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Anleihen

Was Le Pen bei einem Sieg machen will: Geld drucken!

Viel ist die Rede vom Austritt Frankreichs aus dem Euro, wenn Marine Le Pen französische Präsidentin werden sollte. Aber wie genau sieht das aus? Hier der Plan..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Seit der bisherige Favorit für die Hollande-Nachfolge Fillon stark angeschlagen ist wegen der Affäre um die Zahlungen aus der Staatskasse an Familienmitglieder, scheint Marine Le Pen im Aufwind zu sein. Sie hat zwar nach wie vor keine Koalitionspartner, bei den Wahlen im April wird sie aber ziemlich sicher in die Stichwahl gelangen, und dann kommt es darauf an, dass der Gegenkandidat von Le Pen – ob Fillon, Macron oder wer auch immer – auch die Stimmen jener bekommt, die eigentlich nicht für ihn, aber auf jeden Fall gegen Le Pen sind. Was aber wäre, wenn in Frankreich vor den Wahlen ein schwerer Terroranschlag passieren würde? Ein solches Ereignis könnte dann durchaus dazu führen, dass Le Pen Präsidentin wird!

Daher lohnt ein Blick darauf, was Le Pen eigentlich wirtschaftspolitisch machen will im Falle ihres Wahlsieges. Und das ist zunächst einmal die Abschaffung des Euro und die Wiedereinführung des Franc, der dann vermutlich „Neuer französischer Franc“ heissen würde, wie Le Pens Wirtschaftsberater, Bernard Monot, vorgeschlagen hat. Le Pen würde dann fordern, den Euro zu ersetzen durch die Einführung eines Währungskorbs, ähnlich wie es damals der ECU war, der Vorgänger des Euros. Dabei sollen dann die auf Euro lautenden Schulden im Verhältnis 1:1 in Francs umgebucht werden, sodass sich der Schuldenstand des Landes erst einmal nicht verändern würde. Im Gegenteil: sollte der neue Franc dann abwerten, was sehr wahrscheinlich ist, würden sich die Schulden des Landes in Euro dann sogar faktisch reduzieren – also ein recht netter Taschenspieler-Trick!


Marine Le Pen
Foto: JÄNNICK Jérémy, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19113282

Zentraler Baustein des Le Pen-Plans ist also die Wiedererlangung der „geldpolitischen Souverenität“ durch Abschaffung des Euro und Entmachtung der EZB als geldpolitisches Monopol. Dazu will sie die Unabhängigkeit der eigenen Notenbank, der Banque de France, abschaffen, die seit 1973 gesetzlich verankert ist und eigentlich die Monetarisierung der Staatsschulden unmöglich machen soll (faktisch passiert das durch die EZB in den letzten Jahren – ohne die „Rückendeckung“ der europäischen Notenbank müsste Frankreich wesentlich höhere Zinsen bei der Schuldenaufnahme bezahlen!).

Die nun nicht mehr unabhängige, sondern vom französischen Parlament beaufsichtgte Banque de France wiederum würde neues Geld drucken, jährlich bis zu 5% der derzeitigen Geldmenge – das entspreche, so Bernard Monot, etwa der Menge, die die EZB durch die Käufe französischer Staatsanleihen im Rahmen ihres QE erzeuge. Davon wiederum würden ca. 100 Milliarden Franc jährlich an die Regierung fließen, die damit die Sozialausgaben bestreiten und die neue Industrie-Strategie finanzieren würde. 30 bis 40% davon würde in die Reduzierung der Staatsschulden fließen, wobei man vor allem die von Ausländern gehaltenen Schulden abbauen würde.

So also klingt Le Pens wirtschaftspolitische Antwort auf Trumps „Make Amerika great again“. Die Folge wäre eine Abwertung des neuen Franc, ein herber Anstieg der Risikoprämien für französische Staatsanleihen, die nun ja nicht mehr wie derzeit vergemeinschaftet wären (faktisch hat die EZB mit ihrer Geldpolitik als letzter Garant ja bereits Euro-Bonds eingeführt..).

Ein gigantisches Exeriment also – aber das machen die Amerikaner mit Trump ja auch..

19 Kommentare

19 Comments

  1. Avatar

    bademeister

    7. Februar 2017 11:04 at 11:04

    Die „Liberty“ ist halt ein Geschenk Frankreichs.

  2. Avatar

    leser

    7. Februar 2017 11:20 at 11:20

    Ein gigantisches Experiment, das aber in der beschriebenen Form mit hoher Wahrscheinlichkeit zum scheitern verurteilt ist. Wie soll ein Umtausch der Schulden in den neuen Franc 1:1 funktionieren? Der neue Franc würde an den Devisenmärkten sofort massiv abwerten, da man dort zu Recht Politiker an der Druckerpresse noch weniger mag, als (angeblich unabhängige) Zentralbanker. Die Schulden lauten aber auf Euro oder was auch immer.

    Weder von Rechts und schon gar nicht von Links ist die einzige Lösung, die funktionieren würde, beabsichtigt: Abschaffung des Geldmonopols des Staates und Freigabe des Zahlungsmittels. Das käme einer Selbstentmachtung gleich.

