell der Banken sei Geldschöpfung aus dem Nichts und Erzeugung von Krediten, für die es keiner eigenen physischen Einlage über 1% bedarf. Das Geschäft mit der Zinsdifferenz ist gemessen an dem Geldschöpfungsmonopol doch eher klein?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      15. September 2016 13:12 at 13:12

      @Marten, das stimmt nicht! Das aus dem Nichts geschöpfte Geld wirft ja keinerlei Gewinn ab, wenn es keine Zinsen bringt!

      • Avatar

        Gixxer

        15. September 2016 13:50 at 13:50

        Die Geldschöpfung gehört natürlich zum Geschäftsmodell der Banken, bringt aber eben nur was, wenn damit auch was verdient werden kann und das geht bei den Zinsen eben nur schwer.

        • Avatar

          Marten

          15. September 2016 14:24 at 14:24

          OK Leute ;-) Vielleicht kapier ich es ja auch nicht aber ich versuche es (plakativ und ohne Finanzverwaltungsdetails): Also ich spiel jetzt mal Bank. Ich habe 1 Euro echtes Geld Eigenkapital ( physisch Papier bzw. sogar Gold hinterlegt also nicht elektronisch bzw. giral). Nun darf ich als „System“-Bank mit euch einen Vertrag aufsetzen ( Darlehensvertrag), durch den ich euch z.B. 100 Euro „vermieten“ darf auf eine Sicht von 10 Jahren und wegen mir 0,0001 Prozent Zinsen, also fast Null wie aktuell. Je nach Art des Darlehens ist die Tilgung ja unterschiedlich aber selbst wenn ihr mir den Kredit nur 2 Jahre bedienen könnt, mit Tilgung 10 % pro Jahr und ( vernachlässigbarem) Zins, dann habe ich 16 echte Euro in der Tasche ( im Safe) was nun MEINEM neuen EigenKAPITAL entspricht. Wenn das kein Geschäft ist! Nun vergebe ich gesetzlich erlaubt mit 1 Prozent Eigenkapitalreserve schon 1700 Euro Kredit usw. usw.usw.usw…… Dagegen ist der Josephpfenning doch ein Witz. Wer jetzt einwirft, dass ich mir das Geld ja auch irgendwo „mieten“ muss, z.B. bei der nächst „höheren“ Bank der sollte das Speil mal weiter denken bis zur EZB bzw. Notenbank. Die „mieten“ sich garantiert kein Geld.

          Dass, dies nicht unbegrenzt geht ist auch klar, daher bricht ja auch regelmäßig das Geldsystem zusammen ( wenn auch mittlerweile geschickt gestaffelt durch Schuldanschnitte, Währungsreformen, Opferbanken bzw. BADbanks etc. )Früher hat es gedauert bis sich der Zinseszinseffekt ausgewirkt hat und dann alles kollabierte, da die Geldmenge noch am physischen Gold gekoppelt war. Heute erhöht sich die Geldmenge seit der Entkopplung vom Gold ( gemessen in Schulden bzw. Besitz an Schulden) deutlich schneller. Ich bin noch keine 50 Jahre alt ( deutlich jünger) und habe schon 2 mal die Entwertung des Papiers in meiner Geldbörse , also einen echten Kaufkraftverlust bzw. angeordnete Kaufkraftanpassung erlebt. Die Großeltern vieler schon 3 mal , da sie die große Inflation mitmachten.

          Vielleicht kann mir ja hier noch einer erklären wo die Werte in der Realwirtschaft sind, die hinter der „Geldschöpfung“ bzw. den aktuellen Geldmengen stehen wenn die Notenbanken Geld erzeugen? Aber bitte keine Schulbucherklärungen, ich habe die Schulbücher 2er Staatsysteme lesen müssen ( dürfen?) . Logische Erklärungen für die Befugnis der PrivatNotenBanken habe ich in keinem gefunden. Der einzige Unterschied war, dass bei den Kommunisten bzw. Sozialisten die Wirtschaft natürlich nicht so schnell gewachsen ist, aber auch die Verschuldung nicht ;-)

          Die DDR hatte sich glaub ich Anfang der 80 Jahre 5 Mrd. DM von der BRD „geborgt“ . Die waren nach Angaben einen renommierten TV Senders bis zur Wende noch nicht aufgebraucht. Das schafft die BRD glaube ich an einem Tag ;-) Das soll keine Wertung der System sein, zeigt aber den Zusammenhang zwischen Wachstum und Verschuldung schön auf.

