Folgen Sie uns

Indizes

Was macht die EZB, wenn die Fed die Zinsen senkt?

Mario Draghi ist jetzt schon ein Rekord sicher: Er ist der erste EZB-Chef, der in seiner achtjährigen Amtszeit keine einzige Zinsanhebung vorgenommen hat

Avatar

Veröffentlicht

am

An der Wall Street wird heftig darüber spekuliert, wann die Federal Reserve die Leitzinsen senken könnte, vielleicht bereits schon im Juni oder Juli? Für die Fed-Sitzung in der nächsten Woche besteht aber nur eine geringe Wahrscheinlichkeit (23 Prozent). Eine erste Leitzinssenkung seit 2008. Aber was macht dann der Kurs des US-Dollars und damit auch der des Euro?

Werbung: Gratis in Aktien und ETFs investieren. Null-Provision, Null-Aufwand! Erhalten Sie eine Gratisaktie im Wert von bis zu 100€

 

Ein Dilemma für die Eurozone

Derzeit läuft die Konjunktur in Europa schlechter als die in den USA. Die US-Notenbank hat im Falle eines Konjunktureinbruches nach vorherigen neun Zinsanhebungen Spielraum nach unten, aber was macht die Europäische Zentralbank? Ein möglicherweise steigender Eurokurs in einem Wirtschaftsraum, der sehr viel exportiert, mit einem taumelnden Italien.

 

Was tun EZB?

Weitere Senkungen des Leitzins (0%) oder des Einlagezinssatzes (-0,4%) mit fraglichen Auswirkungen auf Konjunktur und Inflation? Aber haben wir überhaupt einen Mangel an Liquidität?

Betrachtet man die Option Anleihekaufprogramm, so wird ein weiteres Problem deutlich. Deutschland fällt als Markt fast aus, wegen des Mangels an neuen Anleihen, des Verteilungsschlüssels (26,4% für Deutschland) und der Kriterien für das Kaufprogramm. Die EZB darf nur Anleihen kaufen, deren Zinssatz oberhalb des Einlagesatzes für Banken (-0,4%) liegt. Damit entfallen in Deutschland alle Anleihen bis zu acht Jahren Laufzeit. Außerdem darf die EZB nur maximal ein Drittel einer Anleihe kaufen. Also was tun? Die Regeln ändern, oder vielleicht sogar Aktien erwerben? Das würde ein Kampf um die Pötte in einem Euro-Wirtschaftsraum mit 19 Ländern und 19 Aktienmärkten.

Die Frage für mich ist, wie Mario Draghi letzte Woche behaupten konnte, die EZB habe noch großen geldpolitischen Spielraum, um auf Turbulenzen reagieren zu können?

 

Fazit

Mario Draghi ist jetzt schon ein Rekord sicher. Er ist der erste EZB-Chef, der in seiner achtjährigen Amtszeit keine einzige Zinsanhebung vorgenommen hat. Schlimmer noch, obwohl die Zinsen auf Null gesenkt wurden, könnte er bei einer Zinssenkung der US-Notenbank zu weiteren unkonventionellen Maßnahmen gezwungen sein, vielleicht sogar kurz vor dem Ende seiner Amtszeit.

Für mich sitzt die EZB total in der Klemme. Mario Draghi hat kürzlich erst wieder festgestellt, dass auch sein Nachfolger alles tun werde, um die Eurozone zusammen zu halten, sprich ein Ausscheiden Italiens zu verhindern. Dafür müssen die Zinsen niedrig bleiben, auch wenn es den europäischen Banken zusehends „ans Leder geht“ (Szenario von Dr. Krall 2020). Wenn aber das Bankensystem kollabiert, fliegt auch die Eurozone auseinander.

Ergo: Damit müsste die EZB eigentlich den Banken unter die Arme greifen (gestaffelte Einlagezinsen), Zinssenkungen wären für diese aber gerade die falsche Medizin. Was für eine Gemengelage!

 

Foto: EZB

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Marko

    14. Juni 2019 15:21 at 15:21

    Die EZB hat nach dem Leh-Mann gar nichts gemacht, was die FED jetzt machen sollte : Größe zeigen, d.h. „neutral“ zu sein, und dies bis in März 2020 ! Gerade vor dem „bessten Präsisidenten“ aller Zeiten, einem Herrn Donald Trump.

    Die FED bliebe eher „neutral“, aber : im Jahr 2020 wird wohl die EZB reagieren, und das würde der FED „helfen“.

    Wie gesagt, wenn der ganze „Kram“ richtig läuft, wird die EZB im März 2020 „Lehman-vergessen-machen“ – endlich….

    VG

    Marko

  2. Avatar

    Marko

    14. Juni 2019 15:57 at 15:57

    Um Deine Anwort zu beantworten :“ Was macht die EZB, wenn die FED („ihre“ (!!!)) Zinsen sinkt) ?

    Na, die Antwort dürfte doch einfach sein : NULL !

    Wenn die FED ihre Zinsen senken sollte, dann … : :D

    Die EZB lacht ! – Dann hätte nämlich die FED „aufgeben“… – Die vermeintlich „stärkste, schönschte, mächtigtiste“ Notenbank der Welt, will „ihre“ Zinsen senken ? – Gegenüber dem EUR-„Schrott-Staat/Gebilde“ ? – Wie „glaubwürdig“ ist dies ?

    Das hier ist VWL/BWL, at is best.. ?