    Immerhin wird im Parteiprogramm der AfD das Geldsystem als solches einmal kurz angesprochen. Dort heißt es:

    „Aus Sorge um unser Geld wollen wir auch darüber nachdenken, ob grundsätzlichere Reformen am Geldsystem mit seinem Kartell aus Zentral‐ und Geschäftsbanken zur Schöpfung von Kreditgeld notwendig sind.“

    Allerdings klingt „wollen wir auch darüber nachdenken“ eher nach einem Trostpflaster, als einer umsetzbaren und überzeugenden Strategie.

  3. Avatar

    Dreistein

    7. Februar 2017 11:52 at 11:52

    Ein gigantisches Exeriment also – aber das machen die Amerikaner mit Trump ja auch..
    Das gigantische Euro-Experiment geht damit aber dem Ende entgegen.
    Was war/ist an dem Euro oder an der EU für den “kleinen Mann“ so toll?
    Für den deutschen “kleinen Mann“ hat er nichts gebracht er hat nur Geld gekostet und kostet
    immer noch. Wo ist diese immer im Gespräch gehaltene Gemeinsamkeit / an einem Strang ziehen?
    Alle haben dem deutschen Steuerzahler am Strang das Geld aus der Tasche gezogen, mehr
    hat der “kleine Mann“ von der EU / Euro nicht gehabt.
    Es geht in der EU nur um das deutsche Geld mehr Gemeinsamkeiten habe ich von da nie gehört oder gesehen.
    Das beste Argument, aber die offenen Grenzen man kann jetzt hinfahren wo man will ohne Kontrollen ohne Geldumtausch. Konnte ich auch so eben mit einer Kontrolle,und einem zur DM guten Wechselkurs so dass mein Urlaub preiswerter wurde, aber wie oft ist der “Normalbürger“ denn im Ausland? Ich hätte nichts gegen Zollkontrollen an der Grenze.

    • Avatar

      Gerd

      7. Februar 2017 12:54 at 12:54

      „Ich hätte nichts gegen Zollkontrollen an der Grenze.“

      Ich glaube, die haben wir schon wieder. Zumindest an der österreichischen Grenze.
      Jetzt fehlt nur noch unsere D-Mark, dann wird der Abwärtsstrudel etwas verlangsamt.

      Aber wer will das schon? Ich kenne mindestens zwei Parteien, die von Anhängern hofiert werden, welche sich von dem Schlachtruf „Deutschland verrecke“, nicht distanzieren.

  4. Avatar

    Jügen

    7. Februar 2017 23:32 at 23:32

    Versteh ich nicht so ganz, wenn der Franc abgewerte wird, dann steigen doch sdie Schulden!!

  5. Avatar

    Dreistein

    8. Februar 2017 07:58 at 07:58

    Leute ich verstehe das ganze langsam nicht mehr, da heißt es für Deutschland ist der Euro zu schwach, für Frankreich, Spanien, Italien usw. ist der Euro zu stark, eigentlich für die gesamte EU außer Deutschland. Wenn Frankreich Geld druckt und der Franc abgewertet wird ist das für den Export Frankreichs doch nicht schlecht so wird es überall immer und immer wieder geschrieben.
    Wer glaubt dass wir unser Geld jemals wiederbekommen aus den EU-Ländern ist ein Träumer
    und das hat nichts mit Euro oder Franc zutun, wir kriegen das Geld in keiner Währung zurück das ist WEG. Wir Dummdösel verschenken unsere Arbeitskraft (Waren), für Minijobs und Mindestlohn so das keiner mehr eine Rente bekommt. Guckt euch mal die Target2 Salden an, die sind am Explodieren, da wird sich noch mal ein Schüppchen Geld durch die Hintertür aus Deutschland geholt. Das Endspiel ist am Laufen! Wenn die EZB nicht wie BLÖDE Geld drucken und in den Markt schmeißen würde, wäre schon lange Game Over!

    • Avatar

      nordsüd

      8. Februar 2017 08:39 at 08:39

      Vermutlich haben Sie es sehr gut verstanden. Habe letztens das Argument gehört, Draghis Aussage vor einem Euro Austritt müssen die Target2 Salden ausgeglichen werden, bezog sich nicht nur auf die schwachen Austrittskandidaten (ob die das überhaupt können?) sondern möglicherweise auch auf Länder mit Target2 Forderungen. Diese so wurde spekuliert könnten die Forderungen von der EZB erstattet bekommen. Das alles ist aber wohl eher alles eher Vermutung.
      Vielleicht ist der Euro aber doch überlebensfähiger als man denkt.

      • Avatar

        nordsüd

        8. Februar 2017 08:47 at 08:47

        Ergänzung.
        Laut Umfragen wollen wohl sogar in Griechenland über 60% im Euro bleiben.
        Vielleicht ist damit der Anspruch an die Regierenden zu einer besseren Politik verbunden, das könnte hoffnungsvoll sein.

  6. Avatar

    Dreistein

    8. Februar 2017 10:14 at 10:14

    Die Sache mit den Umfragen ist so ein Ding für sich.
    Das griechische Volk ist doch am Verarmen, diese ganzen Steuererhöhungen und Sozialkürzungen geht doch an niemanden sang und klanglos vorbei(Reeder nicht mit eingeschlossen), und wenn es dem Volk doch schlecht geht durch den Euro, warum wollen die dann im Euro bleiben? Es stehen doch noch mehr Einschnitte zur Debatte und das bekommt doch das Volk auch mit. Griechenland wird und kann seine Schulden nicht begleichen, der Schuldenschnitt für Griechenland wird kommen.
    Schäuble will es nur nicht vor den Wahlen. Das Geld ist futsch für Deutschland und dann kann man auch sehen warum es nicht sofort einen Schuldenschnitt gegeben hat, die Banken mussten durch den Steuerzahler gerettet werden. Diese Zocker wussten genau dass (in der Spitze 11-12% Zinsen)
    das nicht gut gehen kann.

  7. Avatar

    Gerd

    8. Februar 2017 11:00 at 11:00

    „Diese Zocker wussten genau dass (in der Spitze 11-12% Zinsen) das nicht gut gehen kann.“
    Dieses auch von Politikern insbesondere, Frau Wagenknecht, immer wieder zu hörende Argument ist richtig – und auch wieder nicht.

    Was hätte das bedeutet, wenn sämtliche dieser, von Ihnen Zocker genannten, Geldgeber die Anleihen nicht gekauft hätten? In den Jahren vor 2010.
    Griechenland brauchte das Geld doch auf jeden Fall, sei es für Investitionen oder für Umschuldung/Verlängerung/Tilgung von Altschulden. Also hätte Griechenland noch höhere Zinsen gewähren müssen. Wenn aber selbst dann keine „Zocker“ bereit gewesen wären Geld zu geben. Dann ginge das mit dem Raufsetzten der Zinssätze so weiter und so fort.
    Irgendeinen Kreditgeber hätte Griechenland auf jeden Fall gebraucht.
    Und wären es nicht die „Zockerbanken“ gewesen, hätte es auch damals schon Deutschland via EU sein müssen. So wie heute auch.
    ODER Griechenland wäre auch damals schon pleite gewesen. Wie heute eigentlich auch. Und Griechenland hätte schon damals besser den Euroraum verlassen müssen – genauso wie heute auch.
    Also „Zocker“ hin oder her. Griechenland hätte damals so schlecht da gestanden wie heute auch. Und die Deutschen Geldgeber ebenso.

    Allerdings könnte ich spekulativ annehmen, dass es dennoch einen großen Unterschied geben würde. Griechenland hätte bis heute bereits 10 Jahre Zeit gehabt, sich zu erholen und würde schon längst wieder auf eigenen Beinen stehen. Dann wäre Ihr Statement tatsächlich angebracht, dass es die „Zocker“ waren, welche aus Profitgier so böse waren und das Land zunächst mal vor der Pleite gerettet hatten.

    • Avatar

      Marko

      8. Februar 2017 13:17 at 13:17

      Das sehe ich komplett anders :

      Griechenland hat sich durch Betrügereinen mit Hilfe von Goldman Sachs in den EUR hineingemogelt. Griechenland hat von 2001 – bis 2008/2009 defintitiv über seine Verhältnisse gelebt, zu Billigstzinsen (durch den EUR) – zu 5 % ?

      Oder was war mit den Spaniern los ? Immobilienboom ohne Ende, Billigstzinsen – dann kam Lehman…
      Das mit den Billigstzinsen war doch eine Extraeinladung für die Griechen/Spanier usw, in Saus und Braus zu leben, war das die Schuld des EUR, der EU ?

      Garantiert nicht. Die Rechnung kam im Zuge der Lehman-Krise.

      Wer hat eigentlich wen betrogen ? Hat der Staat Griechenland mit gefälschten Statistiken nicht gezockt , um in den EUR hereinzukommen ?
      Heute sagt man, Griechenland muss raus aus dem EUR, Zypern auch ? Das geht nicht, Griechenland ist nicht GB.

      Vg

      Marko

  8. Avatar

    Marko

    8. Februar 2017 12:54 at 12:54

    Und was lernen wir daraus:
    Ein Austritt Frankreichs aus dem EUR ist nicht möglich…

    Erst wollten Sie uns den EUR aufschwatzen damals, um den Deutschen bzw. der bösen, bösen Deutschen Bundesbank zu schaden und jetzt will man nicht mehr, man will den Franken zurück ?

    Ja, geht das denn überhaupt ? Nö ! Verträge sind einzuhalten, klar kann Frankreich sagen, machens wir doch wie Trump, die Briten usw, nur sollte man sich über die Konsequenzen im Klaren sein ?

    Der „neue, unschuldige, freie“ Franc dürfte sich auf eine Aberwertungsorgie gefasst machen, die es in sich haben könnte. Genau deshalb haben die Griechen im allerletzten Moment den Sparpaketen zugestimmt. ;)

    Weil : die Schulden sind doch immer noch da und zwar in EUR und die EU-Förderprogramme fallen weg, der freie Handel (wenn es hart auf hart kommt) auch ?

    Mag sein, dass französische Renaults, Peugeots dann billiger würden, ist schon klasse ? Ja, wenn aber Frankreich sagt, wir sind der Frankxit, wir wollen keine Flüchtlinge usw, so dürfte die EU schon reagieren dürfen ? Gell ? :D

    VG

    Marko

    • Avatar

      Gerd

      8. Februar 2017 13:10 at 13:10

      „….Aberwertungsorgie gefasst machen, die es in sich haben könnte..“
      Und was wäre da für die Griechen so schlimm dran, oder für die Franzosen?
      Ach ja: „Weil : die Schulden sind doch immer noch da und zwar in EUR“

      J e t z t sind sie aber auch noch da – und zwar auch in Euro.
      Mit dem Unterschied, dass die Griechen mit dem Euro nicht wettbewerbsfähig sind und deshalb keine Überschusserlöse erwirtschaften können, mit denen sie diese Schulden jemals auch nur annähernd zurückzahlen könnten.

      • Avatar

        Marko

        8. Februar 2017 14:06 at 14:06

        Das Schlimme daran wäre, dass man mit „Mondzinsen“ rechnen müsste, einfach deshalb, weil man dann – im Falle des EUR-Austritts – nicht mehr kreditwürdig wäre, dazu kämen noch die ALTSCHULDEN in harten EUR obendrauf.

        Ist doch ganz einfach, ich breche willentlich einen Vertrag, trete aus irgendetwas aus, und sage dann, die Verträge gelten (für mich) nicht. Ich zahle nix, Flüchtlinge raus, usw…

        Na, was wird dann wohl passieren ? :D

        Wer hält Sie dann, später, für einen verlässlichen Vertagsparnter ? Wenn überhaupt, dürften Kreditvertäge zustande kommen ja, aber zu welchen Konditionen ?
        Genau deshalb hat Griechenland unter Tsirpars der „Unabhängigkeit“ bye-bye gesagt.

        Die Griechen haben doch willentlich die EU betrogen, oder ? Weil man dachte, ist doch super, keine Mondzinsen mehr.

        https://www.contra-magazin.com/2017/02/varoufakis-draengt-tsipras-zum-grexit/

        Varoufakis drängt Tsipras zum Grexit

        Ex-Finanzminister Varoufakis drängt Premierminister Tsipras dazu, das früher ausgearbeitete parallele Zahlsystem zu adaptieren und die Schulden einseitig zu restrukturieren.

        Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis teilt gegenüber Premierminister Alexis Tsipras aus und fordert ihn dazu auf, die unselige aktuelle Situation mittels einseitiger Maßnahmen durch die Regierung endlich zu bereinigen. Doch dies käme einem Grexit gleich.
        So schreibt Varoufakis auf KeepTalkingGreece davon, dass er Tsipras dazu auffordert, den Geldgebern Griechenlands den Rücken zuzukehren, ein paralleles Zahlungssystem (welches bereits im Jahr 2014 designed wurde) einzuführen und eine unilaterale Neustrukturierung der Kredite durchzuführen, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) gehalten werden.

        Der Ökonom wirft darin Deutschlands Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor, eine Strategie zu verfolgen, wonach Griechenland zum Punkt der völligen Erschöpfung gebracht werden soll, damit diese „freiwillig“ um den Euro-Austritt betteln würden. Vor allem jedoch habe es „niemals eine Basis auf Hoffnung“ gegeben, dass der „toxische dritte Bail-Out“ auch nur ein wenig vernünftig ablaufen würde.

        Ein „paralleles Zahlungssytem“, soso, da spricht der Herr Professor… ;) :D

        Wieso sind „wir“ daran Schuld, er spricht doch Deutschland offen an ? Reparationszahlungen die hatten wir doch schon ?

        VG

        Marko

        • Avatar

          Gerd

          8. Februar 2017 16:53 at 16:53

          Varoufakis hatte Recht.

          Und Mondzinsen würde Griechenland bei einem Austritt nicht zahlen so oder so nicht.
          Die potentiellen Neugläubiger werden auch bei Mondzinsen kein Geld mehr in ein solches Land stecken. Weil sie gemäß Dreistein ja spätestens dann erkennen werden, dass ein Land pleite ist – bei derart hohen Zinssätzen.
          Und Griechenland selber würde Mondzinsen auch gar nicht akzeptieren – weil es nicht in der Lage wäre, solche zu bezahlen.
          Folge: Ohne neues Geld, können auch die Altschulden nicht bedient werden. Was anderes als läuft ja seit Jahren nicht. Neue Kredite um alte zu tilgen. Das heißt, kein frische Geld, Griechenland pleite, Gläubiger (hauptsächlich Deutschland) bleiben auf den Forderungen endgültig und unwiderruflich sitzen. Und damit könnte Griechenland seinen Primärüberschuss vollständig für die eigene Bevölkerung verwenden und müsste den nicht auch noch für Zinszahlungen verwenden.

          Kredite bekommt Griechenland dann über viele Jahre nicht mehr. Werden auch nicht mehr gebraucht, weil griechenland durch die massivst abgewertete Drachme das billigste Urlaubsland weltweit sein würde. Riesige Einnahmen sind zu erwarten.

          In dieser Reinform läuft es in der Realität natürlich nicht ab. Aber die Richtung wäre allemal denkbar.

  9. Avatar

    Dreistein

    8. Februar 2017 13:29 at 13:29

    @ Gerd, die Schulden Griechenlands beruhen (natürlich nicht alle) hauptsächlich auf die Rüstung Panzer. Hier wurde Griechenland zu verpflichtet (Nato)
    und es wurde aufgerüstet was sich die Griechen nicht leisten konnten. Natürlich mit Krediten aber man war ja nun in der EU, den Rest brauchen wir glaube ich nicht zu diskutieren, Korruption, Steuereinnahmen usw. Ich bin mir auch bewusst das die Griechen sich in die Eu gelogen haben (hatten auch einen guten Lügner bekannten Draghi) aber wenn ich jemanden einen Kredit geben soll der 11% Zinsen zahlt, muss ich mir als Bank Gedanken machen ob ich dieses Geld auch wieder bekomme. Zu diesem Zeitpunkt hätte selbst ein Blinder gesehen da stimmt etwas nicht und wenn man sich die Schulden Griechenlands angesehen hätte wäre kein Kredit mehr raus gegangen. Warum wurde dann der Schuldenschnitt nicht gleich gestartet? Jeder der ein wenig rechnen konnte hatte gesehen die Schulden können die nicht zurückzahlen. Nein die französischen und deutschen Banken hatten zu hoch gezockt und zu viel Geld dort reingeschmissen. Gier frisst Hirn! Deshalb Zocker eine seriöse Bank hätte da nicht mehr mitgespielt.

  10. Avatar

    Marko

    8. Februar 2017 14:26 at 14:26

    Um es zusammenzufassen, bzgl. des möglichen EUR-Austritts, nachdem Trump, Brexit, Le Pen-Gedöns :

    Es gibt einen Staat, der (theoretisch) aus dem EUR austreten kann, und das sind „wir“.

    VG

    MArko

  11. Avatar

    Gerd

    8. Februar 2017 15:33 at 15:33

    Eure Antworten entkräften nicht meinen Kommentar.
    Marko schreibt eindeutig, wer schuld war. Z. Bsp. Griechenland selbst. Was können da die Anleger und Banken dafür, wenn die Griechen sich reingemogelt haben.

    Wie gesagt, einzige Alternative wäre gewesen, schon vor 10 Jahren die Pleite zu provozieren.
    “ Warum wurde dann der Schuldenschnitt nicht gleich gestartet?“ fragt Dreistein.
    Das dürfen Sie mich nicht fragen. Aber den „Zockerbanken“ darf man bestimmt nicht den Vorwurf machen, dass ein Schuldenschnit an ihen gescheitert ist.

    Nebenbei, was waren bei dem damalig ohnehin höheren Zinsniveau schon 10%p.a..
    Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder der hier bei FMW mitmischt, sich auch mindestens 10% erarbeiten möchte. Und das bei niedrigerem Zinsniveau.

    Und kein „Zocker“ hat gewartet bis das Zinsniveau bei 10% lag. Natürlich haben die auch schon bei den von Marko genannten 5% investiert. Und bei 6 und bei 7 u.s.w. Nach und nach ging das dann immer höher.
    Und noch lange nicht jeder Staat, der 10% Zinsen berappen musste, ging pleite. So einwandfrei lässt sich da keine Kausalität herstellen.

    Umgekehrt haben Anleger den DAX auch schon bei 5000 gekauft, bei 6, 7, 8, 9, 10, 11Tausend – und viele von denen sind als Langfristinvestoren immer noch drin. Sind die deshalb schuld, wenn bei 12Tausend immer noch gekauft wird und irgendwann danach der Crash kommt?
    Sagen sie denen auch, das war doch wohl offensichtlich?
    Wenn ihr schon eher wieder ausgestiegen sein würdet, hätte der Index nie so hoch gehen können und einen Crash würde es nicht gegeben haben?
    Also, ich weiß nicht.

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Allgemein

Coronakrise: Größter Schuldenanstieg – aber Zinsen rutschen in Euroland

Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg der Geschichte. Gleichzeitig sinken die Zinssätze. Die Vergemeinschaftung von Schulden hat begonnen

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Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg in seiner Geschichte. Jegliche fiskalische Zurückhaltung weicht angesichts einer pandemischen Bedrohung der Volkswirtschaften. Gleichzeitig sinken die Zinssätze in den Mitgliedstaaten in atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung der deutschen Bunds. Der letzte Auslöser war der große Wiederaufbaufonds, den die Gemeinschaft trotz des Widerstandes der sparsamen Fünf – Dänemark, Schweden, die Niederlande, Finnland und Österreich – beschlossen hat. Wittern die Märkte angesichts der Coronakrise eine Vergemeinschaftung der Schulden?

Coronakrise: Die Einführung des Euro und die Zinsen

Die Einführung der Gemeinschaftswährung am 1. Januar 1999 brachte für einige der elf Teilnehmerstaaten zunächst eine gewaltige Erleichterung bei der Bewältigung der Staatsschulden. Im Jahr 2000 musste man für italienische Langläufer kaum mehr bezahlen, als für die deutschen „Bunds: in etwa 5,5 Prozent. Etwa sechs Jahre zuvor lag der Zinssatz für die 10-Jährigen bei fast 14 Prozent. Waren da nicht noch die so genannten Maastricht-Verträge mit den Konvergenzkriterien für eine Aufnahme, die eine Höhe der Staatsverschuldung von max. 60 Prozent und eine Neuverschuldung von höchstens drei Prozent erlaubten? Doch wenn selbst das Vorbild Deutschland diese über mehrere Jahre nicht erfüllen konnte, wie dann Disziplin einfordern von den anderen Staaten?

Kurzum: Die Zinserleichterungen wurden erfreut mitgenommen, die Schuldenstände jedoch nicht zurückgeführt. In der Staatsschuldenkrise nach 2011 weiteten sich die Spreads aus, Griechenland stand am Rande des Bankrotts, bis man sich mit Umschuldungsprogrammen und Schuldenerlass zur Rettung Griechenlands und damit auch der Eurozone durchrang. Denn auch die Zinsaufschläge von Italien, Spanien, Portugal und teilweise auch die von Frankreich waren in die Höhe gesprungen.

Bis die Europäische Zentralbank, in Gestalt ihres Chefs, Mario Draghi in Aktion trat, der die mittlerweile mehrfach kopierten und psychologisch entscheidenden Worte sprach: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” Die Folgen sind bekannt: Zinssenkungen auf null, massive Anleihekäufe bis zur erlaubten Obergrenze von 33 Prozent pro Staat und ein für nicht möglich gehaltener Verfall der Zinslandschaft, der in der Coronakrise gerade seinen Höhepunkt feiert.

Die Pandemie, PEPP und der Wiederaufbaufonds

Das Jahr 2020 wird nicht nur wegen des globalen Vormarschs eines Virus in die Geschichte eingehen als das Jahr der Coronakrise. In einer weltweiten Allianz einigten sich Staaten und Notenbanken zu bisher noch nie gesehenen und einmalig hohen Rettungsprogrammen. In Europa lautet der Name für das große Ankaufprogramm für Staatsanleihen und privater Schulden PEPP – Pandemic Emergency Purchase Programme – zunächst in Höhe von 750 Milliarden Euro, welches am 2. Juni nochmals um 600 Milliarden Euro aufgestockt wurde. Da es ausgerechnet die hoch verschuldeten südlichen Länder durch die Pandemie besonders hart getroffen hat – Italiens und Spaniens Bruttoinlandsprodukt sanken im zweiten Quartal um 13 beziehungsweise 18,5 Prozent – musste man noch einmal nachlegen, um einen Zinsanstieg für diese Länder zu verhindern. Der von Frankreich initiierte und hart umkämpfte Wiederaufbaufonds war der nächste Schritt, ein spezielles Konstrukt gemeinsamer Anleihen in Höhe von zunächst 750 Milliarden Euro.

Die Zinsen in der Eurozone – Limes gegen null

Der viel umkämpfte Wiederaufbaufonds hat eindeutig das Ziel gerade den Staaten zu helfen, die einerseits hoch verschuldet aber andererseits besonders schwer betroffen von der Coronakrise in Not geraten sind. Durch die Emission gemeinsamer Anleihen werden Schulden finanziert, die die EU aufnimmt und für die alle Mitglieder gemeinsam geradestehen. Zweifellos ist das der Einstieg in eine Vergemeinschaftung von Schulden im Euro-Raum. Investoren jubelten, speziell auch aus dem Ausland, weil man sich jetzt sicher ist, dass man die Eurozone unter allen Umständen beisammen halten will, auch wenn man früher beschlossenen Festlegungenzuwider handelt. Die Folge ist ein Absturz der Zinsen in Tiefen, die nichts mehr mit der Bepreisung von Risiko zu tun haben.

Es wurde in letzter Zeit schon öfters berichtet, wie tief die Zinsen für länger laufende Anleihen im Süden gefallen sind, zum Beispiel in Italien mit 0,78 Prozent für die 10-Jährigen – die also inzwischen genauso hoch stehen, wie die bisher sicherste Staatsanleihe der Welt, die 10-jährige US-Treasury. Aber es geht noch extremer: Für griechische Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten werden schon Minuszinsen bezahlt, in Italien akzeptieren Sparer schon vier Jahre Laufzeit mit Zinsen nahe null, in Spanien und Portugal muss man für eine positive Rendite schon Langläufer mit acht Jahren Laufzeit wählen. Dabei stellt sich die Frage: Ist ganz Europa durch die Notenbankpolitik in der Coronakrise auf dem Weg zu Nullzinsen, also zur Schuldenaufnahme zum Nulltarif? Wenn man sich eine Übersicht betrachtet, die die Zinsdifferenz auflistet, die europäische Staaten zu den abnorm niedrigen deutschen 10-jährigen Bund (circa minus 0,60 Prozent) zahlen müssen, so kann man nur zu dieser Schlussfolgerung gelangen.

Zinsaufschläge zu deutschen Langläufern, in Prozent:

Niederlande plus 0,11
Österreich plus 0,17
Belgien plus 0,25
Slowakei plus 0,26
Frankreich plus 0,29
Irland plus 0,37
Portugal plus 0,78
Spanien plus 0,80
Zypern plus 1,00
Italien plus 1,34
Griechenland plus 1,45

Nochmal, die Vergleichsbasis ist nicht null, sondern deutlich darunter.

Fazit

Die Politik der Notenbanken in der Coronakrise hat eine Situation geschaffen, in die wohl niemand jemals geraten wollte. „Point of no return?“ Staatsfinanzierung durch die Notenbanken?

Ist diese Entwicklung nicht auch der Einstieg in eine gemeinsame europäische Schuldenunion? Vermutlich ja, denn die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, zugleich Ex-Finanzminsterin von Frankreich, hat gerade erst in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Monde“ den Gedanken geäußert, man müsse über ein dauerhaftes konjunkturelles Stützungsinstrument nachdenken. Der Fonds in Höhe von 750 Milliarden Euro solle erhalten bleiben – damit er immer wieder verwendet werden kann, wenn außergewöhnliche Umstände eintreten. Wer soll eigentlich die auslaufenden und zu ersetzenden Anleihen von Italien und Griechenland kaufen, Staaten, die demnächst mit 200 beziehungsweise 160 Prozent zum BIP verschuldet sind, deren Staatsanleihen aber bereits fast keine Rendite mehr abwerfen?

Wie wird man dieses Programm wohl abkürzen?

 

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Woher die aktuelle Euro-Stärke kommt – ein Analyst gibt Hinweise

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Das Euro-Symbol

Der Euro steigt seit genau zwei Tagen gegen den US-Dollar spürbar an von 1,1700 auf aktuell 1,1865. Dafür könnte es einen interessanten Grund geben. Man schaue auf den gestrigen Tag. Quasi unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit hat die EU ihre erste eigene Anleihetranche am freien Anleihemarkt platziert. Laut Berichten (siehe beispielsweise Bondguide) sei die Attraktivität dieses Angebots an EU-Anleihen schwer zu übersehen gewesen. Denn Moody’s habe die EU-Anleihen mit „Aaa“ bewertet. Und der Emissionspreis sei so festgesetzt worden, dass die Emission vom Markt gut aufgenommen wurde. Eine Nachfrage von 233 Milliarden Euro traf auf gerade mal 17 Milliarden Euro Angebot! Das zeigt, wie groß die Nachfrage der Institutionellen nach den Anleihen der EU war. Und wo soll da noch das Risiko sein, wenn Brüssel selbst die Anleihen ausgibt, und nicht ein Einzelstaat?

EU-Anleihen als Grund für aktuell steigenden Euro?

Eben dieser Drang in ein neues Anleihevehikel, nämlich eine zentrale Emission von EU-Anleihen, könnte bei den großen global agierenden Investoren (Fonds, Versicherungen, Pensionskassen etc) einen verstärkten Drang in den Euro verursachen. Der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos hat ganz aktuell einige sehr interessante Aussagen zum Euro veröffentlicht mit der Headline „Someone likes Europe“, also übersetzt „Irgendwer mag Europa“. Über das große Auftragsbuch im Vorfeld der Emission sei ausführlich berichtet worden, aber weniger über die große Nachfrage seitens der Notenbanken, so seine Aussage. Nahezu 40 Prozent der gestrigen zehnjährigen Emission der EU wurden laut George Saravelos von den Notenbanken aufgenommen, was fast doppelt so viel sei wie die durchschnittliche Inanspruchnahme bei früheren europäischen Emissionen.

Warum das wichtig sei? Erstens seien Notenbanken in der Regel nicht abgesicherte Investoren, so dass eine starke Nachfrage von dieser Seite nach den neuen EU-Anleihen eine direkte Nachfrage für den Euro gegenüber dem US-Dollar bedeute, so George Saravelos. Zweitens sei die hohe Nachfrage von Notenbanken für diese neuen EU-Anleihen ein Vertrauensvotum für den Euro als Reservewährung, insbesondere in einer Zeit, in der die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werde.

Aber George Saravelos sagt auch, dass dieses aktuelle Ereignis nicht als alleiniger Grund für die aktuelle Euro-Stärke gesehen werden soll. Es solle auch in den Kontext größerer struktureller Verschiebungen gestellt werden. Es gehe um einen extrem starken negativen Policy-Mix für den US-Dollar. Die großes US-Haushaltsdefizite, eine sehr lockere Geldpolitik der Fed und sich verschlechternde Außenhandelskonten der USA. Schon vor den Wahlen in den USA verschlechtern sich diese Trends, so George Saravelos. Schauen wir an dieser Stelle mal auf den Chart. Er zeigt Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage. Ist das neue „Aufnahmevehikel“ der EU (meine Wortkreation) für internationale Investorengelder aktuell ein zusätzlicher Impuls, der den Euro-Anstieg befeuert? Gut möglich.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar

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Anleihen

Anleihen und Zinsen – eine weltweite Vernichtung der Anlegergelder

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Für viele Großanleger gibt es seit Jahrzehnten eigentlich nur zwei große Anlageklassen – Anleihen oder Aktien: Um das Anlagekapital langfristig zu vermehren, oder um regelmäßig Zinsen oder Dividenden einzunehmen, wie es zum Beispiel Pensionsfonds tun, um die Kunden im Alter zu versorgen. Und gerade dieser ehemals so sichere und zuverlässliche Renditebringer ist durch die Interventionen der Notenbanken geradezu marginalisiert worden. Dabei müssen viele Institutionelle wie Versicherungen sogar ihren Hauptanteil der Finanzanlagen in Anleihen positionieren. Dort geschieht derzeit weiterhin viel Absurdes mit weitreichenden Konsequenzen.

Anleihen: Lage an den Rentenmärkten wird immer skurriler

In Europa schütteln viele Ökonomen nur noch den Kopf über die Kapitalmarktzinsen, speziell im Bereich der Staatsanleihen.

Zinsen um die ein Prozent für Langläufer in hoch verschuldeten Ländern, wie Griechenland oder Italien, liegen auf Höhe mit den amerikanischen Pendants. Einem Land (USA), welches trotz der eminent hohen aktuellen Verschuldung in seiner 244-jährigen Geschichte noch nie einen Staatsbankrott erleben musste und welches noch einen absoluten Ausnahmestatus innehat, da der US-Dollar als Weltreservewährung einen Sonderbonus genießt.

Aber auch für die am längsten laufenden Anleihen der Staaten im Zentrum Europas – Österreich, Schweiz und Deutschland – müssen für die 30- oder 50-jährigen Staatsanleihen fast keine Zinsen mehr gezahlt werden.

Die ultimative Begründung für die derzeitige Ausnahmestellung der Aktienmärkte

Diese wird von einer Erhebung durch die US-Großbank JPMorgan geliefert:

Weltweit gibt es für 17 Billionen Dollar an Anleihen keine oder sogar Minuszinsen
Berücksichtigt man die jeweiligen Inflationsraten, so beträgt die Summe der Anleihen, die eine negative Realrendite abwerfen 32 Billionen Dollar, oder 76 Prozent aller Staatsanleihen von Industrieländern
Woher sollen die vielen Kapitalsammelstellen, die auf Einnahmen angewiesen sind, eine Rendite erwirtschaften?

Fazit

Die Zinslandschaft in großen Teilen der Welt ist fast schon als brutal zu bezeichnen – für die Halter der Papiere.

Man kann täglich hundert Indikatoren heranziehen, um die Überbewertung der Aktienmärkte zu begründen. Vom Shiller-KGV, dem Buffett-Indikator, historischen Vergleichen zur Bewertung von Aktien zur Gesamtwirtschaft und vieles mehr. Aber wir haben auch eine historisch einmalige Situation. Wenn allein die drei großen Notenbanken (Fed, EZB, BoJ) in ihren Bilanzen schon über 20 Billionen Dollar stehen haben, die zum großen Teil von Käufen von Anleihen herrühren, kann es das Regulativ Anleihemarkt zu Aktienmarkt in alter Form nicht mehr geben.

Anders ausgedrückt: Was juckt ein KGV der Aktienmärkte von 20 bis 30, wenn selbst die großen Anleihemärkte ein mindestens dreistelliges aufweisen?

Und noch sieht es nicht nach einer Wende aus – weder bei den Käufen von Anleihen, noch bei den Kapitalmarktzinsen. Die Kapitalsammelstellen stehen täglich vor dem Problem, einerseits neue Gelder anlegen zu müssen, andererseits ihren Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Dies ist für mich der Hauptgrund dafür, warum die Aktienmärkte einfach nicht größer korrigieren wollen. „There is no alternative!“ (TINA).

Zwar gab es den brutalen Einbruch wegen Corona im Februar/März, aber damals musste jeder Aktieninvestor mit dem Schlimmsten rechnen und seither hat die „Zerstörung“ der Zinsmärkte erst so richtig Fahrt aufgenommen. Wie könnte dieser Zustand sich zumindest etwas ändern? Schon öfters erwähnt: Ein substanzieller Anstieg der Inflation, der zu einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen führt – nicht zu einem Anstieg der Leitzinsen.

Werden neue Schuldenprogramne 2021 bei einer Erholung der Wirtschaft dazu führen? Wenn es zumindest wieder etwas positive Realzinsen gibt? Wir werden es sehen, zunächst an den Zins-Charts.

Die absurde Entwicklung bei Anleihen - oder warum die Aktienmärkte so hoch stehen

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