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            Z0P0

            15. September 2016 18:00 at 18:00

            @Marten: Was du beschreibst ist idealisiert, bedenke bitte das du nicht von jedem Kreditnehmer dein Geld zurück bekommst. Das heißt du musst das ganze nicht nur für den Einzelfall betrachten, sondern für 100, 1000,… Fälle.
            Sagen wir mal du nimmst bei dem schlechten Zinsumfeld 2,5% Zinsen, aber von deinen 1000 Krediten fallen jedes Jahr 30 aus, dann hast du trotz Geldschöpfung aus dem nichts -0,5% Zinsen auf alle Kredite. Jetzt musst du das ganze noch bearbeiten, sprich du brauchst Personal und Infrastruktur, das geht da auch noch weg. Zu guter letzt musst du für das 1% Einlage/Sicherheit ja auch noch eine Verzinsung erwirtschaften. Auf deutsch du machst Verlust! Ich hoffe die Erklärung hilft dir weiter und war verständlich?
            p.s. Die kommen noch ganz andere Dinge dazu, die ich jetzt mal vernachlässigt habe.

  2. Avatar

    gerd

    15. September 2016 12:59 at 12:59

    Ui, wenn das erstmal die Aktionäre der Commerzbank u. Co. spitz kriegen – und vor allem die, die mal Aktionär werden
    wollen – dann geht da die Post aber ab.

    In den letzten Tagen gings aber mit den Kursen zunächst noch bergab, stärker sogar als bei den Nicht-Bankaktien.
    Und die letzteren fielen ja angeblich aus A n g s t vor einem Zinsanstieg. Paradox, zumindest Bankaktien hätten steigen sollen müssen.

  3. Avatar

    Gixxer

    15. September 2016 13:51 at 13:51

    Das würde ja bedeuten, dass die Notenbanken endlich erkennen, dass sie so nicht weiter machen können.
    Ehrlich gesagt glaube ich nicht daran, dass da mal eine Einsicht einkehrt.

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Anleihen

Deutsche Neuverschuldung in Corona-Zeiten: Kein Problem, es ist sogar ein Profitgeschäft!

Claudio Kummerfeld

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Brandenburger Tor in Berlin

Der deutsche Staat nimmt wegen der Coronakrise und den explodierenden Rettungskosten viele neue Schulden auf. Erste frohe Kunde: Die Neuverschuldung stellt finanztechnisch schon mal gar kein Problem dar. Man sehe die folgende Grafik aus dem Hause Finanzagentur Deutschland GmbH, dem Institut, dass als Vehikel des Bundesfinanzministeriums Anleihen am Kapitalmarkt verkauft.

Neuverschuldung läuft ohne Probleme ab

Heute wurden für den deutschen Staat sieben Jahre laufende Bundesanleihen ausgegeben im Volumen von 4 Milliarden Euro. Die Nachfrage der institutionellen Investoren lag bei 7,26 Milliarden Euro. So war es auch bei den vorigen Emissionen, wie die Übersichtstafel gut zeigt. Die Nachfrage in den letzten Monaten reichte jedes Mal weit über das Angebotsvolumen hinaus, und erreichte manchmal fast das doppelte Volumen. Verkauft wurden heute übrigens nicht 4, sondern nur 3,28 Milliarden Euro Volumen. So läuft das jedes Mal. Ein Teil der Emission wird nicht tatsächlich verkauft, sondern wandert in die sogenannte „Marktpflegequote“, um den Börsenmarkt für diese Anleihe in den nächsten sieben Jahren liquide halten zu können.

Also, Deutschland kommt am Kapitalmarkt spielend leicht an frisches Geld. Und die Emissionsrendite zeigt: Der Bundesfinanzminister verdient mit dem Aufnehmen neuer Schulden jedes Mal sogar Geld. Die heutige Rendite liegt bei minus 0,62 Prozent. Bei den vorigen Emissionen waren es -0,60, -0,62, -0,62, -0,47 Prozent usw. Diese Negativrendite bei der deutschen Neuverschuldung kommt zustande, weil die Anleihen mit einem Kurs über dem Nennwert der Anleihen von 100,00 Prozent verkauft werden (Anleihekurse notieren in Prozentpunkten). Heute zum Beispiel lag der Verkaufspreis bei 104,52 Prozent.

Deutsche Staat macht Gewinn – und warum machen die Anleger freiwillig Verlust?

In sieben Jahren, wenn der deutsche Staat die Anleihe an deren Inhaber zurückzahlt, überweist er aber nur den vereinbarten Nennwert von glatt 100,00 Prozent zurück. Zinsen gab es für die Anleger auch keine mit 0,00 Prozent Zinskupon. Tja, der Staat erhält jetzt 104,52, und zahlt in sieben Jahren nur 100,00 zurück. So macht man Geld. Und wie so oft kann man sich fragen: Warum machen die Anleger das, wieso verschenken die Geld, wieso machen sie wissentlich und freiwillig Verlust?

Nun, da wäre natürlich das Argument, dass bei einer vermuteten weiter sinkenden Rendite die Kurse der Anleihen natürlich automatisch weiter steigen. Dann könnten die Investoren nach der Emission am freien Anleihemarkt höher verkaufen, und einen Gewinn einstreichen. Oder man weiß nur zu gut, dass die EZB immer mehr Anleihen aufkauft, und dass man auch dorthin (mit anständigem Gewinn?) weiterverkaufen kann. Denn die EZB, die will ja unbedingt aufkaufen. Und wer unbedingt kaufen will, zahlt am freien Markt höhere Preise als in der Erstauktion des Bundes?

Und dann wären da noch langfristig denkende, große institutionelle Investoren, die überlegen, wo sie ihre gigantischen Geldmengen unterbringen sollen. Will man nicht alles in Aktien packen, oder darf man es gar nicht, muss man sich nach „sicheren“ Anlagen umschauen. Banken reichen gerade bei größeren Kontoguthaben inzwischen eigentlich immer den Negativzins der EZB an die Kunden weiter. Also würden große Pensionskassen, Fonds, Versicherungen etc mit sehr großen Geldsummen wohl 0,5 Prozent Strafzins bei ihrer Hausbank zahlen. Also dann lieber das Geld in Anleihen investieren? Aber halt. Bei dieser deutschen Staatsanleihe liegt die Rendite ja sogar bei -0,62 Prozent. Also steht man nochmal 0,12 Prozentpunkte schlechter da als auf dem Bankkonto. Hier könnte nur noch das Argument ziehen, dass man deutsche Staatsanleihen (im großen Bild betrachtet) als deutlich besseren Parkplatz für große Geldsummen erachtet, als eine einzelne Bank, die immer pleite gehen kann.

Grafik zeigt Neuverschuldung Deutschlands mit 7 Jahren Laufzeit

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Allgemein

Wirtschaft in Italien stürzt ab – warum das den Markt nicht interessiert

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Italien-Flagge in Rom

Die Wirtschaftsleistung in Italien ist im zweiten Quartal im Vergleich zum 1. Quartal um 12,8 Prozent abgestürzt, wie offizielle Daten zeigen, die heute veröffentlicht wurden. Vorläufige Daten von minus 12,4 Prozent wurden damit nach unten revidiert. Im Jahresvergleich zum zweiten Quartal 2019 ist es ein Absturz von 17,7 Prozent. Dies ist laut Trading Economics der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 60er-Jahren. Im folgenden Chart sehen wir die prozentuale Veränderung der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 90er-Jahren. Man erkennt, dass der Absturz in der Finanzkrise 2008 mit -3 Prozent im Vergleich zu heute verschwindend klein war.


source: tradingeconomics.com

Und was macht der Kapitalmarkt? Die Rendite für Staatsanleihen ist hier immer das beste Barometer. Eigentlich gäbe es da noch die Währung eines Landes. Aber da Italien den Euro hat, kann man hier keinen Gradmesser für Italien mehr erkennen. Wenn ein Investor in Anleihen eines Landes investieren möchte, bei denen die Rückzahlungswahrscheinlichkeit der Anleihen wegen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gefährdet ist, dann erwartet dieser Anleger einen Risikoaufschlag – nämlich für sein Risiko, dass er sein Geld nicht wieder sieht. Daher sind Länder mit großen wirtschaftlichen Problemen automatisch bereit deutlich höhere Renditen für ihre verkauften Staatsanleihen zu bezahlen, um ausländisches Kapital anzulocken.

Warum die Renditen für Italien nicht steigen

Italien stand schon vor der Coronakrise sehr schlecht da. Hohe Schulden erstickten das Land, und eine Wirtschaft die sich nie von der Finanzkrise 2008 erholt hatte. Und dann kam die Coronakrise. Die wirtschaftliche Lage verschärft sich daher dramatisch. Der obige Chart zeigt dies eindrucksvoll. Und was macht die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen? Sie notiert aktuell mit 1,11 Prozent genau da, wo sie am letzten Freitag lag, vor der Veröffentlichung der heutigen BIP-Daten. Der folgende Chart zeigt den Rendite-Verlauf für Italien in den letzten zwölf Monaten. Man sieht, dass die Rendite kurz vor der Coronakrise genau ebenfalls da war, wo sie jetzt notiert. Zwar lag sie im März kurzzeitig bei 2,39 Prozent. Aber mit den umfangreichen Rettungsmaßnahmen von Staaten und EZB wurde schnell klar, dass alles „gerettet“ wird, und die Rendite sank schnell wieder in den Keller.

Also: Die Wirtschaftsleistung in Italien ist brutal abgestürzt. Die Risikoprämie für Anleger, die italienische Schulden kaufen wollen, hat sich per Saldo aber nicht erhöht. Was sagt uns das? Dem Markt ist klar, dass wohl kaum ein echtes Ausfallrisiko für Italien besteht. Denn das Land ist im Euro und als drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum schlicht und einfach „Too big to fail“. Die EZB hat schon jahrelang in gigantischem Ausmaß italienische Staatsanleihen aufgekauft und zuletzt neue gigantische Kaufprogramme aufgelegt, und würde wohl (das darf man vermuten) noch viel, viel mehr kaufen. Hauptsache Italien bleibt im Spiel.

Rendite für zehnjährige Staatsanleihen aus Italien

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Allgemein

Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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