    Und was ist, wenn Europa Italien, Griechenland ins „Nirvana“ laufen lässt ?

    Diese zwei Staaten wären danach sofort „tot“, „griechische Drachme“ – „italienische Lira“ , hin oder her.

    Die Schulden sind in EUR da !!! – Und : die bleiben !

  3. Avatar

    Marcus

    14. Juni 2019 17:02 at 17:02

    Das sind sehr interessante Fragen. Wenn den Märkten nämlich erstmal bewusst wird das Zentralbanken wie die EZB oder auch die BoJ faktisch keinerlei Handlungsspielraum mehr haben in einer Rezession oder auch einer Finanzmarktkrise, dann sieht die Lage schon gleich ganz anders aus. Zumal ich davon ausgehe, das eine neue Runde QE nahezu wirkungslos sein wird, weil sich die Märkte daran gewöhnt haben.

    Ein Zentralbanker wird niemals sagen das er keinen Handlungsspielraum mehr hat, das käme ja einer Kapitulationserklärung gleich. Also lässt man es nach außen hin so aussehen als hätte man noch Werkzeuge.

  4. Avatar

    Koch

    14. Juni 2019 17:18 at 17:18

    Wenn’s um Spark…nein,natürlich EZB geht,dann nur Marko,fragen!Aber,beeilen Sie sich Herr,Müller.The German Master of alternative Facts,steht auf der Draftliste von The Donald.Bei dessen Personalverbrauch ist so ein Talent natürlich schnell weg!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Aktienmärkte: Wall Street immer noch viel zu teuer! Marktgeflüster (Video)

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte nach drei Handelstagen mit Gewinnen heute wieder im Rückwärtsgang – in den USA war schon wieder die Rede von einem neuen Bullenmarkt, nachdem der Dow Jones vom Corona-Tief um 21% gestiegen war (nach einem vorherigen Abverkauf von 37%). Aber gerade die Wall Street-Aktien sind für das, was der shutdown wegen des Coronavirus bedeutet, nach wie vor deutlich zu teuer: so ist derzeit lediglich ein Rückgang des Gewinns pro Aktie im S&P 500 von lediglich 15% eingepreist für das zweite Quartal. Da aber die Folgewirkungen des shutdowns deutlich größer ausfallen dürften, sind die Aktienmärkte der USA nach wie vor zu teuer (der Dax dagegen ist viel günstiger und handelte bereits in der Nähe seines Buchwerts)…

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

weiterlesen

Allgemein

Achtung vor der zweiten Abwärtswelle am Aktienmarkt!

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

Manuel Koch bespricht im folgenden Video die wirtschaftlichen Aussichten in Folge des Coronavirus. Die Regierungen stützen die Volkswirtschaften mit jeder Menge neue Schulden. Was bedeutet das für die Märkte? Im Interview bezieht der Profi Andre´ Stagge klar Position. Die aktuelle Erholung an den Aktienmärkten sei keine Bodenbildung. Die Kurse seien deutlich schneller gefallen als in den vorigen großen Börsenabstürzen. Daher sei es jetzt völlig normal, dass die Kurse erstmal etwas nach oben laufen. Im Sommer gehe da noch was auf der Abwärtsseite. Wer die nächsten Monate in Aktien investiere, werde keine Gewinne erzielen. Den April solle man eher nutzen um Aktienbestände abzubauen. Ab Ende des Jahres könne man überlegen günstiger in den Aktienmarkt einzusteigen.

Der Rentenmarkt wird von Andre´ Stagge sehr kritisch betrachtet. Man müsse die Haftungsfrage stellen bei den gigantischen Aufkäufen der Schulden durch die EZB. Die Anleihemärkte würden signalisieren, dass noch eine zweite Abwärtswelle bei Aktien anstehe! Liquidität sei ein entscheidender Punkt, weswegen die Notenbanken derzeit so aktiv seien. Maredo, Vapiano etc seien aktuell schon pleite. Man stehe am Anfang einer großen Pleitewelle. Und man könne nicht alle Zombieunternehmen retten. In den guten Jahren sei das große Schuldenproblem bei Unternehmen bereits entstanden. Auch im Video gibt es zwei konkrete Handelsempfehlungen der trading-house Börsenakademie. Die Aktie von Alphabet (Google) könne man jetzt zu aktuellen Kursen kaufen. Auch bei den Aktien von Volkswagen könne man aktuell einsteigen.

weiterlesen

Indizes

Rüdiger Born: Corona-Impressionen aus Japan, und Szenarien für den Dow

Avatar

Veröffentlicht

am

Im folgenden Video möchte ich mal aus eigener Beobachtung vor Ort zeigen, dass jüngst in Japan ganze Regalreihen in Supermärkten komplett leergefegt waren. Aber das ist nur eine Ausnahme. In Vororten sind die Regale gut gefüllt. Einen echten Ausnahmezustand gibt es in Japan nicht. Die japanischen Aktienmärkte waren nicht zu sehr gestört. Direkt am Chart möchte ich Szenarien für den weiteren Verlauf im Dow Jones ansprechen. Wollen Sie abgesehen von meinen täglichen Analysen im Trade des Tages noch viel mehr und vor allem aktuellere Trading-News von mir erhalten, auch aufs Handy? Nutzen Sie dazu gerne meinen neuen Service „Trade to Go“ (einfach hier anmelden). Auch dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei!

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage